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Central-Verein-Zeitung · 1935-04-11 · 15 (11.4.1935) · page 23

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
15 (11.4.1935)
Date
1935-04-11
Page
– (sequence 23)
Language
German
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C-.V.-Zeitung Nr. 15» 11. April 1935 lf©3a Saüm. Ds. LL SSsdhellbaeSiear In bei: Zeit seines staatlichen Untergangs hat das jüdische Volk einen großen Führer gehabt. König Josia war die wahrhafte Vcr» lörperung Israels und seiner von Gott bestimmten Sendung. Mitten in dem hcrannahcndcn Verderben hat er die Grundlagen gefestigt, auf denen nachher, in Exil und Erniedrigung, ein dauerhafter Bau dcS Judentums errichtet werden konnte. Im staatlichen Untergang selber nuirdcn so die Fundamente für einen nie aufhörenden Bestand gelegt. „So wie er war noch kein König bisher gewesen, der zum Ewigen mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft Zurückgekehrt wäre, ganz nach der Thorah Mosis. und nach ihm stand keiner seines Gleichen auf", so urteilt das Buch der Könige (II, 23. 25) über die einzigartige Erscheinung dieses Königs. Er hat eine böse Erbschaft angetrctcn. Der Achtjährige, dem nach der Ermordung feines Vaters Amon, 640 v. Ehr., das Volk die Krone aufs Haupt setzte, hatte noch seinen Großvater gekannt. Dieser. König Manassc, hatte e§ in einer Regierung von 55 Jahren „schlimmer getrieben als alles, was der Emoriter, der vor ihm da war, getan hatte, und hatte Juda durch seine Gräuel verführt" (II. Kön. 23, 2). Getragen war er von der mächtigen Flut der öffentlichen Meinung, die sich an dem fremden Vorbild der Kananiter, der Assyrcr, der Aeghpter. aufrichtete. Seine erbittertsten Richter, die Rabvinen, haben ihn mit dem Hinweis auf diese übergewaltige Macht bis zu einem gewissen Grad entschuldigt. Nach der talmudischen Legende erschien Manasse einem späten Rabbi irn Traum. Der Rabbi fragte ihn: „Warum habt ihr den Götzen gedient?" Aber der König wies ihn zurecht: „Hättest du damals gelebt, du hättest mich am Zipfel meines Mantels gepackt und wärest mir uachgelaufcn, um den Götzen zu dienen." (Sanh. 102a), Ein jahrhundertelanger Kampf hat in den Tagen Manasscs und Josias seinen Höhepunkt erreicht, um durch die Kraft und Energie von Josia zum endgültigen Sieg der jüdischen Gottcslehre durchgefochten zu werden. Wie weit wir auch in der Geschichte zurückgehen, niemals schweigt der Kampf zwischen dem Ewigen und Baal. „Entfernet die fremden Götter aus eurer Mitte" mahnt Jakob feine Söhne. Mose 'streitet gegen das Volk, das in der Gestalt eines gegossenen Kalbes Gott verehrt. Samuel. Elia, Hiskia, die Propheten, verzehren sich im Eifer gegen die Götter Kanaans. Viele waren geteilten Herzens. Salomo hat dem Ewigen den Tempel gebaut und doch gleichzeitig im Weichbild von Jerusalem Höhen errichtet „der Astarte, dem Abscheu der Sidonier, dem Kemosch, dem Abscheu von Moab, und dem Milkom, dem Gräuel der Söhne Amons." (II. Kön. 23, 13). Dem ganzen Volke galt die Anklage von Elia: „Wie lange wollt ihr nach zwei Seiten hinken? Wenn der Ewige Gott ist, geht ihm nach, wenn aber Baal, dann geht ihm nach." (I. Kön. 18, 21) Dagegen hatte mit äußerster Energie Manasse für den Dienst von Sonne, Mond und Gestirnen, für Baal und Astarte, gewütet. „Auch unschuldiges Blut vergoß er in großer Menge." (II. Kön. 21, 16) Nach der Tradition ließ er jeden töten, der an dem fremden Dienst nicht tcilnahm, vor allem Propheten. Er soll Jesaja haben zersägen lassen (Icb. 49d). Aber mit noch stärkerer Kraft kämpfte sein Enkel Josia für den reinen Dienst des Ewigen. Er regierte schon achtzehn Jahre und war inzwischen ein Mann von scchsundzwanzig Jahren geworden, als seine große Stunde schlug. Im Jahre 621 übergab der Hohepriester Hiskia dem Schreiber des Königs. Schafau, eine Rolle. „Das Buch der Thorah habe