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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-23 · 17 (23.4.1936) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
17 (23.4.1936)
Date
1936-04-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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k# we 23. Apri! 1934 Nr. 17 . - *>.' 1. Beiblatt Nach Schulbeginn Lebendige Schule yon der Organisation zum Organismus / Von Franz KaelTer (Königsberg) ■. Wenn ivir iin Ivlgenden verinctien. einen'. Ginblick in die thevrctlschen Gruiidlage!'. niid»dic Pin kusche Arbeit - unserer jüdischen Schute ' in Königsberg Z» sieden, so sind wir uns darüber klar, das;. das ' judiici^ Schulwesen ^Deutschlands.? svie a die neue Zeit erfordert, weder in seiner tdcoretiseiien Linidlcrilng noch vor allem tu bezug fliif seinen praktischen Ansbau im einzelnen ein fertiges (Äan.^c-3' darstcllt. Vielmehr ist jede jiidiichc schule in sicivisscm Sinne ein Erperiment sur (srprvbunsi theoretisch fvrmnliertcr und sengelegtcr Grundsätze. . ' b Unsere theoretische Ausgangsposition im jüdischen Bezirk muhte eine wesenttrch andere sein als etwa diejenige eine» P v l i t i k e r 4 . eines Sozio l o ge n oder eine-:- T h c o t v si e n. Diese nämlich werden zunächst fragen: Was braucht da» Indciitlim in dieser Zeit für eine sndi'che Schule. nnd zivar das Iiidciitmu, so wie sie es von ihrem ieiveiligen P a r t c i standpnnkl ans anifanen? Sie iverdcn darum aiich meist eine jüidi'äsd Schule ihres P a'r t e i standpnnktes fordern. Die Irage des P ä d a g o g e n . der sich der Gigenwertisikcit' seine» pädagogischen Standortes beivußt ist. wird dagegen lauten inünsn: Was drancht das indische Si i n d in dieser Leit inr eine jüdische Schule? Bon dieser svragestellunsi ans ergibt sich die Forderung nach der ü d c r p a r t e i l i ch e n jndischcii Schule: denn es wäre Pädagogisch nicht zii verantworten, ivollten wir unseren Kindern, deren seelische Kraft, Gesundheit nnd harmonische Ginordnnnsi ja allein die Richtschnnr unseres Handeln» sein soll, das einzige Gut. ivelches ihnen die Umwelt nnnmnrittcn als ihr G i gen tu in läßt, ja ihnen geradezu aiisdrängt. nämlich ihr Judentum. in nmst'rittener. vom Parteienkampf verzerrter Gestalt nahedringen. Iür unsere Kinder darf c» — das in ein pädagogisches Prinzip! — keine „Teitjudentümer" geben. sondern sic sollen da» Judentum kennen nnd lieden lernen, das in all seinen verschiedenartigen Ausprägungen doch ein einheitliches Ganzes jft. Da» schlicht nicht aus. daß es durchaus zu begrüßen ist, wenn neben der Schule lausender Privatunterricht oder Bnndcsarbeit das Kind in einer Sonderrichtiing becinflilnen: denn mit um so größerem Recht kann die'Schnle dann ihre ausschließlich p ä d a si o g i s ch ausgerichtete Iordernnsi nach Ueberparteilichkeit und absoluter llnabT hänsiigkcit vertreten lind in der Praris durchführen: sieht sie es doch eben gerade im Einblick ans derartige Institutionen als ihre besonders reizvolle Anfgabe an. auf ihrem Boden gleichsam in inieo den Gedanken einer echten Gichilläh" zu Vcrivirklichen.. Im folgenden werden wir von der B e r - w i r k Ia ch u nsi liiiierer G.rimd'aue in der e:n Bild azeven. das; wir besonder» cMirasieriüische.