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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-04 · 1 (4.1.1935) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
1 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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( -L V O'l 3 wOl. ftSr. l;nrnn 2.Bd&!a» .J ü Li v I 4. Z2NU27 1Z35 6^' V „Tie größte dichterische Kraft der Deutschen* nenne» Stefan George und Karl Wolfskehl in der Vorrede All ihrer Auswahl Jean P a n l, nicht ohne erläuternd hinznzufugen: „Richt der größte Dichter, denn der ist Goethe/ In Paul Fechters „Dichtung der Deutschen", die den sich stetig wiederholenden Durchbruch ausgesprochen germanischer Wesenszüge im deutschen Schrifttum darstellt. >vird dieser „Antillassiker", dessen Form „germanisch nielschichtig ist", im Vergleich zu Goethe als die deutschere Erscheinung heransgcarbeitct: „Aus Jean Paul spricht uickit ein Deutscher. Jean Paul ist der Deutsche, mit all seinen seelischen und geistigen Kräften/ Wenn in unseren Tagen Jean Pani (neben Herder) von den Wortführern einer deutschen Dichtung aus Volkstum und Boden wiederentdeckt und als Kronzeugen ihrer Strebungen in An» sprnch genommen wird, könnten sie es init Börne balten. der in feiner berühmten Gedenkrede mm ihm sagte- „Gr aber steht geduldig an der 'Pforte des zwanzigsten Jahrhunderts und wartet lächelnd . . / In den: neuesten Blich über Jean Paul, das non einem jungen Literarhistoriker ans der George. ^chnlc. Mar K o m m e r c l l. stammt, heißt es: „Jean Pani verbürgt uns, daß das Land der Mitte. nicht Rußland, die notwendige Erneuerung ani Acltesten. am Orient bringen wird, wenn Europa ihrer bedarf/ Gr kann sich dabei aus Goethe berufen, der in feinen Noten und Abhandlungen zum „West.-östlichen Diwan" auf das orientalische Element bei seinem Gegenspieler auimerksain machte. Der große Jean» Paul- Forscher Waltüer Har ich meint dazu, das; Goethe in der Annahme sehlging, eine besondere Vertrautheit init orientalischen Schriftstellern bei Jean 'bau! vorausznsttzen. Gr führt Jean Pauls „östliches Wesen" ou? „jenes unbeirrbare Pichen iiii Zentralpunlt allen Lebens, das die besondere Seeleulage noch des deutschen Pietismus wie der Dichter des Orients bildet", zurück und schreibt seiner Freundschaft mit dem drei Jahre jüngeren Ginanuel Samuel, der vom Dichter beraten de,l Na nun Osinund ivähtte. gerade dariim eine besondere Bedeutung zu, weil Jean Paul in diesem „edlen Inden" eine verwandte Seele fand. Durch Nennte W i r t h. die mit diese Zeit die Schwägerin feines anderen Lebenssreundes, Ghristian Otto, wurde, lernte Jean Paul während eines kurzen Besuchs iu Bahreuth. den er von seinem vorherigen Wohnsitz Hof aus unternahm, den jungen Güteragcutcn. der als kleiner Hausierer angesangeu hatte, kcuneu. Bon dein „liebevollen Betragen „Mandels", wie der seit einer Mißhandlung diirch zwei Offiziere schwerhörige, aber außergewöhnlich schöne Ginarinel in diesem Kreise genannt wurde, und der „Iris", wie Jean Paul die damals von ihm verehrte Karoline von Flotow hieß, schreibt er nach feiner Rückkehr in einem Uiid demselben Sah. Und die Begegnung mit dem angesehenen Kaufmann, der auch philosophische Interessen hatte, nutzt er, um sich von ihm über das Wesen der jüdischen Religion nnteriveisen zu lassen. In Beginn des Briefivechsels über den „TaliNild". den Jean Paul und Emauncl Osmund zwiscklen dem 2'k. Rtärz und dem 22. April 1795 miteinander geführt hatten, Verivahrt sich Gmaimel bei dein „rechten guten Freunde" gegen den Borwurf, des Dichters Bestellung von „Zeug zu ein Paar Hosen" werde