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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-05 · 10 (5.3.1936) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
10 (5.3.1936)
Date
1936-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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F XV Jahr*. / Nr. 10 Berlin, 5. März 1936 Preis 10 Pfennig entral AUGEN EINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftlejtung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilurrg'i: Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva Si ll—15. Telegrammadresse: Ccntralglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344.?10 Ü-“Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag, Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt .und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch dio l'ost. die die Gebühren' TUr($ „ erhebt.— Bezugsgebiihren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2.30 EM. umgerechnot in die LandoAvahning) einschliesslich Zustellgebühren. Kmzelnmmner 10 Rpf.f.VudaiuI 20 Rpf.). jJJ1 höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Betrage. — Anzeigcngebiihren: 'Preisliste 5'. gültig. Dio 12ge.spalwuO Millimeter-Zeile 20 Rpf.. für/Stellengesuchs 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigto. Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung, -r Anzeigenschluss: Dienstag. Platzmul Datenvorsehriften ohne Verbindlichkeit. Pflichten der Mähe A. H. Der Alltag des Juden in Deutschland ist Heute mit Arbeit und Sorgen bis an den Rand gefüllt. Er muß versuchen—sein Dasein und Denken zu den Vorgängen und Anschauungen, die sich um ihn vollziehen, in ein gewisses Verhältnis zu bringen. Dabei braucht er umfassendere Perspektiven, als er sie aus dem engen Raum seines persönlichen Erlebens heraus 51t finden vermag. Tie -Tülle von angeblich allgemein gültigen Parolen und Maximen in unserem jüdischen Leben und die Versuche, neue zu finden, beweisen nichts anderes als den Willen, im einzelnen und ln den . Gesamtfragen Ordnung zu schassen. Aber' nur wenige vollbringen eine unmittelbare und praktische Verwirklichung der von ihnen logisch und empsindnngsmüßig bejahten Erkenntnisse. Unmittelbar: darunter verstehen wir persönlichen Einsatz und umwegloses Bemühen im täglichen Tun des Berufs und neben dem Berufe. Zn viele haben die Meinung, es genüge, Erfüllungsgehilfen seiner eigenen Absichten 511 haben: man nehme . . . eine Mitgliedskarte^ man erwerbe . . . ZeichnungsscheinZman besuche. . .Veranstaltungen und Versammlnngen der Gruppe, der man nähesteht. Es sind schon Leute da, die ans meinem Gelde. meiner Sympathiekundgebung etwas im Sinne der gemeinsamen Sache machen werden. — Es genügt nicht, wenn man n u r so handelt, so notwendig und unersetzbar es ist, auch s 0 zu handeln, weil das Gemeinschaftsleben sich überall in organisierter Form vollzieht und eine Arbeitsteilung innerhalb der Gemeinschaft gar nicht zu entbehren ist. Es mag auch früher so genügt haben, als sich der Mechanismus. unseres Gemeinschaftslebens scheinbar reibungslos abrollte und bei dem einzelnen vielleicht nur der Wunsch bestand, für möglichst wenig Kosten einen möglichst reibungslos funktionierenden Apparat, in Bewegung zu halten. Heute genügt es nicht mehr.