Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 6 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- Seite 49 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4H Vermag zu erme'st-n, welche Quelle der Beloh der Sw :t rung, der Bereicherung und ©utirncnnS Arbeit 'ist. Unfere herzlichen Glückwunsch? verbinden sich rr.it der Ho'snuug, daß htttttttt- E"stnm-'n uoch lang? Jahre ve'.cken u.m A. Z'\..Z AN:n Segen der siidistuen -.st . ::rv:' vi l.7-i \ den fein mögen. ' * A. IL LuLrr:g Horrs'tz, r'n Lsutsch-jüörschrs Gsschrchte Am 8. Februar vollendet der in Kusse! im Ruhestand lebende Lehrer und Kantor Ludwig H o r w i tz in voller körperlicher unb geistiger Frische das 70. Lebensjahr. Tie Bedeutung des Znöilars liegt in seinen Forschungen üc:r jüvisme Kulturgeschichte^ und Heimatkunde im ehemaligen Kur- Hessen. Lo gab er u. a. die „Geschichte der herzoglichen Franzschule in T-eüau", eine Abhandlung über ,;x\z Emanzipation der Juden in Anhalt (Dessau) st eine „Geschichte der Juden des Königreichs Westfalen". eine Abhandlung über die Landrabbiner und Landschreiber im ehemaligen .Kur- Hessen heraus. Auch an dem erst teilweise erschienenen Sammelwerk der ./beschichte der sta'stler Juden" ist Ludwig Hvrwitz in hervorragender Weise beteiligt. Ebenso vt er Herausgeber t-e-r demnächst erscheinenden „Materialien zur Geschichte der Juden in Ttt'au". Durch Schriiten und Dortrage -hat er unendlich viele Andersgläubige davon überzeugst daß der deutsche Jude lein Fremdling, sondern stur MAO Jahren bodenständig ist. Unserem Centralverein gehört Vorwitz wit seiner Gründung an. Als Streiter i:n Kampf Legen den AntisemitismuZ ist er. namentlich in Pfarrer- und Lchrerkreistn, erfolgreich ausgetreten. Sowohl in der Zeit'chrift ..Im Ternsche n Reich" als auch in der „E. L.-Zeilung" hat er wertvolle Artikel veröistnilicht. Wir wünschen dem 7vjährigen einen Lebensabend in ungetrübter Frische, so daß er imstande ist. der Allgemeinheit mit weiteren wertvollen geschichilichen Arbeiten zu dienen. Rechtsanwalt Dr. Bellevie (Kassel). Jüdische Erziehung irrt Lichtder ErbkurZVe. In der Eeneralver'ümnUnng der E e se lisch a s t f ü r j ü d i s ch e F a m i l i e n f o r s^ch u n g sprach am 29. Januar unller Mitglied Herr Ltudienrat Tr. Kurt Lewin über „Jüdische Erziehung im Lichte der Erbkundest Ter Vortragende zeigte, oatz man von zlvci verschiedenen Leiten, der der Genetik und der der Pädagogik, an den zu erziehenden jungen Menschen cherarttrcten kann. Nach beiden Richtungen wird oft übertrieben, aber aus den prak- Ersahrungen heraus zeigt es sich, daß die ung der Vererbung koordiniert ist". Tic ver- . . en Anlagen sind im jungen Menschen vorhanden, und der berufene Erzieher hat dis Ausgabe, den Willen zu stärken und zur Stetigkeit der Arbeit wie zu gesunden Anschauungen anzuleiten. Df. Lewin illustrierte seine Worte mit vielen Fällen ans seiner Erfahrung als Lehrer. Leider, so - ührte er weiter aus, ist ein Material. für eine besondere jüdische Erziehung nicht vorhanden, da diese ich nur nach den Inhalten unterscheidet. Von der Schule her gesehen, schildert d-er Referent nun die einzelnen jüdischen Schülcrtyven, die sich überall zeigen, glaubte.aber daraus keine besonderen Folgen Ziehen zu dürfen. In der Diskussion, die dem sehr interessanten Vortrag des praktischen Pädagogen folgte,' hat der Vorsitzende, Tr. Czellitzer, u. a. noch Probleme, die durch den Antllemitismus entstehen, angeführt. F. Ar. f-<? s/ .ll -> > , V v ll.; /' .. . schon. Literatur wird b?gr?iftich?rw:ch'? durch Die Gestalt Heinrich Heines öestimmt. Freund, und Feind beschworen seinen wrhrw'stn Schatten, um den indischen Anteil cm deutschen Schrifttum entweder als segens- oder als verhüngnisooll zu deuten. Dagwen wird eine Tichtcrpersönlichkeit wie Berthold Auerbach weit seltener als Gewährsmann für die - eine oder andere lUle/ nung ins Gefecht geführt. Das ist nicht so sehr verwunderlich, denn — wie bereits der eigenwillige Earl Busse, also ein nichtjüdifcher Kritiker, bemerkte —: „Er besitzt