ihn eher als seine „Freundschaft zum Schreiben bringen". Seiner Bitte, ihm eiroas über das jüdische Schrifttimi mitzilteitcn. entspricht er. indem er ihm den Satz des Antignos aus Socho. des ersten Talimidisten. dessen Raine überliefert ist, airfschreibt: „Gleicht uickit den Knechten, die ihrem Herrn aiis Lohn» Nicht dienen: sondern gleicht solchen, die ohne Rücksicht ans Lohn treue Dienste leisten, und laßt die Furcht des Himmels über euch sein!" Jean Paiil dankt für die „gelbe Folie", die Gmauuels „Gültigkeit und Geschmack" um seine „lilliputischcn Schenkel" legte und die „Ginwiiideluug seines GebeinS so schön besorgte", aber damit, das; Ginaiiiiel ihm „einzelne Sämenperlen" seiner Rabbilien statt einer „ganzeu Halsschnnr in Druckpapier cingewickelt" scl>icktc. ist er welliger zufrieden. Gr bittet ihn um eine liebersetzurig der Gemara. lucnit cs eine gäbe und — wciin er sic eineiil Lutheraner leihen dürfe. „Besonders über die Scelcnwandernng und Unsterblichkeit möcht' ich Rabbi neu hören. Ihre Lehrer haben zivci Seelen, eine philosophische moralische, deren Sviinenblickc uns Moses Mendelssohn, Herder und andere sehen lassen, lind eine unbegreiflich enge, eine Adne' sudch. die mit der Nabelschnur in der Grde. und zwar in der palästinischen, eingewurzelt ist. Ter Philosoph kan» dazusetzen: ivenn einmal die moralische Grgcbenheit'gegen den Schöpfer durch ein körperliches Zeichen ausbrechcn soll: so ist die Wahl des Zeichens, da jedes Körperliche gleich unendlich weit vom Geistigen absteht, gleichgültig, und zwischen Taufwasser und Beschncidung und zwischen dein Fasten am christlichen. uird zlvisciien dem Sckim.ulscn am südischen Schabbos ist aks k ü r p c r l i ch e H a n d l u n g kein Uiiterschjed. — außer das; die letztere Zeremonie ein ivenig angenehmer ist. Ihre Religion überholt darin unsere, daß sic keine einzige theoretische Unbegreiflichkeit und Kontradiltion wie unsere fordert. Gin Philosoph kann leichter ein Talumdist als ein Orthodox sein.. Gerade Religionen und Völker mit vielen, scharf - abgeschnitteucn Zeremonien verwittern später im Wind und Wetter der Jahrhunderte, als andere mit wenigen Zeremonien: so die Sineser, Brammen. Katholiken und Juden — je näher aber eine Religion (wie die reformiertet der Philosophie kommt, desto öfter ändert sie. wie die Philosophie, selber Körper und Kleid. Wenn Sie wollen (und ich kann): so luili ich mit Ihnen Briese (d. h. Abhandlungen) über die Offenbarung, über Wunder, Religion nsw. wechseln. Aber Sie müssen mich vorher . .. Ihre Toleranz . . . asseknricren. Sind Ihnen ... die srciinütigsten Behauptungen — die aber gleichwohl int unendlichen Tempel des : Wohin die Berliner Juden wallfahrten sollten <: Irzfr. V~.5l*r- 'l& .2* >. «i jy<' iiujwmt, äs;: ■ .IM OtESEK HACKE : * TEIE CfflD.'WiliTG TOsTEIirtLlCIffiS o i\" 1äF inr' r. ^<'nnivt . / ’ Vi^»l i / ■ Lf! v» > tl Uij\l ■ is •. 'VY.! \füfiliLI •[:/&. •-]7 l.vC/r! p 1 Spandauer Strasse 33, das Haus, in dem Gotthold Ephraim Lessing und Moses Mendelssohn gewohnt haben Universums anbeten, der ans drei lollosialischen Säulen ruht, auf Gott, auf llusterblichkeit. auf Tugend — nicht zu freimütig: so fangen wir sie an. Ta niete von Ihrer Religion am Schabbosabend an Gewürze rochen, um sich unter dem Verlust der Schabbvs-Seele 31t erfrischen: so schick' ich Ihnen gerade Sonnabend abends, ein solches getvürzhastcs rcfraichissemciit oder gar eine neue Schabbos-Seele zu. Ihre Freundin Renate . . . .Leben Sic wohl und schicken Sie in dem Kutschlasten der freundlichen Pilgcrin einen Band von der Gemara oder sonst etwas Rabbinisches