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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. Seite 257

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
Seite 257 (sequence 1)
Language
German
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«reift «itrrol Blätter für Oeutfektum und Judentum Bierteljahrsabonnement 2,SV RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schrrftlertung: Berlin SW 68, ßinbenftt. m Berlin, 10. Mai 1930 IX. Jahrgang ♦ Nr. 20 Linzelnummee 20 Pfennig Organ Oes tentralVereiUsöeutfeiiex^^ LtaatsdüryerMöifrken Glaubens e.v. All^enneine Zeitung des Dudentums J>f _. ... Amt Dönhoff 8894, 3595. Postscheckkonto: Berlin 804 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90/Mt für bie JficfpatteneBeite natf) ^0^ anoffes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvererns 0,45 JUi, die 62 mm breite Reklamezerle 8,50 JUL ^errn Minister Lrick! Sie haben im ^aushalisausschuß des Thüringischen Landtags auf die Frage eines Abgeordneten, gegen welche „art- und volksfremden Kräfte" sich die von Ihnen angeordneten Schulgebete richten, folgendes geantwortet: „Ich will ganz offen fein. Wir brauchen uns da nichts vorzumachen. Die Entsittlichung des deutschen Volkes geht aus von rassenfremden Elementen, nämlich von den Juden." Es ist Ihnen als Minister eines deutschen Staates bekannt, daß man keinen schwereren Vorwurf gegen einen Teil der Bevölkerung erheben kann, als den, er entsittliche das Gesamtvolk. Dem so beschimpften Teile des Volkes wird vorgeworfen, er selbst habe nicht nur die Grundlage des Zusammenlebens der Menschheit, das höchste und Erhabenste, was die Menschen in sich entwickeln können, nämlich das Gefühl für Sittlichkeit, verloren, sondern versuche es auch anderen zu rauben. sterr Frnck, Sie haben üfunderttausende von deutschen Staatsbürgern mit Aot beworfen! Sie haben von den Juden gesprochen, haben also nicht etwa behauptet, daß einzelne unter uns Juden entsittlichend wirken, sondern Sie haben die Gesamtheit angegriffen. Einzelne werden unter den Juden und unter den Nichtjuden stets aus dein Nahmen der Allgemeinheit fallen. Diedeutschen Juden müssen sich aber in ihrer Gesamtheit dagegen we hren,daßSieih nenim Gegensatz zu ihrem heilig st enreligiösen und menschlichen Sein,- das ihnen gerade die Förderung der Sittlichkeit zur besonderen Ausgabe macht, einen so unerhörten Vorwurf entgegenschleudern. Wollen Sie, llserr Minister, nicht der Verleumdung geziehen werden, so geben Sie uns Beweise für Ihre Behauptung, daß die Juden die Entsittlichung des deutschen Volkes betreiben. Sie geben sich als der deutsche Mann, der die Wahrheit und die Ehre seiner Mitmenschen nicht beschmutzen will. Gut, bleiben Sie bei der Wahrheit und antworten Sie uns. Diese Zeitung steht Ihnen zur Verfügung. Berlin, den H- Mai 1950. D r. Ludwig Holländer, Direktor des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. WOllS »M MllllllA. Non Sr. Hermann Funke. Seinen drei früheren „Rassenkunden",' der „Raffenkundedes deutschen Volkes", der „Rassenkunde Europas" und der „Nassenkunde des hellenischen und römischen Volkes" läßt Günther jetzt eine vierte folgen — die bei weitem schwächste von allen: „Die Nassen künde des jüdischen Volkes" (Verlag I. F. Lehmann, München). In Günthers älteren Schristen, zum mindesten in den frühen Auflagen der „Rassenkuude des deutschen Volkes", war eine, an sich Zwar dltrchaus bekämpfenswerte, Grundidee mit einer gewissen Eindringlichkeit, Konsequenz und Frische durchgesührt worden —aus seinem jüngsten Werke springt uns kein irgendwie lebendiger. Packender Gedanke entgegen, nichts, was-irgendwie äufhorchen läßt, nichts von dem, was bei aller Haltlosigkeit-und Anfechtbarkeit doch irgendwie faszinieren kann. Historischanthropologisches von ermüdender Weitschweifigkeit, dazu in seinen Ergebnissen durchaus nicht neu, und daneben — angeblich aus diesem ersten rassekundlichen Teil sich folgerichtig ergebend, in Wahrheit einfach darangehängt, ohne jede innere Verbindung — eine „Lösung der Judenfrage", wie man sie fast täglich in völkischen Leitartikeln lesen kann: das ist das Gesicht der „Rassenkunde des jüdischen Volkes". Betrachtell wir es ein wenig genauer. Das Grunddogma, auf dein Günthers ganzes Rassenevangelium beruht, ist bekannt: Nur die Rasse, so lautet es, macht die Weltgeschichte, nur die Kenntnis der r äffischen Zusammenhäage verschafft den Schlüssel zu ihrem Versteadnis. Dasselbe gilt darum auch für das große weltgeschichtliche Phänomen des Judentums: „Die Judenfrage ist weder eine Glaubensfrage noch eine wirtschaftliche Frage, sondern eine Frage der Volkstümer und der Rassen." So muß „die Grundlage für die Erörterung aller Fragen, die sich aus dem Wesen des jüdischen Volkes ergeben haben und ergeben können", die Erkenntnis feiner Rassenzugehörigkeit sein. . Zu dieser Erkenntnis iut££ Günther in erster Linie verhelfen. Er geht dabei recht umständlich zu Werke; von prähistorischen Urzeiten an verfolgt er - die Rassenschichtung der altpalästinensischen Bevölkerung. Und dies ist das Ergebnis, zu dem er nach nahezu 200 Seiten schließlich gelangt: Die Juden bilden keine!!!ii!li!!Ill!l!!llIl!!II!,!i!II-!l!I!IIlII!III!I!!I,I!!!l!!!I!!!!,II,'II,I!!!!,!!I,„!I!II»»!,>Ii!!il!>!!II!!! Inhaltsangabe dieser Nummer auf Seite 259. e i n h e i t l i ch e R a s s e, sie sind ein R affe ngemis ch , und zwar im wesentlichen eine Mischung aus der „vorderasiatischen" und der „orientalischen" Rasse, mit geringen hamitischen, negerischen und nordischen Einschlägen. Aber entscheidendes Gewicht legt Günther im Grunde nur aus das eine: Die jüdische Rassenmischung enthält — bis auf den ganz geringen nordischen Einschlag — nur -solche Rassen, die sonst i in A b e n d l a n d n i ch t v e r t r e t e n sind. Um das festzustellen, sollte man meinen, hätte es eines solchen Aufgebots nicht bedurft^ Daß man es sehr vielen Juden schon äußerlich ansteht, daß also gewisse „rassische" Unterschiede im Sinne der herrschenden anthropologischen Terminologie zwischen den jüdischen und uns nichtjüdischen Deutschen bestehen, an dieser Binsenwahrheit würde auch ohne Günthers Buch kein Mensch Zweifeln. Aus seiner rassischen Bestimmung des Judentums, die nichts Neues bringt, zieht Günther nun seine Folgerungen, die mm leider erst recht nicht zum erstenmal hört: Weil die Juden anderen Rassen entstammen als wir übrigen Deutschen, müsse bei uns in Deutschland (wie überhaupt im Abendland) stets eine unüberbrückbare Kluft Zwischen Juden und Nichtjuden klaffen. Zwischen „so verschieden gearteten

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