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Central-Verein-Zeitung · 1933-11-02 · 42 (2.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
42 (2.11.1933)
Date
1933-11-02
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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/ S’anömo.mi —, bte Männer und grauen aus dem Felde und in den Ställen, sie alle sprechen ein selüstverständlichee- Hebräisch. Und hier wird zuerst in uns das Bedauern wach, das; wir noch nicht mit ihnen in dieser Sprache sprechen können, in der unsere biblischen Vorväter ans den gleichen Feldern gesprochen ßaben. Und vollends natürlich wirkt es bei bnt mindern. Sie sind überhaupt der stärkste Eindruck dieser Fahrt. Wie wachsen hier die 'Binder heran! Iu einer Atmosphäre, die, durch nichtcgetrübt, ihre Eigenart und Wertigkeit sieh voll entwickeln läßt. Ein schon phhsisch ganz neuer Vtenichentvp, der neu beweist, tote vieles' «in dein „jüdischen" Typ ein Prodnu der Levousumstäude ist. Frohe gesunde d.in'nscheukinder, denen man eine manchmal ooriiai.dene nnbetümmerte Unerzogenheit gern naalsieht. sind sie die bevorzugten Lieblinge Zeder Rwiizav. Wenar die Erlvaehsenen noch in prilnitiven Baracken schlafen, wird schon sür die Rinder das erste feste Steinhaus gebaut. Wenn man sie dort auf den Höfen der W:rlsckaskeu herum laufen sieht, mit jedem Bl erd und jeder Ruh besrenndet. dann weis; nian, d,iß man hier ans dem richtigen Wege ick. Saß atle wirtschafilichen Bedenken — iiver sie nnrd später zu reden sein — zurück- »reden müssen gegenüber der gesunden Lebensnist. die hier westl. Wir fragen überall nach der neuen deutschen Ali jag. Sie ist noch kamn im Gange. '\.ir an wenigen Stellen arbeiten bisher brutsch,.' Ehaluzüu ans der neuesten Zeit. Erst allmählich tomuien sie ins Land und aus die Siedlungen. Sie Beredschast. sie auszuuehmeu. ist überall vvrlianden, bei den mit Ostjndeu beseülen .'.rwiizath fast noch größer als bei den mi: deulsäum Fndeu besetzten. Auf einer lleiaere,; Rwuzah tressen nur schließlich drei unterer Freunde von den „Wertleuteu". Sie sind iu jeder 'Beziehung zufrieden. Als wir in den Hirs eirtMhren. sehe;, nur einen von i!)m'u. der iu Seist se!)laud schon landnürtschasiliel; gearbeitet Hai. ans einem 'Böe.pg".i flehend, wie er sein Gespann in das Biehgotzege leint, froh und zufrieden, handsei!,- Arneri in sreier. bäuerlicher Atmosphäre unter den Viinderl zu liat>en. Alle drei haben sieg gut hiueingetunden. Sie Laudsehaft liegt ihnen, die Gebens-- und Aorveilsgemeinschaft der Bionzai'. iß für sie die lebendige Verwirklichung von vielen;, was sie in der Jugendbewegung als Forderung hochgehalten haben. Hm ihre hntnnst ist uns nicht bange. Ihnen werden. Trupp für Trupp, die Freunde ihres Blindes Nachfolgen. Sas wird ihnen manches leichter inachen, sie werden aber darüber nicht das .'Zusauuneitwaehsen mit dem neuen slreis der Geuoiseu, die ans anderen Gegenden in dieses band kamen, vergessen. Schlver scheiden ioir Von ihnen. Die wenigen Tage, die nur aus den Siedlungen nu.hergiugen. Hilden uns gezeigt: hier schlägt das Herz des Landes! Wir haben dieses Gefühl fast nickst härter ans den kleinen ,ckwugoth. Die großen, wie Eu Eharod. imponieren mehr durch ihre Tnrchorganisation, ihre