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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-13 · 7 (13.2.1936) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
7 (13.2.1936)
Date
1936-02-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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brm 5MrntfiU'r nii' f ii u im ä n n i sch o m ('öcbiot. itt ecanofli'tYlilom'n, hier 1 ofuvI eine einem' Ainim zu etablieren: -ohne Qniane AiennJniobrr inmrila ui scheu lliniKeu und üNarl!veri)äl!niüe im nII gemeinen iväre das ein leirijlseriigrs Lßnguis. Dagegen iverden dieses Z!tzarenl,aus nnd jene Tertilfahrik mdchicheriveise bereit teilt, erstklassige deutsche .Spezi-alisleu. die nmi) die Landessprache noll« auf beherrschen. fairen Bedingungen anznstelleii.. 2es Immigranten (''K'jdjicflkijft'it nn . Umgang mit ANensist.en wird dabei von .entscheidender- Bedeutung sein. Wir ' bevb- -ael,teten einzelne gnnslige Falle.ivarnen aber dringend vor einem rosenroten Optiniismns. Bieber habenwir> ,i.mm,er> nur von den .einwandernden m/annern gesprochen/. Was wird ans den Mädchen intd Fr a n e n? Sie sindVtwas besser daran -- sofern sie sich bescheiden. In den Berufen. die tvir schon streiften, werden sie schwerlich größere Er* folge erzielen als ihre männlichen Piitbewerver. Auch in der sozialen Arbeit werden iininer juxv einzelne Persönlichkeiten ein neues Wirkungsfcld finden.- Gymnastiklehrerin? Krankenschwester? In dem einen oder anderenFall ist da vielleicht eineHossnnng. aber nicht mehr. Tagegen feitne ich . verschiedene junge Tanien. die sich hier schon hübsche ^ekretärinnen-Ltellnngrn errungen haben. Gewandtes. Anstreten, vorzügliche Lprachkenittniffe, Beherrschung auch der englischen Stcnvgraphie sind Voraussetzungen siir jeden Erfolg aus diesem Gebiet. Im,, Notfall kamt sich eiit junges- Mädchen einige Zeit., als Kinderfräulcin oder Hausgehilfin durchschlagen und sich damit vor dem Hunger schuhen. iLtellungen -dieser-. Art sind wohl - ohne, allzu. große Ptühe.zil finden. - n . Tas ist, ganz niichtern betrachtet,. die -berufliche Situation der deutschen Einwanderer. Sie haben weder einen Anlaß, himmelhoch zu jauchzen. noch brauchen sie zum Tode betrübt zu sein. Hält der starke Konjunktnranfschwung in USA an und bessert sich die Lage ans'dem Arbcitsmarkt — der iieueste offiziöse Bericht fautet verhältnismäßig freundlich so wird unser nächster Aussatz zu diesen'. Thema vielleicht schon frohlicher klingen können. Line jüdi8che Geschichte Felix A. Tlieilhaber, Im Kampf um Gott, Volk und Land, Geschichte der Juden In Erez Israel (1:JOO v. Chr. bis 300 n. Ohr.). Verlag Kedeip, Berlin. Ein neuer südlicher Geschichtsschreiber, der eine jüdische Gejeiiichte in einem oder höchstens Uvei Bänden vorlegen lvürde, die in knappem Stil lebendig -.geschrieben lväre, aber so,, daß nichts Wesentliches entbehrt ivird, — da? ist ein Wunschbild von vielen. Tenn da?, was bisher in deutscher Tpraclie vorhanden ist: Graetz und Tubnow, N.istein nnd Prinz/ genügt nicht. Tas eine Werk ist vielbändig, -mancher traut sich gar rächt erst heran: das andere ist mehr Hymnus, als Historie: ein drittes, bei aller Klassizität der Darstellniig. geht von nicht mehr gültigen Grundansichten der Geschichtsbetrachtung ans. Ta? Bedürsnis also ist da nnd ein rühriger Verlag tut recht daran, wenn er darangeht, c? zu befriedigen. A» diesem Augenblick legt Felir A. Theilbabrr, der bekannte Arzt und Svzialstatistiker zwar nicht eine- Gesamtgeschictite. aber eine Geschichte der ä»den in Erez Israel vor. Auch der Verfasser kann also ans allgenreine