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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-12 · 11 (12.3.1936) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
11 (12.3.1936)
Date
1936-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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F M XV. Jahrg. I N<\ 11 Berlin, 12. März 1936 Preis 10 Pfennig entral ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS ermassigte Grundpreise Einzelanzeigen nur gegen Anzeigenschluss: Dienstag orauszahlung JDie Quote A. H. Auch hinter verschlossenen Fenstern spürt man Veränderungen der Atmosphäre, und auch durch dickes Glas sieht man-die Wirkungen der bewegten Luft. Wie wenig wir auch Subjekte der großen Ereignisse sein mögen, die sich um uns entwickeln, sie gehören auch Uns zu, weil sie in der Welt menschlichen Seins und Wollens vor sich gehen und diese Welt eine Einheit ist. Es gibt — selbst durch dicke Wände und Glasscheiben — keine völlige Distanzierung von den. Verhältnissen außerhalb unseres uns zugeteilten Bereiches. Das gilt schon für Meldungen und Entwicklungen im Fernen Osten wie zu beiden Seiten des Pazifik, für die Bulletins aus Addis Abeba und von Marschall Badoglio — um wieviel mehr für Vorgänge in unserer nächsten Nähe. Denn wir wollen ebenso wenig, wie wir es könnten, zu einem Dasein neben der Welt -erabsinken. In der Welt leben, heißt versuchen. inmitten der allgemeinen Bewegtheiten seinen eigenen Platz zu finden. Wie bestimmen wir ihn? Es gibt bei dem Magnetzeiger Abweichungen, wenn, große magnetische Massen außerhalb seiner natürlichen Richtung liegen. So werden auch Ideen und Tendenzen verzerrt, wenn sie durch zu nahes, tägliches Geschehen täglich korrigiert zu werden scheinen. Man übersieht dabei oft, daß nicht Ideen und Tendenzen korrigiert werden, sondern daß die gewollte Wirklichkeit ihre Korrektur durch entgegenstehende Entwicklungen erfährt. Wir möchten, daß die großen europäischen Ereignisse in ihren Ergebnissen der Befriedung der Menschen und Völker und der Annäherung an die großen Ideale der Gerechtigkeit und der allgemeinen Wohlfahrt dienen. Uns bleibt der Wunsch und die Verpflichtung, soweit unser eigener Bereich in Frage kommt, zu zeigen, daß wir dort, wo wir mehr alsnur wünschen können, mehr tun als nur wünschen. Wir haben gar nicht so wenig Gelegenheit, das zu beweisen. Gerade gegenwärtig läuft neben, der großen Politik der großen Mächte eine Art großer jüdischer Außenpolitik. Wir meinen damit nicht einmal die palästinensischen Ereignisse um die UeZisIativo-Frage herum, sondern die Vorgänge bei der Schaffung des Council kor German Jewry. Wir wollen zunächst hoffen, daß auf dem stark angeheiztcn Herde der Weltpolitik unsere kleine jüdische Suppe nicht anbrennt oder vergessen oder an den kalten Herdrand geschoben wird. Was sie braucht, ist gleichmäßige Wärme, wie man sie früher dem guten" jüdischen Herzen und dem klaren jüdischen Intellekt zugesprochen hat. Wenn man aber verfolgt, wie die Meldungen .über die Londoner Council¬ Diese Nummer umfasst 24 Seilen Sic enthält u. a.: Hauptblatt: Russland, von Dt. E. R—z. 1. Beiblatt: Im Wartezimmer dem C.V., von C. H. — Schach-Ecke. 2. Beiblatt: Zum SO. Todestag von Leopold Zunz, von J. Elbogen. -— Burgfriede zwischen den Generationen, von Heinz Berggrün. 3. Beiblatt: Bach und Kunst (u. a. Suezkint von Trimberg, von Max Serog). 4. Beiblatt: Sportblatt. — Fälligkeit und Stundung von Hypotheken und Grundstücken, von Justizral Georg Meyer.. 5. Beiblatt: Wirtschaft der Woche. — Juristische Wochenschau. gründung lauten, gewinnt man den Eindruck. als ob ein Wettrennen aller irgendwie in Frage kommenden jüdischen Instanzen stattfändc, bei dem der Sieger eine besonders große Portion aus dem im übrigen erst noch zu füllenden Topfe bekommen soll. Daß wir Ju^en in Deutschland und dir Juden aus Deutschland besonders -interessiert sind, was aus . dem Council wird, und daß man bei seiner Programmgestaltung auf unsere Notwendigkeiten die stärkste Rücksicht nehmen soll, ist begreiflich. Aber wenn man in den Meldungen nichts von solchen Zahlen hört, wie etwa: soviel Existenzen werden für Südamerika garantiert, soviel für USA, soviel für L'land uss.. sondern als Wichtigstes das Fifth-Fifth-Prinzip in der Leitung und bei der Verteilung in den Vordergrund geschoben sieht, so wandeln einen Empfindungen an, wie — nach einer schlecht zubereiteten