- Leb.en»anßernngen, iknicrer Sctiiile. die an vier-.. Grnndschnlklanen l io ''.Minder 'mit' vier Letirkraflen, umfaßt;, gleichsaiw nut einem Sa,ein'- wer'er beleuchten. - - Vorher noch ein W'orl nG-r unser L ehre r - k o l l c g i u m: Verschieden, gänzlich verschieden in Herkiinn und innerjndiichc Anichanunsi bei den vier Lehrern unserer Schule — einheitlich, vollkommen einheitlich in ilire Stellungnahme in allen. Angelegenheiten der Schule imch innen und nach außen. Wir denken da — um uns ans der erdrückenden Tube des Materials'-nur zivei thpische Beiiviele heranszugresfen - — daran, ivie wir auf nn'erer „G h a m i f ch a - a ß a r" - I e i e r da» Gebell in nn'erer Schule hier verbanden mit den; AuMm des aluienen Landes unserer Väter: Aus seinen ver-önlichen Ersparnissen dnrsie jedes Kind senie Pfennige in die Schule mitlMigen. um denjüdisenen Kindern in Palästina durch eine gemein'ame Baumspende zu Helsen, möglichst bald ebenso schöne Wälder zn haben, ivie ivir sie hier ans nn'eren Ailsstügen im Sommer dnrchivandern koiinie.n. lind wenn wir nun eine» innerer >l:irder nach drez entlassen, danntragen ivirihm Grüße an' an ..unsere" Bäume da drüben in; Heili^n Lande, io eine Brücke bauend — oder, rvie ivir es ansziidrückeN pflegen. ..den -verz'aden staunend' von unserem Leben hier Zum Leben der jüdischen Brüder da drüben, mit dem unser Ilnterrichi ja schon r>u Beziehungen persönlicher oder sächlicher Art knüpfen konnte. Sder — indem ivir mit Vorbedacht ein völlig anderariiges Beispiel aninh-ren — wenn wir mit unseren ..Großen" der fünsten Klasse die gemcinsame Arbeit dieses Schuljahres durch eine eindrucksvolle m u f i ka l i i ch c e i e r st n n d e beschlossen, in der ivir die Musik der großen e n r o v ä i s ai e n M e i ü e r und auch die -Klänge des deurickien Volksliedes in vorbildlieiier Wiedergabe durch jndiiche Knnüler lain Schallplattenl Zii „ns. sprechen ließen, io sehen wir in einer solchen Sinndc (die wir natürlich im llnterricht cntspreckiend vorbereitet hatten) mehr als ledig» lich eine S^u-,de der (frbonnng. vielmehr wollen ivir hierdnrnV 'unseren Kindern, deren Lnkunst ja zum ailergrößteri Teil außerhalb Deutschlands liegen wird, all das ai» I e'g i t i m e n B e s i ß mit» geben, was den jiidislhen Blenschen der Gmanzipalionszcit ihr Leben bereichert, verschont, lebensivert gemach: hat. und an dem ne mitickxis» send tcilgenommen haben: der 'aß erschütternde h'indrnck dieser' 'rillen Stunde des Lanichens auf unsere ionsi so lebhaften Kinder zeigte uns. mit welcher Ghrfurchr ne auf diesen Anteil jüdischer Menickien, am europäischen/Kulturgut zu blicken lernten.^ Aichk ghellohailc Gnge soll ja die Atmospliare unserer Arbeit sein, sondern der w.e l t v s f e ii e Blickan'' das 'BSirken und Scixvi'en indischer Blenillieii.alln^eräll' in der sbelt. . bine derartige. Giiisiellungznin. indischen -L e'b e nunserer- -Le.it aber eriordert a>>>. der nn- -deren Seite. aneli-eine ui.ogli.chit nni'aisende.. /ivenn auch ' der,-. Ianniisiskratt. des -llindes ' a»-ge.pas;te.