Aufmerksamfeit Anspruch erheben, um so mehr, als er in. der Vorbemerkung ein übriges lut, indem er in Aiiknüpsimg an die vor Jahren erschienene Schrift, die ihn bekannt gemacht hat, sagt: ..Habe ich damals die Einzelheiten zus,immengefaßt. um einen großzügigen Blick in die Zukunft zu tlin, so habe ich jetzt eine ebenso ansrüttelnde Rückschau aus die Vergangenheit der Juden verfaßt, die ebenso uneröittlicl, mitreißend die aneinandcrgereiliteii iiiteresjanten Begebenheiten ja einet großen Sicht vereint ..." Ter ausmerksame Leser ivird sich dieser Ansfasßlng des Autors nicht anschließen können. Ist es schon ein geivagtes. Unternehmen, wenn man von Medizin iliid Tlatistik ohne weitere Bvrbereiinng zur Hisiorie übergeht.- so wird da? Wagnis zur Blasphemie, wenn man sein Gesellenstück gerade an dem Stoff zu formen' sucht, HäUet Betyktä an dem Gott selbst sich den Vätern unserer Väter und-durch sie allen Völkern der Welt offenbart hat. Wer sich im Umkreis naturwissenschaftlich gelöster „Weltrütscl" einer vergangenen Generation beruhigt hat, ist kein Jude: es ist von jedem jüdisch zu nennenden Standpunkt aus grotesk anznsehcn, wenn ein ans seinem Gebiet hockpierdlenter Manu dieser Art ein Führer zu jüdischer Erneuerung von den Quellen her sein will. Ter Erzvater Abraham „spukte" nicht in der Geschichte (S. l-O. er ist der Träger der Verheißung: nicht „aus der Froschperspektive der Beduinen erfährt ihr Einfalt in Palästina ein bedeutsame? 'Ausmaß" (S. r>.‘)). sondern au? der höchsten Sicht der Weltgeschichte; daß „der , Rindertsirt und Feigenzüchter Amos Gott als die personifizierende Gerechtigkeit" anspricht iS. 76), ist schlechthin unverständlich: und lvenn „da? fleine Vvlk der Inden" jener Zeiten als „ein Freund der Feder" bezeichnet wird iS. 77), sv ist damit die ganze .Schreibtischhastigkeit — nicht de? alten Israel aber der Theilhaberschcn Geschichtsschreibung allsgedeckt. Le style, c’est riionmie. Sobald Theilhaber ans dem Bereich de? biblischen Bericht? hcraliskommt. wird seine Tarstellnng erträglicher. Es gibt „ansrüttelndere" Beschreibungen der Hasmonäerzeit, der Kriege mit Rom nnd insbesondere der. srühen rabbinischen Geistesivelt) aher lvenigitens besteht für die Spätzcit nicht mehr die Gefahr, daß die bröckligsten Thesen der Bibelkritil einer notwendigerweise kvmpilatvrischen Arbeit lieber zugrunde gelegt, werden als die begründetsten Ansct>aulingen jüdischer Sachbetrachtung. - Es ist . ein zweisellvse? Verdienst, lvenn ans die Bedeutung ökonomischer und sozialer Faktoren bei der verhängnisvollen Entvölkerung Palästina? im; ausgehenden Altertum hingewiesen wird. Hätte sich Theitstaber ans dieses ihm naheliegende Stoffgebiet konzentriert, so l,ätte er vielleicht unsere Ansck)<n>nngcn über jene noch längst nicht genüaeud erforschte Zeit erlveitern können. So wie sein Werk sich nun präsentiert, l)ät er zliviel gewollt: da? gute einzelne gehtunter, und die verfehlte Anlage des Ganzen bleibt. Werner Cahnmann. Leben und Werk eines Frühvollendeten Ghaim Arlosoroff, Leben Und Werk. Heclialuz-Verlag, Berlin. Tic'e? „LehrblM) des Zionismus der Nachkriegszeit", das der Hechaluz-Berlag „für den Ehaiver ivie f!'ir jeden denkenden Zwnisten.lind Juden" ans Schrütcil, Reden, Tagebüchern. mid Brieten El,aim A-rtosvroffs zusammengeftclit hat, realen Zionismus und det palästinensischen. . Wirklichkeit. Nichtsist charakteristisck)er und -zugleich rühmlicher für d'ie Persönlichkeit Arlosoroffs als dieser instruktive Querschnitt durchseine poli- - tisck^ Gedankenivelt.. Sv -erschöpfend und-.lebendig- .im.Zeugnis in die Einheit zwischen^Mainr