Bauten, ihre Ginrichtnngen. In den kleineren Siedlungen scheint uns der Geist engsten Brusammenschlnsses zu gemeinsamer Arbeit noch mehr zu leben. Es ist der Geist wirklicher grundlegender Lebeusinmgestaltnug, der hier so ungeheuer wirkt. Wenn mau dann nach der Besiststiguug auf den Stufen des Gemeiuschastshanses sißt. Pläne neuer Arbeit gezeigt werden. der Blick über die Ebene in die Weite schweift, unbekümmert um den Besuch, die Menschen, verliest in ihre Arbeit, froh und sicher mnhergehen, dann fühlt man sich einen Augenblick bewogen, zu vergessen, daß man selbst für diese neue Lebensform verloren ist, daß man auch kaum mehr ansgenouunen würde. Man hat viel über die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Siedlungsform der Bvwnzah gesprochen, hat mit dem Nechcnstift in Zwei FiinfeigjäliFage LMMe A. 8. LsÄ. ZÄH Am 2. November begeht Rabbiner Dr. Sali Levi (Mainz) seinen 50. Geburtstag. Tr. Levi hat als Feldrabbiner im Ssten auch für die dort im damals von den deutschen Armeen besehten Gebiet wohnenden Glanvensbrüder Einrickstungeu geschassen, die von den deutschen ckHilitärvehörden anerlmmt wurden. Rach Beendigung des Krieges nnirde Rabbiner Sr. Levi als Nachfolger mm Professor Sr. Salsetd s. A. nach Mainz bernsen. Hier enlfalteie er ein reiches Schassen iin Goiieshause als Prediger, als Legrer in der Sehule, als Seelsorger in den Familien, als feinsinniger Redner in den verschiedensten Vereinen, als führendes Milglied in den großen Srgauisationen - - allen voran nn Hanplvorslaud des oeniralvereins. im Hilfsverein der deutschen Inden u. a. m. Besonders in unserem E. B. ist Sr. Levi unermüdlich tätig. In 'b.stnst und Schrift ist er für die El,re unserer Gemeinschaft. ft"tu Seist sch!um und Judentum eingrtrecen. Auel, ivisfenschastlich Hai sich Sr. Levi durch melnstache Beroffemlühnngen bekannt gemacht, vor allem durch seine Schrift ..Beiträge zur Geschichte der ältesten südischen Grabsteine in Mainz". Unter seiner Leitung wurde unter Mitwirlnng der hervorragendsten Gelehrten aber Konfessionen ..Rtageuza", ein ^ammelhest über das jüdische Mainz, heransgegeben. Seiner Anregung ist die Schöpfung eines einzigartigen Wertes von hoher kultureller'Bedeutung zu danken: der uralte Indenfriedhof wurde als Senkmalsriedhof ans dem „Indensand" in Mainz angelegt; er gehört zu den interessantesten Stätten der allehrwürdigen Gemeinde Mainz. Seine zahlreichen Freunde in Mainz und im Reich werden seiner an seinem Geburtstage gedenken und ihm ein langes, segensreiches Wirken wünschen. Der 50. Geburtstag des Vorsitzenden der Repräsentantenversamrulung der Berliner Jüdischen Gemeinde, Heinrich Stern, eint die gesamte deutsche Judenheit in aufrichtiger Verehrung und herzlichen Wünschen für den Jubilar. 