Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 23 (4.6.1936)
- Date
- 1936-06-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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faristisch-Wirlschaftfiche Beratungsstelle In der Hauptgeschäftsstelle des Centralvereins, Berlin W 15, Emser Str. 42 (Tel.: 3 2 Oliva 8141 bis 8145). Sprech stund en täglich 12—14 Uhr (ausser Sonnabend and Sonntag), für Mitglieder ausserdem jederzeit hach vorheriger Anmeldung (ausser Sonnabend und Sonntag). Wann und wo finden Sie Rat? Hessen-Nassau und Hessen Frankfurt a. M. 254 03),'Montag, Mittwoch- _ und Freit»)», 11—13 Uhr. ' > Main« Albidistr. 12. 11 (Tel.: 318 57), . Montag bi» Freitag, 16—18 Ohr. Fulda Hotel Kaufherr, 4. Juni, 10 bis Bad Ems Braubarher.ctr. 17 hei Rabbiner T)r . Laupheimer, 10. Juni, 10(4 Iilmbnrj? a. d. I>. bei Albert Metzcer, 'Werner- Senger Stras«e 13, jo. Juni. 16 Kaanel Gemeindehaus, 11. Juni, 15 bis Bertha Pappenheim Am 28. Mai dieses Jahres ist Bertha Pappen» heim im 78. Lebensjahr nach schwerem Leiden sanft entschlafen. Der Jüdische grauenbund betrauert den Verlust seiner Schöpferin und langjährigen Führerin. T<rs ganze Judentum verliert eine Persönlichkeit von einzigartigem Gepräge. Ans begütertem, streng orthodoxem bürgerlichen Hause stammend. wuchs sie in Wien als ».höhere Tochter" auf.. Aber schon 22jährig überfiedelte sie nach Frankfurt a. M. und trat in die güng an dem bevorstehenden Jüdischen Weltköngreß in Genf befaßt. Es wurde beschlossen, an dem Kongreß nicht teilzunehmen. Auch die Union der jüdischen Gemeindeverbände Rumäniens, der die Verbände Altrumäniens, Transsylvaniens. Bessarabiens und der Bukowina angeschlossen sind, hat eine außerordentliche.Beratung abgehalten, um zu der auch an sie ergangenen Einladung zu dem Kongreß Stellung zu nehmen. Die Be- —ratüngführte gleichfalls zu einem ablehnenden Beschluß. Außerdem ist die Einladung auch von dem Verband der israelitischen Gemeinden mit spanischem Ritus (Sephardischer Gemeindever- band) abgelehnt worden. Tie Jüdische Partei, eine der beiden großen jüdisch-politischen Organisationen des Landes, hat ihre Teilnahme an dem . ' Kongreß beschlossen. Die jüdischen Schulen in Palästina; In der Berliner Ortsgruppe des I ü d i s ch e n Lehrerverbandes in Preußen gaben zwei Lehrerinnen. Mally Lichten st e i n und Tr. Ellen Litt mann, aus Grund einer längeren Studienreise einen fesselnden Tatsachenbericht über das Schulwesen und Schulwerk in Palästina. Mally Lichtenstein hobbesonders die zentrale Stellung des Hebräischen als Umgangssprache hervor: sowohl Geschichte. Erdkunde als auch Rechnen und Naturkunde werden auf hebräisch gelehrt. Das Land der Väter und seine Erfordernisse stehe natürlich im. Mittelpunkt der Heimatkunde: Gartenarbeit sei ein' selbständiges Unterrichtsfach. Tie Schulen in den Städten leiden an Ueberfüllung und an Raumnot. Erhebliche Schwierigkeit bereifet die Einordnung der zusammengewürfelten Schülerschaft sowie die Anwesenheit verschiedener Altersstufen in einer Klasse. Tie aus Deutschland gekommenen Kinder gewöhnen sich aus dem Lande leichter ein als in der Stadt. Besondere „Hachschara-Klassen" stellen den Uebergang in die Normalklasien her. In ihnen werden die Schüler zusammengefaßt, die im Hebräischen noch nicht genügend firm sind. Tr. Ellen Littmann wies darauf hin, daß e§ in Palästina weder ein einheitliches Schulwerk noch einen Schulzwang gebe. Biele Kinder würden vorzeitig zu Erwerbszwecken aus der Schule herausgenommen. Bei den Alija-Gruppen fei die eine Tageshälfte der körperlichen, die andere der geistigen Arbeit gewidmet. Diese Tagesteilung, gilt auch für die dort beschäftigten Lehrkräfte.