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Central-Verein-Zeitung · 1933-04-06 · 14 (6.4.1933) · p. Seite 118

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
14 (6.4.1933)
Date
1933-04-06
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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11$ VON Efchenbach ein französisches Epos zum deutschesten Werk des Mittelalters umschus und'Dürer seine volle Form im Italien der Renaissance fand, bis in unsere unmittelbare Gegenwart hinein. Aber wenn deutsche Leistung nur aus dem Volkstum erwachst, dürfen dann Theodor Fontanes, des Ea-cogners, Balladen eher deutsche Werke heißen als -Heinrich Heines Loreley". die zum Volkslied geworden ift? Ist dann der „Peter Schlemihl" des Grafen Ehamisso, der erst als Jüngling die deutsche Sprache erlernte, nicht ebenso ans der deutschen Literatur auszuschließen wie die meisterhatte Prosa von Börnes Grabrede auf Jean Paul? Ist über der Lektüre des nach vierhundert Jahren unverwelkten Volksbuches „Schimpf und Ernste ein Zweifel an feinem deutschen Charakter entstanden, weil der Dominikaner Johannes Pauli, der es schrieb, von jüdischer Herkunst war? Und warum wird dein mit sechs Jahren getauften Karl Marx dann rächt Julius Stahl, der Rabbinersohn und protestantische Begründer der Konservativen Partei, an die Seite gestellt? Darf man es dem Parlament in der Paulskirche, in dem Jakob Grimm und Ludwig llhland saßen, als undeutsch vorwerfen, daß sie Eduard von Simson des Sprecheramtes für würdig hielten, als es galt, dom preußischen König die deutsche Kaiserkrone anzribieten? Wird Bismarck an deutscher Würde nun gering geschätzt werden, weil er diesen Mann zum ersten Präsidenten des Reichsgerichts ernannte und sein Vertrauen weder dem Bankier Bleichröder noch seinem Leibarzt Cohen entzog, die doch beide Juden waren? Und wird es Wilhelm II. verdacht werden, einen Mann wie Albert Ballin seiner Freundschaft gewürdigt zu haben? So viele Namen, so viele Männer, die an ihrem Ort geholfen haben, Deutschland zu Macht und Ansehen zu bringen, als Führer einer unübersehbaren Schar von Toten und Lebenden ... Verdienste der Nachkriegszeit zu würdigen, ift hier nicht der Ort; darüber mag eine spätere Zeit entscheiden. Sie wird wohl finden, daß Zwölftausend jüdische Helden, die wir glücklich schätzen um ihres Heldentodes willen, sterbend ihr deutsches Vermächtnis nicht nur unwürdigen Händen übergeben haben. Sie wird uns auch glauben, daß wir ein Vaterland, das seit zehn Jahrhunderten jüdische Gräber birgt, zwar mit weniger Erwiderung, doch nicht weniger lieben als es unsere Väter, taten. Und sie wird begreifen, daß die beschichte der deutschen Juden — nicht nur der Juden in Deutschland — weder 1918 begonnen hat noch 1789, denn Moses Mendelssohn mußte sich aus eigener Kraft und Leistung der Freundschaft eines Lessing würdig erweisen, ehe an die Humanität Nathans des Weisen oder gar an die Forderung zu denken war, einer längst eiugotretenen Entwicklung die staatliche Anerkennung nicht zu versagen, die immerhin mit einem Namen wie dem des Freiherrn vom Stern verknüpft ist. £6 freilich die Zukunft die Löschung der Jahreszahl- 1789 aus dem Gedächtnis der Menschheit billigen wird, das können wir nicht wissen: auch die Zahl 1492 ist ja noch nicht vergessen, und so wenig es in der Geschichte anderer Völker einen ganz neuen, tradiüonslosen Anfang gibt, wird es auf die Dauer möglich sein, den Kerngehalt der deutschen Klassik samt Mozarts „Zauberflöte" und Beethovens Neunter Symphonie beiseite zu setzen. Freilich — und darin sind wir mit der nationalen Bervegung durchaus einer Meinung — das deutsche Judentum wird, wie die Entwicklung auch falle, bei sich selbst nachzuprüfen haben, was an solcher Tradition zeitloses Gut geblieben und was bequemer Schlendrian geworden ist, gut genug, das Leben des Alltags mit „etwas Höherem" zu verklären: wir werden, ohne uns deshalb weniger deutsch zu fühlen, uns der eigenen Religion stärker erinnern, die nicht nur Gottesdienst, sondern auch feste und strenge Erziehung ist. Wir sind nun schon in eine Lagegedrängt, wo Goethes Spruch „Wenn ich Dich liebe, was