Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 13 (1.4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 161 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlin, 1. April 1927 VL Jahrgang ♦ Kr. 13« i/ fjwil jji&H&JSUi f' J V^sasssasr/ txrnzelnummer 10 Brennig. AMWZmrr MM^LÄ^'LVM VierteNahrSabonnemrnl 1.20 NM. (zuzügl. Besiellgelü). Lerlaglr. SchrlstlelLung: Berlin 8VV 63, L-ndenftr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. DanNonto: Dresdner Bank, Wechselstube O, Berlin 8V/63, Linde^s!r. 7, und von Goldscmnidt.RothschUd L Lo., Berlin 8. . r. «n *r Alleinige Anzeigenannahme: <Knnoncen«GrpcDition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM für die 7grs?altene Zeile nach Rudolf MoffeS Kormalzeilenniesser Nr. 4, Familienanzeig'en und Etellengesuä^e (nicht CrellenangeLote) für Mitglieder d. Centraluereins O.45 JIM, die 90 mm breite Reklamezsile 4^0 mim Oie nationalsoziariftischen Ausschreitungen. — Sie arbeiten fieberhaft. - Kommunistische Agitatisns« form. — Graf Reventlow, der Sozialrevolutionär. — Blutrünstiger Judenhaß. — Keiner darf die Hände in den Schoß legen! i. In Nastätten mußten Landjäger in höchster Notwehr die Schußwaffe gegen Nationalsozialisten gevrauchen. Arglose jüdische Passanten trugen in Köln am hellichten Tage nationalsozialistische Messerstiche davon. Das Protokoll der Berliner Rettungswache 7 stellte bei dem am Umzugssonntage von Nationalsozialisten überfallenen durchreisenden polnischen Staatsangehörigen Dr. Adolf Eon Verlust eines Zahns, Wlmde am linken Auge, schwere Schädelverletzung, Verrenkungen an der Hand, Bruch des Nasenbeins") fest. Der Sohn des früheren tschechoslowakischen Kriegsministers Klofatsch wurde schwer mißhandelt. Mehrere friedliche Spaziergänger wurden blutiggeschlager?). Schon wieder werden aus Köln Verletzungen zweier jüdischer Geschäftsleute gemeldet. Und Adolf Hitler, der seine Getreuen zu solcher „Befreiung Deutschlands" zusammen„trommelt", redet Abend für Abend, heute m Nürnberg und morgen in München, jetzt in Koburg, und jetzt in Augsburg. „Die Erlösung durch das rote Hakenkreuzpanier" verspricht Straffer in Halberstadt und eilt mit dieser „Heilsbotschaft" weiter ins östliche Land der Hochöfen und Gruben. Dr. Ley, der glorreiche Held von Nastätten, wettert im Schatten des Kölner Doms gegen das „jüdische Verbrecherpack", und Dr. Goebbels, dem die Schande des blutigen Märzsonntags keine beneidenswerte Verantwortung auferlegt, bearbeitet unablässig die Groß-Berliner Arbeiterschaft mit Versammlung. Zeitung und Flugblatt. Die zweite und dritte nationalsozialistische Rednergarnitur ist voll eingesetzt. Die Mittel- und Kleinstädte, das flache Land, sind ihr zugewiesen. Aus den verschiedenen Teilen des Reiches wird über ihre prompte Arbeit berichtet. IL Wie wird agitiert? Der bekannte politische Schriftsteller Richard May schrieb uns dieser Tage: ' „Für den aufmerksamen Beobachter ergibt sich ein Wandel, der Nachdenken fordert. Namentlich gilt das von den Nationalsozialisten, die schon in ihrem Namen das deutlich genug zum Ausdruck bringen. Die sozialen Forderungen sind in den Vordergrund getreten.' Man versucht, die Notlage des deutschen Volles als letzte Rettung auszubeuten. Diese Völkischen sind heute ausgesprochen a n t i k a P i t a l i st i s ch, und ihre Anträge übertrumpfen häufig die der Kommunisten. Wenn man ne früher gelegentlich Rechtsbolschewisten oder Hakenkreuzkonnnunisten nannte, so war das mehr als ein Schlagwon. Tie Erfahrungen haben jedenfalls die Berechtigung dieser Bezeichnung erwiesen. ", Von den Kommunisten unterscheiden sie sich nur durch ihre soge- I „Welt oin Montag'. Nr. 13 vom 23. Klara t&27. *) „C. V.-Zeitung", Nr. 12 vom 25. März 1927. nannte nationale, in Wirklichkeit nationalistische Einstellung. Genau betrachtet, verwischt sich aber auch dieser Unterschied. Beide Parteien sehen in Rußland den künftigen Bundcsgenopen gegen die kapitalistischen Westmächte. Nur das Ziel ist nicht dassttbe. Die einen wollen das Deutsche Reich in dieser Bundesgenopenschast stärken, die anderen die Grenzen verwischen." Wie oft und laut wird jetzt in den nationalsozialistischen Sprechabenden, um kommunistische Arbeiter, um Erwerbslose zu ködern, versichert, der Unterschied zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus fei gering, letzten Endes „eigentlich" nicht vorhanden. Mit dem Kommunismus muffe die Schlacht gegen den Kapitalismus geschlagen werden; über den Kommunismus hinaus wolle der Nationalsozialismus den „jüdischen" Kapitalismus ins Herz treffen. Tie findigen Nationalsozialisten legen sich also, schließt der sachliche Beobachter, sozusagen in das (von den Kommunisten) gemachte Bett. Eine halbe Wahrheit; denn eifrig schneidern nationalsozialistische Meister selbst die Decken und Laken ihrer geistigen Schlafstelle. Man lese: „Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei auf dem rechten Wege ist, daß sie marschiert, daß ihr die ungebrochene und unbrechbare sozialrevolutionäre Energie innewohnt." „D'e Deutschvölkische Freiheitspartei wird ebensowenig wie bisher entgegengesetzte Gedanken, z. B. konservative, reaktionäre einerse.ts, national-sozialrevolutionäre Gedanken und Bestrebungen andererseits miteinander vereinigen können, noch auch wirklich wollen. Die Deutschvölkische Freiheitspartei wird nunmehr noch entschiedener und einheitlicher als bisher sich, jener konservativen, großgrundoesitzerlichen. krypto-kapitalistischcn Richtung nähern, für welche die deutsche Arbeitnehmerschaft im Grunde nach wie vor ein dienendes Glied im Nahmen der Gesamtbevölkerung bedeutet. Im Grunde ist der alte Kasten- und Eesellschaftsdünkel und Herrschaftsanspruch ungeschwächt vorhanden." . Das könnte, vielleicht mit blühenderen Worten und drohenderen Gebärden, die „No teFahno" geschrieben haben. Aber weffen begeisterter Feder entflogen diese Beteuerungen? Der des Grafen R e v e n t l o w, als er in den letzten Wochen denen um Gräfe und Wulle ein deutliches und kräftiges Lebewohl zurief und „sich ohne weiteres Herrn Adolf Hitler unterordnete", in einem Aufsatz, bei dem der Leser auf Schritt höftl Die rumänische Negierung <mt* rvllw vCIU *5H!/UlL wortet. Gin Brief des Generals Avcreseu. — Frau Dr. Lrrdcudorsf spricht! — Dr. Ernst Goldschuridt (Frankfurt a. M.), f>r. agrr. Hellmut Ep st ei n (Berlin), Rittergutsbesitzer Rudolf S. M o s s e .(Stangerihagen): Aufs Land?