Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 13 (26.3.1936)
- Date
- 1936-03-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XV. Jahr*. / Nr. 13 Berlin, 26. März 1936 Pr«is 10 Pfennig entralerein- ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitang, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W 15, Emsor Strasse 42.' Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—15. Telegrammadresse: Centralglaubon, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die „C.-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am. Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt uad die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebühren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2.30 RM. ungerechnet in die Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Kpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch-auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaIteöo Millimeter-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bemerkungen Oberkommis§ar Malcolms vor der Bause erste Aufgabe A. H. 2)ie allgemeinen vom Völkerbund eingesetzten Gremien unih die von Juden für jüdische HilfsarbeiP gegründeten Komitees beginnen langsam ihre Absichten, klarzulegen. In der ersten Planung scheinen die Schwierigkeiten zunächst immer gering zu sein. Wenn man aber an die Verwirklichung herangeht. so stoßen sich die Sachen hart im Raume. Es ist eben, zutreffend — und wir wollen diesen Umstand keineswegs abwertend beurteilen, , obwohl wir diesmal die Betroffenen sind —, daß kein internationales jüdisches politisches Gremium vorhanden ist, das, sobald irgendwo in der Welt jüdische Nöte entstehen, für ihre Behebung Sorge trügt, wobei niemand etwa an die sagenhaften „Weisen von Zion" denkt. Denn diese Hilfe soll sich nicht aüf die Beherrschung der Völker, unter denen Juden leben, erstrecken, sondern lediglich die Lebensmöglichkeiten von etwa drei Viertel Prozent der Menschheit zu sichern versuchen. Aber die überwältigende Mehrheit aller Juden ist mit den geschichtlichen und politischen Wünschen der Länder, in denen sie leben, aufs engste verknüpft. und.sp besteht in ihnen. Mange.die Länder oieze Verknüpfung nicht ihrerseits äblehnen, kein Drang, anders als charitativ oder religiös an die allgemeinen jüdischen Interessen innerhalb und außerhalb der Grenzen ihrer Heimatländer heranzngehen. Die Zionisten allein stellen eine Ausnahme dar, allerdings ohne daß der Zionismus in Ländern mit ungefährdeter jüdischer Bevölkerung in den jüdischen Massen andere als im wesentlichen nur aus den Palästinaaufbau gerichtete Veränderungen in ihrer allgemeinen politischen Haltung hervorgerufen hätte. Es ist verständlich, und gerade wir verstehen es aus nicht allzu weit zurückliegender Erfahrung, wie schwer es ist, sich in die Psyche eines in seinen politischen und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen erschütterten Juden hineinzuversetzen, wenn man selbst nicht als Jude, sondern als jüdischer Bürger seines Staates seinen Verrichtungen nachgeht und wenn man z. B. aus Komiteesitzungen, die sich mit jüdischen Aragen befassen, ungestört zur Tagesarbeit zurückkehrt, die den einen ins Parlament, den anderen in den Ministerat, den dritten ans den Lehrstuhl, den vierten in ein Tirektorzimmcr, kurz, jeden in seinen bürgerlichen Beruf führt. Wir lesen an den uns im einzelnen vielleicht, nicht voll befriedigenden Ergebnissen der internationalen jüdischen Komitees die Tatsache ab, daß das Bewußtsein der Juden, Bürger ihrer Staaten zu sein und bleiben zu wollen, im wesentlichen unerschüttert geblieben ist. Aus partiellen Ereig- Diese Nummer umfasst 26 Seilen Sie enthält u. a.: Hauptblatt: Britisch-Indien und Ostasien, von Dr. £. R—z. 1. Beiblatt: Wae erwartest du? Eine Umfrage zum Schulbeginn, 2. Beiblatt: Manasse ben Israel, von Fritz Bamberger.