Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 41 (7.10.1932)
- Date
- 1932-10-07
- Page
- Seite 418 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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i 41$ im hohen Norden ober in Südosteuropa, jedenfalls nicht in Asien, und ähnlich verhält es sich mit der von Gobineau behaupteten Herkunft der Mongolen aus Amerika. Damit loirb seine ganze krause Völkerkarte hinfällig, und es wäre ein müßiges Spiel, sich mit seiner Lehre noch wissenschaftlich auseinanderzu sehen oder auf feine halsbrecherischen Etymologien einzugehen, die den neuesten von Herrnan Wirth oft verzweifelt ähnlich sahen. Es bleibt nur festzustellen, daß Eobineaus Schlüffe aus diesen hinfälligen Voraussetzungen ebenso ungünstig für die großen Kulturkreise des Alten Orients und des klassischen Altertums sind, deren grundlegende Bedeutung für unsere europäische Kultur mit jeder neuen Ausgrabung immer mehr zutage tritt, wie seine Urteile über Raffe, Wesen nnd Kultur des deutschen Volkes. Tie Ausprägung reinen Ariertums sieht er vor allem in den skandinavischen Ländern und in England. Don einem norwegischen Wikinger, dem „Seeräuber Ottar Jarl", der die Landschaft Braye in der Normandie erobert hat, leitet er denn auch die Herkunft seines eigenen Geschlechts ab, und seinen „Versuch über die Ungleichheit der Menschenraffen" widmet er dem als reaktionären Autokraten berüchtigten König Georg von Hannover, deffen Familie seit dem 18. Jahrhundert auch in England herrscht. Hier erfaffen wir die tiefsten Antriebe, die Eobineaüs ganz-Z Denken und Schaffen geleitet haben. Ter aristokratische Verächter der modernen Demokratie hat es nicht verschmäht, 'die moderne Wiffenschaft, das Lieblingskind dieses demokratischen Zeitalters, zum Beweis für seine aristokratischen Thesen aufzubieten, üm dies Zeitalter mit seinen eigenen Waffen zu schlagen und sich selbst ihm gegenüber zu rechtfertigen, sich sein eigenes reiches Wesen zu erklären und sein ganz unbedeutendes Geschlecht zu verherrlichen. Sein großes Werk, der „Ver- . such", das die Kräfte seiner ganzen Jugendzeit (1836 bis 1349) verschlang, hat ihm nach eigenem Geständnis nur als Vorarbeit und ungeheurer Sockel für sein letztes Alterswerk, die „Geschichte Ottar Jarls und seiner Nach- Lrmmen", gedient, deren letzter, kinderloser er selbst war. Wie Cyrano de Berge rac in Rostands .Drama mit dem Wort „mon Panache“ („mein Wappenschild", wie es Ludwig Fulda-verdeutscht hat) starb, so Gobineau mit seiner eigenen Apotheose. Und dieser Cyrano war tatsächlich ein Landsmann Sobineaus, ein Südfranzose mit lebhafter Einbildungskraft, und ein Aristokrat, der sich" als Dichter und wissenschaftlicher Schriftsteller einen Namen zu machen suchte, aber von den Zeitgenossen' vergessen wurde, wahrend Moliöre sich mit seinen Federn schmückte.' Diese gemeinsamen Züge tauchen beide Gestalten in das Zwielicht einer schmerzlichen Tragikomödie. Ernest Seilliere hat in seinem schon genannten Buch „Be Comte de Gobineau et TAryanisme historique“ klar nachgewiesen, daß die Gobrneaus aus der Gegend von Bordeaux stammen und aus der bürgerlichen „Xodlesse de rode", dem gelehrten Richterstand, hervorgegangen sind; noch der Großvater