Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 5 (1.2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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antral- . * Berlin, T. Februar 1934 /, XIII. Jahrgang / Ns%5, "#JP r q I $ 2 0: Pi&afMB BLITTEB PHl &EUTSCHTUH UH0 JÜ f""'1. ’k ii ii“'ä. | p^ta'T >«s ß" T'e'i l i 1t) ii I" Ä A H D ij) iflfii S Dm Wcümtham üi BerlfapPasthmn} , Zu dcm Avfiatx /. Beiblatt, I. §akt« '1 SM ZÄ.ISNWM ' ’k. H. In diesen Tagen jährte sich der Beginn des Dritten Reiches. Nach dem Willen der Führung wurde dieses Ereignis nicht in rauschender Festesfreude begangen. Der stillen Besinnung, dem ernsten Rückblick, dem gesammelten Zukunstswillen, der sozialen Tatbereitschaft war der Tag geweiht. Die Stimme eines deutschen Juden, die im Fe st es lärm fremd, verloren, störend hätte klingen müssen, kann deshalb heute erhoben werden, wenn sie ernst und verantwortungsvoll Gegenwarts- und Zukunftsfragen bespricht. Die Volkwerdung der Deutschen und die Ordnung der Spannungszustände innerhalb des deutschen Volkes im nationalsozialistischen werden, und indem man mit kluger Psychologie Fixierungspunkte des Alten entfernte, lenkte man die freigewordenen Kräfte auf das Neue. Zwischen Hingabe und Erhöhung, zwischen Opfer und Ergebnis vollzog sich ein Ausgleich, der den Menschen in seiner Ganzheit unerschüttert erhielt. Zu den Kreisen, dre diesen inneren Ausgleich in der Gestaltung ihres neuen Seins in Deutschland nicht finden konnten und die darum an Opfern drrrch die Zeitereignisse besonders schwer zu tragen haben, gehören wir deutschen Juden. Vom Zeitbewußtsein und vom nationalen Willen des deutschen Juden her ist jede Gestaltung deutschen Schicksals eine lösbare Aufgabe, zu der uns im Letzten unsere religiöseVor- MW Wenn den Menschen ein Schicksal trifft, so bleibt ihm eines, wodurch er dem Schicksal begegnen kann: die Haltung. Alle Haltung stimmt aus einem Seelischen hervor, und nichts hat daher weniger mit ihr gemein als das, was bisweilen sich ihren Namen beilegt, jenes Aeußerliche, Künstliche, das durch eine hergestellte Gemessenheit doch nur eine innere - Schwäche zu verbergen sucht. Wahre Haltung ist immer Offenbarung eines seelischen Be-, sihes, sie ist der Ausdruck der inneren Festigkeit und Würde. Kaum etwas widersprach ihr darum mehr als jenes, einst so häufige, sogenannte gesellschaftliche Streben, das den Platz im Kreise der Menschen und oft auch die Meinung und die Richtung immer nur von. anderen empfing. Seiner selbst durch ein Sittliches gewiß sein, sich selbst eine Antwort geben können, die Antwort der Seele, das allein führt zur Haltung. Ter Anfang aller Haltung ist darum die Zurückhaltung, diese Fähigkeit, bei sich und in sich zu bleiben, sich zu hören und sich zu sehen. Ter haltungslose Mensch ist der, dem es ein Wert seines Lebens ist, von anderen gesehen und gehört zu werden, dem das Geltungsbe-. dürfnis die seelischen Bedürfnisse und schließlich die seelischen Kräfte verdrängt hat. Von dem englischen König Eduard VII. wird er- |j / Bon Leo Daeck X zählt, daß er den Begriff des Gentleman und der Gentleman ist der Mensch von Haltung — dahin bestimmt habe, dieser sei dev! Mensch, der von einem Ende der Stadt bis. zum anderen gehen könne,- ohne bemerkt zu werden. Und was vom Gentleman gesagt ist, gilt ebenso und vielleicht noch mehr von der