gcht's Dich an?" fast die einzige Rettung des deutschen Juden ist. der weder seine Selbstachtung verlieren mag noch den Sinn seiner Arbeit, deutsche Arbeit und Wirken für Deutschland zu sein, ohne inneren Zwiespalt ausgeben kann. Nicht wir haben den Kampf um unser Deutschtum vom Zaun gebrochen. Wir können nicht glauben, daß es Deutschland nützt, wenn deutsche Menschen an sich und ihrem Baterlande irre werden müßten. Noch können wir einen nach keiner Seite hin haltbaren Zustand als Weg zu der Lösung ansehen, die allein des deutschen Volkes würdig ist, noch können wir innere Ruhe und Sicherheit gegenüber einem ungeheuren moralischen Truck bewahren, können einer blassen Theorie unser lebendiges Beispiel entgegensetzen — aber wie lange noch ohne Zusammenbruch? Ela üben «fragen entwickeln sich langsam; der echte Staatsmann hat konkrete Situationen zu meistern. Wir dürfen erwarten, unsere Ehre gerechtfertigt und einen Zustand wiederhergestellt zu sehen, der uns in einem, in unserem Vaterland zu arbeiten erlaubt. AN m Qmzfßüfj Ter Gedanke der freien Advokatur beherrscht das Rechtsleben der abendländischen Völker. Tie Verfassung der deutschen Rechtsanwalischast beruhte bis jetzt auf der Rechtsanwattsordnung vom 1. Juli 1879; sie enthielt ebenso wie die anderen unter Bismarcks Kanzlerschaft geschaffenen grundlegenden Gesetzbücher des deutschen Kaiserreiches die niemals bestrittene Forderung der freien Advokatur. Das Herdersche Staatslerikon schreibt in seiner letzten Auflage vom Jahre 1931 grundsätzlich zum Problem der Anwaltschüft: „Tie großen Prinzipien dieser magna Charta (Rechtsanwaltsordnung) des deutschen Anwaltstandes sind: Vereinigung von Advokatur und Proluratur^ Gleichstellung mit dem Richterstand, Lokalisierung und vor allem Freigeöung der Anwalrschast. Tie lehren Wurzeln auch der deutschen Rechtsanwaltschaft liegen nicht in dem nur wenig entwickelten, aber um so mehr verwickelten germanischen Recht, sondern in dem tieferen Erdreich der römischen Advokatur, im Mutteröoden jenes Rechtes, das .eine ganz nationale, ungestörte Entwicklung gehabt hat und zugleich in allen Perioden dieses großen, lange bestehenden Volkes mit vorzüglicher Liebe gepflegt worden isll." (Savigny), (L Wilmäm Mm MLMW Ter Kommissar z. b. V. im preußischen IMhismimfterium. Sie i chs la gs ab ge o r d n e le r Hans Hinket, der auch preußischer Landsührer des Kampibuudes für beritfdje ihtltur ist. gab einem Nedaktionsmitglied des WTB. ein Interview über die neue Kulturpolitik in Preußen. Dieser Unterredung entnehmen wir folgende Frage und Antwort: Frage: Da in der letzten Zeit in vielen Berufen die Inden verdrängt worden sind, erhebt sich naturgemäß auch . die Frage, was Sie ans künstlerischem Gebiete in dieser Hinsicht planen? Antwort: Zu dieser Frage habe ich folgende grundsätzliche Ausführungen zu machen: Wagner, Beethoven, Brahms und Bach sind urdentsche Meister. Wir wissen, was in den letzten vierzehn Jahren iuir Deutsche an Persiflagen dieser Meister erlebt haben. Wir wissen, in welchem Ausmaße jüdische Karikaturisten und Marristen dabei beteiligt waren, deutsche Meister der Musik ebenso wie Schiller, Goethe und Kant zu verhöhnen oder als längst überwunden zu erklären. Wir wissen, daß dis jüdische intellektuelle Vorherrschaft in T-eutschland schließlich dahin geführt hat daß insbesondere mif kulturpolitischem Gebiete _ wir Deutschen kein Hausrech mehr besaßen. Daß solche Zustände einfack untragbar für jeden ehrliebenden Deut scheu sind, werden Sie wohl verstehen Selbstverständlich soll der sreischafiendk jüdische deutsche Künstler die Möglichkeit seiner Betätigung haben wenn er sich den P f l i ch t e n des de ut scheu Staatsbürgers, das heiß natürlich des Bürgers unseres neuer Staates, restlos unterzieht. In den st a a t lichen, den beamteten Stellun gen werden wir Deutschen uns gerade au künstlerischem. Gebiete u n s e r Haus recht Vorbehalten und es, wenn e' notwendig, mit allen Mitteln verteidigen Im übrigen verweise ich daraus, daß auci jüdische Künnlcr als Frei schuf lende, be messen an ihrer persönlichen Leistung, sic

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