Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 12 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 GeneralHoefer, derFührer des Obersdilesisdien Selbstsdmtzes (0. S. S. S.)3 an die „ C. V.-Zeitung A*»'* ^2ft* , iJ3 «<xlk| C«Ji HaSaC %*£ <^Uldx£ <&S<*^uro (d-S.S.S, ^tvuÄ8pj^£ * ä F t . schinengewehrseuer bestrafte. I n dem 5 ft. I i cfj e ii Teil des A u f st a ll d s g e b i e t s wurden in erster Reihe jüdische Personen ihrer Habe beraubt, mißhandelt 'und v e r st ü m m e l t, und in nicht wenigen Fällen wurden diese Menschen von den wütenden Insurgenten niedergemacht. Aus all diesem Heldentum und den furchtbarsten Leiden erblühte den deutschen Bemühungen, Oberfchlesien vor der Entreißung zu. reiten, kein Erfolg. Das Genfer Diktat zerriß und verstümmelte das Land, dessen unnatürliche Grenzen die Wirtschaft lahmen und pressen und eine Erholung des schwergeprüften Landes hindern. Mer Leiden, Bedrückung und Kampf haben die Seele des Oberschlesiers gestählt und die Herzen der Menschen dieses Landes zu einer Einheit geschmolzen, in der Heimatsliebe und Vaterlandssinn allen Versuchen unseligen Parteigeistes und konfessionellen Hages letztlich widerstehen, mögen auch Zweifel daran in diesen politischen Sturmzeiten einen oft überkommen. drei Dutzend ferngeblieben, und in jedem Falle war die LlbWesenheit durch schwerste Krankheit oder durch unüberwindliche physische Hindernisse gerechtfertigt. Tausende der jüdischen Gäste beruhten den Aufenthalt, um die uralten jüdischen öandesfriedhöfe von Langendorf, Eiesowa, Zülz und B e u t h e n aufzusuchen, wo die Ahnen und Großeltern bestattet waren.^und füllten am Sonnabend, den 19. März, die Synagogen Oberschlesiens, in denen ergreifende Predigten und heiße Gebete die Rettung Oberschesiens für das Vaterland erflehten. In den letzten Monaten vor der Abstimmung hatten eine Reihe von oberschlesischen Männern, darunter solche in namhafter Stellung,- für die Entscheidung über das Schicksal Oberschlesiens eine neue Lösung vorgeschlagen und eifrig dafür agitiert. Es sollte außer der Alternative: „Deutschland oder Polen"' noch eine dritte Möglichkeit, nämlich die Bildung einer neutralen unabhängigen Republik Oberschlesien, einer Art Belgien im Osten, zur Abstimmung gestellt werden. Schr einflußreiche Kreise unterstützten diesen Vorschlag, der schließlich auf einen landesverräterischen Separatismus hinauslief, wenn such bei einzelnen Befürwortern die Motive nicht ganz so übler Art wie bei den rheinischen Separatisten gewesen sein mögen. Die gesamte jüdische Bevölkerung bekämpfte die Idee des souveränen Oberschlefiens auf das schärfste. In der großen dafür gebildeten Organisation befand sich nicht ein einziger Jude, was mit um so größerer Genugtuung bemerkt werden darf, als damals nicht wenige rechtsgerichtete Männer, die sich heute sehr nationalistisch geben und nicht gern an die Haltung von damals erinnert werden mögen, offen in Wort und Schrift für das „freie Oberfchlesien" eingetreten waren. Ter Vorschlag wurde sowohl von der Entente, wie von Deutschland und Polen abgelehnt. Das Ergebnis Das Plebiszit vom 20. März 1921: Drei fünftel der Stimmen für Deutsch -!and und Zwei Fünftel für Polen. Der Jubel über das Ergebnis war groß, aber immerhin durch die Befürchtung gedämpft, daß es den Polen gelingen könnte, für ihre 460 000 Stimmen doch gewisse Gebietsi lrDI ft? tajj$] Zuweisungen zu erlangen. Die Entscheidung der Mächte über die Auswertung des Abstimmungsresultats zog sich über ein halbes Jahr hin, und innerhalb dieser Zeit verstanden es die Polen, durch einen groß-angelegten Aufstand soviel wie möglich von dem Abstimmungslande an sich zu reißen. Dieser Aufstand stellte sich wegen der Fülle der an den Deutschen verübten Grausamkeiten und Martern, wegen der Ermordung und Mißhandlung von vielen hundert Deutschen und der unzähligen, ebenwschr aus das Konto der Franzosen wie der Polen zu setzenden Untaten als das blutigste Watt in der Geschichte Oberschlesiens dar. Auch