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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1928-12-21 · 12 (21.12.1928) · p. Seite 37

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
4 (1928)
Issue
12 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
Seite 37 (sequence 1)
Language
German
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- Herlin, 21. Dezember 192S ND/ 6cLiWE7WMocK Von Af/rst //einrrosr §ett§sskn k?lus der ersten Versammlung des Jugendausschnnes des b. V. ist beschlossen worden, neben anderen Unterausschüssen einen solchen für Bildungsarbeit ins Leben zu setzen. Es wurde dabei betont, daß diesem Ausschuß in nächster Zeit eine wichtige, wenn nicht überhaupt die wichtigste Aufgabe innerhalb der Jugendarbeit im E. V. zusalle. Das wird vielleicht manchen von den Jürzgereu wundern, der sich die Frage, was für eine Dildungsaufgabe der C. B. überhaupt zu leisten habe, vorgelegt hat. In der Tat erscheint eine gesonderte Bitdungsausgabe nur da zu bestehen, wo der Mensch in seinem Wesen nud in seiner Anschauung geändert, gebildet werden kann. Kann aber jene Formel von der Synttjese von Deutschtum und Judentum, die dem E. V. Leitsatz ist, einen Menschen verändern oder umbilden, ist* sie Ausdruck einer Weltanschauung, deren Grundlage man sich durch Kenntnisse erwerben kann? Man muß diese Fragen wohl verneinen. Unsere Zugehörigkeit zu Deutschtum und Judentum beruht lediglich auf innerer Entscheidung, eine Entscheidung, die sicher nicht allein durch unserer! Willen, sondern ebenso durch unser Hrneiugeborensein in einen Kultur- und Menschenkreis bestimmter Prägung beeinflußt worden ist. Tie gewaltigsten Kenntnisse der deutscher! Literatur, ja selbst die tiefsten solkloristischerr Studien in Deutschland (die auch Ausländer leisten können) vermitteln uns nicht jenes Gefühl der Heimat und der Zugehörigkeit, das wir empfinden. Und alles gelehrte Wissen um jüdische Geschichte und jüdische Bräuche lassen noch nicht unsere jüdische Seele zucken, wenn wir nicht — Juden wären. So zeigt sich, daß der E. B. nur Gesinnung und Gerichtetheit verlangen darf. Daraus folgt gewiß — sollen Theorie und Praxis nicht auseinanderfallen —, daß die Gesinnung ihr gemäße Taten und entsprechendes pol itischesBer halten erfordert. Aber die Gesinnung selbst ist nicht Bildungsobjekt. Nun befinden wir uns freilich in einer eigentümlichen Lage. Die Gesinnung ist zwar vorhanden, aber es fehlt ihre tiefere Fundierung, die sie überprüft und rvachhält. Das gilt vom Deutschen wie vom Jüdischen rn uns. Unser Deutschtum mag. wie Ludwig Lew in in diesen Blättern einmal geschrieben hat, eine Selb st Verständlichkeit sein. Aber nicht selbstverständliche, sondern tägliche Ausgabe ist uns die Teilnahme am geistigen und wirtschaftlichen Ees che hen i n De u t s ch la n d , ist uns dieHerstell u n g von Verbindungen zu Volk st ei len, mit denen wir bisher wenig in Berührung tarnen. Wenn man bedenkt, daß die Mehrzahl der deutschen Juden in einer Verkapselung in gewisse bürgerliche Schichten lebt, wird verständlich^. was für Aufgaben hier unser harren. Daß mit dem Gefühl, wir sind ja ..g u teIud e n*. wenig Wertvolles für uns (und für das Judentum) gewonnen ist, ist uns Jüngeren erst recht klar geworden. Wir Jüngeren wissen nur zu genau, daß in uns das Indische erst wieder zum Leben erweckt, aus tieferen Gründen hervoraeholt werden muß. Und auch hier bedarf es unserer U m bild u n g. Aber wird sich diese Umbildung nicht am besten an der Stätte jüdischer Lehre und da, wo jüdisches Leben gelebt wird, vollziehen, wie unsere deutschen Aufgaben in deutsche u Kreisen erfüllt werden können? Darum nochmals: W a r u m Bildungsarbeit im Eontralverein? Daß er eine BLldungsanfgabe hat, die andere Kreise nicht ebenso oder sogar besser leisten können, sahen wir. Aber der C. V. kann überhaupt, insbesondere kn seiner Bildungsarbeit, so etwas wie das lebendige Gewissen der deutscheu Juden werden. Mit der F e st stellnng, daß in deutschen oder jüdischen Gruppen deutsche oder jüdische Ausgal>en erfüllt werden können, haben noch lange nicht alle deutschjüdisch Eingestellten sich an die Bewälttgung dieser Aufgaben gemacht. Darum werden wichtige Grundsätze unsere Bildungsarbeit sein: anzuregen und anzu treiben! Keine unnötige Konkurrenz, wenn andere Kreise, seien es die der Jugendbünde oder allgemeiner jüdischer vdec deutscher Gruppen, unsere Ausgaben zum Teil zu erfüllen versuchen: 'Aber überall da, wo aus Mangel an Führern oder geeigneten Menschen die Gelegenheit fehlt, sich jüdisch oder deutsch zu bilden, werden wir helfend und anregend eingreifen müssen. Wie sich die Bildnngsarbeit im E. V. im einzelnen gestalten wird, kann hier nur angedeutet werden. Bttdungsarbeit im besten Sinne wäre es, wenn der Vorschlag, den Theodor Marcus dem Jngendausschnsse machte, verwirklicht würde: eine kleine Zahl von Juden und Nichtjuden für ettoa eine Woche zusammenzuführen, um eine Klärung über die Beziehungen von Deutschtum und Judentum herbeizuführen, oder besser, um Beziehungen zwischen nichtjüdischen Deutschen und jüdischen Deutschen tiefer zu gestatten. Denn gerade hier bekundet sich der neue Geist in der Bekämpfung oder Ueberwindung des Antisemitismus, dem wir Jüngeren zuneigen. Daneben wird es wohl nötig fern, in kurzen ausklärenden Broschüren die Situation der jüdischen Jugendbünde in Deutschland aufzuzeigen, um so den nichtjüdischen Bünden klarzumachen, wie die durch die Jugendbewegung gewonnene Haltung bei allen Unterschieden doch etwas tief Verbindendes ist. Stärker wird sich unsere Bildnngsarbeit der Erlernung und Erforschung aller mit Judentum und Judenheit Zusammenhängenden Tatsachen widmen müssen. Der Erfors ch ung: denn es fehlt an wirklich modernen Bearbeitungen vieler Partien der jüdischen Geschichte und Literatur. Es wäre ein erfreuliches Zeichen der Aktivität, wenn die jüngere Generation, der an der Durchführung moderner wissenschaftlicher (historischer und PhilosophisäM) Gesichtspunkte im Bereich der jüdischen Geschichte begreiflicherweise am meisten liegen wird, die Anregung geben würde, um mit Hilfe des E. V. die materielle Unterstützung derartiger Forscherarbeit zu bewerkstelligen. Der Erlernung: weil Judentum nicht Angelegenheit einer tteineu Kaste von Gelehrten und Intellektuellen ist, sondern von alten Juden gekannt und gefühlt sein will. Hier wird cs unsere Aufgabe sein, neben den bestehenden Bilduugsinstituten jeglicher Art helfend einzugreisen. Vor allem aber wird neben dem Hinweis auf die „Quellen" des Judentums: Hebräisch, Bibel, Geschichte usw.. die Besprechung und Allswertung derjenigen modernen Schriften zu unternehmen fern, die neue Wege zur jüdischen Religion und jüdischen Gemeinschaft aufieigen. Es will manchmal so scheinen, als ob der geistige Elan, mit dem sich eine von der Jugend getragene Oessenttichkeit mit allen Strebungen neuer geistiger Haltung nach 191>i befaßte, geschwunden oder doch schwächer geworden ist. Und dabei sind wir Juden heute in Deutschland in Zus Liem //rircrii.' De/Mokck kVolF sV/-eLlaa).' Ltm Li/rrArragL/^a^s. — Koaeack Lloekr 7 Lu» Farnrneaar-bsit über» cü'e L,trk?cks§§?°ea2srr krinans. — F/ei/rL k^arrpL Das /eraiZLÜs ^xr§§uck/rei/n, — 7ko§eaber-S (Verein).' Der' s'dZK§kroBr§ckrrLk§ecka?rke.

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