ich im Tempel gesunden." Schafau brachte das Buch dem Könige, las es ihm vor, und „als der König die Worte des Buches der Thorah hörte, da zerriß er seine Kleider." Woher überkommt ihn dieses Entsetzen? Rasch: erklärt, in dem Buch habe ein Satz gestanden: „Es wird der Ewige dich und den König, den du dir bestellt hast, zu einem Volte führen, das du nicht kennst, nicht du und nicht deine Väter, und du wirst dort frc.nden Göttern dienen aus Holz und Stein." Diese erschreckende Ankündigung des Exils steht im fünften Buche Mosis. Kap. 28, V. 36. Vieles deutet denn auch darauf hin, daß das Buch das Deuteronomium war. Welche Bewandtnis es mit dem Funde hatte, ist streitig. Wie konnte ein Buch der Thoroh so gründlich verloren gehen, daß es bei seiner Neuentdeckung erschütternd. wie nie erhört, wirkte? Unsere Ueberliefcrung nimmt an, es sei vor mehr als hundert Jahren im Tempel versteckt worden, als König Ahas. der Vater von Hiskia, die Thorah verbrannte, und sei in dieser langen Zeit in Vergessenheit geraten. Die moderne Kritik dagegen nimmt seit hundert und mehr Jahren überwiegend an, das Deuteronomium habe vorher überhaupt nicht existiert, sondern sei erst jetzt, unter König Josia, vor Priestern und Propheten geschaffen und dem König vorgelegt worden. Wie dem auch sei, Josia war von der Vorlesung des unbekannten Buches im tiefsten Herzen getroffen. Er setzte von nun an alle seine Kraft daran, das ganze Leben nach dem Gebote dieser Thorah umzugestalten, ein großer Erzieher seines Volkes. Vor allem verkündete er das Buch allen. Er versammelte ganz Juda und Jerusalem. Priester, Leviten und Volk, und las es ihnen vor. Dann „schloß er vor dem Ewigen mit ihnen einen Bund, daß sie alle mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft die Gebote, die Zeugnisse und die Satzungen des Ewigen erfüllen, wie sie in diesem Buche nicdergeschrieben sind, und dos Volk trat diesem Bunde bei." Es hatte damit seine Verfassung erhalten. Den ersten Schritt zur Verwirklichung bildete darauf die Reinigung des Tempels. Es wurden alle Geräte herausgeschafft, die für den Dienst der Astarte und des Heeres des Himmels bestimmt waren. Die Priester des Baal, der Sonne, des Mondes und der Planeten wurden entfernt. Manche fanden dabei den Tod. Das Bild der Astarte wurde weggeschafft und außerhalb der Stadt vernichtet. Die Höhen, auf denen außerhalb Jerusalems bisher geopfert worden war, wurden entweiht.- Die Altäre aus den Dächern, an denen sie bisher den Gestirnen gedient hatten, wurden nicdcrgerissen. Mit . Totcnbeschwörern und Zeichendeutern in Juda und in Jerusalem wurde aufgeräumt, „um die Worte der Thorah zu erfüllen, die in dem Buche niedcrgeschricben waren, das der Priester Hiskia im Tempel des Ewigen gefunden hatte." Dagegen wurde ganz nach den Vorschriften der Thorah ein Pesachfcst gefeiert, wie es seit den Tagen der Richter nicht mehr begangen worden war. Das fünfte Buch Mosts, Debarim, ist bereits von der Gewißheit des nahenden Exils beherrscht. Die Ahnung der bevorstehenden Katastrophe durchdringt insbesondere das furchtbare achtundzwanzigste Kapitel, die große Strafdrohung, die Uochannah". Ihr gehört auch jener Vers an, der nach Rasch: den König mit Entsetzen erfüllte. Unter dem Gesichtspunkt des drohenden Endes war Josias gewaltige Wendung im letzten Augenblick noch eine innere Abkehr von allem fremden Kult und eine Rückkehr zu dem reinen Dienst des einen unsichtbaren Gottes, eine Besinnung auf den Kern des eigenen jüdischen Wesens. Das Volk, das schon auf die Wanderung in die Ealuth sich rüstet, erhält das Gesetz, daS dem Baalsdicnst für alle Zeiten ein Ende macht. In diesem Buche Debarim steht das Grundgesetz aller jüdischen Religion: „Du sollst lieben den Ewigen deinen Gott mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft", in ihm der jüdische Ausruf an die