6s ist kein alltägliches Bild, das sich bietet: diese allgemeine Anerkennung und unterschiedslose Freundschaft, die von allen Seiten einer Persönlichkeit entgegengebracht wird, die als Vorsitzender der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum sogar im eigentlichen Sinne des Wortes Parteimann ist. Aber niemand, der Heinrich Stern in den langen Jahren jüdischen Schaffens nahe sein durste, wird über diesen schönen Erfolg seines Wirkens erstaunt sein. Ein Mann, der wie er Festigkeit der lleberzengnng mit tiefem Verstehen für gegnerische Gesichlspnntle verbindet, der nie müde wird, weiter zn denken, zu Prüfen, zu arbeiten, der jede jüdischpolitische Erkenntnis sich im lebten an seiner echten jüdischen Religiosität messen und bewähren lässt — ein solcher Mann ist wvhl dazu geeignet, die ungeteilte Wertschätzung aller jüdischen kreise, Freunde und Gegner, zn erfahren. Auch der Eentralvereiu ist stolz daraus, -Heinrich Stern als langjähriges Mitglied seines Haupt- Vorstandes und seit kurzem auch im Beirat des Vereinspräsidinms zu den Seinen zu zählen. Er wünscht ihm weitere Jahrzehnte erfolgreichen Schaffens, dessen nie versiegenderRraftqncll immer von neuem aus der Treue seiner Anhänger diesseits und jenseits innerer Schranken fließen möge. der Hand ihre Existenzberechtigung bezweifelt. Man hat dabei vergessen, welche ungeheure Pionierarbeit hier geleistet wurde und wird. Wenn heute die Privatinitiative mit sicheren Aussichten private Pflanzungen anlegen kann, so basiert sie ans den Erfahrungen, die hier mit Ein saß von Leben und Gesundheit erobert wurden. Vor allem aber nimmt man aus dem unmittelbaren Erleben die Erkenntnis mit; Was hier an Menschen lebt und heranwächst, ist so prächtig und so bedentnngsvoll für das Land und für die Iudenheit, daß es Raum zum Weiterleben haben muß, auch wenn es mit wirtschaftlichen Opfern erkauft wird. Fabrikbesitzer 'Adolf Altrrrann in Bauherr, der erste Vorsteher der dortigen israelitischen .llultnsgemeiude, starb im Aller von 76 Jahren. Der Verewigte war dem E. V. stets ein warmer Freund und Förderer. Im Nahmen der Vorträge des Ltulturbundcs deutscher Juden sprach Rabbiner Tr. Leo Baeck am 26. Oktober über „Probleme und Gedanken im Judentum". Sas Judentum, so führte Tr. Baeck aus, ist für sich selbst und für die Welt, in die es hineingestellt ist. ein Problem; denn cs lässt sich nicht in die allgemein herrschenden Begriffe einordnen. Jedes Volk ist auch für seine eigenen Denker ein Problem. Sie betrachten die Sonderheiten ihres Voltes, erkennen seine Problematik und gelangen dann leicht zu dem Vergleich des eigenen Volkes mit dem Judentum. Sv finden wir es bei Goethe, Avant lt. a. Auch Theodor Mvimnsen hat diese Besonderheit des Judentums gesehen. Sein bekanntes Wort vom „Ferment der Dekomposition" äst nicht judenseindlich gemeint, sondern ist Gegenteil aus einer gewissen Zuneigung Judentum geboren. Mommsen erkannte in ken: Judentum die Alraft, das Versteinerte. Verhärte zn erweichen, das Stagnierende nue ein Gärungsstoff zum Leben anzutreiben. Das Besondersscin ist nicht Schicksal, sonder:! Aufgabe des Judentums: sich über das Alltägliche zu erheben. In ihm lebt die ewige Sehnsucht, dc-- halb konnten sich die Juden niemals in die (fo, samthcit, die alles gleichmachen wollte, eingliedcrn. Deshalb kämpfen sie nicht nur mit der Umwelt und mit sich selbst, sondern deshalb streiten fst \mt mit ihrem Gott. Das ist nicht Atheismus, sondern das ist im Gegenteil der ticffle Glaube und z„. gleich die Ursache, iveshalb das Judentum niemab eiue fertige Glaubenslehre gehabt hat. Israel, der Gottesstreiter, läinpft immer um seinen azlaubeu. mn die Idee, die ihnr zugleich Sehnsucht ist. Tie