Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 14 (6.4.1933)
- Date
- 1933-04-06
- Page
- Seite 117 (sequence 1)
- Language
- German
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Herlts, H. fiptil IHZA XIL Jahrgang ♦ Ns. 14 eioZsrs«L:mee LS Pfennig A \ ,-\A fS ft ff )<z> SrA f» «ü’viy <./ 4? v H > R*rr??r? Sierlcliabrvü&Dnncincn: V v_^ AU^or 2,25 V!M. üujjri. V..^ Ali^Sr feiles uni Lchiiftlr'ttunr: Berlin 15, Er-.ser LLr. 42. Zerns^eck-er: J 2 Oliva 5174. .:. P ^erlin-Dilrnersdorf l. §^l'-en Llleinie» Anzeigsvanna^v:*: Annsneen^rreLition R-doU Ty-'e, Berlin W 100, und tuen C? r* i>t*< rt"^Aifi*v» », ,-, »» CH ß * I ■»»•■* r» r* * * * -% i» r» X 4 -A — ( r* X <4> 4 /■.«*- a* T-1-« CI öe§ §-s H. B. Mit tiefer, zorniger 2d)am haben wir deutschen Juden einen Boykott über uns' ergehen lasten, denen kurze Tauer und bewundernswert. ruhige Ttlrauührmig uns nicht über die 'chwere Kränkung weghelfen kann, mri luvcvci Ehre alb Torwege fremde Schuld büßen zu müsteu oder gar als Faustpfand gegen dar- Ausland ausgespielt zu werden. Aber wahrend dieser Boykott sich gegen eine Haltung richtew. deren Verallgemeinerung auf das ganze denische Judentum ossensichtlich unzutresrend war, sind ihm seither Araßuahmeu gefolgt, die nicht einzelne (wie etwa politische Gegner), sondern jüdisches Lein überhaupt Lrosfon sollen: §bur Menschen dent-'chen Blutes, heißt die Begründung, dürsten die Hoheit des Staates, die Würde der deutschen Kultur rnit ihrer Person vertreten, da allein aus dein Volkstum heraus wirkliche -Kultur erwachse. Wir glauben nicht, daß solche Grundsätze der ruhigen und verantwortlichen Prüfung standbalien. die weittragende Gesetze voraussetzen: wir sehen, daß ne weder der lebendigen Wirklichkeit gerecht zu werden vermögen. noch eine alte Tradition zu deuten wissen, und wir befürchten deshalb, daß ihre Befolgung nicht nur einen Teil des fceutjifjeu Volkes treuen wird, der mehr ist und bedeutet als Zitate aus einer Hand voll Literaten, sondern daß sie auch der deutschen Kultur und dem deutschen Ansehen in der Welt nicht zum Ruhme gereichen werden. Lhne un streu Dillen in den Vordergrund gezogen, haben wir die Pflicht zu reden. Kann es sich als folgenlos für eine Kultur erweisen, wenn ihren Erscheinungen Grundsätze unterlegt werden, die der Wirtlichkeit nicht cewachstn sind. so daß man wie jener Prokrnstes Arme und Beine absägen muß, n.m den Au-gleich herzustellen? Gin Grundgesetz der Physik sagt, daß selbst so riesige Energien, wie das Meer sie birgt, kaum zur Wirklichteir werden; ein Bruchteil feiner Menge, als Wasienall über einen Felsen stürzend, ruft verhältnismäßig weit grristre Wirkung hervor. Canz ebenw hat sich auch die deutsche Zehntausende sind aus ihrem Brot und ihrem Beruf gedrängt, zahlreiche selbständige Existenzen sind entwurzelt worden. Es hat keinen Sinn, heute nach den Ursachen und Gründen zu fragen, es hat keinen Sinn, uns oder andere anzuklagen — die erkunde kennt nur ein Gebot: Arbeiten und Helfen! Man kann uns znm Hungern verurteilen, aber nicht zum Verhungern! Man kann unfern Lebensraum noch so sehr eineugen, in dem beschränkten Lebensraum müssen wir uns zusammenschließen und einer den anderen zu stützen suchen! Denken wir an die Kriegszeit, wo es dem ganzen deutschen Volk, und uns mit ihm, an Brot i«nb Milch, an Fleuch und Fett, an Kleidung und Wäsche mangelte, wo wir dennoch entschlossen die Zähne znsammengebissen und durchgehalten haben! Denken wir an die Geschichte unserer Väter, die immer wieder solche Kaiastropheu erlebt und dennoch den Lebenswillen nicht ausgegeben haben! Sie haben unbeirrt Mittel und Wege gemcht und gestruden, sich weiter zu erhalten. An Stelle der verlorenen Existenzen neue, wenn and) bescheidenere aufzubauen. Auch wir müssen, wenn wir nach der lähmenden Be- Kultur nicht im Innern dos Reiches, sondern an seinen Grenzen und an denen der deutschen Srännne untereinander am reichsten mtb femüeu entwickelt, also überall dort, wo ein Unterschied der Rassen und Kuuureu, ein ..Gefälle", bestand; die gemischten Rassen haben den stärksten Anteil an der deutschen Kultur. Und ebenso steht es mit den Individuell. Gc- \v:s stellt das Genie die Art in ihrer edelsten Form dar, — aber der Antrieb zu dicstr Tarftcttuug lieg: in der Ueborwiudur.g von Gegensätzen in der eigenen Brust, die erst eine schöpferische Synthese erzwingt. Tollte nicht die einfache Tatsache, daß hei den Inden als einer Minderheit solch produktive Spannung hällsig ist, den taubung dieser Woäwn wieder zur Besinnung fommeu, alles daran setzen, für unsere Brüder und Schwestern Brot und Arbeit 31t schassen, alles auch daran setzen, die Umwelt davon zu überzeugen, daß hier nicht nur den deutschen Juden ein Unrecht von gewaltigem Ausmaß zugefügt wird, ondern daß die Ausrech-erhaltuug diees Zustandes ganz Deutschland in 'chlimmster Weise schädigen muß. Jeder muß Helsen, die Berursumschichtung zu fördern, Arbeitsplätze zu sichern, denjenigen, die sich betätigen wollen und können, die Möglichkeit zu erwirket!. Unsere Lage istnur so lange verzweifelt, wie wir selbst an uns zweifeln! Eine Gemeinschaft geht nicht unter, wenn sie selbst sich nicht ausgibt! Jedem von uns, gleichgültig, ob er direkt von der Not betrossen wird oder nicht, ist eine Aufgabe gestellt, die er zu erfüllen hat, wenn er sich nicht am Judentum und am Deutschtum versündigen will. Unsere Väter haben ihr Geschick mit Heroismus, mit innerer Würde, in gläubigem Vertrauen getragen. Lernen wir von ihnen! Mokei>50inm.'ir FH>ogen. bedeutenden Anteil an deutschen Leistungen und so auch ihre sichtbar hervortre-- tende Stellung auf manchen Gebieten leichter und in einem nu* Deutschland wichtigen Sinn richtiger ertläreu, als es etwa die „Protokolle der Weisen von 3um" und mystische Zahlenstsielcueien vermögen? Versagen wir uns die Frage, wie fick) deutsches Volkstum dazu stellt, daß reue Gedankengänge nicht Gewächs ans sei nein eigenen reichen Garten sind, sondern dein französischen Grafen Gobineau gehören ... Wir wollen auch jetzt nicht der Erkenntnis untren werden, daß die großen deutschen Leistungen fast sämtlich aus der schöpstnschen Auseinandersetzung mit fremden Wesen hervorgegangen sind, fett Wolfram