Jahrtausende: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig." Die religiöse Urkraft wird unter Josia nach langer Ohnmacht sichtbar, sie fetzt sich durch seine Tatkraft gegen die seit Jahrhunderten widerstrebenden Kräfte endgültig durch und wirkt nun fort für alle Zeiten. Dieser König hat in der letzten Stunde sein Volk gerüstet, stark durch den Gehorsam gegen seine von Gott ihm gesetzte Bestimmung aus der Vernichtung aufzuerstehen zu einem neuen, unsterblichen Leben. Ter große Fromme, der die Herrschaft der Thorah begründete, der Nachfolger Samuels und Elias, war zugleich ein Manu de-s Schwertes. Sichtlich war er bemüht, ein Mehrer dcä Reiches zu sein und die Gebiete im Norden von Juda wicdcrzugcwiunen. die einst zu dem Reiche Davids und Salomos gehört hatten. In seinen Tagen kämpften die beiden großen Mächte. Aeghptcn und Babylon, seine Nachbarn, miteinander. Ter Pharao zog nach Norden, um Syrien zu erobern. Josia wollte ihm den Durchzug verwehren und trat ihm 608 bei Megiddo in der Ebene Jesrecl, dem heutigen Emek, entgegen. In der Schlacht ist er. noch nicht vierzig Jahre alt. gefallen. Nicht im Wortsinn hat sich an ihm eine Verheißung erfüllt, die ihm aus dem Munde einer Prophetin geworden war: „Ich tue dich ein zu deinen Vätern und versammle dich zu deinem Volke und du wirst in Frieden in dein Grab eingctan." Aber eine andere Gnade wurde ihm zuteil. „Deine Augen sollen nicht all das Unglück sehen, das ich über diesen Ort bringe." Er hat das Verhängnis nicht mehr geschaut, das neunundzwanzig Jahre später über Volk, Land und Tempel hercinbrach. So wie er sind wenige betrauert worden. Als das Vorbild eines Königs nach den: Willen Gottes hat ihn Jeremia seinem entarteten Sohne Jojakin vor Augen gestellt. (Jer. 22. 10 ff.): „Weh dem, der sein Haus baut ohne Gerechtigkeit und seine Söller ohne Recht, der seinen Nächsten umsonst arbeiten läßt und seinen Lohn ihm nicht gibt, der da spricht: Ich will mir ein großes Haus bauen mit weiten Söllern .und großen Fenstern, das er mit Zedern täfelt und mit Farben ausmalt. Willst du damit König sein, daß du mit Zedern wetteiferst? Tein Vater wahrlich hat gegessen und getrunken und Recht und Gerechtigkeit geübt, da war ihm wohl. Er hat das Recht des Armen und des Dürftigen geführt, da war ihm wohl. Wahrlich, das heißt: Mich erkennen, ist der Spruch des Ewigen." Wer so weiter lebt, ist „in Frieden in sein Grab gekommen", auch wenn er aus dem Schlachtfeld siel. Josia war ein Ganzer in dem hohen Sinne, in dem die Thorah gebietet: „Vollkommen sollst du angehören dem Ewigen deinem Gotte" (V. M. 18. 33). Ein Frommer, ein König und ein Held, das war der Mann, der, bevor es erlosch, dem jüdischen Königtum noch einmal allen Glanz lieh, der nur je in den Tagen seines Ahnherrn David über ihn: geruht hatte. Kairo feiert Len Aamdam Kairo, den 2. April. Die letzten Tage des März, die für die Juden der ganzen Welt in: Hinblick ans die 800. Wiederfcljr des Geburtstages des Rambam eine besondere Bedeutung haben, waren kür die Inden Kairos — der Stadt, in der der Meister am längsten gewirkt —Tage ernster Besinnung und dankbaren , Stolzes. Eine glückliche Fügung wollte cs. daß der 30. Mär^, der Geburtstag des Rambam nach der gewöhnlichen Zeitrechnung, in diesem Jahr ans c:nen Sabbat fiel. Daher hatten die Sabbatgottcsdicuste ihre eigene Note. Die große, noch ziemlich neue Synagoge in: Enropäcrvicrtel ist an: Freitag abend überfüllt. Die Menschen drängen sich in den Gängen. Drei Kantoren in weißen. Tataren, aber ohne Tallith, versehen den Dienste Einer von ihnen fungiert als (hast. Er ist eigens aus Paris gekommen, um bei den Festgottcsdiensten mitzuwirlcn. Sabbat vormittag — Gang in eine andere Welt, in daS alte ärmliche Jndcnvicrtcl, ein Gewirr von Gassen. Winkeln und Höfen. Sabbatstimmung — mehr noch, alles in festlicher Erwartung: Wimpel und