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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-13 · 7 (13.2.1936) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
7 (13.2.1936)
Date
1936-02-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Das Judentum in der Schweiz Die Zerstreuung der Juden über die Erde. XXV. (Nachdruck verboten) 3nnerFinIli-einet Gesamtbevölkerung hon wenig Ebenso wie in Deutschland waren die Schweizer . über hier Millionen Menschen leben in der schwei- Inden schon frühzeitig genötigt, sich den Bezerischen Eidgenvsienschast nach der neuesten amtrufen des Handels zu widmen: so erklärt sich lichen Statistik (ll'-lu) knapp 18 000 Inden, d. h. auch, daß sic größtenteils, in den schweizerischen . Hier unter 1000 Einwohnern. Ter jüdische Lektor Eiroßstädten wohnen. "Zürich - hat die größte in der' Schweiz .ist damit., prozentual nur etwa jüdische Gemeinde, dort leben gegenwärtig über halb so groß wieim benachbarten Deutschland. 5800 indische Menschen, etwa 2'^ Prozent der Be- Tie ersten. zahlenmäßigen - Angaben -über volkernng. Ter Größenordnung nach folgt die jnd-ische Familien stammen aus dem 18. Jahr» indische-Gemernde der Stadt -Basel mit 2tiu0 hundert, damals bereits ivaren - Juden in Basel, Köpfen: Innerhalb der 150 000 Baseler, bedeutet - dies eine jüdische Quote von weniger a!.s 2 ^Prozent. In G e n.f. wohnen heute etioa 2250 Indent -da die,/Stadt eine geringere Einwohnerzahl als' Basel hat, ist der prozentuale Anteil der Juden etwas höher als 2 Prozent. In Bern,, der Landeshauptstadt, - wohnen mir 850 Juden, das sind weit unter 1 Prozent, in Laus a n n e nur wenig mehr als 800. . Tiefe wenigen Zahleneingaben zeigen bereits, daß die Mehrheit der schweizerischen Juden in den d e u t s chsprachigen Ge - b i e t e n lebt, in den Kantonen italienischer Zunge sind die Ziffern der jüdischen Einwohner sehr gering, ebenso, wie in den besonderen, Welt- . bekannten Fremdenverkehrszentren. Dennoch bleibt sestzuhalten,° daß in allen 25 Kanton e n d er Schweiz j ü d i s che Men s che n leben. Die niedrigsten Zahlen, manchmal nur ein oder^ zwei Familien, gelten für die Kantone U r i. « ch w h z, Ober- und U n - terwalden. Glarus und Appenzell, während die -Kantone mit den Hauptstädten Zürich, Bern, Basel. Genf und auch. Baud und. Luzern die absolut höchsten Ziffern allsweifen, wenngleich die jüdische Quote selbst in diesen Kantonen zum Teil weit Unter dem Landesdurchschnitt von 4 zu 1000 zurückbleibt. Als Besonderheit der schweizerischen Juden nach der bevölkerungspolitischen Leite ist ein geringer M ä n n e r ü b e r s ch u ß sestzustellen, der sich aus den Einwanderungen der letzten beiden Jahrzehnte erklärt. Deren Umfang drückt sich u. a. auch darin aus, daß von den 18 000 Juden, die gegenwärtig in der Schweiz leben, nur etwa 10 000 Schweizer Bürger, sind, während rund 8000 sich unter der großen Zahl von Ausländern — weit über 850 000 — befinden, denen die Schweiz Gastrecht gibt. Leider bestehen keine amtlichen Ziffern, aus denen man für die einzelnen Konfessionen die Bevölkerungsentwicklung und insbesondere den Geburtenüberschuß ablesen kann. Die Bolkszählungszissern der letzten Jahre führen. jedoch zu der Schlußfolgerung, daß die schweizerischen Juden einen S t e r b e ü b e r s ch u ß haben und ihr annähernder Bestand nur durch Zuwanderung erhalten geblieben ist. In diesem Zusammenhang ist eine-Feststellung für die Judenheit Zürichs interessant, wo man die Geburtenzahl der Ost- und der Westjuden gesondert feststellte. Dabei' ergab sich, daß derKinderreichtumder ostjüdischen Familien fast doppelt Io groß ist wie der