- Die Schultypen des Landes sind mannigfach. Neben vielen Privatschulen herrscht der Typ der Volksschule vor. in der eine Fremdsprache. Englisch, als Pflichtfach- und Arabisch, ^als Wahlfach., gelehrt wird. In manchen Kibbuzschulen werden beide Sprachen psuchtmäßig getrieben. Die Bortragende behandelte sodann eine Reihe wichtiger methodischer Fragen, die ihr bei. der Beobachtung des Unterrichts in vielen palästinensischen Schulen aufgefallen sind. Die Pflege und Gestaltung der Feste in der Schulgemeinschaft, die Einführung in das jüdische Brauchtum, die starke Berucksichtigung des neuhebräischen -Schrifttums im Literaturnnterricht und vor allem das ungewöhnliche hohe Niveau der Bibellektüre und -interpretation sind ihrer Darlegung zufolge hervorstechende Merkmale: der Schulen in Palästina. F. F. Sie wird off auf Wirkung verzichten und nach innen drängen, vertiefen und verhüllen, fast bis . zur Nichtmehrspürbarkeit. Ties innerliche Germanentum, immer wieder. sei betont — hoch gewachsen, blond und blauäugig allein tut's freilich nicht —, dies nordische Wesen wird leicht, solange der Künstler noch ungefestigt ist. aus seiner verhaltenen Art herausgedrängt und ihm ein artfremdes Sich-Aufschließen zugemutet. Hie, müßten Verständnis und Förderung einspringeH». die solche stillere Art ihren Weg zum fichtba«» Darstellen finden läßt. Was für Unheil allem allgemeine und besonders vom Judentum eingeprägte Begriffe vom „Temperament" angerich- '. tet haben, ist unbeschreiblich." . f.Y. Mich im die Xeitschriftem jüdische soziale Arbeit ein. Tort und im benachbarten Neu-Isenburg schuf sie sich die Instrumente für ihr leidenschaftliches Bemühen um den Schutz von Kindern. Mädchen und Frauen. Zwölf Jahre war sie Hausmutter im jüdischen Mädchenwaisenhaus. Der Jüdische Mädchenklub, der Frauenverein »Weibliche Fürsorge" und schließlich das Jsen» burger Heim für gefährdete, Mädchen, schwangere Mütter, Säuglinge. Kleinkinder und Schulkinder find - von ihr begründet, jahrelang geleitet und immer wieder von ihrer Kraft befruchtet worden. Aber ihr Wirken reichte weit über diesen Kreis hinaus. 1904 schuf sie den Jüdischen Frauenbund, um besonders die Frauen bürgerlick)er Schichten zur sozialen Verantwortung und jüdisch geistigen Mitarbeit zu gewinnen. Den jüdischen Massen des Ostens fühlte sie sich auf das tiefste verbunden. Studienreisen nach Galizien. Rußland und Polen vertieften die Erkenntnis von der Notwendigkeit, die jüdischen Mädchen -und Frauen dieser Länder durch eine ihren besonderen Aufgalvn angeprßtc Erziehung für den modernen Lebenskampf auszurüsten, ohne sie der Kultur ihrer jüdiscl^en Tradition zu entfremden. Vis in ihr letztes Lebensjahr reicht diese Arbeit. Noch im November vorigen Jahres war sic in Polen, um die Gründung einer sozialpädagogischen Ausbiidiingsstätte für jüdische ,.Mädckien in die Wege zu leiten. Bertha Pnppenheim^ war eine unermüdliche Kämpferin für den Gedanlen der sozialen.Verantwortung. unerbittlich in ihren Forderungen gegen andere, aber auch gegen sich selbst. Von p»ritanisä)er Einfachheit und Strenge, unbedingt bis an die Grenze der Ungerechtigkeit. Aber diese >Farte ist nnr die eine Seite -ihres Wesens. Den Säuglingen und Kleinkindern des Jsenbnrger 5>c:ins begegnete sie mit Liebe und Zärtlichkeit: ausgeschlossen, freundlich, und ganz ernst nahm sic die Sorgen und Nöte junger Menschen auf: unermüdlich war ihre Treue und Fürsorge kür ihre Schutzbefohlenen und den engen Kreis ihrer wirklickten Mitarbeiterinnen. Zur Farbigkeit dieses Lebens gehört noch viel mehr! - Voll Charme. Geist und Humor war diese Frau, in jungen Fahren nicht ohne Sinn für weibliche. Eleganz, immer aufgeschlossen allem Schönen und kulturell Wertvollen. Briefe