dem Lande wurden deutsch Exekutivbeamte niagwkriert, in den Städten erschosien und mißhandelten Polen im Verein mit der französischen Soldateska nicht nur die tätig Widerstand Leistenden, sondern auch alle Verdächtigen. gleichviel welchen Standes. Alters und Geschlechts. In Beuchen allein wurden acht unschuldige Kinder von den Kugeln der Franzosen und Polen getrosten. Der Selbstschutz Der heimlich, aber mit gewaltiger Energie und Schleunigkeit formierte Selbstschutz wurde von der deutschen Bevölkerung, die aus dem Reiche militärische Hilfe nicht erlangen konnte, als Retter begrüßt. Ein großer Teil der waffenfähigen jungen Leute ohne Unterschied der Partei und Konfession trat zum Schutze der Heimat und des Vaterlandes in die Reihen der Kampfverbände ein. Edelste Vaterlandsliebe und lauterste Gesinnung beseelten diese Scharen, und wenn auch im weiteren Verlaufe der Kämpfe von einzelnen Selbstschutzleuten verurteilenswerte Dinge begangen sind, so handelt es sich hierbei immer um Ausschreitungen einzelner landfremder Söldner, die lediglich rohe Landsknechtgesinnung und sonstige üble Beweggründe von auswärts nach dem Schauplatz der obersch!esisä)en Kämpfe geführt hatten. Die einhcimi'chen Oberschlesicr haben ihren Kampf mit heiligem. Ernst und untadeliger Gefinnung geführt. Zahlreiche jüdische Jünglinge und Männer, besonders in den zernierten größeren Städten, waren aktiv im Selb stschuh, und eine Anzahl von ihnen hat mit dem Heldentodeihre Liebe für Oberfchlesien i n dem Entscheiid u n g s g e f e ch t e auf dem Annaberge und in. den Treffen an anderen Orten besiegelt. Es ist bezeichnend, daß bei einem der. Straßenkämpfe in Deuthen das französische Militär das Gebäude des dortigen jüdischen A l: e r s lz e i m s a! s Schlupf - Winkel von S e l b st s ch u tz k ä m P f e r n ansah und das Haus durch cin.einstündiges Ma- „Wir können auf die Iuöen nicht verzichten" Während der Vorbereitungen zur Abstimmung richtete der damals äußerst rührige völkische Antisemit Dr. H e i n r i ch P u d o r an den Vorsih enden dev Verbände heimattreuer Oberschlesicr, Landgerichtsrat Ernst, die Aufforderung, die Juden von der Mitarbeit cmszuschließen und aus ihre Stimmen zu verzichten. ' . Diese ungeheuerliche Zumutung lehnte Landgerichtsrat Dr. E r n st in einem Schreiben ab, in dem es heißt: „Mehr als 99 v. H. der oberlchlesischerr Juden widersctzen sich dem Anschluß an Polen, und es steht scsi, saß wir die feste Unterstützung nach Aussage unserer Krcisgrupponvorstände gerade seitens der Juden erfahren, während andere Kreise, die sich sonst gern als national bezeichnen, sich ängstlich zurückhalten. Darum kann ans die Mitarbeit der Juden auf keinen Fall verzichtet werden." „Mein armes Deutschland!" Der Tod des Leutnants Lack Leutnant Sack aus Myslowitz fuhr mit einem Oberleutnant von Arnim, der in Kreuzburg eine Selbstschutz-Kompagnie aufgestellt hatte, in einem offenen Auto von Ramslau her auf dem Wege nach Kreuzburg durch Konstad t. Hier waren an diesem Tage eine Menge Leute, ganz junge und ältere Männer, mit Gewehren und Munition ausgerüstet worden und waren nun in Gruppen auf den Straßen unterwegs; eine Unterweisung über ihrePslichten tjattcn sie wohl noch nicht erhalten. Bei ihrer Fahrt durch die Stadt wurde auf das Auto geschossen. Eine Kugel durchschlug die Rückwand des Wagens und traf Leutnant Sack in die Lunge. Leutnant Sack wurde in das städtische Krankenhaus gebracht. Tort starb er trotz sofortigen ärztlichen Beistandes am nächsten Tage. Als Leutnant Sack kurz vor feinem Hinscheiden gefragt wurde, welcher Geistliche gerufen werden sollte, verlangte er einen jüdischen. Erst dadurch wurde bekannt, daß Sack Jude war. Die Jüdische Gemeinde wurde sofort benachrichtigt. Er starb mit den Worten; „Mein armes Deutschlandck Leutnant Sack wurde unter großer Wteiligung der gesamten Bevölkerung zu Grabe getragen. Auchjei::e Kompanie gab chm..das letzte Geleit. Sein Name wurde in das Gefallenendenkmal in Konstadt einaemeißelt.