de» Westjuden.' Dr. E. R—z. Säern, Biet, St. Gallen. Zürich usiv. ansässig. Auf eine lange Geschichte können die jüdischen Gemeinden in L e n g n a u u n d O b e r e ir d i n g e n i m Aargau zurückblicken: ein alter jüdischer Fried- Hof ist Beweis für die Alteingesessenheit vieler -jüdischer Familien in Schweizer Landen. Um-die Mitte des vorigen Jahrhunderts, oft nach wechselvollem Schicksal, sind in allen Kantonen Juden seßhaft. Im Jahre 1850 ettva betrug ihre Gesamtzahl 2500 Köpfe. Tie amtlichen Statistiken, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts einsetzen, geben für 1880 eine Zahl von rund 7400 Juden an, 1000 ist diese Ziffer auf 12 800 gestiegen, sie wächst mit dem Steigen der übrigen Bevölkerung allmählich an, wenn auch stets in bescheidenen Grenzen. Eine El n >v a n d e r u n g v o » r u s f-i s ehe n u.n d polnisch e n I u den in der Zeit kurz vor der Jahrhundertwende bis 1010. die im Gefolge der Pogrome einsehte, brachte eine weitere Erhöhung, die sich in einer Ziffer von 18 500 Juden unmittelbar vor Kriegsbeginn. ausdrückt. Das Ende des Krieges brachte eine große. Anzahl von Flüchtlingen aus allen Ländern; darunter atich Juden: 1020 wurde daraufhin die Höchstziffer für Juden in der Schweiz mit rund 2 t 000 gestgestellt, die bis zur Gegenwart, ivie oben festgestellt, wieder auf-unter 18 000 abgesunken ist. Insgesamt bestehen heute 24 jüdische Gemeinden, die in ihrer großen Mehrzahl liberal sind, sehr wenige sind religiösorthodox. Ihrer Herkunft nach sind die schweizerischen Juden A s ch k e n a s i m, überwiegend Nachkommen derer, die in der ersten Hälfte des 17.. Jahrhunderts int Gefolge des 30jährigen Krieges ins Land gekommen sind. Auslands - Nachrichten Holland Aus A m sterd a m wird gemeldet, daß durch einen. Erlaß die für viele Branchen bereits vorgeschriebene schriftliche Genehmigung zur Beschäftigung von Ausländern auf zahl- .reiche weitere Berufe ausgedehnt worden ist. Es gäbe jetzt kaum noch Branchen, in denen Ausländer ohne besondere Genehmigung beschäftigt werden könnten. In Kürze werde auch ein Gesetzentwurf erwartet, der die NiederlassnngZ'on Ausländern als selbständige Unternehmer Beschränkungen unterwerfe. Polen Au dem letzten Markttag ist es in dem Städtchen Gosihil im .Kreise Posen zu ernsten juden- ) seindliclieu Ausichreitnugen gekommen. Der eingreifende» Polizei setzte» die Aufrührer Widerstand entgegen. In dem Kampf wurden, zwei Poli- Men und ein Gendarm getötet. Auch in anderen Ortschaften, insbesondere in der Gegend von Czenslochau, fanden jndenseindliche Ausschreitungen statt. Außerdem -wurden siebzehn Nativnaldemokraten als -Rädelsführer der Unruhen in Truikolas verhaftet. Ferner' wurden vier Nativnaldemokrate» ieitgenöinmen. die. als sie von den Unruhen in Truikolas erfuhren, au dem gleichen Tage indenieindliehe Ausschreitungen in Klobnck hervorrieten.. .Eine lebhafte judenseiiidliche Propaganda geht auch in der Gegend von Wilna vor sich. Ans eine Interpellation des jüdischen Abgeordneten Dr. Emil S o m m e r st e i n über die zunehmenden antijüdischen Attentate iu Polen hat " -Innenminister Rack i-e u> i c z dem SejMvörsitzenden folgende Antwort ..übersandt:. „Die Erscheinungen der.a nt ij irdischen Aktion sind mir bekannt: die mir unterstehenden Organe wurden äuge- . wiesen, über die öffentliche Sicherheit zu wachen, antiiüdische Ausschreitungen sofortzu unter-- drücken und auch Borbeugungsmaßnahmen zu trefi-e». Bis beute fließen alle Erzetie auf energische irkuug: das wird auch in Zukunit so scin. te es nicht iür zweckmäßig, irgendwelche Verordnungen zu erlaneli. Rumänien Im Aller von 75 Jahren starb in Budapest der Reichstagsabgeordnelc-P a u l S a n d o r. der im ungarischen politischen Leben eine hervorragende Bolle geipielk hat. Er war es. der den Kamps gegen den Nunu*ru$ clausus in Ungarn im.Jahre 1020 führte. Im Jahre 1022 entging er nur wie durch ein Wunder einem Bombenanschlag, der auf ihn wegen der Verteidigung indischer Interessen verübt worden war. 