und Schriften zeugeü von einer ganz seltenen Ausdruckskraft der Sprache. In sorg? loseren Zeiten sammelte sie Spitzen, und kostbare Gläser, bis zuletzt knüpften ihre nie ruhenden Hände die schönsten Ketten. Die Welt wird ärmer durch den Tod dieser Frau. Cora Berliner. Zn Beginn der letzten Sitzung des Präsidialausschusies der Reichsvertretung der Juden in Deutschland gedackile der Präsident der Reichsvertretung.. Tr. Leo Baeck. in warmen Worten der "°hingegangenen,Frau Bertha Pappenheim. Mit der Verstorbenen verliere» die Juden in Deutschland eine ihrer stärksten Persönlichkeiten. Gegen den jüdischen Weltkongress Tie Repräsentanz der Union rumänischer Juden (N.E.R.l hat sich in ihrer letzten Sitzlmg eingehend mit der Frage einer eventuellen Beteili- Englands Stellung in Fernost Zur qleidjen Zeit, wo die Ereignisse in Palästina Englands Prestige im Nahen Osten aus die Probe stellen, wird das Ansehen des britischen Imperiums auch im Fernen Osten einer Belastungsprobe ausgesetzt. Hierauf weist Leonid Kaubisch in einem instruktiven Aussatz „Ter Machtkampf im Fernen Osten" hin („Volk und Reick". 12. Jahrg.. Nr. 4 >. Viel komplizierter als die Position der USA ift wie Kaubisch ausiührt — die Lage und Stellung Großbritanniens, das noch unlängst mit Japan verbündet war. In dem Kampf zwischen Lowjetrußland und dem japanischen Kaiserreich steht England eher ans Seiten der Japaner. Tie bolschewistisch-kommunistische Gefahr kür das britische Weltreich ist in London schon längst als Tatsache anerftmnt worden. Die Wühlarbeit, die von den «Sowjets an den Grenzen Indiens und in letzter Zeit in Indien selbst angerichtet wird, dürste von den Engländern nicht ewig passiv beobachtet werden. Auch die Bolschewisierung Chinas und der Verlust dieses mächtigen Absatzgebietes für englische beziehungsweise indische Erzeugnisse ist für die Wirtschaft dieser Länder ein unersetzlicher Verlust. Alle diese Motive sollten Großbritannien endgültig an die Seite Japans stellen: aber die schließlich doch imperialistischen Endziele, der javanischen Expansionspolitik. wie es besonders verhetzte Punkt des ..Tanaka-Testaments"-vorsieht -7die Besetzung Indiens —, bedrohten das britische Reich in seinen tiefsten Interessen. Die japanische Losung „Asien für die Asiaten" spricht für sich selbst. Und trotzdem ist es heute lange noch nicht klar, welche Erwägungen bei den Engländern schließlich siegen werben. Aegypten im Aufbruch Nachdem Richard v. Kühlmann in dem Aufsatz ..Weltprodlcme um Aegypten" („Europäische Revue". 12. Jahrgang. Nr. 4: vgl. Nr. 19 der C-V.-Zeitungl eine glänzende Uebersicht der außenpolitisckien Perspektiven, die sich im Umkreis des Landes abzeichueu. gegeben, hat,.veröffentlicht nnnmebr Professor Tr. Richard Hart mann eine tiefdringende Studie über die nativnalägyptischc Bewegung, die wegen ihrer Ausstrahlung auf Palästina sorgfältige Beachtung verdient: „Das heutige Aegypten" i.Deiitickies Volkstum", 18. Jahrgang. Nr. r»j. Zwei Punkte — so faßt er zusammen — sind es. die bisher jede Einigung mit England hinderten. Tie Aegypter sehen in der Stationierung englisckier Truppen aus ägyptischem Böden einen unerträglichen Widerspruch mit der Souveränität des Landes. Für England aber ist und bleibt der Suezkanal-der Angelpunkt des Imperiums. Und nicht minder schwierig ist die Sudansrage. Aegypten lebt vom Nil. der ans dem Sudan kommt. Tie Zukunft des Sudan hängt aber ebenfalls vom Ni!