und Werk, daß fiel}: die' biographischen Aufsätze ilNb selbst derinteressante Essah von Georg.Landauer, die -'den Schriften Arlosoroffs vorangehen, fast.erübrigen. „Was uns nottut, ist — klarer Verstand und ruhige Analyse, die die Kräfteverhältnisse und die Tendenzen der Entwicklung richtig abwägt." Tiefer Vorsatz, den er anläßlich einer Betrachtung des Araberprvblems verwirklicht ivissen will, bezeichnet prägnant Dialektik und Strategie des bei alter inneren Leidenschaftlichkeit niemals übcr- - trieben saimtischen oder chauvinistischen Arbeiterführers. . Selbstverständlich ist die Schrift einseitig und radikal, wie es-nun einmal die ideelle Position eines überzeugten Nationalisten verlangt. Besonders augenscheinlich wird seine Subjektivität in der mitleidslosen Kritik an der Golaeristenz und namentlich in der von einer gefährlichen Skepsis beherrschten soziologischen Analyse über die amerrkailische Iudenfrage. Tiefe Briefreiye mit dem Titel „New-Yvrk und Jerusalem", die sich in außerordentlich scharfer llntersnchüng mit der sozialen Strlikturder „jüdischen Gesellschaft" in Amerika tatsächlich aber und vordringlich mit dem jüdischen Mittelstand und Kleinbürgertum befaßt, geht mit einer auffallenden Tendenz an emanzipatorischen Pakten Vorüber, deren Erheblichkeit namentlich für das politische (finanzpolitische!), wirtschaftliche und geistige Leben Amerikas heute unstreitig ist. Tiefe Unterlassimgssünden vermindern natürlich den wissenschaftlichen Wort der Untersuchung, wenngleich sie den pölitischcn Reiz.erhöhen mögen. Zum anderen werden bestimmte Erscheinungen des Tiasporajudentlims in ihrer politischen Bedeutung fraglos überschätzt. Sv namentlich, wenn interterritoriale Verbünde der separatistischen Q-rthö-. dorie oder gar des assimilierten Liberalismus als nationale Konzcntrationsmagazine verdächtigt lverden. Mit dem gleichen Rechte könnten zwischenstaatliche und vielleicht hochkapitalistische . Wirtschäftsverbiiidiingen als Ansdruck internationaler nnd sozialer Solidarität aller Volksschichten .empfunden werden. Temgegenübcr fällt die außerordentliche Objektivität imd oftmals schonungslose Selbstkritik auf. mit der die soziale und politische Situation Palästinas selbst beleuchtet wird. Hier spricht nicht der Ideologe,, dem es um die Flicken einer schadhaften Realität 311tim ist. und auch nicht der aus der politischen Werbearbeit sattsam bekannte Parteißmktivnär, der den doktrinären Gang der Programmaschine überwacht, hier spricht in aller Illusionslosigkeit und Strenge der verantwortliche Chawer, der um den gerechten Ausgleich zwischen den objektiven Notwendigkeiten der Situation und den subjektiven 'Bedürfnissen der Bewegung und ihrer Menschen bemüht ist. Es ist von vornherein falsch, mit vorgefaßten Alcinnngen und geivohnten Aläßstäben an die palästinensische Situation heranzutreten. Tie Andersartigkeit und Bielfaltigkeit ihrer wirtsck)aftspolitischen (Alija) Fragen, bevölkerungspolitischen (Arabersrage) und außenpolitischen (Mändatsfrage) Problematik lassen die üblichen parteidoktrinären Eiitschlüsse und Maßnahmen nicht zu. Bewährte Ideologien und politische Meinungen der Diaspora erweisen sich gegenüber dcL erforderlichen Taktik des Umgangs mit .Boden, 'Nachbar und Behörde als zu starre Konservativismen. Selbü der Sozialismus erhält ein neues. Gesicht. Er -gewinnt in Palästina seine Kräfte und - Maßstäbe au'S irationalen Bezirken.- Ter ."Arloforosfickie Volkssoziatismns bezieht seiue-Reali- -tät aus der' Konzeption.