-...- Kenntnis der.jndiielieii L e l, r,e. Livor biete» fall alle IInlerrntitsi.nl,er Viosiliäckeikeu. Belielnunjen zu jiidiichen Sto-jssiebieten herziislelleii., Drohdem aber niniint eigentlich d.57 \ e I tote» n » 11 n t e r - rieht im -Rahmen unserer' Schule einen beson- . deren Plaß ein. Wir Innen z. B. viele aornien unseres jüdischen B r ä u ch t u in » > n n e r h a l b der K I a s s e n g e in eins eli a f t lebendig werden. bringen den Kindern die brzählnngen der Bibel oft durch d r a m a t i s ch e G e il a l t il n si von geeigneten Bibelitellen nahe, geben ihnen schließlich die Boransielning für eine intimere Kenntnis der Bibel, ivie für die Grarbeitnng des jndiselien Schristlnins aller Leiten bishin zur Gegemvart dnrel> einen intensiven Ilnterrielit jin -L e b r ä i i ch e n. - s Die feste Grundlage für alle liniere L-eieru bildet die ..S ll> a b b e s st n n d e". Sie gibt dem gesainten Leben in der Schule sein be-souderes Gepräge. In der lchten Stunde am I-reitag jeder' Woche versammeln sich alle Kinder der Sämle in einem Raum. In der Ri'iltc des Raniiies sind einige Bänke freigelaüen für die Kleinstei, der d. Klasse, denn deren Ginzng in geichloise-uem Luge, loährelid die anderen .Kinder fie mit einem Liede begrüßen, stellt innner etwas.Besonderes dgr. dluii tritt der Schulleiter vor und bespricht ziinacliii mit den Kindern den ..lsliaul". den W e r k t a g: dieses Wort iiinsaßt all da», ivas sich-an V e r b e s s e - - r u n g s b e d ü r j t i g e m im Laufe der vergangenen ilboche im Schulleben' bemerkbar gemackii hat. So wird z. B. besprochen, ivie laut Und auisällig sich einige Kinder nach Sclinlsclilus; in der Straßenbahn benoininen Iiätten. In kurzer Aussprache inachen andere Kiiider ihren Kameraden «deren Rainen-nur in ganz seltenen und besonders schlveren Iällen vor diesem I-vriim genannt ivrrdenl klar, daß solcl, ein Verhalten ernste Iolgen siir die ganze Schnle haben kann. Deutlich spürt man aiis-ihren llllorten. ivie sehr'sie sich verantivorllich fühlen für das Wohleriielien ihrer Schule, t'lachdem dieser unangenehme Teil der vergangenen Woche besprochen und für Abhilfe de» n->' ivähnten Uebelstande» gesorgt ist. wird als Shmbol — die Tür geöffnet, alle lrinder ru§en int. (>hor: „lf 1) a u l r a » s .— S ch a b b e s r e i n!". und iinn beginnt der harinviiische Teil der Schabbesniinde. Aus der in der vergaugenen ^Kocl»e' gelciiletcii Arbeit der. Klanen wird der Sclmlgemeiuschafl etivas gezeigt. Ilm das dadurcli entstehende Bild nicht allzu bunt werden zu laßen, bat ei ne Klaßc mit ihrem Lehrer jeiveil» die m> Lan'c der Woclic bei ihr zu meldenden Darbielungen geordnet, so das; jede Scliabbesininde einen ' geivinen ..Stil" bekomint. Meist liegt ihr ein einheitlicher Gedanke zugrunde. So etiva begingen ivir den Rausch chandeich Adar, der uns an dem DerFachmanh tor Gabardine-Mäntel BERNHARD BOHRMANN HerrenkJeiderfabrik * Asch aff an bürg - folgenden S a l>bai' -i>erkundetwurde:-- in der. B-eije.