- wnfier ab. ES mag stimmen, daß diese Wasser zur Befruchtung weiter Strecken des Sudans und Aegyptens^ ausreickten. Aber wer an den Standännnen . im Sudan sitzt, kann Aegypten knapp halten. Dazu kommt noch, daß die ägyptische Bauimvotle, die , bisher eine Monopolstellung entnahm, am ehesten durch die des Sudan wird ersetzt werden können. Man sieht, hier geht es nicht um Prestigefragen; cs geht um Lebeits'ragcit. Das Imperium kann am Suezkaual inner Umständen tödlich getroffen werden. Aegypten aber kann . vom Sudan her ausgehungert werden. Es ift — fährt Brosinor Hartman» kort — verständlich, daß Aegypten ieit dem Weltkrieg ganz von den eigeueit Angelegenheiten in -Anspruch genommen ist.- -Aegypten hat aber zum Wiedercrtvacheit der arabischen Welt am meisten beigetrage». Und auch heute noch gibt es dort Kreis-", die ihren Blick au? die gesamte arabische Welt gerichtet halten, die eine zunächst geistige. , in weiterem - Sinne aber doch auch politische Einheit der arabisch redenden Länder erstredeit.- Wenn in der praktischen Politik jetzt die Richtung vorherrscht, die Aegypten sür die Aegypter fordert und die sich gerne als "Nachkommen des Volkes der-Pharaonen - fühlt, so ist das ans der Geschichte eines Jahr- Hunderts. zumal der letzten Jahrzehnte, begreiflich. Das geistige Erbe aber. das..man wahren und sich neu zu eigen machen will, stammt nicht aus dem grauen Altertum, es ist das Erbe des arabischen Mittelalters, das allen arabischen Völkern gemernsam, ist. Wenn einmal die brennenden Fragen des Tages eilte fei es auch nur vorläufige — Lösung gesunden haben, dann wird wohl auch jenes Gefühl von der großen arabischen Einheit wieder mit ganzer Wucht im Bewußtsein der Aegypter durchbrechen.; Warum getrennte Erziehung? Tie Monatsschrift kür das deutsche Volk, ..T e u t s ch l a n d s Erneuerung" (20. Jahrg. "Nr. 4». veröffentlicht einen interessanten Beitrag ..Warum besondere Schulen sür Juden?" Darin wird die Berivischung des Rassebewußtseins als die wichtigste Folge der bisherigen gemeinsamen Erziehung von deutschen und jüdischen Kindern angeführt. „Kinder", so heißt es in dem Beitrag, „schließen Freundschaften nach ihren gemeinsamen Neigungen, auch nach dem zufälligen Züsammen- . fitzen, und diese Freundschaften halten oft für das ganze Leben und ergeben Bindungen, die den Blick für die Rafienfrage verdunkeln. Juden können in ihrer Freundschaft eine solche Wärme und Herzlichkeit entfalten, eine außerordentlich gewinnende Einfühlung in den andern, dazu ist die "Ausnahme in den Familien eine so liebenswürdige, daß dadurch das Bild dieser Raste von diesen Erfahrungen her ein Licht erhält, das oft, für das ganze Leben anhält, doppelt. weil.. diese Erinnerungen eine Einheit bilden mit den Bildern der Kindheit überhaupt. Und Kindheitseindrücke sind nun einmal die uns am Meisten formenden» die anhaltendsten und am schwersten zu überwindenden. Daher ist es sehr schwer, an solche Menschen eine Aufklärung über Rassefragen heranzutragen. Dies Gebiet ist gefühlsmäßig vorbesetzt und gesperrt, sür eine verftandesmäßige Betrachtung." „Tie jüdischen Kinder", so fährt der A. F. signierte Beitrag fort, „sind mitunter beyer in der Schule. Einmal sichert ihnen ihr lebhafteres Temperament einen Vorteil über die langsameren deutschen Kinder. Wir können nun nicht von unseren Kindern verlangen: seid ebenso lebhaft! — wir würden ja damit unsere Art verbiegen» Unsere Kinder haben ein Recht auf ihre langsamere Art. Wir dürren sie aber nicht in einen Wettbewerb bringen, dem sie ihrer Natur nach nicht voll gewachsen sein können." — An den übrigen Ausführungen des Berfafiers ist noch bemerkenswert, daß er hinzufügt, er müsse zugeben. „daß abgesehen von diesen beiden Ungleichheiten (lebhaftere Art. frühere Entwicklung der jüdischen Kinderl. die ein scheinbares Bild geistiger Ueberlegenheit der jüdischen über die deutschen Kinder erzeugen, im allgemeinen die .Juden eine größere Neigung zu geistigen Beschäftigungen und einen zäheren Fleiß dafür mitbringen." Nordische und jüdische Schauspielkunst In einem Aussatz ..Sein oder Können?" ( ..Nationalsozialistische Monatshefte". 