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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-06 · 6 (6.2.1936) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
6 (6.2.1936)
Date
1936-02-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Tsr D A 8 N E U E B U G EU „Der Barockdenker“ Anlässlich der Vollendung des Spinoza-Werkes von Stanislaus v. Dunin Borkowski S. d? ) Man. erinnere sich:. das. Jalir 1982 war nicht nur: das Goethes. es .jalsrte - sich damals — die Zeit scheint uns. merkwürdig serngeruckr — Zinn dreihindertsten Male - der Geburtstag Spinoza-?. Diese schlimm-heilige Gestalt kann einen durch ein ganzes Leben begleiten, auch wenn . Lobensdateii und Grundanschaimngen des Philosophen nebensächlich geworden sind, ja wenn wir die Ucbcrzeugung gewonnen baben, das; uns auch die peinlichste Kenntnis der Gedankenwelt um und über Syiiw'rr nicht weiter bringe. Ucber 3n Jahre hat sich der hochgelehrte Jesuit und berühmte Pädagoge Stanilans v. Dünin - Bvrkvivski mit Lei)re und Leben des jüdischen Denkers mit nicht ermündend»r Hingebung - besaht. 1910 erschien der mächtige erste Band, der bis nah an die ocit der Ausstoßung aus der Synagoge süyrte. Alan kann innerhalb der neueren Wisseinchastsgeschichte 'nur den vor kurzem verstorbenen Spinoza-Forscher Earl Gebhardt mit DunimBorkvivski vergleichen: beide waren gleichgerichtete, befreundete Gelehrte auf ein- und demselben Spezialgebiet. Erst 1933 konnte die Fortsetzung des Tuninschcn Grundwertes erscheinen: nicht nur wegen ' der Förderung der Philvsophicgeschichte und des Biographischen ein grvsier Wurf! Am 1. 9Jlni .1934 entschlief der greise Jesnitenpater in ZMimchen: vor kurzem. >93.'»,- ist der Schlusibaüd seines „Spinoza" aus der nach-, gelassenen Niederschrift sorgsam und pietätvoll herausgegeben worden. Es liegt hier viel mehr als ein neues gelehr- ' tes Werk in der Flut gut und systematisch durchgeführter Deutungen des Spinozismtis .(von der Unzahl der weniger wichtigen Werke darüber nicht zu reden» vor uns. . Diesem Verfasser ist nämlich m schmerzlichsten eigenen Erleben der Wescnsunterschicd zivischen großen Denkern und großen Philosophen ausgegangen, und noch mc!»r: ein langes unabhängiges Forschcrlcben hat ihn gelehrt, daß die Verabsolutierung eines bestimmten philosophischen Systems, etwa Kants oder Spinozas, eine höchst unphilosophische Haltung ist, die Aehnlichkeit hat mit dem unzulänglichen Streben, mit dem man immer wieder in gewesenen Systemen die neuesten Errungenschasten der eigenen Zeit und alle modernen Bedürfnisse allfzufpüren versucht, nicht bloß ihre Keime und Vorahnungen, ihre geheimnisvollen Weissagungen der Zukunft. Dieser stille, wclt- '■*) * t. v. D u nin Borko w s k i, S Pi n o a. Bd. I: 2 er ju n a c S P i n v z a. 1./Auflage I91Y. — 2., : nveränd. Ausl, (mit einem Anhang über die neuere Forschung) 1933 (Münster, Verlag Aschendvrsf). Mit zwei Vierfarbendrucken,. 13 Autotypien und sieben ,Faksimiles. XXIV. *tJ34 Seiten. Vd. II: Das En ti d.) c i b u n g 4 j a h r 1 0 5 7. Im gleichen Verla-z, 1933. IV, 495 Seiten. Bd. III: 2 a s neue Leb, n. Ebendort. 1935.- VI, -1-11 Seiten. abgewandte Gelehrte bat . icrner noch entdeckt, ivelche Bewandtnis es igit der 'Fortpilanzungssehwache. einer großen Lehrvrdnung. habe.