Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 48 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- Seite 621 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Lebensversicherungsgesellschaft PHONIX gegründet 1882 Vertragsgesellschaft grosser jüdischer Organisationen Versieherungsbestand. .1 Milliarde 500 Millionen Goidmark Grarantiemittel.. ca. 180 „ „ Neuzugang 1929... . .. über 360 ,, „ Isden8-, Aussteuer-, Stadiengeld-, Rentenversicherungen Schutz der Familie — Sicherung des Alters — durch Phönix. 3ojef Kaftein: SabbataiZewi Selten ist die erregende Lebensgeschichte des messianischen Schwärmers von Smyrna so faszinierend geschildert worden wie in diesem Buch*). Kastein verfügt über eine intime Kenntnis der kabbalistischen Welt. Er beherrscht mit großer Souveränität die Geschehnisse des 17. Jahrhunderts. Er versteht es, ein lebensnahes Bild des damaligen Judentums zu geben. Er kennt sich aber auch vorzüglich in der gleichzeitigen nichtjüdischen Umwelt aus. Und er kann „schreiben"! Seine Sprache ist der adäquate Ausdruck eines mystischen Geschehens, das er in ausgezeichneter Weise in seinen Roman einzusangen versteht. Z a n g w i l l hat den „türkischen Messias" unter seine „Träumer des Ghetto" ausgenommen. Das eben ist die Frage bei jeder erneuten Betrachtung der Gestalt Sabbatai Zewis. War er nur ein Träumer? War er mehr? Ein Großer im Reiche der geistigen Wirklichkeit? Oder war er weniger? Ein Komödiant, ein raffinierter Schauspieler auf der Bühne der jüdischen Geschichte? Kastein ist ehrlich bemüht, Licht und Schatten aufs gewissenhafteste zu verteilen. Er zeigt, wie messtashungrig die Welt des Jahres 1666 war. Nicht nur die jüdische, sondern auch die christliche und nicht zuletzt sogar die mohammedanische. Sabbatai Zewi, durch mystische Bußübungen innerlich aufgelockert, ist hellhörig genug, den geheimen Ruf der Zeit zu verstehen. „Vor der Zeit, die nach einem erlösenden Menschen sucht, steht ein Mensch, der nach einer aufnahmebereiten Zeit sucht." Die beiden finden sich. Da gibt es „Propheten" und dienstbeflissene Schreiber genug, die den Mittlerberuf zwischen dem Messias und seinen Gläubigern auf sich nehmen. „In dieser Situation gibt es keine Betrüger und keine Betrogenen. Der eine gibt ein Mittel und der andere nimmt es, weil sie beide zutiefst *) Ernst Rowohlt-Verlag, Berlin. an die Notwendigkeit des Zwecks glauben." Mag sein, daß Sabbatai Zewi selbst gar nicht so weit gehen wollte, wie er gegangen ist. Aber einmal wird Sabbatai bei seinem Vorwärtsschreiten immer mehr Sklave seiner Idee. Er trägt die Idee nicht mehr, sondern sie reißt ihn immer weiter mit sich fort. Und dann: das Volk ist mindestens ebenso besessen von der Ueberzeugung, daß die Erlösung unmittelbar bevorsteht, und der vermeintliche Messias gibt nach und unterliegt unabwendbar der Suggestion seiner seelisch überaus erregten Zeit. Trotzdem ist Sabbatai in einem Lieferen Sinn schuldig zu sprechen. Kastein schließt sein Buch mit einem Kapitel ab, in> dem er eine „Sinngebung des Geschehens" versucht. Dort meint er: nicht die Menschen jener Zeit hätten versagt, sondern ihr Führer. „Sie riefen nach einem Führer, und es bot sich ihnen dar der Repräsentant." Das Volk wollte eine Wirklichkeit und bekam statk dessen eine grandiose Schaustellung. Sabbatai begriff nicht, daß hier eine Welt sich wieder mit ihrem Gott und ihrem Dasein versöhnen wollte. Er begriff nur, daß er Messias sein müsse. „Er tat, was die Heutigen tun, gleich, welchem Zweck sie dienen: er ahmte eine historische Form des Führertums ohne zulängliche innere Mittel nach; er trieb Mimikry!" Es lohnt sich, diesen „Martin Buber, dem wirkenden Menschen", zugeeigneten Lebensroman zu lesen, nicht nur um der grandiosen Deutung jüdischer Vergangenheit willen, sondern auch wegen der unausgesprochenen Aktualität, die diesem Buch in grundlegenden Fragen heutiger Lebensgestaltung innewohnt. Dr. Hugo Hahn (Essen). Im wanüel -er Zeiten preüigten von Dr. Jelski. % San- Die vorliegende Predigtsammlungck), umfassend 13 Festpredigten und 13 Gelegenheitsreden, bedeutet eine Bereicherung der jüdischen Predigtliteratur und dürfte in einer Zeit, in der viel von einer „Predigtkrisis" gefnselt wird, sehr willkommen sein. Denn Dr. Jelski gehört noch zur guten alten Schelle, die vom Prediger eine gründliche und gewissenhafte Vorbereitung fordert, aus Achtung vor dem Gotteswocte und aus Respekt vor der Gemeinde, die er — nicht unterhalten — sondern belehren, ermahnen und religiös beeinflussen soll. Diese gewissenhafte Vorbereitung zeigt sich bei Jelski in der glücklichen Wahl der Themen, in dem logisch geordneten Aufbau der Rede und in der schlichten, jedoch gepflegten Sprache. Neben Zitaten aus dem jüdischen Schrifttum finden wir Aussprüche von Dichtern und Denkern verschiedener Zeiten und verschiedener Völker, die der Verfasser teils als Leitwort anwendet, teils als Beleg und Stütze für die eigene vorgetragene Anschauung verwertet. Dadurch gewinnen die Reden an Reiz und bieten selbst dem Gebildeten und dem Vielbelesenen manches Neue. Daß der Verfasser als bewährter Führer und treuer Seelsorger zu den Erscheinungen des Lebens, zu den Fragen und Problemen der Gegenwart Stellung nimmt, braucht kaum hervorgehobeu zu werden. Er tut dies nicht nur in den Gelegenheitsreden, die u. a. „Die deutsche Revolution", „Die deutsche Nationalversammlung", „Krieg und Frieden", „Das wahre Heldentum", „Judentum und Deutschtum" u. a. m. behandeln, sondern auch in den Festpredigten. So lehnt er von seinem. Standpunkt das Nationaljudentum (S. 94) und den Zionismus ab, ist aber objektiv genug, um die großen Verdienste anzuerkennen, die der Zionismus um die Hebung und Stärkung des jüdischen *) Herausgegeben vom Vorstande der Jüdischen Reformg-emeinde in Berlin. Philo-Verlag, Berlin lSßO. Verwenden anch Sie SICHTÜTBEK die ' Sicblbartei dasProduktdeutscherTechnik. Sie finden keinen SVlitaroeiter, der Ihnen besser dient. Slf UTATU Elf schützt vor Verlusten ivn I VI neu und führt zum Erfolg. Fragen Sie nach: «HorizontaS -Verfilcal »ßeglsterstrelferi. SICHTOTHEK SICHTOTHEK BERLIN SW48 Wilheimstrasse 37/38. Drahtwort: Sichtothek. RADIUM-SCHOKOLADE nach Dn Senftner (D.R.P.3 z. Essen u.Trinken furKbpfu.Sdiwerarbeifm; Sportsleide u. Leidende. Überall erhältlich. Welche Annehmlichkeit für die rituelle Küche - fleischig und milchig zu gebrauchen! 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