7. Jahrgang. Nr. 74s vertritt H. A. Schulze die interessante Ansicht, daß nur der nordische Mensch imstande fei, das Heldenfach im Theater zu verkörpern. >. während der Jude nur die Qualität sür das "Charakterfach besitze. „Geht man", sagt Schulze. Wie Dilderreihen ab, wie sie an großen ehe- >maligen Hoftheatern, wie z. B. auch am Berliner Staatstheater, zu sehen sind, so findet man in den Bildnissen ehemaliger Bühnenkterne?asi nur nordische Menschen abgebildct. Zur Abwechslung zeigt sich einmal ein dinarischer Kopf, und wenn sich eine osrische oder unregelmäßige, irgendwie befremdende Gesichtsbildung zeigt, w stellt sich bald Hera»?, daß es.ein Darsteller der Charakterrollen oder der Komiker war. Ein alter Schauspieler versicherte — wie wenige gibt es. die solche Betrachtungen angestellt haben! —, daß bis vor wenigen Jahrzehnten ein Jude außerhalb des Eliarakterlaches niemals beschäftigt hätte werden können und nicht beschäftigt worden sei. Taß die Ausnahmen ganz selten gewesen sein müfien. ist auch ohne weitere. Untersuchung zu merken." „Was wäre nun", fragt Schulze, „nordische Schauspielkunst? Man könnte sagen: das Grundwesen des. germanischen Schauspieler? ist dar Wesen des an sich Haltenden, der alles, was er sagt und tut. nur soweit sagt und tut. als er es ans seiner Verhaltenheit entläßt. Seine hochtrachtende Ausdruckskunst wird Stil sein. Nordisckfem Wesen ist Bühnenkunst vielleicht fern, soweit sie Entblößung, hemmungslose Darstellung sein soll. Germanisckie Schauspielkunst wird, je echter sie ist, um so weniger „wirkungsvoll" ^ein. VomHeyeschzumKrankenlians Kein Geringerer als Rudolf D i r ch o w» der nicht allein ein großer Pathologe war. sondern sich auch zeitlebens eifrig um Fragen der.öffentlichen Gesundheitsfürsorge kümmerte und. beispielsweise - Berlins Kranlenhauswesen in großzügigster Weist förderte, hatte einmal eine literärifche Fehde mit einem bekannten Zeitgenossen, dem jüdrschen Gelehrten Tavid Cassel, über die Frage, ob da» Judentum bereits im biblisch-talmudischen Zeftalter Krankenhäuser gekannt habe.' Er. verneinte die Frage. Und tatsächlich gab es in jener Zeit keine eigentlichen Krankenhauseinrichtungen — wohl ober eine Borstufe dazu, nämlich eine Herberge in der Synagoge selbst oder in einem besonderen Anbau. .Ursprünglich nur Fremdenasyl hat diese talmudische Herberge in gewifiem Umfang der Krankenpflege gedient. Später — int Mittelalter — fanden in dieser Herberge, die „Hekdesch" benannt wurde, arme Durchreisende Ausnahme. Ter Name sollte bedeuten, daß das Haus „heiliger Wohlfahrt" t gewidmet war. Wie sich aus diesem mittelalterlichen Hekdesch im Laufe der Jahrhunderte das moderne jüdische Krankenhaus entwickelte, darüber sprach Rechtsanwalt Alexander Philipps.- bo r n vor'Aerzten im Rahmen einer Bortragsreihe, die von der Gesund heit sve r w a l - tun g der Berliner j üdi sch en G emein de gegenwärtig veranstaltet wird. Während im christlichen Europa etwa seit 1500 das Krankenhauswesen selbständigere Formen annahm, bildeten sich bei den Juden, zum Teil unter dem bitteren Zwang der Verfolgungen und Dertreibungen. vielfach Wohlfahrtsemrichtungen oder Krankenpflegevereine — Chewra Kadncha oder Bilmr cholim — für die Zwecke der Krankeuverforgung. Tas alte Hekdesch verschwand mehr und mehr. Wo die Juden seßhaft blieben odcr wieder festen Fuß faßten, kam es nur m felteneu Fällen zur Bildung eines kleinen Spitals. Tas erste — für damalige Begriffe ansehnlichere Krankenhaus erstand 1545 in Frankfurt a. "De. Lv Berlin vor der