— 14 000 Kilometer, eine Re- ' portage von Hilde Roscnthal (Tokio). 3. Beiblatt: Samson und Dalila im Berliner Kulturbund, von Ludwig - Altmann. — Das Blatt der Jüdischen Frau als Sondernummer zur. PessachrVorberei- 4. Beiblatt: Buch und Kunst. 5. Beiblatt: Sportblatt.-Juristische Wochenschau. — Wirtschaft der Woehe. 6. Beiblatt: Palästina-Umschau. Unsere Meldung über ..Oberkommissar Neill Malcolms Pläne," die wir in der vvrwöchigen. C.-V.-Zeitung veröffentlichten, hat sich rasch bestätigt. Wie der Jta unter dem 20. Mürz ans Genf gemeldet wird, hat der Generalsekretär des Völkerbundes an die Regierungen aller Mitgliedsstaaten des.Völkerbundes sowie an die Negierungen der Vereinigten Staaten von Nordamerika und: der Vereinigten Staaten von Brasilien ein Rundschreiben gerichtet, in dem er an die Beschlüsse des Völkerbundsrates vom 24. Januar 1930 über den Schutz der Auswanderer aus Deutschland erinnert und den Regierungen mitteilt, daß die in diesen Beschlüssen vorgesehene zwischenstaatliche Konferenz zwecks Festsetzung eines legalen Status der ans Deutschland Ausgewanderten für den 2. Juli 1936 einberufen wird. Der Beschluß des Völkerbundsrates hatte drei. Ausgaben des Oberkommissars fest» gestellt, von denen die Einbernfung, dieser Konferenz die erste Ausführung darstellt. Die beiden anderen Aufgaben waren, in geeigneter Form Beratungen mit den verschiedenen Regierungen über die Möglichkeiten und Verhältnisse, Beschaffung von Arbeit und Unterknntt für) die Ausgewanderten zu pflegen, , sowie die Fühlungnahme mit Privatorganisatiönen. Gerade hierzu veröffentlichen wir weiter unten ein Communiquö des Joint. Gleichzeitig überreicht der Generalsekretär den eingeladenen Negierungen eine vom Oberkvmissar Sir Neill Malcolm ausgearbeitete provisorische Tagesordnung der Konferenz. In dieser provisorischeil Tagesordnung schlägt der Oberkommissar mit Rücksicht :aus die Dringlichkeit der zu behandelnden Fragen vor. daß zunächst provisorische zwischenstaatliche Vereinbarungen getroffen werden, die unverzüglich in Kraft treten könnten. In zweiter Linie möge dann die Konferenz die Frage einer internationalen Konvention über den rechtlichen Status der Ausgewanderten .behandeln und in dritter Reche die Frage der Ausstellung von Jdentitätspapieren. Demgemäß enthält die provisorische Tagesordnung die folgenden drei Punkte: .1. Ausarbeitung von provisorischen Abmachungen betreffend den rechtlichen Status der aus Deutschland Ausgewanderten. Der Oberkommissar bemerkt zu diesem Punkt, daß durch diese provisorischen Vereinbarungen den' Ausgewanderten so schnell wie möglich ein rechtlicher Status bis zu dem Zeitpunkt gegeben werden soll, in dem ein stabilerer Vertragsznstand in Kraft getreten sein wird. In den Vereinbarungen sollen al bie Kategorien Ausgewanderter bezeichnet werden, ans die die Regelung Anwendung sinden wird; sie sollen b) gewisse administrative Rlaßnabmen vvrselfen: Ausstellung von Identität-;- und Reisezertisikaten: Gültigkeit die.ser Zertifikate, dauernde Ein- Und Ausreiseerlaubnis für dieInhaber dieser Papiere. Kosten der Ausstellung der Zertifikate und der Visa: ferner Bestimmungen , über Ausweisung und VKrweigernng der Zulassung: schließlich Maßnahmen, die dieR'erht-v stell »ng betroffen: Bezeichnung des für den '. persönlichen Status der Ansgewanderten maßgebenden Gesetzes, Gültigkeit der von religiösen- Behörden ausgestellten Papiere, Rechte, die acif Grund der Landesgesetze erworben werden können (Ehereäit. Rechtssätfigkeit verlfeirateter Kranen). Ehescheidung. Recht des Erscheinens vor Gericht als Kläger oder Beklagter. 