Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 18 (30.4.1936)
- Date
- 1936-04-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XV. Jafirg. 1 Nr. IS Berlin, 30. April 193«: Preis 10 Pfennig* entral - erein- ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS 10 Rpf~ für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermäßigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: D:eri5t3r. Pia: PatenTorfchriftm ohne Verb: Drei „Entschlossen. Gesetz und dünkte Tage Ordnung aufrecht zu erhalten Von unterem *-Palästinaberiehtefst'atter Die politische Wertung der Vorgänge in Palästina, die u-ir an dieser Stelle unseres Blattes in der letzten Woche gegeben hatten, ist durch die neuerlichen Nachrichten bestätigt worden. Wir bringen heute aus der Feder unseres ständigen *-Palästina-Berichterstatters eine Schilderung der Ereignisse, die aus der unmittelbaren Nähe des Erlebens geschöpft ist. Die aktuellen Bachrichten, die dem gerade in diesen Tagen ausgezeichneten Dienst der JT A entnommen sind, bringen wir in der „Palästina-Umschau“. Tel-Aviv, 22. April 1936. Drei Tage des Schreckens und der Erschütterung sind über das Land dahingegangcn. Gegenwärtig hat es den Anschein, als ob das Leben ansinge, in die gewohnten Bahnen zurückzükehren. aber noch weiß niemand, wie sich die Verhetzung, die in der Kette von Morden. Mordversuchen und Brandstiftungen zutage getreten ist. weiter auswirken wird. Noch hat niemand eine Vorstellung davon, welche Folgen die arabische & e n e r d I st reif» Parole, die bisher nur cm einzelnen Stellen befolgt wird, haben Ter äußere Verlaus der Ereignisse wird in den amtlichen Erklärungen annähernd vollständig wiedergcgeben. Aber - von den Hintergründen und von der Vorgeschichte dieser Ereignisse haben die englischen stellen, wenigstens in ihren offiziellen Verlautbarungen, noch kaum Kenntnis genommen. Taß sich die politische Erregung unter der Bevölkerung des Landes feit Monaten immer mehr verschärft hatte, war allen Eingeweihten bekannt. Vor einigen Monaten hatte sich die Polizei deshalb auch veranlaßt gesehen, gegen eine arabische Terrorbande,, die entgegen dem strengen Wancnverbvt über reichlich Gewehre verfügte, von sich aus vorzugehen und die Bande zu zersprengen. Bald danach schien, im polizeitechni'chen Sinne wenigstens, wieder Ruhe zu herrschen. Tann, vor einigen Wochen, erfolgten verschiedene Uebersälle Und Morde., die in der Lenenllichkeit den Verdacht aufkommen ließen, daß neue Terroraktionen im Gange oder doch in Vorbereitung seien. Eine jüdische Frau wurde in der Nähe von Athlit ans einem Spaziergang ermordet, bald danach tötete ein auf einen Autobus abgegebener Flintenschuß den Siedler Galuthmaun. Schon, diese Er< eignisie lösten in.' jüdischen Kreisen außerordentliche Erregung aus und immer mehr verstärkte sich der Run Was gedenkt die Regierung zu tun? Inzwischen berichteten auch jüdische Reisende, daß sich in verschiedenen rein arabischen Bezirken die Gereiztheit der Einwohner immer mehr steigere. Auf den. Landstraßen kam es noch zu verschiedenen Zwischenfällen. so wurden aus der Chaussee nach dem arabischen Nationalistenzcntrum Nablus zehn Diese Nummer umfasst 22 Seiten Sic enthält u. a.: . Hauptblatt: Wann und wo sind Juden Minderheit? Von Dr. Kurt Stilhchwcig. 1. Beiblatt: ReichsaussteUung jüdischer Künstler. Von Dr. Ernst Michalslii. 2. Beiblatt: Sigmund Freud, zum 80. Geburtstag. Von Dr. H alter Schindler. — Die Schrift Und ihre Verdeutschung. Von Dr. Ludwig Feuchfwenger. -3. Beiblatt i Palästina-Umschau.-- 4. Beiblatt: Palästinas „junge“ Industrie. Von L. B. — USA. Von Dr. E. R-z — Wirtschaft der Woche. 