«. Es'ist nicht möglich, ans die Dauer eine Scheidung ausrechtzt,erhalten zwischen „Funktionären" der jüdischen Zukunft und Objekten der.jüdischen Zukunft. Früher mag es als Vertrauensbeweis empfunden worden sein, wenn eine Verwaltung ohne viel Kritik, ohne Mitwirkung von „Dilettanten" ans dem Kreise ihrer Freunde ihre Arbeit tat. Heute wird es zum Zeichen einer Ausgeleertheit der Gedanken, nach denen sich die Arbeit einer bestimmten Gruppe richtet, wenn man das Tun der „Funktionäre" als ausreichend ansieht und meint, man habe mit dem Betrag, der jenen die jüdische Arbeit ermöglicht, abschließend und ausreichend feinen jüdischen Beitrag am Leben der Gemeinschaft abgestattet. Tie Mitarbeit an jüdischen Aus¬ Diese Nummer umfasst 26 Seiten Sie enthält u. a.: Hauptblatt: Grossbritannien und Irischer Freistaat, von Dt. E. R-z. 1. Beiblatt: Esther in der bildenden Kunst, von Dt. Margarete Steinberg. — Brief mar ken-T auschecke. 2. Beiblatt: Zur Geschichte der jüdischen Presse im alten Russland, von Dt. E. Kontoromtsch. — Bibliographie jüdischer Werke. 3. Beiblatt: Kinderblatt. 4. Beiblatt: Buch und Kunst. §. Beiblatt: Sportblatt. — Juristische Wochenschau. 6. Beiblatt: Wirtschaft der Woche. — Palästina-Umschau (u. a. ,,Denkmäler Palästinasder 2. Teil des „ IVaitzinger", von Dr. Max Osborn). gaben mittels bargeldloser Ueberweisnng braucht nur selten eine herzlose Ueberweisnng zu bedeuten (die Schatzmeister der verschiedenen Organisationen und Institutionen werden hier leise protestieren: ob mit, ob vtzne Herz, w i r geben es mit Herz a u s!); aber es werden Herzen u n d Konten gebraucht! Daß jeder Jude, der dazu imstande ist, bis an die Grenze des ihm Möglichen' gibt und weitergeben soll, versteht sich ain Rande. Aber es ist nötig, daß sich möglichst viele Menschen der Arbeit, die sie fördern wollen, Persönlich zur Verfügung stellen. Was meinen wir im einzelnen? Einige Beispiele, aus der Fülle, unseres jüdischen Lebens heransgegrifsen: Es wird viel diskutiert. nach welchen Grundsätzen sich die jüdische Schule ausrichteu solle. Tie einen .meinen, sie habe nur für Palästina vvrznbereiten, die anderen sind der Auffassung, sie habe sich zu einer Erziehungtzstättc z:i entwickeln, für die die Tatsache'unseres Daseins in Deutschland ein bestimmender Faktor für die Vorbereitung eines Daseins auch außerhalb Deutschlands zu sein habe. Es werden nun für und wider Artikel geschrieben. Resolutionen angenommen — aber wie wenige sind einmal auf den Gedanken gekommen, in die nächste jüdische Schule selbst hineinzugehen, die Räume, den Zustand der Schulbänke, die gähnende Leere in den Biblivtheksschränten der Lehrer- und Schülerbüchereien kennenznlernen: zu erfahren, daß die notwendigsten Gegenstände, für den Anschauungsunterricht fehlen; daß man sich beim Turnen mit den notdürftigsten Geräten — manchmal fehlen auch diese — behelfen muß. Wer hat sich schon erkundigt, wie es unter den Schülern aussieht, wenn einmal neue Hefte gekauft werden müssen, oder ein Buch für gemeinsame Lektüre gebraucht wird; oder — für viele Klassen ein Wnnschtranni, an dessen Verwirklichung monatelang gearbeitet wird, und doch bleibt, er'für viele ein . Traum — ein Ausflug für einen Tag ins Freie! Wer gibt aber dafür die Rpf. Fahrgeld, wer das Butterbrot, wer den Groschen für ein Glas Milch?.' Wer von den an. der Weltanschauung der Schulen so Interessierten kümmert sich darum? Es könnte so leicht dazu kommen, daß wir nach' und nach zu einem vollendeten Schnlprogramm gelangen. Rur wird inzwischen die Schule selbst sehr unvollkommen geworden sein. Wer spräche nicht bei jeder Gelegenheit von der Lage der jüdischen Jugend, teils init Bedauern, teils mit Skepsis, teils mit Resignation. Wer aber hat sich schon einmal das Heim angesehen, in dem sein Junge, jein Mädel die Freizeit verbringt? Nicht, um zu kontrollieren, sondern 'um zu sehen..'ob inan nicht mit wenig Mitteln noch etwas mehr Schönheit in diese Räume bringen könnte —- sofern Räume da sind. lind wo ne fehlen — wie man den geringen Betrag ansbringt, um ein. zwei Leerzinnner zu mieten, und damit einen Ort zu. schaffen, an dem unsere Jugend um die Fragen in Ernst lind Spiel sich mühen kann, voll beton Beantwortung die Zukunft unserer jüdischen Gruppe zlnn Teil abhängcn mag? Es gibt genug Menschen linier uns. die sich darum kümmern. daß „Linie" gehalten wird. Es wäre sehr nützlich, wennes mehr Menschen gäbe, die für das jüdi'che Tein hinter der Liilie Jnteresie hätten.