2. Ausarbeitung des Entwurfs einer internativnalen Konvention, die den Rechtszustand der Ansgewanderten endgültigt sestlegt. 3. Prüfung der Methoden für die Erleichterung der Alisfolgung von Zivilstands- und cfnderen Papieren durch die Behörden des Herkunftslandes. In. einem Begleitschreiben des. Generalsekretäre A v e nol werden die Regiernngen ersucht, bis zum 15. Mai 1936 bekannt zu geben, ob sie beabsichtigen, sich ans dieser Konferenz vertreten zu lassen, und womöglich den Namen ihres Vertreters mitzuteilen. Ferner werden die Regierungen ersitcht, etwmge Vorschläge für die endgültige Zusammenstcllnng der Tagesordnung zu machen. Ter.Oberkommissar behalte sich das Recht vor. das Programin auf Grund des gegenwärtigen Meinungsaustausches und der von den Regierungen eintrefsenden Antworten abzliändern und eventuelle Tertentwürfe zu unterbreiten. Znm Schluß betont der Generalsekretär. daß mit Rücksicht ans die Dringlichkeit des Gegenstandes und im Sinne des vom Bölkerbnndsrat geäußerten Wunsches die Einbernfung der Konferenz binnen verhältnismäßig kurzer Frist notwendig war. Der Joint nimmt Fühlung mit Sir Neill Maleolm Das Joint Distribution Committee veröffentlicht ein Glückwunschschreiben, das der Ehrenpräsident des Joint. Felir M. W arid urg, und der Präsident Paiil Baer- Wald an den neuen Bölkerbnndsobcrkommissar für Auswandererfürsorge gerichtet haben. In dem Schreiben sichern die Führer des Joint dem Oberkommissar Sir Neill Malcolm volle Unterstützung bei der Durchführung seiner Arbeit durch das Joint Distribution Committee zu. Zu diesem Zweck könne Sir Neill jederzeit über die Dienste des europäischen Direktors des Joint Distribution Committee, Tr. Bernhard K a h n . verfügen. Zum Schluß wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß ..gesunde und konstruktive Maßnahmen zugunsten der Ausgewanderten" getroffen werden würden. Englische Hilfsaktion für ausgewanderte Gelehrte Der A f u b e m i s cl, e >v i l f s r o 1 bat einen von seinem Vorsitzenden Lord Rntherf o r d Unterzeichnete», Aufruf für die „Gesetlichast znm Schutz der Wisienschait und des Studiums" erlassen, die die-bisherige Arbeit des akademischen Hilfsrates fortführen soll. Zn dem Aufruf wird ein lieberblick über die bisher zugunsten der ans Deutschland ansgewanderten Gelehrten geleistete HUssarbeit gegeben.. In. Znsainmenarbeit mit anderen Organisationen hat der Rat bei der endgültigen-Riedertassung von 363 Wissenschaftlern ans Deutschland mitgeivirkt. Weitere 324' bekleiden provisorische .Stellungen in Universitäten lmd lvissenschaftlrchen Instituten. Für ihre endgültige Unterbringung soll noch gesorgt Werden. An Spenden erhiett der Rat über 46 000 Pfund, die bis auf einen kleinen Betrag, der zur Bezahlung der Reisekosten für Gelehrte, die in überseeischen Ländern Stellnngen fanden, für Verwaltnngszwecke und sonstige gelegentliche Aufgaben' verwendet wurde. der Finanzierung der Forschungsarbeit anSgeivanderter Gelehrter -dienten. Der Alade- Rat hat als internationale Zentralstelle für diese Arbeit einen Stetlenvermittlnngs- und Informationsdienst eingerichiet, der sich immer' mehr beivährt. Die neue Gesetlscl>ast für den , Schutz der Wissenschaft und des Studiums werde die frilfe für die Gelehrten aller Länder forlsetzen. die ans Gründen der Religion, der Rasse oder der Ileberzengnng die )vissenschaftlicl>e Arbeit, für die sie qualifiziert sind, nicht fvrtsetzen können. Eine der Aufgaben der Gesellschaft wird es sein, einen akademischen Hilfsfonds zu schaffen, ans dem Forschnngsstipendien