Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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entern Einzelnummer 20 Pfennig Möller fürveuHcktum unöluornMm Bterteljabrsabonnrureut SS« RM. (zuzügl. Bestellgeld). vrtznn -es ceutrolir'erems örutscker. Sllmtsvüryer iüEeken Vlmwens Z^il^smeins Leitung des Judentums Verlag u. Schristlcitung: Berlin 8^ K8, Lindenstr. 13. .:. Fernsprecher! Amt Dönhoff 3594, 3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 80472. .:. Bankkonto: Dresdner Bank. Wech,el. stube O, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldfchinidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. . ™ pp Meinige Anzeigenannahme: Annoncen-Cxpedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und derenLilialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM für die gespaltene Zeile nach Nudolf Moffe^ KövÄalzeilenmessep Nr. 4, FÄmiltenanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JIM, die. 00 man beerte Reklamezerle 4M JcM> Ehvollika. Von Ludwig l. Was hat uns die Tätigkeit im C. V. zwischen Ende 1018 und 1928 gelehrt? Wer dstse Frage austvirft. muß über eine wahrhaft erschreckende Fülle von Vorkommnissen Nachdenken, die sich in dieser Zeitspanne überstürzt haben. Karnn war der Waffenstillstand abgeschlossen, als sich die Nachricht zu bewahrheiten begann, die dem Centralverein gegen Abschluß des Krieges von einer hohen deutschen diplomatischen Stelle :nr Ausland gemacht worden war: Man solle sich auf eine außerordentlich starke Tätigkeit der Judengegner gefaßt machen. Damals erschien die Mitteilung unglanbhaft. Jetzt wisten wir. daß Wilhelm 11.. den wir damals in ganz anderem Licht sehen zu dürfen glaubten, in höchstein Maße gegen die Juden eingenommen gewesen ist und seiil Ohr den schärfsten judenfeindlichen Einflüssen nicht verschlossen hat. Wir weisen jede Unritterlichkeit gegen einen Mann. der. wenn auch nicht ohne eigene Schuld, ins Unglück geraten ist. von uns. Aber schweres Unrecht ist von dieser Seite geschehen, und wenn zu Beginn des Jahres 1919 in vielen Teilen des Reiches und insbesondere in Berlin eine akute Pogromgefahr bestanden hat, so ,ist diese Stimmung von hier aus vorbereitet worden. Wir wissen heute, daß militärische Ratgeber dem Kaiser vor dem 9. November 1918 eine Rückkehr in die Heimat unter Erregung von Pogromen warm empfohlen haben. Man hoffte, durch diese Hetze die Erregung rind den berechtigten Groll im Volke abzulenken. Damals war cs der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund, der den spartakistischen Straßenrednern die deutschvölkischen entgegenstellte. In Bayern begann Hitler seine Laufbahn und predigte den Judenhaß, vermischt mit angeblich sozialistischen Gedankengängen. An diesem Werke der Judenverfolgung beteiligten sich ehemalige Offiziere vielfach an'hervorragender Stelle. Wir sind die letzten, die das gutheißen. was man im allgemeinen als Offiziershetze bezeichnet. Wir wissen, daß es auch im Kriege, namentlich unter den pktiven Offizieren, eine sehr große Anzahl von Männern gegeben hat. die vornehm und gerecht geurteilt haben. Nach dem Kriegsende haben sehr viele ihre Ruhe bewahrt und ihr durch Erfahrung gewonnenes Urteil in den Friedenszustand übernommen. Es wäre ein schweres Unrecht, sie in ihrer Gesamtheit für Dinge verantwortlich zu machen, die vielen von ihnen durchaus serngelegen haben. Dagegen waren es namentlich junge Männer im Offiziersstand, die, aus ihrer Laufbahn plötzlich heraiisgeworfeu. durch die furchtbaren Verhältnisse überrascht, durch eine einseitige Erziehung irregeführt. ihrem Haß gegen die Juden die Zügel schießen ließen und zum Teil bis auf den heutigen Tag der judengegnerischen Agitation ihre tätige. Hilfe leihen zu müssen glaubten. Die seelischen Voraussetzungen dieser Gesinnung können wir verstehen, müssen sie aber im Interesse der Allgemeinheit auf das schwerste bedauern. Man hat unsere Gemeinschaft damals, wie heute, für Männer und Frauen jüdischer Abstammung verantwortlich Holländer. gemacht, die mit dem Judentum auch uicht mehr die entfernteste Beziehungen unterhielten. Eisner war gewiß ein JdeMst von anständiger Gesinnung; ihn aber als Juden zu reklamieren, war völlig verfehlt, denn ihm bedeutete das Judentum auch nicht das geringste. Aber auch heute noch wird die Vergiftung unseres öffentlichen «Lebens mit den gleichen Mitteln belieben; immer wieder müssen wir hören und lesen, daß Menschen der nachrevolutionären Periode, die man aus politischen Gesichtspunkten bekämpft, zu Juden gesternpelt werden, obwohl sie zum Teil niemals Juden gewesen sind, z. B. Männer wie David und K a u t-J? f y. Der Fanatismus steigerte sich von 1919 bis 1922 ununterbrochen und fand seinen Gipfelpunkt in der Ermordllng von R a t h e n a u am 22. Juni 1922. Die Täter waren anch hier zwei irregeftthrte ehemalige Offiziere. In Bayern hat der Nationalsozialismus jahrelang geherrscht. Zügellose und wüste Agitation umnebelte das Volk, die wirtschaftliche Unsicherheit gab den fortgesetzten Einflüsterungen Nahrung, der in den Atenschon aufgesammelte Groll konnte Zielbewußt in das judengegnerische'Lager abgelenkt werden. In ganz Deutschland entzündete sich die Stimmung durch den sich fortschreitend deutlicher offenbarenden Staatsbmifrctt immer heftiger. Die Jugend, die an allen Idealen verzweifelte, begann jedes seelische Gleichgewicht zu verlieren. Und den falschen Propheten der Politik folgten falsche Propheten der Wirtschaft, vor allen Dingen auch falsche Propheten der Wissenschaft. Die sogenannte völkische Lehre, die die Juden als in ihrer Gesamtheit verderbliche Gäste im fremden Wirtsvolk bezeichnet und alle noch so augenfälligen Ausnahmen als unmaßgebliche Einzelerscheinungen verwirft, suchte einen Schleier über die wahren Verhältnisse zu ziehen. Die Auffassung von der völkischen Ungleichwertigkeit der Menschen war erstmalig in Frankreich von denen, welche die Ergebnisse der Revolution bekämpften, in ähnlicher Form vertreten worden, ohne damals etwa besonders gegen die Juden ausgemünzt zu werden. Auch später hat sie lucker verschiedenen Abwandlungen im Laufe der Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts häufig ein Beruhigungsmittel für diejenigen gebildet, welche durch eine neue Entwicklung aus ihren altgewohnten Bahnen vertrieben worden waren. Und immer wieder zeigte sich die alte Erfahrung: die Juden sind im Laufe der Geschichte durch ihre gesellschaft- Aus dem Inhalt! Otto Nusdike, M. d. L: „Herunter mit der MaskeV* — Dr. Felix Eoldmasm (Leipzig): Das Warenhaus. —- Dr. Hermann Berlaft (Berlin): Bttdihesprednmg.