--; da«; an der Ta«el bn-nie Puumma-cken hangen auf da - Pur innen' bezügliche oda anll, son'tige luii'ge Szenen'- und Gedichte ui die-tcui .Ra.lunen ge-voten wurden. >a. isiiließlich ln-e-lt .to-g<rr dev?Ada-r icLhjt. t’iii mit priniilivnen Btiüel» luNig angepuüte»' .«lind, nebst zal,Ireichenc inasliertenr „Gefolge" Terarligen. Tarbielunge» folgt nun regelmäßig die mit Spannung erwartetd. .,S cl> a b b o »- ge j ch i di t e " des die l'ctrejiende Schabbossluude . leitenden Lehrer»: . (fin iclioner Midrasch, ein Gleiclmi» oder sonst eine auf den Leitgedanken dieier Scliabbosiliinde jeiveil» abgeninnnte Gr-. Zahlung. In d<-r letileii Leit Hallen unter» Scliabbosilnnden oft einen erniien '.'lil'-llling: -'B.'-ir mußten -K i u d e r_ v e r a bi ch i e d e n . die. durch Wegzugihrer Gltern au» ''unserer ^clnilgemeiniclkist ausiclneden. An ilirem'kleinen herzen bc-, feiligen ivir jedesmal den iinsiclilbaren .-verzfäden". der — Smnbo'l der jiidischen Ge»ieilijcl>ait in der k>Kelt — 'alle Kinder iiiijerer Schule in der iveiten Welt, so zerstreut sie auch f^mi inogeii. initeinänder und mit »nicrer - Schule Unzerreißbar verbinden soll. Gui beiclieidenes jndiiche» Buch, im' Rämender Lehrerichait nberreiclit. soll da» scl,eidende Kind immer an diese» Band criunern. AK in verlesen nur. gleicli'am nn» z»m I roste, die Briete oder Karten, ivelche ehemalige'.Schiller »ns etivaim La nie der vergaiigenc» - ^lloche aus der weilen L'Kelt geiaudt I)abe» nnd in denen üe uns von ilirem neuen Leben erzalil'en, so den Gedanken de» >derz'adeii» durcl> die c>it bezeugend. Die Schabbosftundc neigt sicl, ihre», Gnde/zu.- -'K'ir singen, al» Bekemitni» z» dem unserer Geanein'cli.'iit zugrunde liegenden jüdisclien Ginlieit»- gedanke. jene Worte au» dem Psalm: „Öinneh. nmi> toiv . . , Seht, ivie gut und lieblicl, ist es. iveiin Brüder zuianiineuiiüen." dann' wüniclien nur 'uns kräiiig „Gut Scliabbos!" — und gel>en heim, »nr uns allerdings zu einem großen Teil in wenigen Stunden beim Freitagabend Gottesdienst ivieder- ' znireifen, >vo die Kinder, mit Giser die »enenvorbenen hebräischen Kenntni'ie anivendend. die Lilnrige im Siddur gemeinsam vertvlgeu. Besonderen Wert lege» wir aus die ma n ne l l e B e t ä t i g ii n g nusrrer Kinder. Wer etwa in den Wann und wo finden Sie Rat? rrniikfui-dl.n. UV n». "m^ /liVh,': ,bl5 Eine Filmidee von Käthe Wienskowitz : i. -Senta Hartman«, Hllfsredakteurin des lfrotzen Verlages, in dem anch die Vilderzeischrist „Freitag Abend'" erschien, .langweilte.sich und suchte vergebens nach 5/bj.ckten, ans die ihr journalistischer Tatendrang sich 'stürzen, könnte. Nichts einmal einen Wnnderrabbi gab es. der znm Besuch nach Berlin kam. oder eine Filmdiva von „drüben", die man hätte interviewen können. Niemand in dem wirbelnden Betrieb deS weitläufigen Verlagshanscs schien ihrer Hilfe zu bedürfen. Trübsinnig starrte' >ie ans die Ketten der herabrinnenden NegcNtropscn. - die vor dem Isenster ihres Arbeitszimmers einen krausen Schleier zogen.- Wie eine Erlösung klingelte das Telephon. Aber es ivar nür ein -vansanrns. -N''lf.'''