- lieber Entstehen und Nachwirkungphilosophischer Systeme wie überhaupt über die -Motive des philosophisch wertenden Urteils, ferner über die verschiedenen Tenkiormen und die in einem Philosophen übergelagerten geistigen Arbeitsprozesse ist selten so entscheidendes gesagt worden. Das Unternehmen, Geist und Werk eines Philosophen. und sei es Platon, Hegel. Kant, Thomas v. Agnino, zu einer Art. uiiverbrüchlicl)er neuer Lehre und Denkvorschrift zu machen, stellt sich schon deshalb (wie bei Spinoza am deutlichsten' wird) als Widersinn heraus, weil diese Philosophen alle Worte, Ausdrücke, und Begriffe von anderen in verschiedenem Sinn " hernbernahm. So haben es auch fast alle klassischen Denker und Pyilvwphen gemacht. „Ein Mosaik aus blauen Steinchen, die man rot nennt, wird aber nie in der Welt rot." Man hat, vor -allem seit Dilthey. bis heute, die großen Renaissance- und Barockdenker zu .Wortführern und gleichsam Zeigern umfassender geistiger Bewegungen geformt. Dunin-Borkowski hat erkannt, daß die Melodie ihrer Weisheit mehrstimmig ivar und daß eine künstliche Bereilisachung des Spinvzismus ebenso wie jede apologetische Neigung gegenüber diesem Philosophen und genau so ivie jede Sucht früherer Gegner, „Spinoza mit allen möglichen Schmäh- und Nachtnamon, aus einem Füllhorn des Abscheus geschöpft, zu bedenken", daß alle solche Auffassungen zu einem verzerrten Gesamtbild führen. Eine verlürzende schulmäßige Eharaktcrisiernng der . spinvzistischen Lehre als Pantheismus ist lvertlos. Der Leitgedanke der damaligen Philvsophie (Giordano Bruno, Paracelsus usw.) war. ein gemeinsames Prinzip für das Körperliche und Geistige, Womöglich auch für das Göttliche und Endliche zu finden. Es gilt ein Toppelbild des Denkers zu gewinnen, damit er uns einigermaßen in der Art seiner Verknüpfung mit der Umwelt seiner Zeit und in einigen Abbildern seines menschlichen und philosophischen Eigcnseins scharf ausgeprägt sichtbar wird. Das gelingt Tunin besser als allen bisherigen Darstellern. Tie großen neuen Ergebnisse, die der ältere Band Tunins aus dem Jahr 1910 gezeitigt hat, sind in der Spinoza-Forschung allgemein anerkannt. ' Die fast 25 Jahre später erschienenen Bände enthalten ebenfalls eine Fülle von Entdeckungen: Das starke politisll)e Interesse Spinozas wird in den Vordergrund gerückt und als Frucht des Entscheidungsjahrcs 1057 enthüllt. Die wundervoll beivegte und' glanzvolle politische Umwelt, in der Spinoza atmete, muß seiner ganzen Denkart gemäß schon früh in ihm den Gedanken geweckt - haben. Philosophie und politisciies Snilem miteinander zu verkiilipien. Die Gleiän'eßiing von Macln und Recht. und-zwar von der-Macht.aus. .gilt ihm als einim unendtictien Weien begruiideles- Natiirge'eb: aber nirgendwo treiieu nur bei Spinoza am eine reni -opportunistische Begründung der Politik. >ww weniger ' auf eine brutale Machtbetommg ohne lede TNi!N° . vcrivaiidtichan zum Recht. I Macht ul dem Philo- - - sophen kein vr-zeugms --eines gewauiatlgen Wrllens. sondern einer--aus --innerer- Noiweudigkeit, - ordnenden Verminst: die Nlachtiebung ist nach ihn, eine Wahrhenserkeiiiitiiis. die in'das Leben umgesetzt wird, und kann sich aus die Däiier nur halten, wenn sie auf wahren Idee», nicht auf Irrtum amgcbaut ist. Wir greisen iiu diesem kiiappen Hinivcis auf das