'Hui 'eine Initiative gebt ein int I ab re 1020 erlancncs Gelen zurück, wonach die ungarischen Juden im- Oberhaus, durch zwei Rabbiner vertreten sind. Pauk Sandor war im vergangenen Frühjahr Alterspräsident des ungarisct)en Abgeordnetenhauses: um die Uebernahme dieses Amtes hatte ihn Ministerpräsident Gömbös gebeten. _ Krise in der Wiener Kultusgemeinde Die seit längerer Zeit in der Wiener Kulturgemenide latent vorhandene Krise ist in ein verschärftes Stadium getreten. Die „U n io n ö st e rr e i ch i s ch e r I u d e n" war nicht gewillt, auf . den Borschlag der Zionisten einzugehen, nach dem deren Vertrauensmann, der frühere Vizepräsident Dr. Josef Löwen Herz ziim Amtsdirektor der . Gemeinde bestellt werden sollte. Da sie als Miuorität keine Aussicht hatte, ihren Protest durchzusepen. legte sie ihre elf Mandate geschlossen nieder. Sw' begründete diesen Schritt damit, daß durch die nach den Fedruarereignissen notwendig geivordene Annullierung von je vier Pvale-zivnistischen und sogl „werktätigen" Mandaten die ursprünglichen Mehrheitsverhältnisse entscheidend verschoben lvvrden seien. Infolgedessen sei das zu einem so ivichtigen Beschluß wie der Bestellung des höchsten Amtsleiters erforderliche Quorum, als nicht mehr vorhandeil zu betrachte». . Die von der „Union" mit ihrem Protestschritt verfolgte Absicht, die Beschlußuhfahigkeit des Gemeindevvrstandes herbeiznsühre.n, hat zunächst nick>t zum Ziel geführt. In einer Plenarsitzung des Borstandes der Wiener Kultnsgemeinde fanden die.durch den Austritt der Unionißen notwendig gewordenen Ergänzungswahlen in das Präsidium und ins Bertreterkollegium statt. An der Sitzung nahmen -sowohl die dem zionistischen Landesverband angehörenden Kultusvorstandsmitglieder als auch die Bertreter der Iudenstaatszionisten, der NZO und des Berbandes der radikalen Zionisten (Allgemeine Zionisten Gruppe .Li teil. Z»m zweiten Vizepräsidenten an Stelle des unionistjichen Vizepräsidenten Dr. Ticho wurde der Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, gewählt. Der KultusvorslandZwschloß-secnet auf Aillcag des Bertreter-:- der progressiven Zionisten (Allgemeine .-LI und des Berbandes der radikalen Zionisten. Dr. Leopold Plaschkes ehestens Neuwahlen auszuschreiben und durch,zuführen. Gleichzeitig wurde in der Plenarsitzung beschlossen. dem Bertreterkollegium Dr. Josef L ö w e n h e r z als ersten iiir die Stelle des Amtsdirektors zu empfehlen, wobei. die Bestellung jedoch provisorisch für ein Jahr erfolgen soll, da stcifutengemäß im Jahre 1086 die Erneiterung. des Kultusvorstandes vorgenvmmen iverdeip muß und der Entscheidting des künftigen Kultusvorstandes nicht vorgegrinen werden soll. Gegen, diesen Beschluß, hatte sich Tr. Leopold Plaschkes ailsaesprochen, der den Standpunkt vertrat, daß im Jznteresse des Zionismus und der Unantastbarkeit der Gemeindeantonvmie von der Bestellung des früheren Bizepräsidenten zmn Amtsdirektor abzuraten fei. ' - . ' 0er Berliner Gemeindevorstand Verschiebung der Ergänzungswahlen In der Repräsentantenversammlung der Berliner Indischen Gemeinde am 28. ..Januar -dieies —Iahres-wurde nach. Lüiederivalil -des,bisher aintierendeit Präsidiums der Bersammlmig die Borlage betreffend Neuwahl ziveier ' Bv.rstandsmit-. glieder