zu IhremFreunde Richter". Gmaimel ist über diesen „prächtigen Briet" — den verspäteten Tank motiviert er mit seinen Feiertagen — hocherfreut. „Auf Druckpapier kann" ich Ihnen kein Armband, viel weniger eine Halsschiuir von meinen R'abbinischen Perlen senden: doch lötinen Sie aus Schreibpapier nach und nach einige Loth Luthperlcu. vielleicht auch eine kleine Zahl Zahlperlekt bekommen. Tie Gemara ist nicht übersetzt; wäre sic's. so uvirc sic es für die Nichtjuden so gut wie die Mischna . . . Die Mischna, die Gemara u. a. dcrpl. Schriften sind ohne Kommentar nicht zu brauchen. Von llusterblichkeit und Seelenwanderung sagt die Gemara nur wenig. Die zwei Seelen meiner Lehrer konnten sich wohl, ivenn Widersprüche die Verdoppelung bewirkt, noch öfter verdoppeln. Aber »venu wir uns in ihrer Bildersprache gefunden, erscheinen sic uns anders. Vor allem bedenken Sie, daß der Talmudist eine Größe darin sucht, die äußerste Grenze eines jeden Dings nicht nur. sondern einen jeden Weg ans weitester Entfernung zu dieser Grenze aufzusuchen, und in der llcbertrctung eines ganz unbedeutenden Gesetzes schon die Verletzung der wichtigsten vorauszusehen. Darum sagt er: Wer ' am Sabbath ein Geschivür aufzwickt, bloß um cs zu öffnen (ohne Rot), der Übertritt das Gesetz: (während die Oeffnnng desselben zur Heilung in der Ordnung ist). Ter Talmudist gebraucht ein Bild: die Gemara will damit sagen: Wenn, ein Geschwür ohne Not auszwicken schon eine Art Bauen oder Arbeit, wie sehr ist es dann des Juden Pflicht, jede Handlung, die er am Schabbos verrichten will, genau zu prüfen, ob sie nicht eine Art Handlung sei? Daun aber ersieht der Jude zugleich aus dieser Stelle, daß er im Falle der Gefahr sich über das Gebot wegsetzen kann. „Jean Paul hatte nämlich diese Vorschrift eines „kleinherzigen Zwerg-Geistes" beanstandet. Iu der Antwort, die Jean Paul zur nämlichen Stunde anfängt. in der er GmanuelS Schreiben iveglegt, geht er auf einen Satz Gmauuels ein. in dem es hieß: .Warum, Lieber!, sagen Sie: leider! Iiabc ich mehr über, als von Juden gelesen. Sic glauben nicht, rvie sehr nur dies leider! ausgefallen. und )vic ich cs nicht aus den Augen bringen kann." — „Leider" — das kann nichts heißen, als ich beklag' es, daß ich die Unterdrückten fast bloß aus dein Munde der Unterdrücker kenne — daß Christen die Porträtmaler der Inden sind, denen nicht mehr zu glauben ist, als wenn Juden die Porträtmaler der Christen sind. Tenn der seine Geist jedes Volts — eines so unähnlichen zumal — verdampft, wie jeder Spiritus, in allen Schilderungen; und nur aus der Geschichte, dem Leben, und den Schriften des Volkes selber ist sein §piritus rrn-lor, sein Lebensgcist rein abzudunstcn und zu kohibiercn." Das Thema ihres Briefwechsels selbst überdenkt Jean Paul eine ganze Woche. Seine Antwort unter- Don «KrcfcSSoc Sr. Eugen Wölbt Bequeme Weltcubummler rasen in Gemeinschastsreijen in ein paar Tagen durch ganze Länder. sie haben dabei viel, in Wirklichkeit nichts gcjehen. Die meisten geloben sich: das nächste Mal reisen wir allein! Daß der Wanderer mit bescheidenen Ansprüchen mindestens ebenso billig „wegkommt" ist eine alte Grsahrung. Run erst der jüdische Ilalienfohrer. der das Lebe» und Treiben, die Lage und den Gottesdicnst der italienischen Glaulvnsgeuosseu kennenlrruen null. Im Rahmen einer Gesellschaftsreise bclomiut er von diesen Dingen fast nichts zu' sehen, zumal die üblickjen Reisepläne wohl alte lüöglickien Kirchen, aber fast nie eine Synagoge borsehen. Gewiß, wer sein Iudcsein auch auf der Wanderfahrt nicht vergißt, der kommt um manchen Kunstgenuß, den eine