5. Beiblatt: Sportblatt. Erklärung im englischen Unterhaus Im englischen Unterhaus wurde durch eine AnträgedesAbgeordneten Graham White die gegenwärtige Lage in Palästina zur Sprache gebracht. Ter Abgeordnete fragte den Kolonienminister, ob er in der Lage sei. über die Unruhen in Palästina irgendwelche Erklärungen abzugeben. In seiner Erwiderung verwies Kolonienminister I. H. T h o m a s daraus, daß dem Hause ein Bericht über die Unruhen, die bisher sechzehn jüdische und fünf andere. Tote sowie fünsundiiebzig jüdische und zwciundsiebzig andere Verletzte gefordert hätten, vorgelcgt werden würde. Er wolle diese Gelegenheit'benutzen. um zum Ausdruck zu bringen, daß die Ausrechterhaltung von Gesetz imd Ordnung ausschließlich eine Angelegenheit Seiner Majestät Regierung sei. und daß alle M a ch t m i t t e l ge gen benjen t• gen ei n gcsetzt w erden würden. der das Gesetz v e r l e tz e. T i e Regierung werde sich vo n dic ' er P oli 1 ik n i ch t d u r ch A u f r u h r oder irgendwelche T r o h n rt g e n a b - bringen l a s s e n. Ans eine Frage de? Abgeordneten Silbe r m a n . ob die kürzlictien Ereignine in Palästina die Verwaltung nicht davon uverzeilgen würden, daß die Feit zetzI tür e-.ae Gesetzgebung nicht reit 'ei. erwiderte .Rolonienminister Thomas, er bosie nicku. daß der Abgeordnete zu tagen beabsichtige die E:nfcheidnng des Unterhauses oder eine in ihm gefallene Aenßerung fei tür die Unruhen verantwortlich. ..Ich bin weit mehr daran interessiert. jedermann iiwPalastina zu sagen', io bemerkte .er. ..daß M. Regierung ents ch l offen i st. Ges e tz u n d L r d n u n g a u s r e ch t z u e r h a l t e n und daß i t c dies a u ch tH n w i r d." KraftmAg-» auSgeraubt. Diese Tatsache sowie die Erntvrdnng einiger Araber verstärkte den Eindruck, daß es sich nicht nur um politische Bewegungen handle, sondern um eine Verquickung von Raub und Politik, die unter dem Eindruck der Wüsten-Mentalität hier durchaus nicht immer als ungewöhnlich oder gar unehrenhaft gilt. Schließlich kam es zu denk Mord vom 1b. April, der in seltsamer Verschlingung der hier bereits.geschilderten Ereignisse schließlich die Erplvsion äuslöste/ Trotzdem verbreiteten arabische Agitatoren anläßlich der Beisetzung des Opfers und der anschließenden Tcmonstration mstcmatisch das Gerücht, daß bei dieser Gelegenheit auch Araber von Juden umgebracht worden seien. In Jaffa empfingen die höchsten englischen und arabischen Beamten der Stadt Abordnungen der erregten Menge und erklärten ihnen feierlich, daß diese Gerüchte unwahr seien. Erklärungen die'es Inhalts wurden auch an die Presse gegeben. Schließlich gestattete man sogar den arabischen Sprechern und Iourna-. listen, in der Polizeistation, im Regierungstpital uitd auf dem Friedhoß wo sich angeblich die Leichen befinden, sollten, selber nachzusehen. Selbstverständlich blieb diese Suche völlig erfolglos. Aber die maßgebende arabische Leitung von Jaffa weigerte sich, durch Ertrablätter diele Tatsache zu verbreiten und dadurch zur Beruhigung, der Stimmung beizutragen. Tie Erregung und die Ansammlungen wuchsen und schließlich begannen zwischen nenn und zehn Uhr morgens die Uebersälle auf die vereinzelten jüdischen Passanten, die in den arabischen Vierteln der Stad: zu tiiii hatten. Mau muß berücksichtigen, daß nicht nur in Java ' selber viele- Juden wohnen und arbeiten.' sondern daß auch die Tcl-Avivcr vit in Jana zu tun haben, sei cs im.Hasen, 'ei cs bei den großen Erport- und Speditionsfirmen, die selbstverständlich in der 'Nähe des . Halens' Büros besitzen."lei es in den vielen Regierungsämtern Grundbuchaint. Einwanderungsdepartement mw. — die 'ich ebenfalls großenteils in Jaffa bcsinden. Stets waren es größere Haufen, die sich mir vereinzelte Ipdcn ßürztcn und erst spater, als die Ueber'älle eine mein organisierte Form annahmen. ging man dazu über, auch siidi'che Fabriken,' Geschäfte und Büros zu bestürmen. Tiefe Uebersälle konnten aber zumeist rechtzeitig von der Polizei zurückgeschlagen werden. Tie ersten arabischen Todesopfer fielen, als ein Polizeiofsizier. der jochen einen verwundeten Juden in Sicherheit gebracht.