-.der „wirtschaftlichen tztationA. Damit verzichtet er ans die-revolritio, näre- Kraft. uüe andererseits auch der mvderng - National'gedanke' notweudiger-lvene relativiert wird. Eine Auseinandersetzung mit diesem hoch« interessanten Kapitel aus dem" Gebiet' bot nationalen Minorität ist in diesem-Zusammenhang so. -wenig erforderlich wie möglich. Tie Verdeutlichung des Problems gibt das Biich selbst - in Form einer .intensiven Auscinandersetznng mich all den Ersck)cinnngcn und Gegenspielern, in deren Kraftfeld sich der reale: Zionismus z,r behaupten und 31t bewähren haben wird. Diese Widerstände gehen auch vom eigenen Lager ans, wie der Beitrag „Zur Strnktur der viertenAlija" darstetlt, der Alisa „des kleinen Mastnes", mit seinen, ungesunden Berstädterungsambitionen. Sie kommen von der Seite des Revisionisnuis her, )vie der Alisschnitt aus der Debatte auf dem XVII. Ziviüsteiikvngreß lehrt. Vordringlich ist es aber die immer ivieder behandelte Arabersrage rmd das durchans im. srcnndliche Bel>vrdenreglement der. Mandatarmacht. die den Hanptbestandteil der Anseinandersetzungen bestreiten. Bon besonderem Interesse ist Arlosoroffs Registrierung der absolut kühlen, wenn nicht gar feindseligen Atmosphäre im Umkreis der britischen Verwaltung und der offene Zweifel an dem politischen Segen des Ntandatsverhältnrsses; ihm hat er ein besonderes Kapitel, betitelt „Die Glasmaüer" (!)', gewidmet. Dieses Blich wird- Zionisten und Nichtzivnisten Wesentliches zu sagen -haben.--Nicht so sehr durch die Schönheit, wie durch die Schwierigkeiten des Gegenstandes, den es schildert. Ten einen werden sie den Blick für die objektiven Gegebenheiten schärfen, den anderen für die Größe der Leistuiig. Beiden wird der Ernst eines Werkes osfenbar und der Respekt vor einem Manne zur Pflicht werdei^ die gemeinsam zur Ehre der Arbeit und des iübw scheu 'Namens beigctragen haben. H. K. Der Schriftsteller S. Lichtenstaedter, der schock linier den .Decknamen Tr. Mehemed Emin Essend, und Nueman als Publizist hervorgetreten ist, veröffentlicht Unter dem Titel „Zionismus --und T andere . Znkunstsmöglichkeiten" (Verlag von Gnstav Engel, Leipzig 0 1) zivei Vorträge, die, wie der Untertitel der Broschüre hervorhcbt, die „Heränssorde« rnng zu einer Diskussion" bedeuten. In sehr lebendigem, Meinung und Gegenmeinung einander gegkiiüberstelleiidem Redestil setzt er sich mit dem Zionismiis anseinander. Er erhebt gegen ihn neben religiösen Bedenkei, die beiden gründlegendcn Eimvendnngen, daß auch bei Ansetzung günstigster Voraussetzuugew mir ein kleiner Teil der Iudcuheit in Palästina Platz finden werde und daß dieser kleine Teil nach einer Zeit des Aufschwungs von der zahlenmäßig um ein Vielfaches überlegenen arabischen Welt in einer kriegerischen Auseinalidersetzung aller Voraussicht nach überrannt und ausgelöscht werden ivird. An Stellg der aus diesen und anderen Gründen zur Erfolglosigkeit verurteilten zionistisck-en Losung empfiehlt er den Erwerb von „ethnographischem Landbesitz" (im Unterschied zu privatrechtlicher und staatsimd völkerrechtlickstm). der durch jüdische Landarbeit in allen Ländern, in denen infolge -Landflucht ein Landarbeitermangel herrscht, he^» beigeführt werden müßte. Tiefe Idee, der zweisel« Buch steißt kurz die Biliel, .du? Buch der Bücher. Alit Fug ucnul man es auch die .Heilige Schrift; rver seinen Gvtt verloren bat. kann ihn in diesem Buche wiedersiudeu, imd wer ihn nie gekannt hat, dem Ivebt eutgegei, der Odem des göttlichen Wvvkes. Tie Iiidcu. die sich aus .Kostbarkeiten ver-steben. wußten sehr gut, was sie taten, als sie bei dem Brande des Tempels die - gvldeiien und silbernen Opsergeschirre. die Leuchter und Lampen-, sogar den liol,epriesterlichen Brustlatz mit den großen Edelsteiueu im Stiche: ließen imd itiir die Bidet retteten. Diese war der wasire Tempelschatz ,md sie wurde gottlob nicht ein Raub der Flammen . . Heine trat zurück. Tie Gesichte verloren sich. Rtlhig entschlief er dem letzten. Morgen entgegen. Oie sechste Nacht Ties sind die Bilder, die uns vom letztei. Lebenstage des Dichters Heinrich Heine überkommen sind. . Es kam die- Mouche.