eigentlich alle die Eigenschaften, die man dem Juden gewöhnlich abspricht, und es fehlen ihm die meisten, an denen, man sonn jüdisches Wesen zu erkennen versucht." Heute, am fünfzigjährigen Todestag des Dichters, erinnern wir uns dankbar und stolz daran, daß dieser vortreffliche Mann unser gewesen ist. Das deue'che Judentum wird Berthold Auerbach, der zu seinen Lebzeiten in uneingmchränttem Wortsinn Liebling des deutschen Voltes war, stets zu seinen Besten zählen. Sein Lobenswert, die „Schwarzwälder Dorfgeschichten", widerlegt schlagend jene judenserndltche Verleumdung, die den jüdischen Geist als den zersetzenden Fremdkörper der deutschen Kultur hinze-fteuen wagt. Unbeirrt von den Tagesjchwankungen i:n Lesergeschmack gehört seine dichterische Leistung der Literaturgeschichte an; er ist aus der Reche der großen deutschen Idylliker des 19. Jahrhunderts, der Raab?, Frey tag, Keller, nicht hiuwegzudenkm. Das Unbeschreibliche. hier ward's Ereignis! Gin Jude, ein echter Schwab', Kind der Schwarzwälder Landschaft wurde zum anerkannt klassischen Epiker seines deutschen Heimatgaues. Er stampfte ein bodenständiges Erzählungswerk aus der Erde und strafte damit das heutige Gerede von der entwurzelten jüdischen „AsphaltUteratur" Lügen. Aber nicht nur dos Dichters gedenken wir heute, sondern auch seiner gewichtigen Rolle in der Geschichte der deutschen Judenemanzipation. Tie Persönlichkeit Auerbachs bezeichnet etwa den dritten Abschnitt der deutschen Judenemanzrpatioue Die literarische Figur Moses Mendelssohns kennzeichnet die Anfänge der Emanzipation: das Licht der Aufklärung umhüllt ihn mit mildem Glanz. Aufstieg und Niedergang der Emanzipation spiegelt Heine wider; Leidenschaft, u en 8. §ü oow Allistk und "v.wr u.uzia.i'.n tt'aen Namen. Berehold Auerbach vertritt da z die vollendete Emanzipauion, jenes gbu...che Jciiiatter des nationalen Lweratt-a.w vor der Reichsgründung, in dem der deutsch? Jude als Freund und Bruder willkonmwn geheißen wurde. Eine deutliche Grcnzsi.h:ng in dem angezeigten Sinne war Auerb.uhs heut nahezu vergessene Erstlingsschrist „Das Judentum und die neueste Literatur" (1823). Des ewigen Haders müde, sagte sich sein bejahun.gsrreudiger Geist ausdrücklich von Heine los, denn auch als deutscher Dichter wollte er keine kulturelle Ausnahmeerscheinuug, sondern wie jeder andere Vertreter der Norm sein. Sein Verlangen wurde erfüllt. Das deutsche Bürgertum, damals in dem gleichen Maße fortschrittlich wie heute reaktionär, erkannte in ihm bereitwillig den Verkünder heimatlicher Art und bürgerlicher Lebensweise. Er wurde einer der beliebtesten und volksrümlichsten Schriftsteller der deutschen Nation. Sein Dasein schien vollendet. Ta fiel ein tragischer Schatten auf seine letzte Lebensbahn. Tie judenseindliche Bewegung der Ausjvringsn dcv Hände und des Gesichts wird auögchnlt, fümerchafirs Brennen sowie Nöte und Juckreiz der Haut werden beruhigt durch dis wundervoll kühlende, retzmildernd^Creme Leodor. Änter-Vorlriegspreife. Versuch überzeugt. Stöcker-Zeit schlug sein Weltbild — das Weltbild der scheinbar vollendeten Emanzipation — in Trümmer. Auerbachs naiver Optimismus, der nichts Trennendes mehr sehen wollte, wurde zuschanden. Diesen Schicksalsfchlag hat er nicht überlebt. Berthold Auerbachs Tragik bestand darin, daß er das deutsch-jüdische Problem, das unser g e o p o l i t i s ch e s Schicksal umschließt, geslisientlich übersah. Wir müssen deshalb seinen naiven durch einen kritischen Optimismus ersetzen, denn eine pessimistische Weltansicht kann niemals Führerin im Leben sein. Was uns von Bcrthold Auerbach bleibt, das ist das hohe Beispiel unserer Verwurzelung in der deutschen Heimaterde. Darum bekennen wir uns erneut zu seinen Worten: „Ja, wir achten und lieben deutsch? Sitte und deutsches Herz, denn es ist auch unsere Sitte, unser Herz!" Dt. Fritz Fricdlaender. ist.wer Oesterreichische Regie-Zigaretten raucht, Zigaretten von Wohlgeschmack und Rasse. Mempfils . liS.Sorfe KhedSiv© 5 Ff. 6 Ff. 8 Pf. Sie werden unter diesen drei Sorten sicherlich