• hatte, zwei Araber uiew^n^ß. die ihm den, Verletzten entreißen wollte-, um im weiter zu mißhandeln. Aber neben die "i vielen Ueberfällen müssen auch Beispiele arab'.simcr Hilfsbereitschaft rühmend hervorgehoben werden. Manckter arabische Kanlmann brav, re seinen jüdischen Nachbar. Sozius oder Ve eter in Sicherheit, und arabische Ha'enareeuer waren es. die etwa hundert iüdnckre :m Häsin beschäftigte Angestellte und Arbeiter, dem:: der Rückweg über Land durch das lobende Ivsisir abgeschnitten war. auf Booten über das v'siue Meer an den Strand Tel-Aviv in Sia er. e.t brachten und dann jede' Bezglllung 'i:r d:esischwere und 'nicht iinge'ährlickte Arve:: ablehnten. Umgekehrt haben.auch manckse siiideu arabische tlNitgrbeiier oder Bekannte. d H :n eine jüdische Umgebung gerate:: waren/ vor der Erbitterung des indischen Publikums gesir i:üt. Im Allgemeinen aber war. es c:::: erschreckende Häusiing von Gewalttäter: uud es dauerte trotz aller Ansirengunaeii der V::::::.. die erst allmählich aitsrerchend versiarkr iw::de.' eine eganze Weile, bis sich die vaae auer ::.:r einigermaßen liberlelien ließ. Am zweiken Tage dauerten d:e l'ere ' :, e anl einzelne Inden im Ia"aer Bezirk 'ert n: d darüber hinaus kam es zu'organisierten grislen größerer Säiarcri von Arabern r.n entlegenen indischen Siedlangen am von Jana. Bei der von den iudi'chcn Ste.i.a eingeleitetcn '-siärimilng entlegener;uda'. . r Siedlniigen und vRhv'te des T-striktes kam zri neuen Ueberiallen. ans Srangcngärtcn wd arabischen T önern ivurde ge'ckvsien -and mehrere' Lp'cr sielen.-' Auden von Tel :'-wo oder Jana ausgelienden r'and'traßen wuGe.i ' jüdische Autos Und Lmnidii'si imt Stc::: :: dewor'en oder m Brand gcßeckt. lo daß ■; : wellig der ge'amre Berkehr an' dielen Streben eingestellt werden - mußte. Am Montag a: a d erleuchtete riesiger Fcnersii:e:n den Hör::.:-:: zwei Wohnsiedlungen in der 'Nahe von Ir — teils jüdi'che. teils arabische Häusir gingen in Flammen ausi Au» das Gcla: de der Zdevantemene ver'uck-ten die Eimovair . eines nahegelegenen arab:set>en Tories cm.:: nächUlckten Angriü zu iiniernehmcn. der ae r rechtzeitig oerlunderr rverden konnte.^ IS tote, sechzig verwundete Juden. ::. reiche Verletzte und mehrere getötete Ära: r '100 verbranitte Häuter sind die traurige rv lanz dieser Tage — von den zerstörten S r -. werten ganz zu schweigen. Einige der B:rwundeten befinden sich noch in Lebensge»: .. Obwohl iu der rein jübischen Slaüi T-.- Aviv natürlich keine Ueber'älle au°» Juden 'and vom 0! :i verb B-.»eu-lsnabern der oillnei. '".an hat durchüberall dort, wo sie in aeungeuder Staike und an der richngeu Sreue einaeietzl-worden war. A-irsgczeichnetes geleistet!mt. al-er sie war ebe-i nicht. irnmer rirlüia eruge'etzt und es wirkte etwas befremdend, daß an' der rlandftraße Tel-Aviv .Ieiumlem zeitweise nur zudi'che u'ad nieig arabi'ck»e Autos ualli Wai'en durch'uchl wurden. Im irbru'e der Veil vermochte der Polizeidiensi deu Anforderungen der Strinde zu eut'vreüien. Es war in den »rnrum 'llioraen'tnnden. als die er't. n .'inios des -bag-en T avid Z'tdom 470 000 engliscsie k*funck .ckmaßig