-der die .-fahle Blässe. seiner Lippen" aiissiel. die „.ihn trübe, schwer- ' mülig. unter dem Eiuilusie jener Stimmung" fand. „wie.sie ein trauriger Wiuter- . tag erzeugt". „Emdlich. bist du da!" bade er ihr eutgegengeruteu, es l)abe vorumrssvoll geklilugeu. sie sei iveiueud ain Bettrand niedergebrocheu. ..Nimm deiiietl H,lt ab. damit ich diel) bester sehei, kann!" Unter solchen Worten habe er äuit der Rechten an ihrem Hntbande gezerrt. Daß er mit der Linken — wie er in den letzten "Jahren-zutun pitegte - das 'gelähmte "Augeiilid gehoben. sie nveli einmal glstelieu habe,' >vagt die - Bjouche ilickit zu behaupten, 'llach ihrem Bericht hat er au dev -Hand die Träneuslut gespürt, die ihr entstürzte und geschwiegen. Kein ätzort sei geweclisell worden, „aber die Hand des Freundes, zoelelie auf meinem . Haupte lag, .schien midi zu segnen!" Als sie ging, habe er noch einmalgesprochen nub deutlich, aber angstvoll zitternd" gerufen: ^Aus morgen, hörst du, säume nicht!" Am R'achmittag, so berichtet Catherine Bmirlois in einem Briese ' an.. Charlotte Embdeu, zwischen 4 und-5 Uhr habe Heine wiederholt den Wunsch geäußert^ sie möge etwas schreiben. Ter Kranke sei so schwach gewesen, daß sie ihn aus das dreimal geflüsterte Wort hin vertröstet--habe. „Wenn es Vesser.ist, werden Sie selbst schreiben!" Er habe geanlivvrtet: „Ich werde sterben . . .!" („Je vais mourir—“) Ob der letzte Besuch Tr. Grubys üor oder nach dieser Szene stattgefmtden hat, sieht nicht fest. Meißner berichtet: „Ter Arzt trat ein. uitd Heine fragte ihn. ob er sterben werde. Tvctor Grilby glaubte ihm nichts verhehlen zu müsseli.- Ter -Kranke empfing die Nachricht mit voller Rtihe." Am Abend kam eine zweite Wärterin, die der Arzt zur Unterstützultg Eatheriites für notwendig gehalten und gcsckiickt'hatte. Aus dem .Bericht Catheriues an Gtlstav .Heine geht hervor, daß Heine in der Nacht die verorduete Niediziu abgelehnt hat. „Sei ruhig! Ich werde dem.Toctor selbst sagen,, daß ich nicht, trinkenwollte. Tie' Arzneien Helsen nichts mehr!" Das seien die letzten Worte Hciitrich Heines gewesen... Bor diesen Stundeit schweigt die Phantasie.. Tie Berichte von ihnen stimmen bann überein, daß der Sterdeitde bis zcim letzt- „ Augenblicke bei vollem Bewußt' ' ’ -u-. Welche Bilder tanzten vor je . schlossenen Angen? Ter Abschied reu der Blonche scheint'endgültig gewesen ' - Mathilde war durch all die Iah ev-ärnstand aufreibender Sorge gewescit,' .u.-ur te "er ntit gitltmAÄPtUMu-daitkhar vdr .ii'w u. d gewiß.' Alles spricht dafür, daß die I Gedanken dvs Sterbenden der Heiutkcd. geho'rt haben zu den Quellen, atls deiten 1" Leh n kam. Ten Gedanken, noch e, -u in schreiben, hat er in diesen Still d-m hl ailsgegeben. Nach dem, was er.k .