erörtert. Wahrend-die Bertreter des Jüdischen Bolksbundes und-'der zioiuiti'chen Fraktion forderten, die Ergänzung des Borstandes durch Wahl zweier zconistischer Herren, zumindest die Nachwahl für Tr. Hirsch, die in keinerlei Zlisammenhang mit dem Kompromiß stehe, noch in dieser Sitzung vorzunehmen, schlugen die Bertreter der Religiös-Liberalen Fraktion vor. da nicht eindeutig klar fei, ob auch alle Gruppen der Gemeinde noch zu dem - Kompromiß stünden, -einen Ausschuß einznsetzen, der die Wahl der beiden Borstandsmitglieder vorbereiten und Fragen, die sich bei der Erfüllung des Kompromisses ergeben hatten, klären solle. In der Abstimmung wurde beschlossen, diesen Ausschuß einzusetzen, der aus fünf Mitgliedern bestehen wird. Erste Reichskonferenz der polnischen Juden in Deutschland Am 9. Februar wurde im großen Saale des Berliner LvgenHauses die erste Reichskonferenz der polnischen. Juden in Deutschland in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste eröffnet. Der polnische Botschafter war durch Legatiousrat Skvlkowski, das Generalkonsulat durch die Konsuln Kruczkiewicz und Kovaleivski vertreten. Nach einleitenden Worten-des Borsitzenden'des Berliner Berbandes polnischer Juden und Äbsendnng eines Huldigungstelegramms an den polnischen Staatspräsidenten begrüßte im Aufträge des Botschafters Konsul. Kruczkiewicz/ die Bersammlung. Im Namen der Neichsvertretung der Inden m Deutschland sprach Dr. Leo Baeck'über die Besonderheit jüdischen Schicksals. .... „Ein Jude sein", so führte er aus, „Hecht, eines Maximums an Geboten und Opfern fähig fein. N n s e r Heroismus i st n i ch t der, welcher, ob erregt oder ruhig, nach der Waffe greift. Es ist vielmehr der, welcher, seiner selbst - gewiß, darum auch seiner selbst Herr bleibt, welcher, auch in schwersten Tagen, dem Höchsten und Größten, der wahren Frömmigkeit und Sittlichkeit zugewandt bleibt. Das ist die heldenmäßige. Form unseres Daseins. In ihr beweist sich jüdisches Bewußtsein, jüdisches LebenG Bon diesem Heroismus erzählt auch die Geschichte unserer Brüder im Osten, in' ihm wollen Ost und West sich treffen. . ■ ' Mögen Ihre Beratungen von dtesem Getsl« erfüllt sein. Der Centralverein tvar durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Lctndesverbaudes Groß-Berlin, Dr. .Kurt Braun, vertreten. Bevor er das Wort ergriff, wies der Bersamin- Ilnigsleiter auf die b e iu ä hrte H i l f e hin. die - der C. B. dem jungen Verband bei der Rechts- . beratung der Mitglieder geleistet hat. Boii^ Beifall empfangen, erörterte Dr. Braun die Tätigkeit des Eentralvereius für die jetzigen Ncitglieder der neugegrünveten Vereine polnischer Juden. Er versprach die weitere' p r a k t i s ch e M i t - - h i lfeauf'den Arbeitsgebieten des E. B. und wies auf die Gemeinsamkeit der Tätigkeit zur, Erhaltung und Pflege des Judentums hin. Ferner Hieltkir-Begrüßungsauiprachen Kammergerichtsrat WEvlff für den-Preußischen Landesverband unddie Jüdische Gemeinde Berlin, Dr. Michael Traub für die Zionistische Bereinigung für Deutschland ilnd Rechtsanwalt Tr. Kvzover für den Jüdischen Bolksbund. ckllls erster Hauptreferent sprach Dr. Jakob M e i t l i s über die j ü d i s ch - p v t n i s ch e E m ig r a t i o n . ihre Geschichte und innere Struktur. - Er ging von der Ostjudenheit als einer geschlossenen Kultureinheit aus, welches sich ans vvlklich- . religiösen und sprachlich-kulturellen Komponenten zusammensetzte. Das habe seit vielen Jahrhunderten zu Spannungen zwischen Ost- und Westjuden gesührt. die jedoch durch gemeinsame jüdische Ar- ' beit an Intensität verlören. Insbesondere behandelte der Redner die Einlind Durchivanderung der polnischen Juden in den Jahren 1020 bis 1!