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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-16 · 29 (16.7.1926) · p. Seite 388

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
29 (16.7.1926)
Date
1926-07-16
Page
Seite 388 (sequence 8)
Language
German
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sonderen Kennzeichnungen seiner Majestät zu den scharf begrenzten! BewußLseinseLenen unserer Sinne herniederziehen wollen. J Gelingt nun dem Dichter Eli Elkana in seinen Versbänden: / „Gottsucher" und „Jeschurun" (in Martin Salzmanns j Verlag, Dessau und Leipzig) dieses kühne, lyrische Abenteuer, und welche geistigen und seelischen Mittel zu glücklicher Ausfahrt und Landung seiner slugbereiten Phantasie schenkte ihm seine eigene Natur, welch' andere Gaben lieh er sich lediglich und welcher bedarf er noch heut? Wohl besitzt Eli Elkana als dichterischer Pilot die Fähigkeit, die treibenden Kräfte feiner Worte je nach Bedarf gashast zu verdichten oder zu verdünnen, wohl erweist er meist -ein sicheres Gefühl für den seelische und geistige Substanzen sorgsam sammelnden oder leicht verschwendenden Duft-, Farben-, Klang- und Bilder w er t der Sprache, wohl zeigt er eine außerordentliche Gewandtheit und fast verdächtige Uebergeschicklichkeit am Steuerrad des Reimes, aber ein zu wuchtiger Bildungsballast erschwert einstweilen den freien Aufschwung seines Phantasielustschiffs zu den Höhen der Metaphysik, : der wahren Heimat Gottes, und ein zu starkes Kulturbewußtsein . schwächt seinen Sinn für Natur und Ursprünglichkeit, und verhindert ihn am kosmischen Aufstieg zu letzter dichterischer Willensbefreiung im hymnischen Psalmenüberschwang oder in sternenchorhafter, jubelnd erdgelöster Musik. Vielmehr bleibt Elkana in seinen Versbänden eher eine epische, die Dinge und Menschen geruhig betrachtende, als sie begeistert besingende lyrische Natur. Daher sucht er bewußt oder unbewußt seinen Gott aus der Erde, und zwar in den Geschicken, bedeutsamen Erlebnisten und großen Gestalten Judas, im Sagenreichtum seiner Ahnen und in der Darstellung geschichtlicher, meist biblischer Bongänge, von deren S ch i l d e r u n g s k r a f t und G e st al t u ngsfähigtei t w ir t» teil eicht et n m al ei ne n jüdischen Epiker größeren Formats als des bisherig e n e r h o s f e n k ö n n e n. Um dieses Ziel zu erreichen, bedürfte er freilich noch eines weiten Weges mrd strenger Selbstzucht, die ihn ebenso vor beiläufigen Prosaismenwinkungen in lyrischen Versen (dem Vergleich der Atenorah mit einem „Frühlingscarmeu" [!]), wie vor melodischen Nachtönungen Heinefcher Grundklänge („Es rauschen die glitzernden Wellen / Im silbernen Mondenschein. / Steig in das Boot, Geliebte, / Sie laden zur Fahrt uns ein") und vor eindrucksleeren Gelegenheitsdichtungen („Die Weissagung von Kischinew" u. a.) fürderhin bewahren und mit der Vertiefung von Seele und Geist auch eine Erweiterung seiner formalen Grenzen erstreben müßte. Denn einstweilen beeinträchtigt eine zu geringe Abwechslung seiner fast ständigen Rhythmengleichmaße die Wirkungen seiner Strophen, und gerade wahre dichterische Erregungen, ihre AufWnge und Abgesänge, bedingen doch die seelischen Meeresspiele von Flut und Ebbe: Rarrsch und Ruhe. Jedenfalls erwuchs d er jü d isch en D ich t u n g in Eli Elkana eine Begabung, auf deren Entwicklung man gespannt sein darf. .Arthur Siwergleit. Gestalten unö Gsönnken in Israel. Die Stellung, die Kittel*) zur israekitisch-öiblischen Geschichte einnimmt, ist aus den diesem Buch vorausgehenden Werken über die nationale Entwicklung Israels und ans den religionsgesch-ichtlichen bzw. exegetisch-philologischen Beiträgen desselben Autors -bekannt. Die Gruppierung des «Ltofses zum.Zwecke der Darlegung der großen biblischen Persönlichkeiten gibt Gelegenheit, eine mehr persönlich, vom Geist eigener Welt- und Menschenaufsastung abgetönte