.Wokfl'v die deu Hcrnschrciber betreute, meldete sich. ..Acahlzeit. Hartmännchen!"' ries eine lustige Stimme. ..Tu müßt mir einen (pesallcn tun. Hörst du. wie mein Magen vor Hunger knurrt? Ich muß schnell mal in die Kantine und einen Happen zu mir nehmen. Willst du nicht so gut sein, inzwischen die ZRachrichten zu kontrollieren? .Tn kannst dabei ruhig weiierschlasen. cs ist überhaupt nichts los." ..Hast du das anch schon bemerkt? Mei'- netweaen. ich komme sofort." Senta lief über den Korridor in NT'llie-» Archiv, in dem auch der.Fernschreiber stand: und hörte dem monotonen Ticken -des Apparate» zu. Toch keine der Bceldi.ingen. die die Telegraphenagcntnr dnrchgab. war sür den /„Ireilag Abend" zu verwenden. Während die weiszen Papierschlangen sich ans dem Apparat ringelten und Nachrichten ans aller LKeli brachten, siet Senta plötzlich Ner iglowerbrink ein. der jetzt sicherlich mal ivieder zwischen London und China hin. und lier pendelte. unY seine Teeplantagen einer Kontrolle zu .unterziehen. Z>ll.» ihre Gltern vor. Jahren dem grauenvollen Giienbalmiinglück znm Lp'er gefallen ivaren. hatte fein Vater Grnest Ilowerbrink da» verwaiste. Töchterchen de» Ingendfrennde» zu siels nach London geholt. Später hatte er Senta Hartmann al» Berichlerstakterin bei der „Times" nntergebracht. Wie Geschwister waren Rer -und.sie. ansgeivachien. Aber in der ,Treu;de war eines Tages in Senta die inächtige Sehnsucht nach ilirem Geburtsort. Unterzoßnilz. erwacht. In dein kleinen Nest an. der polnifchen Grenze lebte noch heute der einzige Verwandte, der ihr geblieben war. ihr Tinkel Henoch Härtmann, ein Greis, der von den Iünfundnebzig nicht weit entfernt -sei-n mochte. Gr war das genaüe Gegenteil ihres verstorbenen Vaters. ,Iriß Harlmann war ein berühmter Ior'cher gewesen. Jahrelang war er mit Iran nnd Kind durch die Welt gezogen. Viele weiße Ilcckc ans der Landkarte waren durch ihn zu einer Farbe gekommen — Gndüricbe—die vorher niemand gekannt^ waren von ihm entdeckt woLden. Von Fritz Hartmann, stammte wohl anch das unruhige Temperament feiner einzigen Tochter, die nirgends lange Ruhe finden konnte, außer eben in jenem Nest llnterzoßnitz. mit feiner kleinen, ver'ipptcn nnd verschwägerten jüdischen Gemeinde. War, e» ein Traum? Tie junge Redakteurin stutzte. Ter Telegrainiustreifeu. der sich neben ihr am Boden bereits zu einein . Papierberg ansgehäust hatte, brachte eine ZRaclnicht ans Unterzoßui-tz' B>it Spannung .verfolgte Senta die einzelnen Worte/ die sich zn folgender Bieldung gruppiertc-n: --- „thorner sparbank stellt zalstungen ein stop leitragende h,inptsaecl>lich kleine sparer stop am sihlimmsten betroffen jnedisclie gemeinde unterzoßnitz deren initglieder groech tenteils gesamte» verrnoegen verloren haben stop not ist groß sammlnngen eingeleitet stop" ‘ Wie gölähmt saß das Blädchen am Ieruschreiber. Tann ries sie teleplionifeli Nellie an ihren 'Arbeitsplatz zurück und trat gleich daraus in» Limmer des Hanptschristleiters Blelzer. den abgerissenen Telegrammstreiscn in der Hand. Ghe die Nachricht vom Lnsammenbrnch der Thorner, Bank nach Unterzoßnitz gelangt , war. hatte Joseph Kahane wälsreiid seines ganzen langen Lebens nie daran gedacht, daß die Tinge 'ich einmal ändern könnten. - Gr war -Lel.