Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 25 (18.6.1936)
- Date
- 1936-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gr war;irnr mehr ioif;beniaja als klug, jrborh neigte rr;nm Gk>r- .on/ iind.^ioenii rr rinrh in iiinnchrr GtnnC'r (locifcltc utiö qnU'dtr, oft >>ir GrlbinibrrhrlM.iim. -Ihich jcfjt hörte .'Sn]im qrbulbiq;i>, ibir /viba.ffrf> in frühreifer 2lrf dnrübrr ^ndirq, dag mir;flqlirn, 1'fnrMq, Gemia oder brr .'t irdion)lotrit nla /ii'l brr JliisMoaubri imq richtig qnocfc:i lodrrn. .OTnr bort 'hätte. brr -i'rruirh, jirfv oin“nnirs ünfcm niif;nbaiicn, iluoiirhr nnf bvr)i'ld/ nii'I'il nbrr in birfmi balbioitöcn Gaube. •Önjini niiiioorirlr 111ii>l, rr hätte mich nnf Judas gesetzte 2£*ortf ijirf'jtö;n inqrir qnonfu, nbrr rr hob p löblich örn .Hopf, ftirq rinrn bellen üon, brr, llrbrrrnfihmiq ans imö zeigte mit brr ^janö nach ■. Es war. zur Geioohirheit der Freunde geworden, alluiorgeudlic-h al'S eiste i?rm Gtranbr umnonnörrn. 'Deshalb loaren sie ver- >oimdert>-als sie von brm .H amm brr Dunen, der'ihnen noch jede Aussicht ^mii;)Krrlr Oenoehrfc, schon rinrn ihrer Gefährten ans sich, .^ulanfcii' )al)rn. Gir eckanntew sofort, baß eS der kleine Jakob tonr.‘ " 0cr .firbcnjähriqc Jakob Falangro >oar ein ungelenkes, für sein 2lllrr zartes, foruir ,;nrruf'qrb'Iirbnirs Rind, bas von allen anderen oft als Zirlfchribr ihrer Belustigungen verloandt wurde. Ecin Vater lebte seit oirlrn Jahren nicht mehr, die Mutter hatte sich in Gedano nur notdürftig mit grlrgentlichcn Arbeiten ernähren können ... AußergewöHnlirlies mußte oorgcsallen fein, denn brr Knabe glitt ben steilen 'Pfad mehr Herab, als baß er lief. Cr winkte und rief auch irgendwelche Worte, bie man aber nicht verstaub. Erst als Inda feinen Arm um/ihn legte, um ihn zu beruhigen, kam ihm bie Sprache zurück. „Ein Schiff.!" stammelte er. „Ein großes Schiss!" . Juda gehörte nicht zu denen, bie mit unbedingter Sicherheit an den Eintritt eines Wunders ober ähnlichem glaubten. Aber er ließ Jakob stehen, wo er staub, unb stürmte zum Dünengipfel Herauf. Hajim Heftete sich an feine Werfen, unb auch bie anberen die mittlerweile herangekommen waren, folgten. Zusammengebrängt stauben bie Knaben auf der Düne unb sahen zum Meer herab. DaS Schiff lag im Nordteil der Bucht, dreihundert Fadenlängen ober auch noch mehr vom Straube ent- Nach Jakobs Begriffen mochte bas Schiff ein großesein ungewöhnlich großes sein. Aber wenn bie Knaben auch nicht am Meere ausgewachsen waren, so batten boch minbestens bie älteren von ihnen während beS Aufenthaltes in ber Hafenstabt Santander und unterwegs auf See die Schiffsarten unterscheiden gelernt. Das ba unten war keine Kaoarelle, noch weniger ein Kriegsschiff, eine Galeasfe ober Galeere, es war eine gewöhnliche Brigantine, loic jie.in ber Regel zum Küstenoerkehr benuht würben. Nur von dem kastellartigen 'Aufbau am Heck des Schiffes konnte nian sich keinen Sinn machen. Jakob, der als letzter die Düne wieder erklommen hatte, hörte nicht auf, mit feiner krüheuben Kindei stimme zu erzählen, baß er es geivefen toiire, ber bas Schiff rntöetft hatte. Es war der erste Erfolg feines Gebens. 'Aber Juda entriß ihm diesen lvieber. „Sei still!", sagte er. „Das Schiff hätte jeder gesehen, ber nicht blind ist!" Die Dräuen schossen Jakob hervor. Er warfnoch einen laugen Blich aus bas Schiff, auf fein Schiff, bann schien er sich au etwas anderes zu erinnern. 