Fähnchen an den Häusern bzw. über die Straße gespannt. Der bunte " Schmuck weist den Weg zu der Stätte, die heute abend im Mittelpunkt aller Feiern stehen soll, der sogenannten Rambam-Synagogc. Ehrfurchtsvoll betritt der Fuß den Raum. Ein kleiner Kreis ärmlich gekleideter Menschen, das Tallith umge- V bängt und den roten Tarbnsch auf dem Kopf, zmn ■ Gebet versammelt. Seltsam berührt, daß während der Thoravorkesnng plötzlich jemand durch die stets geöffnete Tür hcrcinkommt, auf den Almcmor geht und m,arabischer Sprache laut vcrkündet, am Abend dieses Sabbats müßten die Straßen wegen des in Aussicht genommenen Fcst» zuges freigchalten werden, niemand dürfe, wie - sonst üblich, auf Stühlen vor dem Hause sitzen. , Während des Gottesdienstes mustert das Auge den Raum. Ein kleiner bescheidener Bau. kaum drei Jahrhunderte alt. Rambam-Synagogc. hier soll der Meister gebetet haben? Der zweifelnden Fragtz wird Antwort, als den Fremden beim Verlassen der Raumes der Synagogendiener-an die Hand nimmt und zu einer Treppe bringt, die in . die Tiefe hinabsührt. Ein gewölbeartiger Raum. ■ tncn spürt den Atem der Jahrhunderte — die Jeschiwa dcS Meisters. In der Ecke eine Nische; der Führer flüstert: daS Eterbezimmer des Namliam. Ehrfurcht und Zweifel wogen durcheinander. Einzelne Beter von oben kommen, Männer und Frauen. Am Fuße der Treppe legen sie die Schuhe ab. tauchen die Hände in einen Brunnen, der schon den: Rambam gedient haben soll. Dann nähern sic sich langsan: der Nische ' dort in der Ecke, fallen nieder und küssen voll Inbrunst den Boden — heiliger Boden.- SabbatauSgang. Beginn der offiziellen Feiern im Judcnvicrtol. Nur mit Mühe bahnt man sich den Weg durch die erwartungsvoll harrende Menge. Die kleine Rambom-Synagoge erstrahlt im festlichen Glanz. Der Vorhof von einen: Baldachin überspannt, um die Schar der Ehrengäste, die das kleine Gotteshaus bei wertem nicht fassen kann, aufznnehmen. Den Mittelpunkt der Feier bildet die in hebräischer Sprache gehaltene Festrede dcS ObcrrabbincrS von Kairo, Haim NaIjoun: Essend i. Die Rede klang aus in dein innigen Wunsch, daß daS „Verdienst" dcS Rambam den Inden der ganzen Welt segnend bcistehcn möge in ihrem Kampf uu: die Ehre und'. Würde des jüdischen Namens. Die Heilige Lade wird geöffnet — Kaddisch — Heimweg — Nacht, nur die Sterne leuchten, dieselben Sterne, zu denen die Väter einst in Mizrajims Knechtschaft zweifelnd cmporgeblickt. dieselben Sterne, die den Befreiten die Nacht der Erlösung tröstend erhellten. j Sonntag, den 31. März, nachmittags, eine Feier veranstaltet von der „8oeiöt6 d'ötudes hisloriqucs juives d’Ecypte" in dem weiten teppich. geschmückten Hose der in einem Außenviertel gelegenen ncuerbauten „Ecoles de bienfaisnnce de la communantö israSlite du Caire". Eröffnet wurde die Feier durch eine tief durchdachte hebräische Ansprache von Professor David Hell:n (Jerusalem). Ihm folgten der Ober, rabbiner von Alerandrien David Prato. Die Ende März im Freien unter tiefblauem Himmel stattfindende Feier, an der Menschen aus den verschiedensten Ländern, in den verschiedensten Trachten teilnahmen. wird allen, insbesondere aber den abendländischen Gästen wegen der ihr innewohnenden, eigenen Stimmung .unvergeßlich bleiben. . ■ Den Abschluß der Ma:mon:de8-Feiern in Kairo bildet die interkonfessionelle Kundgebung in der großen Oper am 1. April nachmittags. Ein imponierendes Bild. Auf der Bühne, die offiziellen Vertreter der ägyptischen Regierung und. feie geistige Elite des Landes. Muselmänner und Juden, die crsteren hier in der Mehrheit. Ter llnterrichtsminister eröffnet die Feier. Dann nehmen Gelehrte der verschiedensten Wijsensgebiete das Wort, u. a. der Rektor der Universität und der aus Hannover stammende, seit langen: in Kairo ansässige jüdische Professor der Augenheilkünde, Dr. Max M c y e r h o f. der über eine von ihm