-rer. Borbeter niid Schvchet der kleinen jüdischen Gemeinde im ä-nßcrsten Winkel de» Tcntschen Tlceiche». Solange man znrückdenken konnte, sclslvst er ain frühen Blorgen und am Abend die knarrende Tür der Shnagoge ans nnd verließ immer als Letzter das anspruchslose, altersgraue rissige Gotteshaus in der winkligen Shnagogengasse. nachdem er mit dem einen oder andern aus dem Blinjan noch die neuesten Nachrichten ans der Gemeinde ausgctansckst 1 hatte. Bald bildete, was immer seltener - vorkäm. eine bevorstehende H o cls zei-t—-de rv. - - Gesprächsstoff.^ bald eine Bärmizwa. bald' ein Trancrfall. der mit allen seinen privaten nnd gemeindlichen Wciternngen ausgiebig erörtert wurde. Im Winter nahm er gcdnldig die Klagen über schlechte Heizung der Shnagoge elitgcgcn. im Sommer hörte er die Beschwerden über Lnglust von der Iranenempore iväl,rend der Predigt des lli'abbiners Grützmaelier: er selilichtete den Streit der Jungen um den Kiddnsch-Wein am ,Freitagabend und 'wies, ivährend er beim Borbeten -ans dem. großen Gebetbuch mit den dicken, abgegrissenen Blättern, die schon Unzäl,lige vor.'ihm iimgeivelidet. mit einein lauten „Pst" oder einem nnwilligen „Gejn" am Sabbatmorgen die -.Kinder, ziireclit. ivenn. ne siel) allzu geräuschvollbcnahmen.- So ivar er 67 Ialire alt geworden, . olme du ran gedaclst zn haben, daß. die Tinge, sich einmal ändern könnten. Tie erste Tatsaclje, die Joseph Kahane die ll'eranderlictileit atle» Irdischen empsindsam zum Bewußtsein braclste, ivar die Bcitteilnng de» ^Gemeindevorstehers Grivin Bceudel, daß mail —- lvie die Verhältnisse nun einmal lägen '— ivahrscheinlich ind)t mehr in der Lage sei. ans die Taiier eine Besoldung des Knltnsbeanlten dnrel>znsiil,ren. da die üfjiichin beschränkten Gemeinde,nittel »nhezn restlos' erseljopst seien undeinen weseiitlichen neuen Linvachs nicht mehr erhalten dürsten. Ser Posten in der ivinzigen Gemeinde war zivar' seit je-viel mel>e,e-jn.-Gl)renäint als eine „ besoldete Stellnng. Abec.-'das kleiiie (Kehalt. /verbunden mit -einige'»- geringen Zllcbeneiniialimen. l>atte.--Kahane, der schon seit mehr als snnjzehn Ialire» Witwer nnd allei»stel>end ivar. genügt, seine äußerst bcsclieidenen Lebensbedürfnisse zn. befriedigen. Gs iväre ihm anch nicljt. daraus aiigekomnren. den Posten iveiterhin elsrenamtlich zn verseilen. vhnc deibci in der Grsülliing seiner Ptlielilen im geringsten naehznlassen. Aber der Parneß Nlendel hatte an jenem nnglüek-scligen Ireitag. als - die . schlimme . Niidiciclit von» Lusanunenbrnch bcr' Bllilk in - — Ilnkcezvßnit; bclaiiiitgeworden ivar. iveitcr gesagt: „Tas ist nicht das einzige. Kahane, wäs ich Ihnen mittcjlen muß. Gs wird sich kiinstig kaum noch ermöglichen lassen, unsere v Sclinle aiisrechtziierhalten. da wir, nach dem Unglück, das io viele unserer Gemeinde- ' bctvoffeil hat. unmöglich weiter

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