Seite der Jugend
- Journal
- Seite der Jugend
- Volume
- 1934
- Issue
- 6 (22.2.1934)
- Date
- 1934-02-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Au den Rand geschrieben Ter nachdenkliche Betrachter Mischen LebenS.in Deutschland bemerkt manches, das kritisch scstgehaltcn zu werden verdiente. Nicht bedeutsam genug,-um eine gewichtige, Stellungnahme zu erfordern, - er« scheint es doch wert, mit einem flüchtigen Blick festgehalten, und hier an den Rand geschrieben zu werden. Tabei soll uns auch nicht die Befürchtung, Geschmacklosigkeiten durch ihre Erwähnung eine vielleicht unerfreuliche Publizität zu geben, hindern, sie Geschmacklosigkeiten zu nennen .... * In einem führenden jüdischen Blatt einer großen norddeutschen Stadt erscheint eine Annonce, die zu einem Kostümfest, Künstlerdarbietungen. tausend Ueberraschungen „Ganz unter uni" einladct. Und in dem Gemeindebla tt der größten deutschen jüdischen Gemeinde meint der Inhaber eines Cafes, sein Lokal besonders attraktiv machen, wenn er in die Annonce schreibt: „Wo kann man sich unter uns amüsieren?" Bon solchen Würdelosigkeiten kann sich da? ernste mit seinen Sorgen ringende deutsche Judentum nicht weit genug distanzieren. Ter Jüdische Frauenbund hat in seiner bekannten Entschließung, die in Nr. 3 dieser Festung vom 18. Januar d. I. abaedruckt war. mit Recht gefordert, daß sich unsere Geselligkeit, die wir nicht unterdrücken, sondern fördern wollen, in einer der Zeit angepaßtcn Form bewegen muß. So aber geht cs nicht. * Aber verlassen wir den Inseratenteil und betrachten unsere Blätter da, wo die verchrlichcn Redaktionen sich nicht von eigener Verantwortung sreisprcchen können. Ta bringt ein Blatt eine „Kleine Studienreise durch jüdische Kabaretts". Tie Kritik ist in Briefform geschrieben, und der Leser fragt sich, ob es außer der „lieben Ruth", an die der Brief gerichtet ist, irgend jemanden interessiert., wie der Schreiber sein Wochenende in Kabaretts verbracht hat. Tann aber lesen wir: „Im ^'-Kabarett . . . traf sich die jüdische Jugend Berlins. Nach den rhythmischen Klängen der sein abgestimmten L.-Kapelle tanzte da? Publikum in den nächsten Tag hinein." Es soll die Mücke als Mücke genommen werden: aber hat hier niemand an die Wirkung solcher Artikel nach außen hin gedacht { Zumal in Wirklich- Irit die Tinge ganz ander? liegen. Tie „jüdische Jugend Berlin?" ist heute an würdigerer Stelle zu siuden. Und wenn sie für das' bißchen' Lebensfreude, das, ihr geblieben ist und-das wir ihr erhalten wollen, einen Ausdruck sucht, so geht sie neue Wege, bemüht sich, Formen zu finden, die jenseits einer verstaubten Welt der veränderten Lebenslage Rechnung trägt. . * Wer sich für jüdische Zeitungen interessiert/ der wird oft feststellen können, daß - unsere Blätter sich noch nicht ganz in ihre neue Rolle gefunden haben. Sie sind Mittelpunkte des jüdischen'Lebens geworden. Das haben die Leitartikler meisten? schon begriffen. Ansätze zu großzügigerer Gesamtschau sind bei vielen zu spüren. Aber im personalen Teil hat es sich noch nicht herumgesprochen, daß die Zeit einer Wertung nach Vereiusprogrammen vorbei sein sollte. Das zeigt sich deutlich da, wo es darauf ankäme. Einzelpersönlichkeiten rein menschlich wertend zu betrachten: bei den, Nachrufen. Ein großer Manu ist gestorben, sagen wir ein Führer der Wirtschaft. Man kann die Nachrufe der führenden jüdischen Blätter schon Voraussagen und — man wird nie enttäuscht. Tie eine Zeitung wird uns' vorrechneu, wie weit der Verstorbene schon auf dem rechten jüdischen Weg vorgeschritten war, und diese Zensur ist gerade bei bedeutenden Menschen noch keine gute. Ta? andere Blatt beleuchtet die Bedeutung diese? Juden für den deutschen Lebeuskreis, ein Nachweis, der meist besser als der erste gelingt. Die dritte Zeitung sieht die Krönung des Lebenswcrkes in der Anerkennung eine? Ofsiziersverbande?. dem der Verstorbene angehörte. Alle diese Betrachtungen enthalten einen wahren Kern. Aber wären sie nicht wirkungsvoller, wenn sie in den Rahmen einer ganz freien