'Auf der Düne prallten die Meinungen aufeinander. Aus welchem Anlaß ioar bas Schiff in die Bucht cingelaufen? Zum Fischfang sicher nicht, beim Brigantinen biente nie zu einem solchen Zweik. Ein K auffahrcr konnte cü auch nicht fein: der Hasch von Arsila lag sechs /teilen iiorbioartS, unb bas Hinterland ber Buchtwar bis auf bas Gager uubeioobut./ Wenn man steh damit auch schon abfaub, baß durch dieses Schiff kein Wtmber oder ein hlmfchlOung der Dinge cintreten ivürbe, elioas Nätfelhaftes stellte cs doch.bar. Der Diskurs unter den Knaben wollte nicht abrcißcn, ein Wort gab das andere. . Schließlich sagte Samuel Dagreba, der Mir für die Lehre und jhre Deutungen zu leben glaubte, obgleich fein Datcr, der Arzt Dagreba, niebr als profan dachte: „Wer viel Worte macht, v?r» äulaßk Sünde! . . . Kümmert euch,nicht um das Schiff!" „Denkst du, daß wir es kapern wollen?" spottete Juda, „^leiu!", qntivortetc der andere. „Denn, wenn du auch Juda heißt, so bist du doch kein Nlakkabi!" ' - „Aber du bist ein geduldiger Hillcl!", erboste sich Juda und hob feine Hand, als locim er Samnel schlagen ivolitc, da drängle ihn ein anderer Knabe zurück. Es war David Carfälbin, und er und Samnel ioaren ein ebensolches. ,^rcnnbcspaar wie Inda und Hajim. „Gib Grieben/", rief er. „Mit Streit und Schlägen hilfst dir keinem!" ,','Aber mit euren Bücher» und den ewigen Disputen um nichts, ugi gar nieiKs, damit werdet ihr uns helfen!", entgegnetc Inda und > nahm,wieder feine Kampfstellung ein. Da sagte plöülichmitten an<nser<Srt-,ar eine-Stimme: „Ich weiß, warum bgö Schiff hier - liegt!" „Hast du eine Einczcbung, Jento?", fragte Juda, aber feig: Don ioar nichtmehr beißend und laut. „Ja!", lautete die Am- ., wort, kurz und überzeugt. ' Alle 2lugcu hingen sofort an Jento Pcchcra. Es war ein hochaufgeschossener, blasser Knabe, schon an die dreizehn Jahre, und inan hätte nichts BcfonbcrcS an ihm bemerken können, wenn feine Augen nicht einen solch tiefen, aber auch flackerriden Glanz gehabt halten. . . Man drängte ihn, er solle sprechen. Er zögerte etwas, dann sagte er sehr schnell, als wenn ihn die Worte bedrückten und er sie los fein wolle: „Wißt ihr, baß der König von Portugal vor Jahren zwei Schiffe ausgerüstet har? Biele jüdische Gelehrte waren an Bord. Die Schiffe sind nie znrückgekchct. Ich aber glaube, daß 1>e das Gand Sepharat entdeckt haben. Und jetzt holen sie uns dorthin!" Jento sprach nicht zum erstemna! von feinen Eingebungen und Bisioncn, und niemand ivagle über seine oft absonderlichen 2leußerungcn zu lachen. Im Gegenteil: sie bildeten die.Dcranlasfung zu den vicleg Phantastegebilden, die in den Gesprächen der Knaben immer festere Gestalt annahmen. 'Alle, selbst die Sieben- und 'Achtjährigen, deren Mund sonst nie stillstand, schiviegen. Nur Juda nahm nach einigen Augenblicken das Wort: „Jento!", sagte er ivie mit leichten, Vorwurf. „Woher willst du wissen, daß das Land Sepharat, das noch keiner gesehen hat, gefunden ist? Und weshalb sollte man gerade an uns denken? Das wäre ja ein'Wunber, nicht anders als die Geschichte von MoseS unb dem Lande Kanaan!" „Wenn cs damals Wunder gab", behavrte Jento, „bann gibt cs auch heute Wunder ..." In bi'cfein Augenblick