Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 16 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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U *c4n U. SCHOKOLADE PRAUNEM FdtzSZlLMKN DM 5S.SrLMrZl2§r Arrr 16. April 1932. Wir seiern den 59. Geburtstag unseres Freundes Felix Goldmann. Wir wissen, daß er jeder äußeren Ehrung abhold ist. Aber wir sind es uns schuldig, einen Rückblick auf das schassen dieses Mannes Zu werfen; denn er hat das heutige Sein und Wirken unseres Eentralvereins in entscheidenden Fragen begründet und gefördert. Er hat in seder Hinsicht die Notwenoigkerten der Zeit verstanden und sie zu durchdringen versucht: wie kein zweiter unter den Lebenden unseres Kreises hat er an ihrer Bewältigung mirgaschasst. Unser bester Glückwunsch ist daher ein Eingehen auf Goldmanns Lebensarbeit. Tie Grundlage unseres jüdischen Seins liegt eingeschlvssen in der Frage: W-arum sind und bleiben wir Juden? Eine schwere Frage voll letzter Bedeutung gerade sür diejenigen, die nicht dem unbedingt choratrenen oder dem unbedingten nationalen Judentum anhängen. Eoldmanu hat der religiösen Idee des Judentums die zentrale Stelle in unserem Judentum angewiesen. Er verlangt nicht eine bestimmte Form für das Judesein, nicht die Anerkennung eines besonderen Minimums an Elaubensinhalten. sondern er sieht in dem jüdischreligiösen Gedanken im weiten Sinne die Grundlage, an der wir Juden festhalten müssen, wenn anders wir nicht in Verfall'geraten wollen. In einer allgerneinverständlichen kleinen Schrift von nur 35 weiten, deren Titel die obengenannte Frage bildet (Philo-Verlag, Berlin) "find diese grundlegenden Gedanken medergelegt. Von dieser die letzte religiöse Ver- -bundenheit aufzeigenden Arbeit aus sind alle ' anderen Aufsätze und Werke Goldmanus Zu beurteilen. In seiner Schrift „Vom Wesen des Antisemitismus" (Philo-Berlag, Berlin) beschreibt Goldmann die psychologische Grundlage der antisemitischen. Bewegung und zeigt, daß man den Judenhaß nicht bekämpfen^ kann. wenn man ihn als eine Frage des Schicksals betrachtet, sondern nur dann, wenn mau ihn von dem Boden des Rechts aus .zu beseitigen sucht. Coldmann führt aus, daß Recht, in diesem Sinne ausgesaßt. Sittlichkeit und Kultur in sich schließt. Genuß könne Kultur auch auf anderer Grundlage möglich sein als auf der Grundlage des Rechts. Aber solange unsere Kultur sich theoretisch und praktisch aus dem Boden der jüdischen Sitttichkeitsideale erhebt, solange sie also durch bie Anerkennung der sittlichen Entwicklungsfähigkeit der Menschheit imd der Willensfreiheit charakterisiert wird, solange ihr Ziel die allgemein m e n s ch l i ch e F r e i h e i t ist, kann auch die Frage des Judenhasses nur in diesem großen Zusammenhang gesehen werden. Drei weitere Ausgaben haben immer in besonderem Maße Goldmanns Aufmerksamkeit erregt: Ostjndentum, Tanfjudentum und jüdischer Nationalismus. Das große Unrecht, das die gesamte ösfentltcf>e Meinung Deutschlands ohne jede tiefere Prüfung den Ostjuden antut, l)at Goldmann veranlaßt, in einer Generalversammlung des Rabbinerverbandos ein sehr eingehendes Referat zu halten, das, obwohl es aus dem Jahre 1916 stammt, noch heute maßgeblich ist. Goldmann untersucht darin, was man unter Osijuden versteht, welche Stellung die Ostjuden in Deutschland enmehmen, welche Eigenschaften sie haben, mit welchem Rechte man sie schlecht beurteilt und wie falsch gerade hier eine unzulässige Verallgemeinerung ist. Goldmann vertuscht nichts und färbt nichs schön. Er gehört zu den gerechten Richtern in dieser Frage. Ter leichtfertige Uebertritt aus der jüdischen Gemeinschaft zum Christentum aus Gründen des . äußeren Vorteils — nicht aus inneren Motiven — ' ist heute glücklicherweise, zurückgegangen. Einer Bevorzugung von Persönlichkeiten, die sich einer solchen Gesinnungslosigkeit . schuldig gemacht haben, entgegenzutreten, war Goldmanns Aufgabe in einer Zeit, m der gerade diese Dinge von besonderer Bedeutung waren. Zum Schluß: die Würdigung des nationalen Judentums.' Bereits rm Jahre 1911 verfaßte Goldmann eine Studie, die den Titel „Zionismus oder Liberalismus, Atheismus oder Neligwn* trug. Goldmann erforscht hier die nationale und dw religiöse Begabung des Judentums und gelangt Zu der Feststellung: „Der Augenblick, rn dem die nationale Freiheit von dem letzten der Makkabäerbrüder erworben wurde, barg Zugleich den Keim des Unterganges für den Staat in sich." Tie religiöse Begabung des Judentums wird im Zusammenhang mit dieser Tatsache besonders gewürdigt. Goldmann gibt Zn bedenken, daß die Rationalisierung des Judentums die Gefahr einer religiösen Katastrophe in sich schließe/ An die liberalen Juden richtet Goldmann die Mahnung: Sie sollten auch wirklich liberal fein im Sinne eines positiven selbstbewußten Judentums; Abwehr- Judentum'bedeute für sich allein genommen nichts; religiöse Gleichgültigkeit sei die größte Gefahr auch sür den Liberalismus. Unbeschadet seiner Ablehnung des Rationaljndentums jetzt Goldmann sich für eine unpolitische, lediglich kulturelle Siedlung Palästinas ein. * Alle diese verschiedenen Studien haben in dem großen Werke, das Felix Goldmann im Jahre . 1930 im Phito-Verlage herausgebracht hat, „Der Iu d e im deutschen Kulturkreise", ihre Krönung gesunden. Goldmann hat sich auch vielfach journalistisch hervorragend betätigt. So hat er in einer Reihe von Aussätzen, namentlich in der ehemaligen Zeitschrift des Eeniralvereins „Im Tour schon Reich", grundsätzliche Fragen eingehend behandelt. In der „E. V.- Zeitung" nimmt er häufig zu Tagessragen der jüdischen Politik in kluger und. prägnanter Form Stellung. So hat er in einem Aussatz „Abwehr und Gemeindewahlkampf" in Nr. 47 der ,.E. V. -Zeitung" 1930 in wirkungsvoller Weise den Unsinn des Schlag- Wortes von der Uebernahme der Abn-ehr durch die Gemeinden nachgewiesen. Und schließlich sei Goldmanus großen Interesses sür die wirtschaftlichen Ausgaben des E. V. Erwähnung getan. <reme Abhandlungen „Kampf gegen die Verelendung" in Nr. 36 und .Welche Aufgaben hat ein Wirtschaftsinstitut" in Nr. 41 der „E. V.- Zeituugch Jahrgang 1931, halben den segensreichen Bestrebungen im Kampfe gegen die Wirtschaftsnot der Juden reiche Anregung gegeben. Neben und über dieser geistigen Arbeit steht ..Goldmanns unermüdliches, aus warmem Menschentum und jüdisch-sozialem Pflichtgefühl her- . vorquellcndes Wirken als Lehrer und Rabbiner wie auch als Leiter des Landesverbandes wachsen des E. V. Sein hervorragendes Organisarionstaleut, feine glänzende Gabe, durch kluge, häufig witzige Rede die Menschen in den Bann seiner Gedanken zu Zwingen, stellen ihn in die erste Reihe der Führer des deutschen Judentums. So mündet unsere Würdigung von Felix Goldmanns Sein, und Schaffen in den Satz: Wir danken ihm und bitten das Schicksal, es möge ihn und seine Arbeit segnen. Ludwig Holländer. f-y //■ In - VÄAchchiW res C'3©K.0¥EE)©iDßS^ meine österchenwarea 'fsJi W \v- .?5>I Karlsbader Konditoreien Zum bevorp-^***.,?*«-?* empfehle ich in be- »Hundn* Ausführung stehenden 8 kannter Güte und bil «0» J llluüilüi Heben K u Verftaafssfc-’iaa m: liüaiosiiasss 34-33, fena ^tssFrie^islisItassg 81. , Eleu eröffnet! Mirslsota283-234 Kso eröflDoti Telefonzentrale: Sämmelnummer E 1, Berolina 5811. / Zusendung von 5 Mk. an frei Haus. \ ff. 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