Darstellung gestellt würden, die Verständnis für da? stecht eine? großen Einzelgängers ansbrächte, dem eigenen Gesetz folgend Wege zu gehen, auf denen man den Durchschnittsmenschen nicht immer sehen möchte? * Ta? gilt noch mehr für da? Gebiet kritischer Kllnstbclrachtnng. Kunst hat ihre eigenen Gesetze, „Forderungen" vertrügt sie nicht. Wenn wir ein wirklich jüdische? Leben haben werden — und Ansätze dazu sind vorhanden —, dann werden wir. auch eine jüdische Kunst haben. Künstlerische Inhalte soll man nicht unter das Gesetz der einen oder anderen Betrachtungsweise stellen. In der Kunst gibt es nur e i n e Unterscheidung: gute und schlechte Kunst. Wenn uns der Kulturbund „Sonkin - und -der' Haupttrefferbringt, dann ist es nicht wichtig, ob wir den Stoff unbedingt bejahen.- Obwohl auch-hier schon eine genauere Analyse weiter führen könnte. Der arme Sonkin, der sich so sehnsüchtig Geld wünscht, um schenken zu können, der, im Besitz des Geldes, nur au die Frau, die Verwandten, die Kollegen denkt, der ist schon eine sehr schöne jüdische Figur. Aber wichtiger ist. das; da oben auf der Bühne ein wirklicher Mensch steht, daß ein großer Künstler uns in überlegener Kunst, im Schmerz lächeln und im Lachen nachdenklich werden läßt.' Das kann dem Zuschauer, der, müde des Tages, unten sitzt, mehr geben, als ein großer Artikel. Der Journalist, der ans das geformte Wort beschränkt ist, steht neidvoll vor der Wirkung so gestalteten Lebens. Man lasse der Kunst ihre Freiheit; cs wird allen zugute kommen. * Da wir gerade beim Kulturbund sind, und um mit etwas Positiven zu enden: Es ist einmal an der Zeit, außerhalb der kritischen Knnstbctrachtnng zu sagen, was wir dem Kulturbünde in der kurzen Zeit seines Bestehens an menschlicher Wärme verdanken. Keiner unter uns. der sich nicht ans diese Abende freut. Es ist noch nicht allles dort so, wie wir es uns wünschen, aber die „Atmosphäre" ist da. Ein zurückhaltendes, aufnahmefreudige? Publikum, das so gar nichts mit dem Ämüsierpöbel zu tun hat. für den man uns gern verantwortlich machte: ein enger Austausch und Zusammenhang zwischen Gebenden und Nehmenden: eine wirkliche Kunstgemeinschaft. Ein Theater, in dem nach dem Wunsch der Leitung kein „Star" allein den Beifall entgegcnnehinen darf, weil der Geist geschlossenen Ensemblespiels die Darslellnng beherrschen soll. Man findet es bestätigt, wenn mau nach einer Vorstellung in der stillen Gaststätte sitzt, die zum Treffpunkt der Künstler geworden ist. Man hat vom Startnm als einer typisch jüdischen Erscheinung des Kunstlebens gesprochen. Mau würde eines Besseren belehrt, wenn man sie hier an einem Tische zusammen sieht, den Spieler tragender Rollen, die führende Sängerin und den Träger kleiner und kleinster Rollen. Auch hier lebendige Einheit schaffender jüdischer Künstler. * In Zeiten tiefgehender Erschütterungen stehen die großen und bedeutsamen Fragen beherrschend im Vordergründe. Tie Einzelheit aber, Schattierungen und Farbwerte sind es, d're dem Bilde die Vollendung geben. Ta mag es nicht überflüssig sein, ab und zu etwa; an den Rand der grundsätzlichen Betrach. Lungen zu. schreiben. F. Br. Der Verband n a 11 o n a l b e u f f ft P - Juden E. V. fühlt sich bemüßigt, den uldisfteu Ztonfekti-onssirmeii Ratschläge zu geben dahin, „daß cs unbedingt notwendig ist, sich hinsichtlich sozialer und moralischer Gebarung besonders Verkehr mit den Angehörigen der eigenen Ae. triebsgemeinschast den ethischen Grundsatz auzupassen, die heute endlich wieder allgemein zmn Durchbruch gelangt sind. Insbesondere gehen uns von nichtjüdischer wie jüdischer cotlc bewegte Klagen darüber zu. daß der ja leider sprichwörtlich gewordene „Konfeltionston" immec noch nicht überall einem znrüclhaltendeii. „nge. mesfenen Wesen weichen will". So selbstverständlich es ist daß jeder Jude sich in seinem sozialen und moralischen Verhalten nach den allgemeinen ethischen und damit jüdische!, Grundsätzen richtet, so selbstverständlich auch Zurückhaltung jedem tattvvtlen Menschen eigen jtz, so wenig selbstverständlich