des Grafen war Parlarnentsrat in Bordeaux. Das „de" erscheint erst seit 1664 in Verbindung mit dem Namen. Alles, was dahinter liegt, ist mehr Dichtung als Wahrheit. Gobineau selbst hat natürlich an seinen norwegischen Stammbaum geglaubt, wie ein Dichter an seine Gestalten glaubt. So ist sein ganzes Lebenswerk „Dichtung und Wahrheit" gewesen, wissenschaftliche Dichtung in seinem „Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen", der gerade durch ferne dichterische Intuition und die Kraft seines Ausdrucks die innere Einheit und die Stoßkraft erlangt hat, durch die er tausend nüchterne und kritisch gezügelte Werke der Wissenschaft überlebt hat; genealogische Dichtung in seinem „Ottar Jarl", und wirkliche, kaum noch durch Wiffenschaft beschwerte -Dichtung in seiner „Renaissance" und in seinen „Asiatischen Novellen" sowie in Zahlreichen anderen Werken geringeren Ranges, Dramen, Epen, spekulativen Romanen und Reisescksilderungen, die teils erst nach seinem Tode erschienen sind. Es bleibt ein unstreitiges Verdienst, daß er als erster das Problem der Raffenfrage in inneren geschichtlichen und kulturellen Auswirkungen aufgeworfen - hat, obwohl dieser „Versuch", wie er ihn selbst betitelt hat, bei seiner schroffen aristokratischen Einstellung und bei der Unzulänglichkeit der damaligen wiffenschaftlichen Hilfsmittel notwendig ein Zerrbild werden mußte, das heute nur noch historisches Interesse besitzt und, von seiner wissenschaftlichen Grundlage gelöst, allein in der Sphäre mystischer Halbwiffenschaft fortleot, aus der es geboren ist. In der Sphäre der reinen Phantasie, wo Gobineau nur als Dichter gewirkt hat, besaß er mehr Heimatsrecht. Kleine Chronik Das langfahrigr Mitglied des Centralvrreins, b*z fcefannte Berliner Kommunalpolitiker Siabtrai Martin K a tz, vollendete am 2. Oktober fein 6). Lebensjahr. — Arnold Danziger (Lpck) wird am 15. Oktober 85 Jahr» alt in voller geistiger u^d körperlicher Friste. — Frau Bertha Marcus (Potsdam) wellender kürzlich ihr 89. Lebenswahr. — Am 5. Oktober feie::; das langjährige Mitglied des Erntraloerrins Rcd.'rt Fuchs (Berlin) seinen 75. Geburtstag. — Dario Rothschild (Berlin-Charlotienburg) wurde am 4. Oktober 70 Jahre alt. — Der langiährig; zweiär Vorsitzende der Ortsgruppe Mannheim. Julius Harts g, feiert; in Frische seinen 70. Geburtstag Anläßlich dieses Tages wurden dem lehr verdienter! Qcoß-SSzcÜttec TlUtqliedec! EI WS-fÄRT fVl AU U wiederholt wegen des grossen Erfolges seinen Vortragsabend am Sonntag, dem 23. Oktober 1932, abends 81/* Uhr, im LOGENHAUS, Kleiststr. 10 Karten zu 1 Mark im Vorverkauf an der Theaterkasse des KadeV/e und an den Theaterkassen des Warenhauses Tietz sowie im C. V.- Büro, Emser Strasse 42 Manne zahlreiche Ehrungen zuteil. — Am 24. Sep. tember vollendete der Präsident des Bundes der Deutschen Viehtändler und Vorstandsmirglied der Ortsgruppe Kob lenz, Hermann Daniel, sein 65. Lebensjahr. — Rosenthal (Deißensee) feiert am 8. Oktober seinen 60. Geburtstag. ^D3ir gratulieren unseren Freunden herzlichst. — Am 24. September starb eine» der -ältesten Mitglieder der Ortsgruppe Saar» brücken, Solomon Frredderg. Lange Jahre "ls Mitglied im Vorstands tätig gemein, arbeitete er dis zuletzt nach eifrig