Würdigung jener Gestalten vor uns Hinzubreiten. Darin liegt die Stärke wie die Schwäche dieser Leistung. Um mit dem zu beginnen, was uns an dem Buch nicht gefällt: Die Art und Weise, wie oft Taten, Gefühle, Charaktere jener L^enswelt aus Stimmungen oder häufiger noch Verstimmungen des Verfassers bezogen werden, erzeugt bisweilen ein Raisonnement, das zur Aufhellung der historischen Tatbestände kaum beiträgt, auch nicht eigentlich eine abgeklärte Weltweisheit verLndet, die solche subjektiven Meinungsäußerungen rechtfertigen würde. Um so bedeutsamer aber ist der Gewinn, den der Leser, der Kundige wie der interessierte Laie, von der Sache selbst durch Kittels Methode gewinnen muß. Was die Ergebnisse oder doch die Art und Weise der literarischen Behandlung der kritischen Biowissenschaft für den, der nicht leidenschaftlicher Forscher ist, meistens so ungenießbar gemacht hat, ist die Tatsache, daß mit Ausnahme der Propheten, die ja greifbar Gestalten von Fleisch und Blut sind, das meiste übrige uns vorgestellt wird nicht als Werk und Leben von Persönlichkeiten, sondern als Meinung, Tendenz, Fälschung, Jrrtmn, Berichtigung von Schulen rmb Richtungen, -als gefärbte Projektionen jüngster Enkwicklungstatsachen uns graue Vorzeit, kurz als Leistung und Daseinsäußerung eines großen 'Neutrums. Das ist vielleicht heute nicht mehr so schlimm wie noch vor Kwanzig Jahren; aber das erscheint uns doch gewiß, daß gerade die Erforschung der biblischen Religion wird darauf dringen müssen, zu dem eigentlichen Lebensguell der die. biblischen Gedanken tragenden Faktoren, d. h. zu lebendigen Persönlichkeiten vorzudringen. Wenn wir in Betracht ziehen, daß die Gestalt des Moses erst.wieder seit ein paar Jahren als eine wirkliche historische Größe gilt, als der echte Religionsstister, so müssen *) „Gestalten und Gedanken in Israel". Geschichte eines Volkes in Charakterbildern. Von R. Kittel. Quelle u. Meyer, Leipzig 1925. wir es begrüßen, baß Kittel diese Forschung nach dem eigentlich Urtümlichen und Lebendigen ausnimmt und sich besonders liebevoll für die großen Erzähler der pentateuchischen und der weiteren geschichtlichen Mteratur interessiert. Mutz der Forscher Rede und Antwort über real denkende und suhlende Wesen stehen, die gelebt und gelehrt haben, dann wird es schon vrel schwieriger sein, etwa die Schlderungskunst des „Iahmisten" in das Flickwerk eines halben Dutzends Mitglieder einer jahwistisehen Schule aufzulösen. Rücken aber wirkliche Menschen in Helles Licht der Betrachtung, dann mutz ihnen auch ein Inhalt des Daseins und 'des Wirkens zugestanden werden; und vieles von dem, was eine frühere Kritik als theoretische Spiegelung jüngster Ereignisse in grauer Vergangenheit degradiert hat, ist nunmehr keine Hypothese: Ist die Kunst des Schreibens bei den semitischen Nachbarstämmen der Israeliten um Jahrhunderte älter, als es noch vor kurzem angenommen, dann ergeben sich ganz andere Perspektiven; hat es, wie Kittel im Gegensatz zu vielen anderen annimmt, in der Wüstenzeit schon ein heiliges Zelt gegeben, dann werden sich auch Folgerungen über das Alter und die ursprüngliche Gestaltung gewisser Feste nicht umgehen lassen. Natürlich bedeutet das alles nicht etwa die Rückkehr zur traditionellen Auffassung; aber es ist doch unverkennbar eine gewisse konservative Tendenz, auf Grund deren es überhaupt erst möglich ist, sich daT Problem einer historisch-psychologischen Durchdringung der heiligen Gestalten aus vorprophetis-cher Zeit zu stellen. Max Wiener (Berlin). „Zeittafeln füt den Nnterrrcht in der jüdischen Geschichte und Literatur", von Dr. M. Stern, 2. Arrfl., Berlin 1925. Verlag des Harrsfrcnnd. Preis 40 Pfennig. — Aus 16 Seiten in Taschenbuchsormat gibt der Verfasser eine Stöffübersicht, die neben dem Lehrbuch eine wertvolle Hilfe für den Unterricht in der jüdischen Geschichte sein kann. Warum aber schließt