überreiche Wert das -Hauptanliegen des dritten Bandes heraus: Spinozas Freiyeilsideal und die Vergilickuug von Gewisicussreiheit iind Vibelkritik. Die :>»e>igionstritik Spinozas als Grundlage seiner Bipelwisienschast ist >930 von Leo Strauß behandelt worden. Volle Freiheit zum Philosophieren ans Grund einer weitgehende» religiösen Duldung uiid eine breitgespauute Iliigebuiidenheit i» der kritischen Behandlung der heitigcu Schritte», diese beiden -vanptsorderungen des Philosophen siiid für D.uiiin die Ausgangslinie ungewöhnlich gründlicher Untersuchungen zur Geschichte des Tvleranzgedantens. Er kvmint zur Feststellung, daß das Problem der Gewissensfreiheit in. der damaligen Zeit nicht.philosophisch oder shslcmatisch-grundsätzlicl, behandelt wurde, sondern daß Kliigheitsrüctsichten. politische Gesichtspunkte und Parteiiiütztichkeiten maßgebend waren. Töilyelm v. .Lranien machte sich beispielsweise die Theorie der christtiche» Svlidärilat und der daraus hervorgehenden Gewissensfreiheit nur zu eigen, soweit sie seinen politischen Plänen günstig war. In den berühmten Eingaben 'h>emiye - ben - Israels an EromweU sind keine gruiidsätzlicheii Ailsfiihrungen über Diildniig und Neue Romane Helen Waddell: Peter Abälard (H. Goverts, Hamburg) An den „historischen Roman" wird man eine doppelte Forderung für seine Anerkcnnug als literarische Kunstform stellen müssen: Die Beherrschung aller die behandelte Zeitepochc bestimmenden geschichtlichen Tatsachen, das heißt geistiges Er- ^_fassen der „geschichtlichen Wirklichkeit". - - und die dichterische Kraft, hinter den äußeren Geschehnissen, hinter den Akten, Urkunden und sonstigen Zeiignisien der Ueberliefernng das blutvolte, tätige Leben zu sehen, das Leben mit seinen handelnden Und leidenden Menschen, ihrer Sehnsucht und ihren Wünscheiß ihren Zielen und ihren Leidenschaften. Geschichtsschreibung wird zum dichterischen Werk, wenn durch sct)öpseriiche. seherische Intuition hinter den einmaligen, zeitlich begrenzten Eiiizeiichicksalen das Bleibende »nd Ewige einer Zeit, ihr Geist und sein' Wirken in die Zeit Gewissensireiveit entbnlten, der' Eromwtll im Innersten semdlict» gegennberstand. Ter Loid- 'prvtektvr i't nut ganz anderen Gründen 'nr eine Zulassung der Inden in England gewonnen worden. Dinun erörtert eingehend -Menasi.e-.' eigentninliaies . ali>ndncli v dnutlnli nennnlito-s Schrifttum mid »eine Ei>iw>rt>mg ans Spinoza. Das iimsangreitlie Wert- Dmiin kony.tis m nicht ul’er drei Bande gediehe» und Torso gebtiebeii. At>er seine NlellwHe. d-,-e iellntandige iind souveräne Stvisbeliandlung aus erneii v.uellen macüen das Ganze'z,r einem Standardwerk über dw Bivglichkeltenuiid die Grenzen de-- meiiphlictien Geistes. Die Gediegenheit dieser Focschnngen über den von den Inden geäcl>teten Philosophen und die praclitoolle, allerdings nicht immer leicht läßliche Plastik der Darstellung sind in sedem Kapitel unvermindert aus. ' der Hol»'. Der Abschnitt aus dem zweiten Band „Spinoza .als Barvclphilosoph" enthalt eine grundlegende Abhandlung.