- Manchmal ist der Entschluß dazu leicht, er erfordert nur ein wenig Einsntzbercilschast, Kraft zum Verzicht aus einen- Teil seiner Sir Herbert Samuel Vorsitzender des Council for German Jewry? Wie ans Jerusalem gemeldet ivird. hat der Präsident der Zionistischen Weltorganisation inid der Jelvisli Agency. Tr. Eliaiin W e i z in a il n , vor seiner Abreise nach'.London erklärt, daß der Council for (Jerman •Jewry das leitende Organ der vom englischen Drei-Plänner-Komitee eingeleiteten großen Hilssorganisation sein und sich voraussichtlich ans vier Zionisten und vier Richtzivnisten znsammensetze» lver.de. 2tzahrscheinlich würden Sir Herbert S a in n c l als Vorsitzender und neben . ihm Lord B e a r st e d . Simon Bl a r k s . ferner der Ehrenpräsident des .loinl D ist ri l>ut inn Committee, Felir M. 2b a r b n r g , außerdem Sir Osmvnd Elim d 2l v i g d o r G o l d f in i d lind Tr. Stephan S. 2b i f c dem Komitee angehören. Tr. Weizmailil begibt sich bekanntlich llach London, uni an der Besprechung über die Organisation des Hilsswerks teilzli nehmen. Die Sejmdcbaite wird fortgesetzt Jnl Lause der Etatberatnng im polnischen Sejm, über die nur in der vvrlvöchigen 2liisgabe der E.-V.-Zeitung eingehend bericliteten. hielt Innenminister R a c z k i e ,v i c z eine scharfe 2lbrechinnig init den hlationaldeiilvkraten. wobei er insbesondere die ' antisenlitlsclie Propaganda dieser . Partei als die llrsache fvrtivährender Unruhen lennzeictiiiete. Tie 2tativnalde>llvkratie.^. ertlärte der. Minister il. a.. leistet keinerlei positive 2lrbeit. weder für den Staat noch für das Volk. Tic natioiialdemokratische 2lrbeit besteht bloß darin.s Unruhen hervorzurnsen. Die Sclilägereien nnd lliirnlicn.nelimen von. Tag' zu Tag zu und fordern innner inehr Opfer.. Tie 2tationaldemokrateil mnrlH'U das Leben aiiarlhiscl,. indenl sie die polnische Bevölkcrniig gegen die natioiialeli 2>liiideriieiten und insbesondere gegen die jüdische Blinderheit a»flietzeii. Es mehren, sicli die Falle von organisierter Geivalltat. begangen von 2>tit° gliedern der iial.ioiialdemvkrat-isch»» Partei. 2Us vor kurzem glauble inan, den Ursprung aller dieser b'rzesse 'bei der als illegal erklärten ..Rara" - Organifalioii snilien zic - nn'issen, jetzt aber liegen 2A'iveise vor. daß die gesamte iiationaldemofratisclie Partei. solcl,e d n ten an st ist et: damit hat sie den Untersciiied zwiselie» sicli unb de», illegale» radikalen Lager «Raras verwischt. Ter 'tzHiiister lvies sodann daraus hi», daß das 2>orgel>en >l»d die -valtniig der Rationaldeniokralen im., -2bidersprint, stel,e .;>> der von' il,iien seinerzeit eil,-oveiieii Forderiing. daß jeder> Bürger Polens ohne lliiterscl)ied des 2b'fciint»isses die gleichen -)fetljte wie die Polen selbst haben solle, lind betonte, daß die zJUAionaldemokrateii sogar vor 2lerlni'glimpfnng der Person des Staatspräsidenten nullt znrückschrecken. Tie Re-. giernng. schloß Piillisiee 2!aczlie>vi.cz. werde sich mit größter bntschlvssenheit der national, demokratischen 2lktion entgegenstellen. Ein geslinder 2iationalis,nns. ausgebnnt ans stolzem Pvlksbewnßtsein nub ^lirUclier Geineinschastsärbeit. sei ein fei)öpfoVitti)er Onell. Ter zllativnalisiinis der Aationaldeinvkraten sei aber ein krankliaster. Tie Rationaldemokräten mögen es sich gesagt sinn lassenr 2ber da glaube, iiii Rameir angeblilcher . 