Kinderblatt
- Journal
- Kinderblatt
- Volume
- 1936
- Issue
- 1 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/9449368-9555985-9555986--053-2290771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr, 1 Beilage der C.-V»«Zeltung 6. Febr. 1936 Cvftcv. Susannchen lind Bäcierleill, alle aus dem Bund, »vollteil Liselottes Mandoline sehen. Tie Mandoline war eine ziemlich neue Errungenschaft und Liselottens Stolz. Um sie beim Einschlafen und Aufwachen gleich bei der Hand zu haben, hatte Liselotte „das Instrument", wie sie es auch gern mit feierlicher Betonung nannte, an einem Aufhängers aus vergoldetem Blech über ihrem Bett befestigt. Und wenn Liselotte früher manchmal bedauert hatte, daß ihre Eltern kein Klavier hatten, so war jetzt die Freude mit der Mandoline um so größer. „Denn kann ich etwa ein Klavier zum Wandern nutnehmeu?" „Blödsinn", erklärte Bäuerlein. „Nichtig", bestätigte Liselotte, „aber eine Mandoline. Sollst mal sehen, »vie fein ich daraus spielen werde." „Erst mal können", lachte Ester. „Na, sie'hat die Mandoline doch mail erst zu Chanukka bekommen", begütigte Susannchen. „In drei bis vier Wochen »vird sie schon mehr können." „Wetten, daß ich dann schon was spielen kann außer den Uebnngen?" Liselotte war vor Eifer ganz rot geworden. V „Ich Hab 'ne Idee", schlug Bäuerlein vor. „Am Sonntag nach dem „Neujahrsfest der Bäume" werden wir einen Ausflug machen." „Chamischa-Asfar bi-Tchewat." Liselotte nickte. „Mein Lieblingsseiertag." „Das Nvljahrsfest der Bäumet" erkundigte sich Susannchen erstalmt, „das kenne ich gar nicht. Nach Chanukka kounut doch Purim." „Klar. kvUunt nach Chaimkka Purim, und das ist natürlich dein Lieblingsfest. Ester. Aber dazwischen ist das Neujahrsfest der Bäume." „Ja", erklärte Bäuerlein, „in Palästina lvird's auch richtig gefeiert. Ta ziehen die Kinder umher und pflanzen junge Bäume." „Wir wvllen's auch feiern", sagte Liselotte, „Bertemie hat's vorgeschlagen, daß wir s?reuude undFreluldlnilen au dein Tag zilstunmen einen Ausflug inachen." „s^ein", rief Bäuerlein, „da kann Liselotte ihre Mandoline mitbringen, daraus spielen llnd ein Lied dazu singen." Susannchen klatschte in die Hände. „Ein selbstgemachtes Lied über das Neujahrsfest der Bäume." „Nteint ihr et»va, ick) kann das nichts" Liselotte l,ing die Mandoline um. „lieb'ich haltnoch ein bißchen mehr aus meiner lieben Mandoline. Fritzcheu aß "stitroneneis. und es geht hurtig durch I-leiß. Wollen wir mal zeigen, wie hurtig es durch-spleiß.geht, nicht ,val,r. mein liebes Maudoliucheii k"- „Also Spaß beiseite. Du' wirft spielen, aber anständig und dazu ein selbstgemachtes Lied singen über „Chamischa-Assar bi-Tchewat", „genannt das Ncuijahrsfest der Bäucue", unterbrach Liselotte. „Ich bin wirklich nicht so. schiver' vvu Begriffen wie £>u denkst. Und »venu kl, mir was vornehme, mache ich es auch. Aber eine Bedingung stelle ich." „Na undk" „Ihr müßt euch alle was auSdeuken oder wenigstens ivaS mitbringen. Braucht bloß 'ne Kleinigkeit zu fein." „E-roßartig", stimmte Suscnluchen bei, „da überraschen nur uns gegenseitig." Alle freunde und Freundinnen rvaren von der Idee begeistert. Sie trafen sich, und Bertemie brachte eine Einladung ihrer Tante, die draußen im Walde ein Häuschen hatte. Dorthin sollte Bertemie mit allen Kindern kommen. Ihren Waldspaziergang koimten sie ja so legen, daß ne da landeten. Auf dem Nückweg vom Bund begleitete Ester Liselotte noch ein bißchen. Sie wollte doch zu gern wissen, ob Liselotte schon ihr Lied fertig hatte. Sie selber war bereits damit beschäftigt, ein Purim-Bild zu malen, in leuchtenden roten und blauen^Iarben mit viel (Sold und Silber.' Aber Liselotte verriet nichts. „Immer abwarten", sagte sie. „Es ich eine Ileberrasch . . „rasch, rasch", rief Ester; denn ein Motorrad kain altgesaust. Liselotte lachte, aber plötzlich schrie sie auf. Sie war auSgerutscht, und als sie aufstehen wollte, tat der linke Jus; fürchterlich weh. „Das kommt davon, wenn Kinder sich auf dem