über den Zeitslil im philosophischen Schristtnin. vor allem die Erörterungen nber Vergleichbarkeit der lüustleriscl>e-» und philosopliiscM'ii Aeußeruiigeu überhaupt. Earl Gel'- h a r d t hat. wie Dunin "anerkennt, zuerst in Spinoza den Barvckphilosopheii 'aufgespürt und wichtige^'-Zusammenhänge ansgedeckt. Z'lml» n a r t Ivel hat in seinem Hauptwerk „Tüandlinigeii der Weltansärnnniig" die Barvctart Spinozas gesehen: aber Duninscheidet scharf die barmte arctiitektonisäie Grundidee des spiiiozislisclieii oV» dankenbanes von dem systematisäien Inlmlt. 'der nach seiner Ansicht zu einem Ieil ld>e Aiü'll - >el>re nii»n»t er ans) nur einen anregende». IuhIiinteressanten geschichtliclieii Zioiscliensalt bedeiitel. ->?iersei diese notwendig kurze Anzeige eines Wertes über Spinoza gesäilosse». das mit den solideste,, Biitiel» der freie», voraussetüingslose» Forschung gearbeitet ist und-nur der Ergruiidnug der Wahrheit über diese große jüdische der alle großen Geister ilue Elirsnrcht gezollt hal>en. dienen will, I.mlnix lä-m-lilnunpec. lebendig wird. So gesellen wird der moderne ln» siörische Roman Ausdruck des ..nenzeillicheu ->>ealismus" i» der Diclittuiist bedeuten. Ein Tüerk. bas nicht nur'solchen Forderiiiigcil genügt, sonberii geradezu Vorbild f11r die Form des historischen Romans ist, scl>us -Vu'ln, v'paddclt mit „Peter Abälard". Irisctie Liistoriterin und Frau tiessten dichterischen Einsühlnngsrermögens. läßt sie vor" uns die -Zeit des frühen zwöliteu Jahrhunderts neu entstellen, die Zeit der Scl>olastik, des erbitterten Kampfes zwischen „Realismus und Ilniversalismns". Aber der Geist dieses Jahrhunderts, das mit seineil starren'Dogmen-..seinen dialektischen Ileberspitztheiten.. seinen glasklaren. aber blutlosen Grundsätze» dem inoderueu Denken und Fühlen unendlicli sreind, mancliinat . weltenfern zu sein scheint, wird lebendig »nd i'ertraut durch die Nlensctien. die die Träger dieies Zeitgeistes sind, Menschen, die gleichsam liiiitec dcr Maske der Z>eitgebunde>>l>clt das ('iniginciiicliliche ahnen »nd erkennen lasse». Peter Abälard. der Blagislec der Tclioläüit. der begeisternde und hinreißende Lcl,rcr an den Um- Die innigste Hebräerin Zu Else Lasker-Schülers 60. Geburtstag . „Jüdische Dichter, schöpferische Dichter aus Zudaerblut sind selten. Die Glut einer entlegenen Urseele ursprünglich, stark und bei. Dchi.räHungen imgereizt zu erhalten, ist nicht leicht. Sa schrieb der Dichter Peter Hille zu Anfang dieses Jahrhunderts, als „Styv". der erste Gedichtband der Else Lasker-Schülcr erschien.. Ta aber rvar die junge Jüdin ans Elberfeld, nach kurzer Ehe mit dein Arzt Laster, schon manches Jahr in der Welt nmhcrgestreat, und die schönste Zeit mit diesem vagantenhasten, größbärtigen, leuchtüngigen Dichter, in dem sie einen Propheten, einen. Heiligen sah. Das „Peter-Hille-Buch". kleine „Mythen", bald in der. härteren, strengeren Sprache der Bibel, bald in schweifenden, ausschweifenden Orientalismen, bald in nordeuropäischer Romantik, ist ein. hpminsches Denkmal dieser Wanderungen mit „Ll. Peter". Aus ihren ersten Gedichten erkannte dieser seherische Mensch das Wesen der Dichterin und ilicer Dichtung besser,..als esjemals wieder jemand zu erklären und zu formulieren vermochte. Auch nachdem mm, mehr als 30 Jahre später, die vielen Bände ihres Lebenswerks vor uns liegen, wird jede. Betrachtung über Elfe Lccsker-Lchüler nur eine weiterführende Para-' Phrase seiner damals ausgesprochenen Grundsätze sein können, von denen hier einige stehen mögen: „Else Lasker-Schüter ist die jüdische