ist die Rolle, die sich hier der Verband nativnaldentscher Inden nnmm';i. Richter in Taktfragen kann nur sein, wer selbst das sichere Gefühl für Würde und tattvelle vuii> tnng hat. Das Gebaren des Verbandes iiatiiiiuildeutscher Juden auch in letzter Zeit und die üs-e,. hebliche und schädliche Verallgeiueinernug. d>e gerade in diesem feinem letzten Schritt liegt, beweisen. daß dieses Grüppchen das letzte ist.'dlis den Anspruch erheben darf, sich znm Moralprediger sü-r ehrenhafte Wirtschaftler zu. machen. Wie die von allen deutsche», Jude,, geforderte und gebilligte Aufgabe der inneren Mistzan z„ erfüllen ist. glauben »vir durch den Aussatz uen Leo Baeck „Znrüelhaltnng" iu Rr. ä der ,.tt. I,. Zeitung" gezeigt zu baden.' „Risch" Mitteilungen des Neichsverbandcs israelitischer Schwerhöriger Geschäftsstelle: Verlim0'harlr>tteubi:rg I, Slweb'ttatze l’1. Tee Verstand erbittet VI b r e s i e u angabe alle r »üdischeir Schwerhörigen. Vertze. Vimnälte, vchrer weu den um Mitarbeit in gmu, Tentschmud gebrle». ullM) Ammalhärende werden als Mitglieder und müderer mitnciuimiiten. Uederueluuet Pateuschasten für uubeuiittelle jnditzlie Schwerhörige (lmmatlid) O.iit) -werdet Mitglieds jedes neue Mitglied stärtt die Gemeinschaft! Im Interesse eines jeden schwerhörigen liail die Teil nähme am A blese umerrichl, jeinen 'J.ilitinnnti. 1!> Ohr, Grütze .Gambnrger St ratze 27 «,»>'„abeutzlmle-. Gebühr pro Teilnehmer und Stunde U.2H :>!M. Tase>t>>t mich Verainngsslelle für -vörgeräte: gebrauchte .öörgrriile, auch gegen Ve;alilung. gesiulü! Vächlle Mrmatsversaninttung: Sannaheud. H> Uhr, .'botet „König von Portugal", Perlin V 2. Pmn Üratze Hi. Rabbiner Tr. Gotl s ch alt: „3»» Ehre". NICHT länger SCHWERHÖRIG allen Freuden von Wort, Ton und Ein erfüllbarer Wunsch! aJ^c, unauffällig, preis. wert, helfen Ihnen. Kostenlose Beratungen Klostcrstr.43 oder Bayreutbe.r Str.36. iNZk Deutsche Akustik-Ges., KiSa^Hk*. Verein zur Gründunfr einer Akademie für die Wi« Judentums E. V. Am r>ien*tnsr, dem 3, April, I« Ehr, findet im Roten Saale de5 Log-enhauses, Kleiststrnsse 10, eine ausserord. Mitgliederversammlung 2'lürlrt 'verfiel]. t Mitglieder des Vereins hiermit ein- Tagesordnung: 2. Hr.-.rlihiv.-1'a-.sung über einen Antrag >Ie> Vorsvaltunu>\orsiandes auf Auflösung des Vereins. :i. BeM-lilnssfassuiig über die Verwendung des Vcv- Falldie Mitgliederversammlung nicht hrseblm-sfähig sein sollte, findet am gleichen Tag.-, eine halb0 Stunde später, eine zweite Mitgliederversammlung mit derselben Tagesordnung siait, die iu iedem Falle he-<-h!u-sfahig ist. Zu dieser sind die Mitglieder gleichfalls liu-rmit I>er Vorwoltung-sTorstand. Oskar Wassermann, Leo Baeck. sfih'. \orsiuzender. slellv. Schriftführer. Büchcr-Aiikauf!rabebrD Sprache. C.onzcr, Berlin N 24. Oranierbu rccrstr.26 D 2 Weid. dü!)4. Tätrl. HM Nebenverdienst errnögl. Damen »- Herr. in. gewandt. Antt.r. „Verla“ Bin. (.2, Syinnd.Brii ekel (Schriftl. b. Rüekp.) Kinder, die in S gart die Schule hevoll. V> nähme i. gut. H; nähe. Waldorfschule. FÄMI MEN VERSORGUNG KINDERVERSICHERUNG ALTERSSCHUTZ lÄmiHiis cewib Empfohlen durch: Den Rat des Preußischen Landesverbandes Den Rat des Bayerischen Landesverbandes Den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Den Jüdischen Frauenbund Den Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten usw., usw. FAMILIENSCHUTZ- Gemeinnütziger Verein für HinterbliebenenfUrsorge der Mitalioder jüdischer Gemeinden e. V. W 8, Taubenstr. 35, Flora A 2,4417/18 EDEEffiEM— Magi KCPARATtURCf-J \ ERICH SQQHTEüG m onvag en 1 Bin. -Wilm., SLidwestkorso 24a n s >v,ltrn«‘r ttnso 1 45ßUd fönmmtf 0ß('M Droisor. .Tennic Gerhardt. Ml;, Kellermann, Der Tunnel. Stahl, Kinführung in die Kunst .. „ Paris.....'. Pom. Galsworthy, Die dunkle Blume. „ Der weGse Alle.. l-'rohenins. Kulturgeschichte. Afrikas. „ Seheier. Vom Kwigen im Menschen. „ Mommsen, Römische Geschjelim. „ Brod. T.vcho Brahes 'Weg /n .. Rosenzweig. Zweistromlaml. Müller, Kiu Buch für unsere Mütter. 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