Lady. Nicht bemerkt werden, das. bedeutet», nicht, sich verstecken, sondern: die gebotene Zu-" rückhaltung, -diese wahre Schlichtheit und Echtheit bewähren. Wenn, um ein Beispiel, änzuführen, jüdische Männer und Frauen meinen, ihre Stunden der Ausspannung und Erholung so haben zu sollen, daß sie aufsallen müsien, oder dort, wo sie dann still oder laut hinausgewiesen werden, dann haben sie damit dargetan, daß sie jedenfalls zu denen nicht gehören, die der englische König als Gentlemen, als Ladies bezeichnete. Vielleicht kann heute durch die Zurückhaltung noch ein Besonderes gegeben.werden. Vielleicht entdecken, wenn sie geübt wird, so manche ihr Heim, entdecken Mann und Frau einander und ihre Kinder und einen Kreis von Freunden und entdecken, daß sie, die so lange Menschen der Meinung und Mode' waren, Menschen von Haltung zu sein imstande sind. . > .aat ist Voraussetzung und Ziel des Neu-, mes und ebenso das Bewußtmachen dieser attischen und gedanklichen Tatsachen in )em einzelnen Menschen. Die Zahl der )pfe, in denen sich dieses Staats, und Weltld zu Plastischer Gegenständlichkeit schon vor -M 30. Januar 1933 geprägt hatte, war nicht wß. Der Kreis der Menschen, auf die die' eberzeugung der zunächst wenigen übergemgen ist, weitete sich ungeheuer und umfaßt tzt fast das ganze deutsche Volk. Fasiade n d Fundamente sind gleichzeitig umgebaut wrden. Und so manche liebgewordene Konso mancher vertrauter Raum ging daei verloren, " In dem großen Aufräumen mnle auf Sentimentalitäten nicht geachtet Um hei einem Wohnungswechsel eine Stockung oder Verzögerung in der Belieferung der „C. V.-Zdtzmgu zu vermeiden, bitten wir alte Bezieher, um Adressenänderungen me glichet schon einige Zeit, vor dem Um* zugsZerznin bekanntzugeben, damit wir die Poet rechtzeitig ■ vor*- ständigen kennen» stellung vom Staat befähigte Zu den Trägern und Vorarbeitern des großdeutschen Gedankens der 48er Epoche haben deutsche Juden gehört, an den Vorarbeiten und Fundamenten des Bismarckschen Reiches haben deutsche Juden mit Hingabe und zum Wohle des Ganzen mitgewirkt. Lebensnotwendigkeiten in einem Reich nationalsozialistischer Prägung liegen erstmalig in.der Geschichte unserer Gemeinschaft vor. Vergleiche mit Epochen religionZgebunbeiter Staatlichkeit oder der Forderung cuius. regio eius religio decken , nicht die Wirklichkeit des totalen Rassestaates. Diese Tatsache zwingt zu einer Überprüfung unserer Lebensmöglichkeiten als Juden und unserer Einordnungsfähigkeit in das Deutschtum, wobei geschichtliche Vorgänge nicht als Vergleiche, sondern nur als Erfahrungen verwertet werden sollen. Das Dasein von Juden innerhalb einer großen nichtjüdischen Gemeinschaft - wird dieser erst durch das Eintreten von SpannungSzustünden bewußt.. Diese ergeben sich aus Verlagerungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, die gegenüber dcr allgemeinen Struktur als abnorm empfunden werden. Der grundsätzliche Unterschied zwischen der positiven und negativen Beurteilung der jüdischen Semeinschaftsqualitäten liegt im fol- ^.gLnden: die. Negativs Ansicht geht davon aus. daß dem Judentum innewohnende Eigenschaften überall und immer zu gewissen Be-' russgruppierungen und Gesinnungsverwandt, schäften - mit gewissen Strömungen ausfreier Wahl, d. h. aus einem inneren Zwang hinführen. Die Positive Ansicht behauptet, daß sich derartige