erschien rin einzelner Knabe über dem Rand der Düne. Joseph Dacv, der da wie immer allein austauchte, war weder rin Freund von Juda noch von sonst einem anderen. Er war ein Einzelgänger, und er war auch ein Fremder. In Santander hatte ihn ein fremder Rabbi den RegidoreS übergeben: er wäre eine Waise ohne Anhang, die Juden von Sedano möchten sich seiner annehmen. Man hatte das getan, aber der Oerfrhloffcne Knabe gewann niemand für sich. Was er sägte, klang kalt und wie Spott. Seine 2lngen lagen tief in den Höhlen und waren >oie von einem Schleier bedeckt. Juda wußte, daß Joseph über Wunderdinge lachte. „Beeile dich!" schrie er ihm entgegen. „Du sollst ein Wunder sehen!" Diese Verkündung brachte den Ankommenden nicht aus der ' Ruhe. Er kam nur sehr langsain näher. . „Ein Wunder!", rief Juda. „Dort unken das Schiff/" Joseph sah aufs Meer . . . „Eine Brigantine!" sagte er. „Ist das etivas Wunderbares?" „Jento sagt, sie gehöre den portugiesischen Entdeckern!" erklärte Juda, und seine Stimme verriet nicht, ivaS er dachte..„Sic hätten das Land Sepharat, das feit taiifend Jahren gesucht wird, gefunden, und ivollen uns dahin holen!" Joseph hob die Schultern: „In Deutschland haben die Rabbinen die Pessachkuchenösen zerschlagen, sie glaubten, das nächste Ptstachfest in Jerusalem feiern zu können: der Messias> wäre gckominen! Aber es war kein Messias, es soll ein gewisser David Neuer Weg Von Siegfried. Selbiger Wir finken,/widerftrebend, kaum bewußt, In des'Vergcffcns Dämm’rung, wo nicht Gcift, Nidit Wille mehr uns hohes Ziel verheißt, Da Wille Qual uns ichuf und nimmer Luft. Tief ift der Sturz, der in den Urgrund geht. Dämonen rufen uns, wir find fo klein In unferm Nichtsfein, hilflos, nackt allein, Vom Sdiauer des Unendlichen umweht. — Hier fchweigt der Kampf, das Weh, und ahnungsvoll Läßt Gott dieTängft verklungene Seele beben; Denn hier,'nidit dort ift Wirklichkeit, ift Leben, . Der Weg, den ftumin dein.Schickfal gehen foII. IIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!lllll||||||||||||lillllllll(lllllllll!llllllllll!l!llll[||(ll||(llll[!llllllllilllllllll|(J|||[!lli!ll||||||||||||||||(|| " Lcmlcin gekvesen sein, ein Schreiber ans Prag!" Ilm feine Lippen zeigte sich ein verächtlicher Zug. „Warum soll Jento klüger sein als die Rabbincn in Deutschland? . . . Hier, das mußt du lesen!" Cr zog einen schmalen, abgegriffenen Band unter dem Hcnid hervor. t>ceugierig trat Juda heran. „Der Verfasser ist ein Grieche", sagte Joseph, „EuhemcroS heißt er!" „llnd was schreibt der Grieche in seinem Buch?" fragte Juda. „Daß alle Menschen lieber glauben, als Nachdenken. Er nennt seinen Gott: Weltvernunft!" Juda trat so did)t an Joseph heran, daß jeder den Atem des anderen spürte: „Ist das auch dein Gott, Joseph?" / „Laß/", wehrte dieser ab. „Laß",und wandte sich, um weiterzugehen. Nach wenigen Schritten aber drehte er sich noch einmal um: auf seinem Gesicht war . eine Grimasse zu scheu: „Übrigens, Juda, satt werden wirst du durch diesen Gott auch nicht!" aS große VcrsammlungSzelt ick der Mitte dcS Lagers war aus derselben verschlissencn Leinwand errichtet wie die kleineren Zelte für die einzelnen Faniilien. -Im Inneren aber waren Wände, Decke und Dc'den mit Deppichcn bekleidet. Fast jeder der Erulanten hatte unter seinem Gepäck, so knapp