Vertreibung der Juden im Jahrc 1573 ein Hekdesch gehabt hat, ist urkundlich nicht belegt, aber wahrscheinlich. Wechselooll gestaltete sich — wie der Vortragende" an zahlreichen Beispielen erläuterte — in anderen Städten das Bilb der Entwicklung — überall beherrscht von einer den Zeitverhältnisien entsprechenden Primitivität, die mancherlei Mißstände zeitigte. Mit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die vorhandenen Amtalten zeitgemäß um- : gebaut und viele kleinere neu errichtet. Tiefe Entwicklung steht in Zusammenhang mit der Emanzipation und Afiimilation der Juden und demFortschritten ihrer Bildung. Hand in Hand damit geht die Beobachtung, daß. wo der Fortschritt mit einem Verzicht auf die eigene Kultur erkauft wurde, auch die jüdischen Krankenhäuser sich teilweise stark entkonfesiionalisierten. In Berlin trat an die Stelle des in der Oranienburger Straße 12 untergebrachten. 12 Krankenstuben umfaffenden Lazaretts im Jahre 1861 eir größerer Komplex in der Auguststraße mit 100 Berten: neben ihm erstand 1(X|) eine zweite Anstalt mit 56 Betten in der Elfäyer Straße. Ja der Auguftftraßc wirkte als erster Ehefarzt Tr. Dlarkus Herz, ein Lieblingsschüler Kants und Freund Mendelssohns. der Gatte der berübmten Henriette Herz. Tie Berliner, (siemeinbe fand auch nichts dabei, christliche Ehefärzte anzustelleu. so Romberg .' (1820—.22». Büttner (1823—26i, v. Gräfe (1826—3^ >. Bardeleben (1869—71,. v. Langenbeck <1871—wi. Auch in Breslau soll dcr erste Spitalarzt bis 1767. Tr. Böhnifch. ein Christ gewesen sein. Meist betreuten die Anstalten über den engeren Kreis ihrer Jnsasfen noch andere Ltadt- und Hauskranke. Wie vielfach sonst, herrschte auch bei den Juden eine gewisse Abneigung gegen das Krankenhaus. was zum Teil mit den bereits erwähnten - früher zweifellos erheblich gewesenen — 7Nißständen in der Anstalt zm'ammenhing. und waivohl auch einer der Gründe gewesen sein mag. bet: Außendienst mehr und mehr anszudehnen — zmn Teil in politischem Rahmen. Tie Abneigung weiter Kreite war so groß, daß zeitweise knapp.ein Trittel der Betten in der AnaitMtraße besitzt war. Einer der am Krankenhaus tätigen Akrzte. der Chirurg Beyrend. beklagte sich in einer. Berliner jüdischen Wochenschrift — sie. hieß ..Tie Gegenwart" — bitter über das mangelnde Jnkereb'e'der Gemeindemitglieder. An? der anderen Seite gab es ju _oüen Zeiten hochherzige Stifter, die durch reiche spenden die Existenz der jüdischen Krankenhäuser sicherten. Weseutlicheu Einfluß haben naturgemäß auch die Verfolgungeu^der Juden aus die Entwicklung ' des jüdischen Krankenhaü-wesens' gehabt. So erklärt es sich Philippsborn, daß z. B. in Frankreich. Belgien und Italien kein ausgesprochen jübische- Krankenhailswesin aufgekommen ist. während Polen. England. Holland. Amerika und neuerdings Palästina blühende Anstalten ins Leben gerusin - haben. —u— ««lbfthilfegruppe jüdischer Körperbehinderter in Deutschland, ilrt-gruppe Berlin. Sprechzeit in allen Fragen der Behinderung wäyrend der Sommermonate nur nach telephonischer Vereinbarung ><' f« Tiergarten 1305» bei Hans I. H e y m a n n. Berlin >'1V87, Tile-Wardenberg-Ltroße 10, vorn Part. Otto Schlesinger, der Eisenbabnaktentäter von -^eiierdl' mar rni-- n-rkchri-dk-in- -An'ra-r-n geteilt sei. nach Feststellung des Borliyenden in den, Strafprozeß gegen ihn in Lilvesheim, weder Jude noch jüdischer Abstammung. Sein Baker, Ernst Schlesinger, ist geborener Böhme, österreichischer Staatsangehöriger und polizeilich, als katholisch ge-- meldet. Er war Ehortänger in Stuttgart, hieß mit seinem Theaternamen Singer und war später Theatersekretär in Bamberg. Tie Mutter Ltto Schlesingers ist evangelisch und stammt ebenfalls aus Böhmen.