>8Ö in Deutschland und ihre bevölkerungspolitischen Und sonstigen Folgen. Die Entwicklung seil 1088 hätte die Spannungen noch stärker vermiudext und Ost und Westeinander nähergebracht. Det Referent glaubt, daß der hier verbleibende Rest aus Polen eiicheivanderter Juden sich mit den in Deutschland geborenen - Juden verschmelzen werde. Der nächste Refer-nt. Dr. Traub. behandelte die . w i r t s ch a s t l i ch e^ L a g e. der polintchen , Inden. ' Die ungünstige BcrussichichtuNg als eine' Folge der zaristischen Gesetzgebung sowie der Weltkrieg hätten zu einer großen Not im polnischen Judentum geführt. Ter größte Teil der polnischen Juden gehöre gezwungenermaßen dem Handelsstand an' und tverde zwischen Produzenten und Konsumenten zerdrückt. Das hätte.mit Anti- ' -semitismus nichts zu tun. sondern iväre die Folge der ausgezivungenen. unmöglichen Berufsschichtnng. Es hlicbe iür die polnischen Juden iit erster Linie nur der Nebergang zu produktiven Berufen übrig, der durch die Not in Landwirtschaft iind Industrie nicht'gerade erleichtert werde. Die Ausivandernug nach Palästina stelle für die polnischen Juden noch "lueuiuet eine.restlose Äöfung-rmöglichkeit der wirt.» schastlichen' Schivierigkeiten'dar, '»1-3 für die deutschen Juden. Die große Blasse ive-rde in Pvleii bleiben müssen. Ihre Ausgabe wird es sein, sich den gegebenen ökonomischen Verhältnissen -an-- znpassen. Dieses Bestreben müsse durch die wirtschaftliche Gesetzgebung der polnischen 'Regierung unterstützt werden. Nach Schluß der Erösinnugssitzung fanden in der Zeit bis zum 11. Februar zahlreiche Plenar- und Kommissionsntzllngen statt, auf denen. Im An» fälluß an Referate von Dr. Jacob Meitlis. Rosen» ivaner (Franlsurt a.-M.i und Iiaak Korineld grundsätzliche u>,d organisatorische Fragen erörtert tvnrdena - . , Landesleitertagung im RjF Am 0. Februar 1086 fand eine Sitzung der . Vorsitzenden der Landesverbände und der Bundes- Zeitung des Reichsbundes jüdischer. Frontsoldaten in Berlin statt. Nach der Tradition des Bundes begann die Sitzung mit dem ehrenden Gedenken der gefalle'aen Ka'ineraden: hieran -knüpfte der.. Bundesvorsitzende Dr. L ö w e.n st e i it Worte der Begrüßung für die 'Anwesendem-.- - Es folgten Berichte von Dr. Ernst R o s e n - . - th a r, Dr. E 1 s b a ch, Drc S i c g e l und .Walter ' Beck. - .. . ' " ' ' . . 'Nachdem der Bnndesvvrsitzeiche Dr. Laivensie i n über die Stellung des RjF.- innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, eingehend ' gesprochen hatte, wurde der .Bundesleitnng. in. einer Entschließung einmütig das Vertrauen aus-- gesprochen. Die Resolution schließt: ...In Auswirkung der stets von ihm vertretenen Lebensausfassung dient der RjF in Disziplin.' Einsatz und Opferbereitschast der jüdischen Gesaintheit und fördert im Bewußtsein der Größe von Ausgabe und Berantwvrtnng . im Geiste echter Fröntkameradschatt die Bildüng einer innerlich gefestigten jüdischen Ge- - meinschaft in Deutschland." Das Christentum in der heutigen Welt Auf der Tagung der Bremischen Evangelischen Kirche, die auf Veranlassung des Landesbischvfs Lic. Dr. Weideinann einberufen tvorden tvar, wurde, ivie wir der Tagespresse entnehmen, eine . Reihe von Borträgen über die Stellting des Ehristentums in der heutigen Welt gehalten., Pastor Rofer (Bremenf sprach über das Tliema „Ist Ehristentum jüdisch NI Er erörterte darin, . die Frage, wie es mit der Herkunft Christi stehe, lind ob er jüdischer oder arischer Abstammung geiv'esen sei. Galiläa, seine Heimat, sei kein rein jüdisches Land gewesen. Die Bibel'treffe keine