Dichterin. Bon großem Wurf. Was Deboral,! Sie hat Schwingen und Fesseln. Jauchzen des Kmdcs. der seligen Braut fromme Inbrunst, das müde Blut verbannter Jahrtausende und -imifr Kränkungen . . . Ihr Dicht ge in . ist 'cluva r zerDiamant, der m ihre StirnZWM^^ und.wehe tut.' Sehr wehe. Ter schivarze Schwan Israels, eine Sapphv. der die Welt entzweigegangen ist. Strahlt kindlich, ist nrsinster. .. Else Lasker-Schüler ist von dnnkelknisternder Strähne ans heißem, leidenschaftsstrengem Jndcnhanpte. und so berührt so etwas wie Volksweise, wie Morgenwind durch die Rardengassen der Snlamith überaus köstlich." . Er schließt:' „Dino ist der nrpersönliche Raine, den ich für die Freundin und den 'Menschen fand, die slämmend'en Geist und zitternde Welt wie mit Blumenketchen umfangende Seele." — Tino, Prinzessin Tino von Bagdad, war sie nicht nur für ihn. sondern ist sie bis heute für sich und ihre Freunde geblieben.' linstet, arin. heimatlos »var fast vierzig Jahre ihr Dasein. Aber ihr „Tichtgeist" lebte in einer anderen Welt, in zwei, anderen Welten durch all diese Jahre: in einer blühenden, glühenden, bunten orientalischen Welt voll Pracht, Macht und Flittcrglanz . . . und in der iveftfälischen ZLelt ihrer glücklichen, behüteten Jugendzeit bei' der gütigen Mutter, die Goethe und Napoleon verehrte, und dem enlenspiegelhasten. lustig-leichtsinnigen Baker, der eins von den 23 Kindern ihres patriarchalischen Großvaters war. Wunderlich und wundervoll verschmelzenmanchmal diese beiden' Viele Gedichtes viele Dutzende von Ge-, schichten, ganze Prosabücher: „Die Rächte der Dino 'von-.Bagdad'", „Der Prinz von Theben", „Der -Mal.ik". dnrchschivärmt die Dichterin mit den üppigsten orientalischen Phantasien, in denen sie bald Tino ist, bald Prinz Jnssnf von Theben, bald der Rtalik. und all ihre Ver- ' ivandten. Freunde und Feinde, die Tichter und Rcalcr ihrer Z>eit verwandeln sich in Scheichs. Sultane. Emire. Herzöge.. Statthalter. Kaiser. Propheten. Kardinale. Für alle erfindet sie die klingendsten Rampn. die malerischsten Situationen und wildesten oder sanftesten Abenteuer. Ta geht es großartig her mit Festen und Auszügen, mit Schmuck. Gelagen. Tänzen und Leibein'chasten. Alle Rcenichen. die sie lMti. tragen auf Lippen. Schläi'en. Wangerrr- Hcrz oder Blume. Stern. t>tachtigall oder Rc'vnd. Tiefe malerische Phantasie drückt sich auch mit Zeichenstiit und Farben ans. und so malt sie sich selbst in'-Dichtung'.und Zeichnung immer ivieder in orieinali'chcn Kostäinen als Prinzen mit Stern und Halbmond im Antlitz. Golden, blau. süß. Himmel-. Stern'sind die Worte, die man in ihren Werken am hansigsten zählt. ' Aber es ist ein höchst merkwürdiger, höchst Nnhistorischer Orient, in dem sie lebt. Da ist alles zngleicl»: nicstt nur die Zeilen schweben durcheinander voll Urbeginn bis heute, sondern und) alle Räume und Länder: Aegypten und Persien. Palästina und Rlesopvtamien, Türkei. Indien und Afghanistan. Dieser Orient ist nicht ans Büchern erlesen und nicht crtüstelt. sondern er ist. zeitlos und ranmlos. wie sie selbst bel)anptet, ihr angeboren, eingeboren, nntsamt seiner Spraclie. in die sie initniNer versällt. „der llrspracl»e, noch ans der Z>eit Sauls, des königlichen Wildjndeu - herstaiinnend". Und so muß ein Mißverständnis beseitigt werden, dem