für die Gedanken des C. B. Vir werden sein Andenken stets in Ehren halten. — Obersludiendirekw- Dr. Paul H i l d e b r a n d t, unseren Leiern, ourch manch wichtige schulpolitische Beiträge bekannt, verläßt inwl:e ~ Erreichung der Altersgrenze den Schuldienst. Dir raffen und wünschen, daß 'Profr-\oz Hildebrandt mit seiner unverbrauchten Frische und seiner im wahrsten Sinne humanen Gerr.nn.ung bei seinem Dienste für dir Allgemeinheit auch für unsere Recht» weiterhin eintreten wird. — Der preußische Landtcgsabgrordnete Otto Nuschke, ein aufrechter Dortumpfer gegen Vorurteile und politische Verhetzung, ist durch den plözlicherr Tod seines Sohnes, des 24jährigen Landwirts Otto N u f ch k e, in tiefe Trauer versetzt worden. Dir sprechen unserem verehrten Freunde Otto Nuschke unsere wärmste Anteilnahme aus. — Auf der Tagung der Mitgliedervsrfammlung des Cchützsnvereins Pirmasens wurde einstillnnig Moritz Kahn Zum Ehrenmitglied ernannt. — In Schopfloch (Bapern) fand kürzlich die Einweihung der neu hergerichtrten Synagoge statt. — Am 8. Oktober d. I. besteht die Lederfabrik E m a - nuel Meyer (Guben) ICO Jahre. Die jetzigen Inhaber der Firma sind unsere Freunde Cmanuel Meyer und Ludwig Meyer. Die Fabrik wurde im Jahre 1S32 in Halberstadt von dem Großvater der heutigen Inhaber als Handschuhfabrik gegründet. 1554 wurde sie von Halberstadt nach Berlin- Gesundbrunnen und als Lederfabrik 1908 nach Guben in der Nirderstavsitz verlegt. Dir gratulieren unseren Freunden zu dem seltenen Jubiläum. — * Die Berliner Rudergesellschaft „Undine* e. 93., Grüvau, dev auch viele <£. B.er angrhären, nimmt noch Mitglieder auf. Die Rudrrausbildung ’ begann am 5. Oktober in der Sportakrdemie Sand am Bahnhof Tiergarten. Es wird gebe:en, Anfragen an die Geschäftsstelle Alrred Rieß, 02, ^lssterstraße 69, Kupfergrabsn L05;7, ZU richrrn. Verlag: Centralrerrin deutscher Staatsbürger jüdisches Glaubens e. D., Berlin W15, Em.f-r Str. 42. Tel.« Ad:.: -„Eentralglauden Berlin*. Psstfched: Berlin S0472. L-auptschri srleiter: r. B. Dr. Alfred Wiener. — Verantwortlich: Dr. Margarete Edelheim, Beide Berlin W15. — Unverlangte Manuskripte werden nur zuräägesandr, wenn Freiurnlchlag beiliegt. — Verantwortlich für den Anzeigenteil: chellmut Cohn, Verlin-Sch lach teufte. — Druck: Rudolf Masse, Berlin SW 1GQ. %smi P" Lebensversicherungssssei.ichssJ PHONIX in Wien Ällelsigs Veriragsgäselischan Oes Rersa Kajemcft Lsjisrael fQr DedstMand. PrEmlcnelimchnie» 1031.03 G:!daa* VercTÄcraRc2"Dnd c^efe 1931 1,7 r'7i!Iarßm tindo 1 £*31. . 210 LitüSSSJ £**«**&»£ Direktion für das Deutsche Reichs Berlin VJ9, Frissricn-Etari-S-r. 2-3 fStöen, Giseüstr. 21 if § i 23 Erste IQdische Familienversicherung auf gemeinnütziger Grundlage Empfohlen durch: Den Rat des Rreusslschen Landesverbandes Den Rat des Bayrischen Landesverbandes DenVorstanddepJiidischenGemelndexuBerlin - Den Jüdischen Frauenbund Den Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten «SW., SSW., VTM. niedrige Monalsbeiträge, holte Leistungen» BedingungenI Verlangen Sie unser Angebot! te A femelR80t2igar Verein f3r ß;a{£rblisb£uenfarrArÄäLite.l^i.O-411 L, t-arcs der jlldiredsr ßememdea c. V. : Berlin - Gtarlouenburs 2. Kantstr. 158 Telephon: J1 Bismarck 1065 1