die Zeittafel mit dem Jahre 1791 ab? Hört mit der Verleihung des Bürgerrechts an die französischen Juden die jüdische Geschichte etwa auf? St. Meine Lhronik. Paul Mühsam, der Dichter des „Ewigen Juden", „Gespräche mit Gott" und anderer wertvoller Werke, vollendet am 17. Juli seinen 50. Geburtstag« Wir wünschen dem Künstler, dessen tief ethische Dichtungen wohl geeignet sind, ausgleichend im öffentlichen Leben zu »wirken, weitere Jahrzehnte glücklichen und segensreichen Schaffens. — Moritz Nagel, seit fast drei Jahrzehnten, rühriges Mitglied der Ortsgruppe Elberfeld, beging in seltener körperlicher und geistiger Frische seinen 8b. Geburtstag. Wir wünschen dem alten treuen Freund noch ein langes, segensreiches Leben. — Am 20. Juli vollendet Gabriel P a ß - mann in Krefeld sein 96. Lebensjahr in geistiger und körperlicher Frische. — Am 1. Juli feierte Sanitätsrat Dr. L o e w e n st e i n in Herten (West« falen), Generaloberarzt der Reserve, Inspekteur der Vestischen Sauitätskolonnen, der sich als Mitglied des Ortsgruppeuvorstaudes In hervorragender Werfe für unsere Bewegung betätigt, seinen M. ^Geburtstag — Vor einigen Wochen rettete der 14jährige Sohn des Metzgermeisters Kaufmann in Koblenz- Metternich einen jungen Mann vom Tode des Ertrinkens in der hochgehenden, gerade an dieser Stelle gefährlichen Mosel. Am 5. Juli sprang der Metzgermeister Bruno Daniel «ns Koblenz einem durchgehenden Doppelspänner in die Zügel, bändigte die rasenden Pferde an der belebtesten Stelle der Stadt und verhütete damit namenloses Unglück. — Im Steifem von Vertretern der Staatsbehörden, der Stadtverwaltung des Roten Kreuzes, des Reichsbanners und zahlreicher Gemeindemitglieder der Israelitischen Religionsgesellschaft fand auf dem jüdischen Friedhofe am Tannen h os in Plauen i. V. die Wethe eines Ehrenmals für die gefallenen jüdischen Gemeindemitglieder statt. Nach der Festrede des Predigers H eim au n und Landgerichtsrats Dr. Löwent h al überbrachte Rabbiner Dr. G old ma n n (Leipzig) als Vertreter des Verbandes Israelitischer Gemeinden -Sachsens auch die Grütze des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde zu Leipzig. — In Hop p st ä d t t n a. d. Rays wurde ein Denkmal für die Gefallenen des Ortes errichtet. Vet oer Ctnweihung des Denkmals gedachten Pastor 'Zell und Landrabbiner Dr. Lewlu. sowie Pfarrer Lengler der gefallenen Bürger. Die gesamte StadtMmernve nahm an der Feier teil. Zn der Tagespresse fand besonders die Rede des Dr. Lew in lebhaften Widerhall. — Am 6. Juli wurden in L a u gen d o r f (O.-S.) ein Denkmal für die Gefallenen durch den Kriegerverein Langendorf und eins Gedenktafel für die i ü d iff ch e n G e f«l I e n en enthüllt. Abordnungen sämtlicher Vereine aller Konfessionen mit Ihren Fahnen und die Vertreter der Behörden nahmen cm der Feier tit der Synagoge teil. Besonders groß war die Teilnahme der Landbevölkerung. Rabbiner Dr. Och s (Geiwitz) hielt die Weihrede. — Zn Köslin starb am 4. Juli Im Alter von 80 Jahren Eduard B a r u ch. Er war lange Zähre Repräsentant der Gemeinde und das älteste 'Mitglied unseres Eentralvereins. Die groß« Beteiligung aller Kreise bei feiner Beerdigung zeugte von der Liebe, die der Verstorbene sich im Leben zu erwerben verstanden hatte. Wir werden sein Andenken stets in -Ehren halten. Warnurm. Ein Bahnsekretär a. D. besucht unter Vorlage einer einmal von ihm veröffentlichten judenfreundlichen Notiz häufig unsere Glaubensgenossen in Bayern, um auf diese Weise Unterstützung zu erlangen. Wir machen hieraus aufmerksam, weil wir der Meinung sind, daß ein solches Verfahren keine Förderung verdient. Selbst starke Aufgüsse von Kaffee Hag. dem coffeinfreien Bohnenkaffee, verursachen keine Störung des Allgemeinbefindens oder der Herztätigkeit. weil das Coffein fehlt Erste Mediz. Klinik der €ü§strit& Berlin

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