besondere Problemalil des Judentums findet ■ im Dreifachen feinen Ansdrnck: zunächst in der Sehnsucht nach der Einheit. Das Judentum peg zivccr nicht das Wort .gosmos. Universum, gescliasien. Ivohl aber lebt es ständig iu dem Gedanken an die Einheit der ganzen Welt. Aus der Bibel, die. uüc Humboldt sagte, der Welt die. Poesie geichaüen hat. ist zuerst die Poesie des -ilosmos erlluugeu. Es iß die Einheit des Ptenschlichen. die Einheit von allem, was aus Erden lebt und tvebl. Gott hon dir Stimme des Ätenschen. der Tiere, der Pslanzcm, tnid es ist schließlich die messiauische Idee. Ans dieser Einheitssehusucht entsteht daun als zweites das unverbesserliche Weltverbessererrum des Jndenitn-rs. wie es z. B. in dem Llenn-E.eNi so stark zum Ansdrnck lomnü: die Welt zu verbessern zum Evttesreiche hin. Weil der Jude ein Weltverbesserer ist. ist er immer ein der Gesamtheit unbequemer Mensch gewesen. Und ztim dritten: das Jndentnm ist 'niemals eine bloße 'Philosophie gewesen. Es hat zun immer um den philosophischen Ausdruck ge'muae», aber während die Philosophie zn nichts verpslichtet. verpslichtet der jüdische Glattbe zu allem. Tcr Pliilosvph braucht aus seiner Anschauung leine Konsequenzen für sein Leben zn ziepen, der Aekc'nuer der Wahrheit aber muß diese Wahrheit im Leben bemähren. Weil dieses ständige Gebot des Sickjbeivähccns besteht, ist der Jude nie am che!. Es ist deshalb nichts Leichtes und Bequemes. Jude zu sein. Aber alles Große, das in die Wett gelommen ist. ist durch Ntenschen gelouunen. die unbequem sind, durch Ntenscheu. in denen etwas um: der Aufgabe lebt, die jeder Jude, wenn er etwas vom Judentum in sich trägt, hat: um b)oct und für Gott zu kämpfen, etwas von dem „Tu sollst' zu vernehmen, die große Einheit alz Aufgabe zu erleben. Wer davon nichts in sich trägt, der ist im Grunde kein Jude mehr. Ein Jude, der in diesem Sinne bcqirem geworden ist, ist degeneriert. Darum ■ ist das 19. Jahrhundert trotz aller großen &:■ stuugen vielfach ein Zeitalter der Entartung geworden, und wenn sich heute iu ctivas die Wieder' gebürt des Judentums darbietet, dann darin, daß wir aufhören, bequem zu sein, daß wir wieder kämpfen wie Jakob. Zum Problem werden wir dadurch für die lbnivelt. Aber das ist das Problcnc und der Gedanke, mn dcssentwillen das Judentum in der Welt leben tvird bis zum Ende der Zeit. De. >L E. j/rp» >?./A j *,Kchz-trsrnl .ch'!4)?»s-i;L j [C^\ n i| i(o)i r'(o)i6!(o)j n n ( bleibt bestehen. Dieses Institut besteht seit r> Jahren; es ist ersttlasiia einacrichtet. Die Schule umfas,t im Neu- " iu des Lehrplans hauptsächlich Borbereitungasechcr hauptsächlich den, Englisch . . . und Nulturkunde. _ Äaiidelsrcchncn, topoct, Gartenbau, Werltunde Die Intcruatspreisc sind so oestaffelt, Nind in dieses Institut schicken kann. für das praktische hebräisch, 'chlirtschasts. und nglisch. Französisch, M. Sandcls das; jeder sci-- i \ J r.; U Ü TW ta Xönigsteini. Taunus Nervenkrankheiten Dr. Armin Brandt. Innere Krankheiten San.-Kal Dy. H. Amctan*. sidissEaGra PaBijS8i@ca&iQiES3 (Strassonbnlm 28) für c Gute Yerpüoguug (auch Diät), räume. 0r. eig. Park. Ilerrl. \ ToL: 1 DJlvs-ÜH-I-,-'" - 'l' ^uckei' Magen Galie Darm p Ds*. mcd. 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