Kirche im Barockstil 'oder ein Gemälde von Meisterhand «üslöft. Ihn entschädigt aber eine Fülle von Gindrücken. die ihn mit Stolz aus sein Judentmn und mit frohem Znluuftsglanbcn erfüllen. In .Rom etwa vercungen Bildwerke in Stein, aus Leuuoand und Bütter; schrnerzliche — und auch ein paar erfreuliche — Momente aus der Geschichte der Juden. Ich blättere in meinem „Römischen Bilderbogen". Welcher Jude — und sei er'in'der Geschichte- Israels noch so wenig bewandert — lenkt nicht noch am Tage seiner Ankunst in der lrwigen Stadt den Schritt zu dem durch Lausende von Reproduktionen bekannten Triumphbogen, den einst der Senat und das römische^Volk deni Kaiser Titus in Anerkennung seines Sieges über die Juden errichtet haben. - Pietätvoll unterläßt es der Besucher, mitten hindurch auf dem Pflaster zu schreiten, das einst von den wuchtigen Tritten der siegreichen Legionen widerhallte; sie schleppten dic gefangenen Juden, die überlebenden Zeugen des Tempclbrandes, unter süjmcttcrndem Tubaklang im Triumph einher, dem Tode bei den Tierhetzen im Kollosscum entgegen. Und doch: die römischen Adler, die den Legionen voran schweb! en, sind in den Staub gcs,mken wie die Macht des römischen Weltreiches die Tuba ist verklungen. Aber der siebcnarmige Leuchter, den die Gefangenen keuchend cinhertragen — das Relief ist sehr gut erhalten —, strahlt nach heut in seinem Glanz, ein Symbol der unverwüstlichen Lebenskraft des Gottesvolkes, ein Fanal der Wiedergeburt in unseren Tagen! „Ki lo alman Iisraöl", „Israel ist nicht verwaist." Kein Wunder, daß die Menorah das Wahrzeichen der. römischen Indengemeinde darslellt! In Marmor prangt sie am Giebel der herrlichen -Hauptsynagoge; im Altarrannt flammen vier große bronzene Leuchter dieser Art auf, wenn der Abendgottesdienst beginnt und die Rabbiner und Kantoren in feierlicher Prozession cinziehcn. Die Katakomben, ebenfalls Zeugen jüdischer Vcrgangenhcit, sind leider im Lositz eines nichtjüdischen Weinbergbesitzers, der über den Grabkamincrn gleicligiltig seine Furchen zieht und an der Instanderhaltnug des unterirdischen Fried- Hofes kein Interesse hat. Eine Reihe von schmalen Gängen, an deren Leiden Leiten horizontale Grüfte — immer drei und vier tibereinander — ausgehanen sind, führt durch diese Totcnstadt. trübselig von Äütichskerzen beleuchtet. Slclette oder Teile davon sind nicht nwhr vor- Händen, hin und wieder ein paar Knochen. Plereinzelt »veisen Marmortafeln den Siamen des hier Bcigcsctztcn — in lateinischen oder griechischen Lettern auf; selten eine hebräische Inschrift, dagegen Abbildungen jüdischer Knltgeräte, z. B. den siebcnarmigen Leuchter. Palmen zur Sukkot-. Rüben zur Scderseier, aber auch Lämmer und Pfauen. An der Decke einer der jüdischen Grabkammern sind Adam und Eva in Fresko kunstlos hingemalt. Der Führer berichtet, daß in der Zeit des Urchristentums hier auch Juden, die sich der neuen Lehre angeschlossen hatten, ihre Ruhestätte fanden, natürlich auch -Heiden, die — wie eine Inschrift besagtJuden geworden waren. Das Erstarken der kirchlichen Macht im 12. Jahrhundert bildet den Auftakt zu sckpveren Verfolgungen und Demütigungen für die Juden. Wird ein neuer Papst inthronisiert, müssen auch die Inden zur Huldigung erscheinen. Ter Nabbmer überreicht ein Tliorarolle, die der Träger der Tiara mit einer hebräischen Antrvort zurück-' gibt. Wir befinden uns jetzt vor einem etwas verfallenen religiösen Gebäude mit hebräischer und lateinischer Inschrift über de.ni Portal. Ist cs eine Synagoge? Nein, eine Kirche, die „A/iVam dollu divina j>iVlä‘\ Die Inschrift lautet: „Ich strecke meine