Suppe. Handelt cs sich denn bei der Losung dieser unendlichen Probleme, mit denen Zehntausende von Menschenschicksalen verknüpft sind, um nichts anderes als um eine Art von Ouotenkäufen? Niemals wer^ch st.ch die Dchöpfer des für die Jewish- Agency-Satzung>Wück6chÄ-» Prinzips des Fisty-Fifth eine so ins Groteske gesteigerte Anwendung vorgestellt haben, bei der aus Vernunft Unsinn wird. Schon in gewissen Zusammenhängen innerhalb des jüdischen Lebens in Deutschland .wirkt das Fifth-Fifth-Prinzip lähmend, störend, verteuernd. Sollen alle diese Wirkungen nun auch in die jüdische Außenpolitik eingeführt werden? Soll man, wenn 53 Prozent nach Palästina kommen könnten, ans Quotengründen die 3 "über die 50 zurückstellen? Oder soll man. wenn durch geglückte Dispositionen und durch die erfolgreiche Arbeit von Sir Malcolm, die wir wünschen, in einem Jahr einmal 75 Prozent des Bedarfs nach Auswanderung durch Plätze in Ueberfee außerhalb Palästinas gedeckt werden konnten, dann ans Ouotengründen nein, sagen? Welches Mißverständnis, wird man einwenden. Niemand denkt doch daran, das so anszülegen! -Aber schon hört man im zionistischen Lager neben klugen und verantwortungsvollen Stimmen ans dem Kreise der jüngeren Generation, die un.ter den gegenwärtigen VerhülEsscn jede-produktive Auswanderung gut heißen' wieder die Tonart der alten Propaganda. Es wird da gesagt, daß man mit einer Verpflanzung der Inden nach anderen Ländern als nach Palästina nur eine geographische Verpflanzung der alten Probleme hcrbeiführt. Wir finden diese Beweisführung etwas unvorsichtig; denn jeder weiß, daß in Palästina nur ein gewisser Teil, der sogenannten Tiasporasorgen fortsällt, daß aber ein anderer Teil von ihnen bleibt und durch neue zusätzliche, spezifisch palästinensische, vermehrt wird. Man soll nicht die Jllusio.. in len Menschen wecken, als ob sie durch den Weg nach Palästina für alle Zeiten allen üblichen jüdischen und menschlichen Schwierigkeiten enthoben seien und daß jede andere Auswanderung die alten Sorgen erhalte und vermehre. Tie alten, Zionisten in Palästina erkennen selbst die-Problematik im Lande . objektiver und propagieren dauernd die Notwendigkeit, einen großen Teil der auswanhernden Juden auch um Palästinas willen nach anderen Ländern hinzuführen. Tie Palästina-Frage hat ihre Eigengesetzlichkeit. Wer für sie verantwortlich ist, muß diese kennen und ihr dienen. Tie Herzen Der Council Cor German I^wry im Werden Eine Reihe von Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern, die an der Schaffung des Council for German Jewry interessiert sind, haben in London bereits Besprechungen privater Natur ausgenommen. Die offizielle Einsetzung des Council sott in der-kommenden Woche unter Wahrung des Fislh-Fisth-Priuzips vorgenvmmen iverden. Der Council wird aus insgesamt neun Personen, je vier Vertretern der Zionisten und der Nichtzionisten und ans Sir H e r b e r t.S a m n e l als Vorsitzendem bestehen. Die amerikanisches Judenheit wird in dem Council durch Fel i r M. Warb u r g, Dr. St e pH e n W i s e und P a u t Bae r w a l d vertreten sein. Falls diese Herren nicht in der Lage sein sollten, den. Londoner Verhandlungen beizuwohnen, werden sie Vertrauensmänner benennen, die mit ihrer Vollmacht au den Beratungen des Council teilnehmen werden. Tie Zionistische Exekutive hat einen eigenen Plan ausgearbeitet, der dem Council vorgelegt werden soll. In diesem Plan wird eine großzügige Siedlungsaktigich, in Palästina in Aussicht genommen/ Ds ist bekannt geworden, daß von jüdischer Seite in Deutschland auch die Förderung der Berufsausbildung von Jugendlichen int Hinblick auf eine Auswanderung nach Uebersee im Rahmen der neuen Aktion gewünscht wird nach dem Eintreffen Dr. Weizmanns, der Vertreter des Joint und der Beauftragten anderer zentraler jüdischer Organisationen be- - ginnen. In England wird der Council die Aufgabe haben, nicht nur Richtlinien für die Verteilung der Mittel zu geben, sondern auch ihre Aufbringung.zu leiten, während diese zweite Aufgabe dem Council in Amerika nicht gestellt sein wird. Dort bleibt die Geldaufbringung dem Joint Distribution Committee und dem United Palestine Appear überlassen. Im Vordergrund der nächsten Beratungen des Council wird-die Frage der Verteilung der Gelder stehen. Während die Zivlu-ftenverlangen, daß mindestens die Hälfte der Mittel für Palästina-Kolonisation bestimmt iverden. glauben die