Unterscheidnng, weil sie in Christus nicht den Menschen, sondern den Gott sehe, Christus sei von den Juden ans Kreuz gebracht tvorden. Sie hätten ihn nicht gelten lassen wollen als ihren Volks- und Glaubensgenossen und hätten ihn ans ihrem Volk und ihrer Kirche ansgestvßen. Denn sein Leben sei nichts anderes gewesen als ein großer, . sich steigernder Kampf gegen die Jliden. Auch . die Apostel hätten als Juden den Kampf Christi gegen das Judentum fortgesetzt. Darum seiend sie von ihrem Volk ansgestoße» worden wie ihr Herr. Die Briefe des Paulus seien leidenschast-. Fiche Kampfschriften gegen das Judentum. Echtes und nrspr>",ngliche^hristentum sei der radikalste Gegner des-Iudetiturns, und gegen jeden Versuch, das Christentum wieder jiidisch zu machen, müsie scharfer Protest eingelegt tverden. Landesbischof' Dr. Weide m a n n sprach, über „D-as Neue Testament deutsch den Teutsckieit des' Dritten Reichs" und' führte dabei n. a. aus: Seit Februar vorigen Jahres sei eine Gruppe von Ncännern bei der Arbeit, die Bibel neu zu über, setzen. Es gehe nicht um den Luther von gestern, sondern um den Christus von heute. Die . Ehrfurcht vor Luther dürfe.nicht zur Nuwahrhaftigkeit gegenüber dem Bibeltert führen. Ein deutfcl,er Ncensch mache ein Buch ivieder zu. in dem stehe, daß ihm das Gesetz von Moses gegeben sei. Es genüge nicht, nach der Bibel zu rufen, sondern man. müsse.nach dem wahren. Sinn der einzelnen Tertstellen fragen. Es sei Pflicht für jeden evangelischen Geistlichen, für seine Predigt nicht nur den Luther-Tert heranzuziehen, sondern auch auf deli griechischen Itrtert znrückgeheu. Für die Gruppe der Männer, die^nit der Uebersetzung beschäftigt sei, bilde dns Johannis-Evangelium das Eingangstor'in die Bibel. Es habe sie. als 'Nativitalsv.zialisten, angezogen, tveil in ihm der göttliche Heilbringer in erbittertem Kampf gegen das Iudenvvlk liege. IteicLsaussckius« rnrn Schutze des deutschen Blutes Das Reichsministerialblatt für die Innere Ber- Wallung veröffentlicht eine Verordnung des Reichs- und preußischen Ncinisters des Innern, derzniolge der Zleichsinisschuß für Ehegenehmignn-. gen beim .Reichsminislerium des Innern gebildet worden ist.' Er hat den Namen.Reirhsausschuß znm Schutze des dentscl,eu Blutes erhalten. Diesem Reiclisansschuß sind alle Anträge von staatsangehörigen jüdischen Rcisclilingen mit zivei völljüdiscl>en Großeltern a»' Genehmigung der Eheschließung mit Staatsangehörigen deutschen oder artverivaudten Blutes oder mit staatsangehörigen jiidisckien Ntischlingen, die nur einen voll jüdischen Grvßelteriiteil'haben.' vorzulegen. Die Anträge 'sind schriftlich bei der - für den Wohnsitz oder gewöhnlichen Auientlialt. des Antragslellers zuständigen höheren Berwaltungsbehörde zu stellen. 100 Jahre weniger 11 Tage... Dieser Tage ist in Paris Nlvise e i s ko p f gestorben, der am 10. Februar Ino Jahre alt . geworden iväre. .Er wurde am-10. Februar >88«; in t'lub /Bavernl geboren, ivar Lehrer an dem Rabbiner-Seminar in Colmar, nachdem' er sich vorher aui einer ungarischen Lehranstalt in den jüdischen Disziplinen vervollkommnet hatte. Er iß 75 Jahre amtierender Rabbiner der vrthvdoren Gemeinde in.der Shnagoge Rue Cadet, Paris, und etioa 7l» Jahre beeidigter Ueberietzer am Appellationshof geivesen.' Bor wenigen Wock)en ist er zum ('hevalifr dn la d'honneur ernannt worden. Trotz seines 'Alters erfreute 'er sich einer seltenen geistigen und körperlichen Ingendirische: in den Ltzintermvnaten ging er gvar nickst mehr ans, sandte aber seine llieden in die Shnagoge,, ivo sie vom Vorstand verlesen wurden. '

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