Hände ans den ganzen Tag gegen ein nngehorßunes Volk, daö seinen Gedanken -nachwandelt auf einem Wege, der nicht gut ist; ein Volk, das beständig memen Gro'l herausfordert" (Ief. G5, a u.;)). Hier mußten sich am Sabbatnachrnittag die römischen Inden Buß- und Bekehrungspredigten fanatischer Mönche anhören. Bilder zeigen, wie die fromrncn Glaubenswächtcr die schlafenden Inden unsanft zur Wahrnehmung ihres Scelenheiles aufrüttelten. Inlins II. wünschte sich o!3 Grabdenkmal eine Gestalt aus dem sogenannten Alten Testament —' und Michelangelo schuf .seinen „Moses". Seit . meiner Nomfahrt vor einem Vierteljahrhundert hat dies wahre Wunderwerk feinen Standort ge- . wechselt: 1008 mußte man in der Kirche San Pietro in Vineolo zum zweiten Stock hinaufsehen, um die zorndurchbcbten Züge unseres gewaltigsten Lehrers genau zu erkennen. Jetzt ist er in das Erdgeschoß hinabgestiegeu. ein Standortwechsel, der ein bequemes Sichversenken in die Schönheit des Bildwerks ermöglicht.'' Die von unbeugsamer Tatkraft zeugenden Züge, in denen jeder Nerv angespannt ist, treten scharf hervor. Das Auge ist erwartungSvoll in8 Weits gerichtet: wird mein Volk sich dem Willen seines Gottes fügen oder soll erst des Schicksals Wucht Israel zur Bemunft bringen? Jeden Augenblick — wähnt nian— müsse der Meister, dem Gedanlenoebeit beinahe das gottgeweihte Haupt sprengt, unter sein Volk treten. Wehe, wenn der muskelgestraffte Arm zum Schlage ausholt , , , Aber; - nein, Mofes^ der - demütige Knecht Gottes, ist nicht der Mann der rohen-Gewalt: so streng er ausfieht — ein Mglanz der göttlichen Majestät ruht ans diesem königlichen Antlitz. Gin neues Bild. Römischer Karneval in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Eine johlende.Menge drängt stell in den reich geschmückten Straßen, durch die sich der Festzug ben'egt. In der Prozession schreiten gesenkten Hauptes die Vorsteher der Indischen Gemeinde einher. Iejrt kommen sie am Kapitol an und steigen über die von Michelangelo entworfene Trep;n: zum Palast der Konservatoren hinauf. Im Saal, der ans die wundervolle Reiterstatne des Philvsophclckaisers Marc Anrel herabblickt, sind die Stadtbehördcn versammelt. Ter erste Vorsteher der Gemeinde bittet im Namen der Indenschaft um AnfenthalLsbcwillignng für ein weiteres Jahr. Der Siudacco gewährt das Gesuch. unter der Bedingung, daß die Gemeinde die Kosten für den Karneval trägt. Zustiumiend überreicht der Vorsteher einen Blumenstrauß; den Gcidtribut und die Palmen für den Sieger im Pferderennen haben die Inden schon vor der Audienz abgelicscrt. Trotz der verhältnismäßig milden Formeu, in denen sich dieser Vorgang abspielte, bcderrtete er eine arge Demütigung für die italienische Iudcnyeit. die damals nicht ahnen konnte, daß im ersten Jahrzehnt des 20. Jahr- Hunderts die Ewige Stadt ein jüdischer Oberbürgermeister. Eruesto Nathan, leiten, und daß in demselben Jahrzehnt der König einen Juden, Genera! O t t 0 l e n g h i, zum Kriegsminister, einen anderen, Lnigi Luzzatti, zum Ministerpräsidenten ernennen würde. Im heutigen Italien gibt es ein reges innerjüdisches Leben. Ätm Freitag abend und am Sonnabend ist der große Tempel der jüdischen Gemeinde in Rom gut besucht Erfreulich ist auch die Anteilnahme der Gemeinde an der Thoravorlesung, die sie verständnisvoll verfolgt. TaS Aushcüen unter herrlichem Psalmengesang mit Orgelbegleitung — man glaubt eine DLeffe von Palestrina zu hören — wird zu einem eindrucksvollen, sogar malerischen Erlebnis, wenn der Kantor die Thora-erhebt, deren Mantel zu beiden Seiten in

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