2'0lksinteressen den Staat scliäUigen zu können. der werde ans den energischen 2'biderstand des Gesetzes uiid der Staats! stoße»... 2lncti der Abgeordnete 2bale>vski l daß. dnrcli Gewalttaten Biinderlieitensragen inclit gelöst iverden könilen. Tie 2linveiidnn.g pln,siscl,en -Zwanges stehe im Widerspruch zu dein ritterlichen Geist nnd den erhabenen Traditionen Polens. persönlichen 2bünsche. So mag es in der 2kegel in der Großstadt sein. . Häufig ivird der Einsatz scliwieriger zn verlangen teilt, dort, wo stärkere innere Kräfte zii überwinden sind, die den Rotwendigkeiten des engeren -Kreises, in dem man lebl^ »ich! Recljinnig trage». Es'gab.- umeinen iviclitigcn Fall anznführen, schon immer innerlialb der Jilden Tentjchlands eine gewisse TUnneinvandernng: ältere Picnsctieil ans der sogenannten Provinz zogen, ivenn sie nach fleißiger 2lrbeit den Lebensabend angenehnr beschließen ivvllten. in die nächste Großstadt. Jl,r Unternehinen übertrugen sie einem Kinde oder verkauften es an einen Interessenten. Tiefer Vorgang, der zur Bildung der jüdischen Großgemeinden führte, war Unter keinem Gesichtspunkt -als ein.-.Segenfür die -jüdische .Gemeinschait zu bezeichne». Aber früher bedeutete er im Grunde nur eine Bertleincrnng. keine Gefährdung der Gemeindedie im Einzel fall ein.Mitglied und damit einen Stenerzahler verlor. Jtzteist. entlastete jener sein Gcivissen dllrch Stiftungen, dnrci, ständige F-.U,- lnngnalime und regelmäßige 2Ksuche der alte» Heimat. Heute liegen diese Tinge sclir Tie kleinen und inittleren Gemeinden ringen schwer um ihre l^ristenz. J>,r gesamtes knltnreUes Leben hängt mitunter davon ^ab. daß ein oder zwei ivvlilhabendere Gc° meindemitgliedcr nicht lortziclien. Tie Avswandernng steht in diesem Falle nicht zpr Tisknsnon. sondern.der häufig a:.zntre;sende Vorgang, daß ein bisher jüdisches Unternehmen.arisiert wird und der bisherige Jnhaber. vline aktive geivohnte Tätigkeit, sich rntschließt. in die.Großstadt z>! zielien. Ein 2>!ann mit seiner Familie geht, .und der lliest. der zitrückbleibt. 'muß ans ’nljttufe kleine Berschönernngen seines geiviß ivcdcc" scl>r sonnigen nvcli anspruchsvollen Tascnis ver». zichtc». die dein Fortgel)enden inni in der Großstadt in erleicliterter lind vermehrter 2tzeise zur Versagung stelieu. 2tzir erwarten an dieser Stelle den Eimoand, daß es leicht sei. am Schreibtisch in Berlin, der größten jüdischen Gemeinde, andere anfznsvrdern, in der Klcingemcinde zubleiben. Und tvir erkläre,! sogleich, daß wir für bestimi'ite Fälle, für die auch unsere Anregiing »ichk gälte, den Einwand annchmen. Aber wir wissen sehr genau, daß cs in vielen Fällen keine zivin- -gendc Rotwendigfeit ivar. die inii den 2!ieg in die Großstadt s-nl>rie, und in diesen Fällen vertreten ivir' allerdings den Standpunkt, daß-Zeder an dem Platze der Allgemeinlieit dienen soll, ans deiii er nach seiner ganzen 2>ergangenlieit am meisten leisten kann. Und die Zeit, die dem bislier loirtsclwitlich tätigen Geineindemitglied nun nacl> Bnrkans seines Unternehmens mel,r zur 2Jersngnng steht, -lnun es in Den Tienü der Allgemeinheit Jeder Jude Ijat hentzntagc eine beitinnntc 2'-orstellnng von seinen jüdisclien Pslicl>ten. Alan sollte den Verincl, machen, sie dort-z-ir-e füllen. ,v'o nicli't erst ein Umweg nötig wird, in» zu il>nen zn gelangen, „tivas aber istdeine'Pfliclit?" fragt Goettie und antivortet ..Tie Forderung des Tages." --- ..Versnel,e deine Pilicl,! zn Uin. und du ivcißk gleich, was an dir ist", — nicht nur du selbst, möchten wir ergänzen, sondern auch andere.

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