Erscheinungen nur aus äußerem Zwang vollziehen, wobei freilich ein-. Jahrhunderte währender äußerer Zwang die inneren Ströme teilweise versiegen lassen, teilweise in neue Bahnen pressen kann. Ge-' rade vom Standpunkt der jetzt in Deutschland herrschenden Auffassung von der Unverliet> barfeit und Wiederherstellbarkeit ursprünglicher Gemeinschaftseigenschaften' haben wir das Recht zu der Feststellung, daß eine Menschengruppe, die einem Volk von Kriegern, Handwerkern, Ackerbauern und . Priestern, entstammt, in sich Eigenschaften enthält, die,! mögen sie auch noch so sehr verdünnt, ge-. - krümmt, verkrampft worden sein, im Kern, ein -starkes, nüchternes, arbeitsames und sittliches Dasein zu führen ermöglichen. Das Zehntgebot wurde Mose gegeben und die Psalmen und Propheten, unersetzlich-unverlierbarer Besitz der Menschheit, sind Ausdruck des religiösen Genies des Judentums. Das! belagerte Jerusalem kapitulierte nicht vor Roms Weltmacht, sondern leistete trotz inne-, ^rer Fehden bis zum bitteren Ende Wider-».- stand. :Eine Agrargesetzgebung von verblüffender Zeitnähe mit dem Rückfall' beS‘ Ackerlandes an die Familie jeweils nach 60 Jahren; eine Sozial gesetzgebung, in der . Arbeitslohn, Befehlsgrenzen und Feierabend' des Arbeitnehmers eine vorbildliche Regelung fanden; ein Wirtschaftsrecht, durch das Zins und Schuld nach spätestens sieben Jahren endeten, deuten auf stammesmähige Eigen- ' schäften hin, die die Fähigkeit zum Gemein-, schaftsleben stark dokumentieren. Gerade. wenn man die Zeit vor Karl dem Großen, als die Lehrepoche deutschen Volkslebens und staatlicher Gestaltung bezeichnet unddie Besinnung auf den WesenSkern des: deutschen Volkes seine Entfernung von den Quellen und Ursprüngen durch ein Jahr-, tausend rückgängig machen will, kann von jüdischer Seite darauf hingewiesen werden,,'' daß im Karolingischen Reich noch ein Zustand' normaler jüdischer Lebensgestaltung bestand, in der Weinbauer und Handwerker, Händler,' Diplomaten und Aerzte gläubige Juden' waren, die die christliche Umwelt als sich zu- gehörig empfand. Das Jahrtausend, das' die Lebensrichtung des. deutschen Volkes in : einer nach nationalsozialistischer Auffassung wieder zu revidierender Form irreführte, ist auch die Epoche gewesen, die durch Kreuzzüge, Kirchengesetze und kirchlich bedingte Staatsgesetze das Judentum zu einer Er-! ite W NWWM .Der Reichsfmanzhof hatte über die Frage zu.' entscheiden, ob auswandcrnde Nichtarier der Reichs-, fluchtstcuer unterliegen. Er hat den 'Reichsfinanz-; minister um Stellungnahme gebeten. * Der Reichsfinanzminister hat sich dahin geäußert, daß die von ' der Reichsregierung getroffenen Maßnahmen den' - Zweck' hätten, den überragenden Einfluß! der Nicht-' arier. auch in der Wirtschaft'zu'beseitigen. Diedadurch erforderlich gewordene Umstellung in der DerufsanSÜbung der Nichtarier könne aber kein Grund zu enter allgemeinen Freistellung von der , ReichSfluchtsteuer bei der Abwanderung solcher Per-/, sonen sein. Maßnahmen der Reichsregierung. durch die Nichtarier zum Auswandern gezwungen würden, bestünden nicht. Wenn. aber ein Nichtarier den Wunsch habe, seinen Wohnsitz in das Ausland zu verlegen, solle er nicht daran gehindert werden. Ein deutsches Interesse an der AuS-. fchslnungSform rrmschuf dis zwischen seinen Bekennern und der Umwel hervorrief. Niemand und besonders