eS bemessen sein mußte, einen oder auch mehrere Teppiche nu'tgcsührt, einzige Erinnerungsstücke an den verlassenen Besitz. . Im Lager aber gab eS nur ein Leben der Gemeinschaft, und jeder j hatte dieser Gemeinschaft seine Teppiche zur Verfügung gestellt. Daü große Zelt sollte nicht ohne Schmuck bleiben: eS war der Detraum . . . Im Hintergründe vor dem erhöhten heiligen Schrank hing ein besonders kostbarer Teppich. Der >oar keine Stiftung, er hatte schon in Sedano durch ein Jahrhundert hindurch zu diesem Z>veck' gedient. Zusammen mit den silbernen Kultgcräten hatte man ihn sorgfältig verpackt und mitgenommen. Vor der Lade war eine Art Hod)sitz für Isaak ben Cchcchet, den achtzigjährigen Rabbi, aufgcbaut. Unterhalb dienten drei einfache Schemel als Platz für die RegidoreS, für den Vorsteher Jofua Halorka und seine beiden Stellvertreter, Lcvi 2llsaro und Gerson den Abraham. Roh geziminerte Holzbänke für die Männer der Gemeinde füllten den weiteren Rau.m aus . . . DaS Minchagebet war beendet. Isaak ben Schcchet -— et zählte zu den wenigen, die keinen spanischen Zunamen führten — legte seinen Talit ab, und die anderen Männer folgten seinem Beispiel. Fast alle trugen unter den weißen Gcbctmäntcln spanische Tracht: den Scheckcnrock mit den dicht bei dicht sitzenden Knöpfen. - Der Vorsteher' Halorka gab jetzt dem Gemcindcverwalter Rubens Benvenite-einen Wink, init dem täglichen Rechenschafts, bericht zu beginnen. (Fortsetzung folgt.) „Tie irren sich. Plitz", wandte Lilwrra ein. „es ist nichts zu Ihrem Schaden geschehen! Und deshalb bitte ich Sie. nichts gegen mich zu unternehmen. Ich bin Jude wie Sie. aber elternlos in einem Waisenlians ansgewachseit nnd linter andersglänbisten Fremden hertnngestotzcn lvvrden. Haben Sie Mitleid mit „Liegt die Iade-Tora". fragte A'er. ..noch unberletzt in dem Depot, in das Bernhard/ Uscbeck sie gegeben hat. ehrwürdiger. Greist Dieser Mann da behauptet. d;i habest sie ihm nicht nusgehaudigt. Ist das richtig/ Nur dieses eine will ich im Augenblick bon dir wissen, alles andere hat Zeit bis später." „Er hat die Wahrheit gesprochen, werterch Gast. Tn und deine liebliche Begleiterin, ihr fcfjetnt mit wichtigen Neuigkeiten zu uns gekommell zu sein. Ist der Fremde, nürklitch keiil . "Abgesandter Hartmauus atls Dee-kv oder .. „Nehmen tvir au. »vürdiger Schammes. er sei ein armer gcstrauehelter Nleusch. Er gehört unserer Erlaubeusgemeiuschcht an, und ich 'möchte.ihn nicht gerade gut Fest der Freiheit-, ins Gefängnis setiicken. Jedenfalls", richtete er sich an Liborra. der sprungbereit dastand. „Ihre Nolle ist ausgespielt! Haben Sie mich verstanden/" Lins Gäste, als hätten sic deil Inhalt der englisch gesprochenen Worte erfatzt, träten -schweigend von ihm N'eg. iiud Liborra verselnvand im Duitkel der Nächst In der Zeit, in der das Festmahl aufgc-- . tragen wurde, sa!) Flmverbrink. wie Lin sich lies ergriffen mit seineir mattgcwordenen Atlgen änf den Davidsterii herabbengte. den Senta Hartmann in seine Hand gelegt hatte. Die Unterhaltung während des mit umständlicher Feierlichkeit servierten Alahles drehte sich ausschlietzlich um daS kostbare Erbe, das nun endlich in den berufenen Besitz der in dem Testament Bedachten übergehen sollte.'Mehr alS einmal mutzte Florverbrink bei der in -einem gnit hebräischen ."Ansdrücken nnd ehine- Wi'en'Mortell '-gemilchten Engtisa, gefuhrh'u Unterhaltung-.als Dolmetscher lächelnd ciugreiseu. Der Sederabeud mit seinem heiter-crustcu Ausklaug war zu Ende. Erst jetzt trippcltecher Schammes zu einem alten, reichgeschnitzteit Schrank und entliahm einer Lade ein um» sangreicheS Dokliiueut. das er Senta mit einer fast pricsterhaiten Gebärde überreichte. DaS Ncädchen hatte die Papiere auS Unterzotznitz hervorgeholt. Niit Flotverbrinks Unterstützung entzifferte Lin in umständlicher- Lektüre die Schriftstücke. Leise hatten sich die übrigen Teilnehmer des Sederabends entfernt. da chinesische Hvstichkeit ihnen gebot, den überaus ehrwürdigen Greis mit seinen ausländischen Gästen allein zu lassen. Gleich nach dem Pcssachfest wollte Lin mit Senta und ihrem Begleiter nach Honän-su fahrell, wo die Tora seit einer kleinen Ewigkeit in der ..Ehina-Bank" anfbewahrt wurde. Ter Scharfsinn der Iölirnalistin. hatte den zerfetzten Brief in der Tat beinahe richtig ergänzt. Nur die Lage der Gemeinde war von ihr nicht genau erkannt worden. Aber jetzt -waren alte erregenden Znuschenfälle der letzten Bionate vergessen, und als sie Lilts Hans verließen, kamen Senta und Ncx sich wie frol)c. glückliche Kinder vor. Ihr Gastgeber ließ cs sich nicht nehmen, sie zn begleiten. Es wäre von Flvwerbrink, der im ersten Hotel der Stadt wohnte, nnstvstlch gewesen, diesen Dienst äbzulehncn. Während das Paar, in beglückende Gedanken versunken, schweigend durch die mondhelle "Nacht schritt, in Nichtung auf das alte Gebäude. von dessen. Ostfront der Magen-David in Goldschrift flimmerte, trippelte Lin in lurzem Abstand hinterher. - - Langsam tasteten sich Flvwerbrink. und Senta zn einander hin. „Seiita". sagte der junge Engländer, als er. die Hmtd des Pcä'dcheits llvarm ilmschlossen -hielt. ..große- Worte haben uns beiden nie" gelegen, laß Bcrgangcncs vergessen fein und — sei meine Braut." Statt einer Antwort wandte sich das Mädchen nach dem Chinesen um. der stehcngcblieben war und andächtig zn dem Zeichen entschwundener jüdischer Größe cmporsah. „Ätzir haben tlns lieb, ehrwürdiger Lin. Ner Flvwerbrink nnd ich", bemühte sie sich,, sich dem Chinesen verständlich zn machen. „Willst hier, an diesen, einst geheiligten Stätte, unseren Bund segnen?" „Es sei. wie du wünschest, meine junge Schwester", antwortete der Schammes. und nuirmelte einen SegcnSsprnch. Eine leicht hingeworfene Frage Flowerbrinks verschenetite' die Nührnng dieser Minuten, die von Senta Besitz ergreifen wollte. „Weißt du eigentlich. Liebes, was ,taitai' bedeutet?" „Duhast es mir doch schon damals nn Fltzgzcng gesagt", erwiderte sie.-ein wenig in Verwirrung geraten: „Freundin!" / Rex lachte wie über einen Schelmenstreich. „So? Habe ich das gesagt? Lin", bat er den Greis, „würdeste du Miß Hartmann änsklären. tvas eilte tai-tai ist?" Ter letzte Schammes von Kai-song-fu bemühte-sich. ernstzllblcibcn. „Tai-tai? suchte er nach Worten, „tai-tai ist ein Mädchen, das vor der Hochzeit steht — eine Braut!" „Tann bin ich also ..." stammelte Senta. ..dann betrachtest du mich bereits seit dem Tage, an dem wir uns wicdersahcn. . ." Ein inniger Kutz Flowerbrinks-gab bie- Antwort auf die sragmentatlsche Frage. 