^ u er noch bedauernd gesagt, ist fein Zi ->-'Qi. i iß er an einen letzten Brief jür > . )? - : er dachte. Am Freitag noch soll er seine Freclde ausgesprochen haben, daß er Bruder und Schwester noch einmal gesehen habe. Tie Familie — in Qual und Leiden war sie sein Geschick. Ter Schlag der „Sippen und NNagen^ beim -Tode Salvmvn Heines traf die Wiirzel seines-Seins. Auch, wenn man das Gefühl aller Bitterkeit abzieht, so bleibt genug der Wahrheit, seiner Wahrheit übrig, wenn. er an Bariihagen gesäirieben hat: „Der Verrat, der im Schoße der Familie, wo ich wassenlos und vertrauend'war), an ncir verübt wurde, hat mich wie ein Blitz ans. steilerer Lust getroffen und fast tödlich beschädigt. Wer die Umstände erwägt, wird hierin einen üNeilcheliitordversuch sehen; die schleichende Niittelmäßigkeit, die stvanzig Jahre lang harrte, ingrimmig neidisch gegen den Genius, hatte endlich ihre Siegerstnnde erreicht . . Er. der den Namen seiner Familie vor der Geschichte geadelt hat und das wtißte, sah. in dem vom Onkel gegebenen Wort sein Recht. Er bestand daraus, iveil er Mathildes Leben gesichert sehen tvollte.'nicht sür sich. Als der Onkel, dem er einmal ins Gesicht geschleudert hat: „Tas Beste an dir ist,-daß dti meinen Namen-trägst!" im Tode Rache .nahm, den Nessen statt versprochener Rente mit einer kleinen Summe einmalig abfand, gab er seiner EHesundheit den entscheidenden Stoß. Ter Streit,.der sich ansck)loß. geführt besonders gegen Karl Heine, den würdigen Sohn nnd Hatiptcrbcn seines Vaters, war eiit Stück des urewigcn Kampfes zwischen Geist, nnd Geldmacht. Genie ', und Kapital. Daß er diesen Kamps mit den Massen des Gegners sülsren-mrrrßte, die. Feder in Gift getaucht-hat in den später vernichteten Memoiren, nnd so nur siegte, hat ihn tief geschlnerzt, hat er nie verziehen. Um so schöner, um so fleckenloser sind andere Bilder. Ta ist der Vater. „In seinent Gemüt war beständige Kirmes, immer himntelblatie Heiterkeit", erzählt er von dem Menschen, der mehr. Herz und Phantasie als Geschäftssinn hatte und es zu-nichts gebracht. Ta sind dis Geschwister, die am meisten geliebte Schwester Charlotte, die Brüder Mar(imitian) und Gustav. „Erinnerst du dich noch", fragt er in den letzten Wochen seines Lebens den ihn bestlchenden Gustav, „wie einst unser guter Vater in seiner schönen Uniform nach.Hanss kam, imd wie-wir. itachdcm er sic abgelegt, iins sozusagen.in dieselbe teilten'?.Ich ergriff den Federhut und ries: .Ich bin BNapoleon!^ Du faßtest nach dem Degen und jubeltestk .Ich bin Murat!' Unser Bruder Bcar zog dis Uniform selbst an, die er natürlich rückwärts, ans dem Boden nachschleppte, fortwährend jauchzend: .Und ich bin des, Kaisers Leibarzt!' Unsere gute, liebe Bcntter, welche alle diese Stücke wie Kostbarkeiten zu überwachen pflegte, schlug die Hände zusäininen und setzte unserem Glücke ein baldiges Ende. Es ist merkwürdig, daß ick) diese prophetische Szcite nie vergessen konnte. Du wurdest Kavallerievsstzier. Mar ein berühmter Arzt, nnd ich, liege hier ans meinem St. 'Helena nnd sterbe an unsäglichen Schmerzert!" ' Ta ist die Mutter. Heine und sie — das schönste Gedicht für die Nlnttcrtage aller Zeiten und Völker! Er hat sic geliebt, er hat sie verehrt, er hat sich nach ihr gesehnt wie nach seiner Heimat. Er hat seine schönsten Gedichte für sie gemacht, für sie nnd Tentsch» land, die er, beide so fern, geliebt, ohne sig zu besitzen. „Tn meine liebe, brave, rechtschaffene Mutter! Was sind die anderen int Vergleich zu Dir! Man sollte den Boden küssen, den Tein Fuß betreten hat!" — der Ton des schwärmerischen Dichters, der die Bintter vergöttert nur. Nein, — „das schöne Herz, das «lief; so sehr geliebet", sollte nicht traurig sein. Als er ein Knabe war, schildert er sie „nicht damit zufrieden, daß ich Verse machen lernte, und seien es auch nur französische. Sie hatte damals nämlid) die größte Angst, daß ich ein Dichter werden möchte; das wärck das Schlimmste, was mir passieren könnte"»

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