feinet; •; der das Wertbewußtsein seiner Gemeinschaft j als Lebensgrundlage seines Persönlichkeits« wertes ansieht, wird es den deutschen Inders verwehren, darauf aufmerksam zu machen^ daß man nicht die Erneuerungsidee auf bettf ~ einen Seite und die Erstarrungsbehauptung auf der anderen Seite in Parallelität mit«, einander setzen dürfe. Wir glauben an diq Möglichkeit, das deutsche Judentum von allem ihm von außen her Aufgezwungenen, Spannung schaffenden befreien zu können — nickch allerdings nur aus eigener Kraft, sondern! unter Mitwirkung des schöpferischen und ordnenden Prinzips des Staates. Inmitten der ungeheuren Aufgaben, big im ersten Jahr des nationalsozialistischen Deutschlands sich auftürmten und bewältigt! werden mußten, konnte die Behandlung mtseres jüdischen Schicksals in Deutschland'/, wenn es überhaupt in Angriff genommen! wurde, nur auf äußere Beseitigung der Spannungszustände gerichtet sein, die in wirtschaftlicher und soziologischer Hinsicht empfunden' wurden. Wir als die Beteiligten, die wir unS nicht nur vor der jüdischen Geschichte, sondern vor allem auch vor unserer deutschen Tradition als Juden verantwortlich fühlen, hadert die Konsequenz dieser Regelung über ihre! augenblickliche Wirkung heraus ernst zu erwägen.. Nachdem von autoritativster Seite jegliche Diffamiertutgsabsicht durch die Ariergesetzgebung abgelehnt worden ist, ist eine freimütige Stellungnahme auch von jüdischer Seite möglich. Denn wenn die nationalsozialistische gesetzgeberische Absicht sür die Beseitigung einer auf gewissen Berufsgebieten bestehenden jüdischen Massierung als Ueberfremdung bezeichnet wird, so sagen wir, die wir uns nie als fremd empfunden haben, dafür: Wiederherstellung eines Spannungen : ansschaltenden normalen Ausbaues des deut- , schert Judentums nach den Normen der all-, gemeinen deutschen Gesellfchafts- und Wirtschaftsstruktur. Was auf gewissen Lebensge- . bieten unter gesetzgeberischem Zwang sich vollzieht, war seit Jahrzehnten auch Zielsetzung einsichtiger jüdischer Kreise. Es war freilich in der liberalischen Epoche, in der sich das Individuum überall und in allen Kreisen nach.seinen persönlichen Interessen den kürzesten Weg zur Sonne suchte, nicht möglich, i m G e g e n s a tz zu den Zeitströmungen jüdi- . scher Autorität gegenüber jüdischen Berufsuchenden Geltung zu verschaffen. Wenn wir freilich die Entwicklungen ins Auge fassen, die aus,den jetzt geltenden gesetzgeberischen Maß- . nahmen für die jüdische Berufswahl hervorgehen, müssen, erfüllt uns ernste Sorge. Wtz.WAWkWM M WN LWM§W. wan der ung werde iin allgemeinen zN , verneinen sein../ Mit der Abwanderung sei eine Schwächung der Steuerkraft des Reiches, dev Länder'und Gemeinden verbunden. Die Abwanderung trage,außerdem zur Erhöhung der Arbeits- 'losigkeit bei.- Sehr wesentlich fei ferner dcr Schaden, der bei der Abwanderung durch den Kapitalabzug der Allgemeinheit zu gefügt werde. Es sei daher erforderlich, daß die Abwandernden, die ihr Vermögen unter dem Schutze des Deutschen Reiches erwerben konnten, -zu. einer letzten großen Abgabe herange- ' zogen würden. Befreiung von dieser Steuer sei nur . ans Gründen deS Gemeinwohls und nicht aus - Gründen möglich,, die in der Person des Abwandern« den. lägen. Der ReichSfinanzhof hat sich der Stellungnahme des Reichsfinanzmimsters in vollem Umfange an- '.geschlossen, M ■ 2