für die bedentendsten aus-'? gewanderten Gelehrten, an den Universitäten Englands und anderer Länder beftritlen lverdeu sollen. Der Verwaltung des Fonds werden der E r z b i s ch v s v o n E a n.t erb n r h . der Präsident der linvrcl Bneictv, der Präsident der Britischen Akademie Lord i> u r d e r , R. H. B r a n.d lind Lord R u t h e r f o r d angehören. Der „Akademische Hilssrat für ausgelvanderte Gelehrte" gibt soeben bekannt, daß er von den Testamentsvollstreckern für den Rachlaß von Miß. Jda B e n n i cf e 1000 ,Psnnd für seine Hilfsarbeit erhalten habe. nissen irgendwo in der Welt, die gewisse Prozentsätze der Judenheit gefährden oder in Bewegung setzen, ziehen sie nicht sogleich - die Konsequenz einer Entscheidung aus ihren festen Bindungen heraus. Wir haben in den letzten Tagen und Wochen beobachten können. .und darüber - berichtet, wie Polens . Inden inmitten großer Sorgen und Gefährdungen ihren Anspruch ans religiöse und politische Gleichberechtigung mit Energie und nngeschwächt durch die innere Vorwegnahme einer nach außen führenden Entscheidung betont haben. Diese Stellungnahme ist nicht nur für sie selbst bedeutsam: Sie enthält zugleicheine ungeheure und unschätzbare Entlastung der internationalen jüdischen Hilfsarbeit: denn alle Berechnungen und Planungen müßten über den Hausen gerannt werden, wenn sich jüdische Massen nnterschiedslos in Bewegung setzen würden, um den Weg nach draußen zu gehen. Unser VerständnAdafür, daß die Inden anderer Länder unsere Situation nicht zum Ausgangspunkt einer grundsätzlichen Aenderung ihrer eigenen Einstellung nehmen, hebt aber keineswegs unser Verlangen ans. daß die Gegebenheit unserer Situation und vor allem die realen Zusammenhänge, in denen unsere Menschen leben, Berücksichtigung finden. Um es sehr offen ausznsprechen: Uns nützeif die großzügigsten uild in ihren Ergebnissen theoretisch, .ersolgbersprechenden Projekte nichts, wenn sie von Boränsfetznngen ansgehen, die wir zu erfüllen nicht in der Lage sind. Tie Inden Deutschlands in ihrer altersmäßigen, i h r er beruflich e n n n.d i h r e r w i r ts ch a f t l i ch e n Z u s a m me n s e tz u n g m ü s s c n a l S gegebene G r ö ß e i fl die Kalkulation der Komitees eingesetzt werden und nicht, ein .1 h c o r e t i s ch c S W u n s ch b i l d . de m w i r n ich t c n t s p r e ch e n. Wir haben zu unserem Bedauern mitunter erleben müssen, doch zwischen M^VorskekMng, ote nfaff draußen von unserer Zusammensetzung hat, und der Wirklichkeit hier eine so erhebliche Unterschiedlichkeit besteht, daß sie''nur mit Zeitverlust und durch besonders guten Willen ausgeglichen werden konnte — manchmal auch gar nicht. Ein gewaltsamer Umbau unserer Bernssstrnktnr ist praktisch ninnvglich. ein planmäßiger erfordert Zeit. Es ist kein angenelfines Gefühl, innerhalb einer Kalkulation z» stehen, von der einzelne Faktvren bestimmt falsch, andere ungewiß und nur wenig deutlich sind. Und wir .möchten schließlich auch vermeiden, daß Blen scheu.von uns. die nach draußen kommen, den Erwartungen menschlich micht cntspreclfen. weil sie ihnen ans all diesen Gründen nicht entsprechen können. Enttäuschungen sind aber gerade -in solchen Situationen besonders folgenschwer. In den nächsten Tagen wird, wie wir annehmen. eine gewisse Pause in den Beratlmgen der jüdischen Komitees eintreten. bedingt durch die Feierwoche um die größte Wandernnasbeweanna unserer jüdischen Geschichte. Wir hoffen, daß diese Unterbrechung der Vertiefung der Erkenntnisse dienlich scin wird, die nicht allein eine formalistisch befriedigende, sondern vor allem eine menschlich zulängliche Behandlung unserer Pro bleme gewährleistet. y