18. /- ä.7^ / Nur -Dr. Drechsler, .der Heraitsgebcr des „Freitag Abend", wußte bisher von der geglückten "Mission Senta Hartmanns. ' Erst zwei Wochen nach Abscndung des Tclcgramlns konnten Senta und Rer den Rückflug antreten. Tenn eine Ausfuhr der großen Altertumswert besitzenden Torawar nj.cht ohne weiteres möglich. Da die Heimfahrt mit der Bahn viel zu lange gedauert hätte, brachte die „Einpreß of Jndia" die Glücklichen nach Europa zurück. - Bon unterwegs setzte Flvwerbrink sich auf fnnkcnteleqraphischem Wege mit einem der größten Ncw-Porkcr Kunsthändler in Berbindnng. der ohne zr: zögern oder zu handeln, die einzigartige Kostbarkeit zu einem phantastischen Preis erwarb. In Untcrzoßllitz glaubte schon lange nicmarrd mehr an eineri guten Ausgang von Senta Hartmanns abenteuerlicher Fahrt. „Wo nichts ist. kommt auch nichts dazu", resignierten diejenigen, die noch am längsten an.Senta geglaubt hatten, als sie hörten, daß die Einwohner einer benachbarten Ortschaft. die gemeinsam in der Lotterie gespielt, das große- Los gewonnen hatten. Der erste Besitzer des Loses hatte es seinem alten Schulfreund Georg Kämmerling angeboten. als er ihn auf der Landstraße traf. Doch der hatte es nicht kaufen können, weil er kein Geld übrighatte, und nun war er dicht am Rande der Verzweiflung, weil er daS Glück, daS er schon gehalten, wieder, von sich gelassen. Am gleichen Tage, als Georg Kämmerlings Pech _ in Unterzvßnitz bekannt wurde, rannten ein paar Kinder mit aufgeregten Rusen durch die Straheü. „Auf Händler Heitinann sein Kartoffelacker is'n Flugzelig notgelandet! A'cit ner atKlündischen Flagge! Und lauter Fremde drin! Wir sollen Lctlte ranholcn, die dem Piloten helfen!" Das war eine Sensation, die in die drückende Hitze des. Ortes hineinplatzte. Wer laufen konnte, beeilte sich, auf den Acker zn kommen, wo das Flugzeug in Flowerbrints Auftrag niedergegangen war. Senta war in der Kabine sitzengeblicben und äugte gespannt durch einen Spalt des verhängten Fensters, bis sie Henoch -Hartmann erspähte. Da hielt es sie nicht mehr in der dumpfen Luft des engen Raumes, und che Hartmann wußte, wie ihm. geschah, lag sie schlltchzend an.seinem Hals. Das war der Anfang einer Reihe von Festtagen in Untcrzoßnitz. Und als gar bekannt' wurde, daß der Erlös aus dem Verkauf der Heiligen Schrift die Summe des großen Loses weit hinter sich ließ, kannte der Iitbel keine Grenzen. Senta und Rex hatten vereinbart, daß der Scheck auf die New- Aorker Staatsbank am Tage ihrer Hochzeit dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde von Untcrzoßnitz übergeben werden sollte. Was Bernhard Usebeck ans tiefster Seele erhofft hatte, ging in Erfüllung. In Unterzoßnitz war statt der Not reicher Segen eingekehrt. * Rabbiner Grützmacher war an die Stätte seines früheren Wirkens zurückgekonnnen. um unter dem Trauhimmel der alten Synagoge den heiligen Akt der Eheschließung an Senta und Rex zu vollziehen, wobei er nicht vergab, des alten Chinesen zu gedenken, dessen Treue^ nicht zuletzt dazu beigetragen hatte, das Glück io vieler Menschen zu begründen. Atit einer aus HMigem Ernst uno heiliger Freude erfüllten Andacht sprach Rex F'oiverbrink dem Rabbiner die Gelöbnisworte nach: „Hsrs st mskuckssehst U dstsdssbsu ksckut ^lösche wejisrael, sei mir geheiligt durch diesen Ring nach dem Gesetz Moses und Israels", während er Senta den Ring an den Finger steckte. Ende,.