Nichtzionisten, daß in diesem Augenblick eine solche Abgrenzung von vornherein nicht getroffen iverden sollte. Auf einer Konferenz, die am 15. März im Dorchester Hotel stattfindet, wird der, Drive zur Aufbringung von einer Million Pfund in England für die sogenannte.Samuel-Aktion zugunsten der Berufsumschulung und Auswanderung von Inden aus Deutschland eröffnet iverden. Den Vorsitz in der Konferenz wird A n 11) o n h d e R v t h s ri) i l d führen. Man erwartet. daß u. a. auch der Präsident der Jewisli Agency und der Zionistischen Organisation.' Dr. -Chann Wetz» mann, eine Ansprache auf dieser Kon- . serenz halten wird. - Dringliche und vor« dringliche Aufgaben Auf einer Sitzung der An^lo Jewisli Association, die Anfang Mar.z stattfand, gab deren Vorsitzender. Leonhard G. Di o nie* fiore, einen sehr unterrichtenden lieberblick über die Lage der Inden in Mittel- und Osteuropa. Hierbei ging er auch auf die Hilfsaktion ein. die zugunsten der Inden dieser Länder -unternommen worden war. Die Kritik an den Leistungen der JCA, die in den letzten Monaten taut geworden ist. und das Hoffen unzähliger Inden weit über den Kreis der organisierten Zionisten oder der unorganisierten Palästina-Freunde hängen an diesem Lande und seiner Entwicklung. ' Aber die Judenfrage hat nicht diese eine, sondern unzählige Eigengesetzlichkeiten. und auch diese sind zu erkennen und ihnen ist zu dienen. Die Quotonlösung jedoch scheint uns die unjüdischste von dtleni Mit e i n e r Quvtenrechnung wären' wir einverstanden, nämlich mit der Berechnung, wie durch zweckmäßigste Verteilung eine Höchstzahl von Hilfe pro Kops geboten wird. Das wäre eine jüdische Rechnung, wir man sic aufzustellen pflegte, ehe man jüdische Hilfsbereitschaft politisierte. Diese Rechnung gingeauch ohne die vielgeforderte Gesamtumstimmung des jüdischen Menschen ans. Er muß sich freilich auf die Tonlage, des Weltorchesters von heilte stiminen. Aber er braucht nicht ein völlig nenes Instrument zu iverden. damit der große Dirigent des Weltschicksals ihn verwenden, kanii. Es ist itatürlich, daß man beim Schreiten -der Sonne entgegen soder ivas .man für sie hält) die Konturen auf dem Wege nur sehr undeutlich unterscheidet, sie dagegen im Rückblick, mit der Soiine hinter sich, um so besser auseiuanderhält. Gerade wir Juden, die wir mit Leidenschaftlichkeit uns dem Leuchten fast jeder Epoche hingegeben haben, wissen sehr gut, daß immer durch den Bruchteil echter Wärme, die übrigblicb, ein ^tück unseres echten jüdischen Wesenskerns erneuert worden ist. .Jede Zeit Ijat ihre Sonne und ihren Segen, ihren Schat- -chnrmriüchhreii Unsegen. Tie Nachwelt lyit ci>'t heit, so versuchen-wir Geschichtss ch ö p f u n g. schassen loir Z u. k u n s t. Niemals aber ist Geschichtsdeutung schon Zukilliftsfchöpfuiig. und Zukunfterwächst nicht ans Quoten, sondern aus einem großen jüdischen Willen, der das Glück des Menschen zum Maßstab.-feines Handelns macht und den Menschen vor die Idee, nicht die'gedeutete-Idee vor den Meu- ’ scheu stellt. die Möglichkeit der Wahl, ivas ihr für einen Zeitabschnitt charakteristischer erscheint, sein Licht oder sein Schatten. Nehmen wir nur kritische Rückschau vor, so treiben wir Geschichts den t u n g, gestalten wir unsere- Zukunft aus den Erfahrungen der Vergangen- Kulturbund ub 15. Mürz Das Verbot der Beranstaltungeu des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland und der abgeschlossenen Orga- .nisätionen ist tutt VCrkuug vom >5. Vlärz Ilvll; wieder anfgelwben. An diesem Tage beginnen wieder alle Veranstaltungen der Kulturbünde. Unser Dr: K. st -/-Mitarbeiter^ der unfern Lesern vor allem durch die Aussatzreihe „T i e Z e r st-r e u u n g d er Z >l d e n ü b er di o Erde" bekannt-geworden'.ist,'.hat mit seiner Ilebersiedlung nach Palästina, die in den letzten chüvchen erfolgte," die. Ergänzung unserer Palästiua-Bericl>terstattnng' nach der soziologischen, sozialpolitischen und statisti. scheu Seite l>in übernommen. Die Aufsätze luerdenin Ergänzung der Berichte unseres ständigen Wirtschafts- und jü> disch-pvlitischen Palästina - Mitarbeiters regelmäßig veröffentlicht. Dr. E. li—r. wird -lLUiL^Berichterstattung da neben u och dem rtzvrdereimOrieut widmen, desten Entwicklang rmd Formung nicht nur für Palästina von Bedeutrmg ist. Or.E. st—/. beginnt seine Mitarbeit->in der vorliegenden Nummer mit einer Reportage.

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