manckie ihrer Leser. Beurteiler und Freunde ancheiinsielcn. Diese orientalische Welt mit' ihren Gestalten ist nicht eine ans der Flucht vor dem Elend der llstirklickikeit gesuchte und geiundene tröstliche Rlaskerade. kein Bcrkleidnngschder Bcrsteckspiel. sondern das ist ihre wirklicl»c Welt, in der sie heimisch, ist. Sie sieljt ihre Freinide und Feinde ans dem Boden und inih.'r dem Himmel dieser Welt, mit den Angen dieser Welt:'mit dem magischen Blick des Orients. Das fi'stilt nicht mir, iver sie selber kennt und ihre Sprccli-.irk. sondern wer ihre Gcdicl,le und Essays kiest,' sogar il,re wütende polemische Scl,rist gegen il)re Verleger „Ich räume ans". Auch iveini sie sich noc!» so iehv benniht, in der Realität zu verweilen, immer schwindet 'Mensch und Umwelt und sie selbst in die Wirklichkeit dieses merkwürdigcn Orients. Und ans der intnitiven. urallweiscu Am'channngs- und Schanniigswciie des Lstens g:bl sie dann über Rienschen -inn'crer -zstir in ivk-nigen Worten die rlerT blüsiendsten und trefsLiidslen Urteile und" Erkenntnisse. Sie ist in diesem Lrient heimisch, nber er ist doch nicht.'ihre Heimat, 'Tenn sie begibt sich iinmer wieder ans dieser eingeborenen überirdischen' Erilnierniigswelt in die erlebte, irdische Erinneriliigswell il>rer,'Ino.eiid. ins Elternl,ans nach üstestsalen. an d!e Tsiupper. nach der sie ein soziales Sci),iuspiel belilell, oder zu il>rein geliebten Sol,n Paul, dcn sie als-jungen Maler dann verlieren mnßle,'von der Geburt bis über den Tod!>inans dicl»>-er,scl>' zu ihm sprecl>end ans allen il,ren Tsteltcn. AVer auch.die Landscliaft Tßestftilens ist-il,re "ennat lncl»t: „Ich kan» die Spracl»e dieses tnl,lcn Landes nicl>t. und seinen Sci>ritl 'iiiclst gel>>>... Iinnicr muß icl» an '^die Pl-»aia»iie»wälder denken und küsse die Bilder meiner Tlerne." Jlire Heimat-'ivnrde-Berlni. das das möblierte. Z,innner. die Hotelftnbe. A bcr ,nn!> hier gehörte ihr Herz allen und ».iieinandei», auch lzier kan» sie die Heimat niiljt imruii. Immer wieder klagt sie: ..Icl»!>abc leinemat." „Ich bin so allein." „TLo soll icl» mit weinein Herzen hin(." Tenn ,il>e-- in ilncm Leben und -ihren.-Werken-ist nut dem -v cizcn. ans dem Herze» erlebt. . ..Nlein Ve.cz" l>e'ißl eines ihrer Proiabiiclier. durcligeiilert oon vielen EZestaltcN des Berliner liinUlcri'äljcn Lebens, ein merkwürdiges . ,Zm'inandi-l n'ehen der-Easthausivell und der orieuta!i>'cl>en Bäcll. Ties Sel»en und Sprccl»cn ans den,."erzen, dies Egozentrische!- dies..Herlinziehen p:i'näteiler Beziehungen, diese''Tst'rgleiclie. die nnl>t in realer Tstrengung - verdeiitliä>en. sondern ins TLeite scl>meiiciid das Tstld p!»anlai'ln'ci! malerifd) vermischen, . . da-? alles!>al l!>r.e Art mamlicm Leier fremdartig ersclteim-n lauen. Und doch gibt es in diesem „Fremd.n'Ugen" vieles, was' gerade den .jüdischen Leier zu ihr iiil,ren müßte'. Unter allen .jüdisclien Ticl,lern deutscher Sprache ist sie die -am inelüen jildische Ticstterin . . . »nd nicht nur wegen ihrer Vorliebe iür den Hcienl. Sie hat sich stets, wie man lien-tc sagt, als New-York bestempfohlcnerKaurmar n hervorragend veruehrsgewendt, .wünscht anläßlich vorübergehender ^eise 5851088 üliltläyS. Gefl. Offerten; N, 2831 an ' C.-V.-Zeitung, Berlm w 15.

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