entdeckte medizinische Schrift des Maimonides sprach, die er demnächst zu vcröffentlichen beabsichtigt. Die ganze Feier in ihrer Vornehmheit und Würde ein beredtes Zeugnis für die Macht des Genius, der noch nach Jahr- Hunderten die verschiedensten Menschengruppen zu'r Einheit im Gc:stigen zusammenzuschlicßen vermag. Bon der Veranstaltung in der Oper zur Bahn. Der Zug umdränat von Händlern, die Andenken an Aegypten feilbieten. Der Blick fällt auf ein Bild mit einer Darstellung der Pyramiden- Grabstätten der Pharaonen — Stätten deS Todes — Vergangenes. Ein anderes Bild ist e8, das wir mit unr nehmen: Ehrfurcht vor dem Geist — Leben — Leben des Judentums. Rabbiner Dr. Bruno Italiener, Hamburg. * Am 'Nachmittag des 4. April wurde in Jerusalem vom Amphitheater der Hebräischen Universität aus dem Skopusberg aus der „R a m b a m - M o n a t" feierlich Proklamiert. Der Zeremonie wohnten die Mitglieder der Zionistisdien Exekutive und des Aktionskomitees, Vertreter des Oberrabinats und der Jüdischen Gemeinde sowie führende Persönlichkeiten aus allen Ländern bei. Eine Ansprache über Maimonides hielt der Präsident der Jewish Agency Nahum Sokolow, namens des Waad Leumr erklärte Vizepräsident Abraham Clmaleh den Nambam-Monat für eröffnet und kündigte große Feierlichkeiten beim MaimonideS-Grab in Tiberias am 22. April an. Rabbi Ostrowsky überbrachte eine Botschaft deS palästinensischen RabbinatS, für die Hebräische Universität sprach Rabbi Assaf. DaS Schlußwort hielt der Vorsitzende de» Waad Leumi, I. Ben Zwi. , . . * ' Don den zahllosen anderen Veranstaltungen erwähnen w:r noch die MaimonideS-Ausstellung der Prager Jüdischen Gemeinde« eine Feier der „Jewish Hislorial Sorioly of England* in London, ans der Chiesrabb: Tr. I. H. Hertz die Festrede hielt. Antiker etinflßogcn&nu AsrtragSabcnd Im WWen Museum Uebcr den Synagogenbau und seinen Einfluß in: abendländischen Kulturlreis sprach Dr. Helen Rosenau. Man hörte von Dura-Eukropos am oberen Euphrat, der allcrmerkwürdigste» Mischkultur anS orientalischen, antiken, jübifajcit und frühchristlichen Elementen, von ganz erstaunlichen Wandfrcslcn, die sich im Hanptraum der Synagoge befanden. Au8 den Inschriften ergibt sich, daß diese Synagoge 245 von einem Inden Samuel erbaut ist. Im Gegensatz zum Talmudjudentum von Jerusalem und Babylon setzte sich also daS hcllenisicrtc Judentum der Diaspora hier wie andernorts über das biblische Bildcrverbot hinweg. Tr. Helen Rosenau zeigte an einer Einzelheit wie der Nische für die Thorarotte in der Hanptwand die weitere Entwicklung deS Synagogenbanes und seinen Einfluß auf die Baukunst des Abendlandes. Sie bestimmt den gerichteten Ramn, der bei den Juden gen Westen weist, während die Türen nach Osten orientiert sind: im Jahre 631 aber entsteht auf den Fundamenten einer Synagoge bereits ein Kirchenbau, dessen Apsis nach Osten weist, mit einem so wichtigen Faktor wie dem kleinen Vorhof vor der Fassade, der in der Architektur des Mittelalters so bedeutsam wird. Kairo und die Omar- Moschee. Notre Dame in Amiens, schließlich die englischen m:d spanischen Kathedralen, sind ohne Kenntnis dcS Aron Hakodesch nicht Au denken, und besonders interessant war der Hinweis der Nednerin auf die Synagoge von Kapernaum mit ihrer Frauenempore, die auf dem Umweg über östliche Einflüsse, durch die griechische Prinzessin Theophano, in den Kirchenbau Markgraf Geros, nach Gernrode, gelangte, und so also die deutsche romanische Architektur beeinflußte. Au8 dem großen Komplex der Fragen konnte nur manches .angedeutet werden. Es war ein interessanter Abend, der zu erkennen gab, daß über die Er-- gebnisse von Krautheimer und Grotte hinaus — unter neuen Gesichtspunkten — wesentlich neuest der Veröffentlichung entgegengeht, was den ökumenischen Charakter des Judentums beweist-

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