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Central-Verein-Zeitung · 1937-12-23 · 51 (23.12.1937) · p. Seite 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
51 (23.12.1937)
Date
1937-12-23
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seit© 12 C-V.-Zefojng "Nr. 5V* 23, Dezember 1937. in einem schmalen Band gross und ohne Pathos die Jüdin zur Gestalt, gemacht, und über das allgemein Belehrende der Arbeit hinweg bebt sich der eigentliche und bleibende \Vert des Buches. Wer. ob Mann oder Frau, das Grundwesen des jüdischen Weibes an sich zu erkennen sucht, wird in diesem Werk eine volle und klärend'"1 Antwort finden. (Joachim Goldstein, Jüdischer Buchverlag. Berlin 1087.) Mala Laaser. Von der jüdischen Liebe / von Leo Hirsch Blick auf die Frauenarbeit in der Weit "Wie wir bereits berichteten, wurde bei der diesjährigen Versammlung, des Völkerbundes auch der. Status "der Frau behandelt. Der.. Besprechung, welche im Recbtsausschuss stattfand, lagen Berichte von 27 europäischen und 7 nord- und südamerikanischen Staaten saigrunde, auserdem lagen vier Berichte aus Asien, zwei aus Afrika und eine Untersuchung aus Australien vor. Die Berichterstattung war der schwedischen Delegierten Kersten Hesseigren übertragen. Nach langen Erörterungen wrurde p;ne juristische Sachverständigenkommission eingesetzt, der Männer und Frauen angehören, und die durch weitere Sachverständige ergänzt werden soll. Die Probleme der Frauenarbeit und der Staatsangehörigkeit der Ehefrau sollen bei den Untersuchungen ausgeschieden werden. Die ers.tere Frage wird bereits iu einer internationalen Erhebung des Internationalen Arbeitsamtes behandelt " auch das Staatsangehörigkeitsproblem der verheirateten Frau ist schon Gegenstand einer Untersuchung. Ueber die Schulpflicht in verschiedenen Ländern bringt die Zeitschrift ..Soziale Arbeit" eine kleine üebersient. In Frankreich bereitet mau die "Verlängerung der Schulpflicht auf acht, Jahre vor, in England beträgt die Schulpflicht seit 1936 neun Jahre, jedoch kann die örtliche Schulverwaltung den Schüler mit dem 14. Lebensjahr aus der Schule entlassen, wenn die Eltern seinen üebergang in den Beruf wünschen. Aber der Abschluss der Schulzeit mit dem 1.5. Lebensjahre soll die Regel sein. Auf einem Frauentag iu Zürich w7urde~eine Resolution angenommen, die für die Schweiz eine Heraufsetzung des Mindestalters für den Eintritt ins Erwerbsieben vom 14. auf das 15. Lebensjahr verlangt. Die Novembernummer ..Der Frau" bringt einen Gedenkartikel für Anni Furuhjeim, die in der Frauenbewegung Schwedens und Finnlands eine grosse Rolle gespielt hat. und sich insbesondere als Vorstandsmitglied des Weltbundes für Frauenstinimrecht und staatsbürgerliche Frauenarbeit ausserordentliche Verdienste erworben hat. In Frankreich wurde gemeinsam von den Ministern des öffentlichen Gesundheitswesens, der Justiz und der Erziehung ein Beirat für den Jugendscbutz gebildet. Ihm obliegt die zusammenfassende Behandlung der Probleme der Jugendwoblfahrt Vizepräsidentinnen des Beirates"sind zwei Frauen, und zwrar Mme. Brunschwieg, früher Unterstaatssekretärin im Bildungsminisieriurn und Mme. Suzanne Lacore, welche denselben Posten im Gesundheitsministerium bekleidete. H. St 30 Jahre Isenburg Am "29. November t'aud in der Arnoid-Lazarus-Halle in Frankfurt am Main eine schlichte akademische Feier anlässlich des 80 jährigen Bestehens des Isenburger Hof ms' des Jüdischen Frauenbundes statt. . Zahlreiche Mitglieder. der Frankfurter Gemeinden hatten sich eingefundeu: Vertreter von Organisationen, der Reichsvertretung, des Gemeindevorstandes, der Gemeindevertretung, der israelitischen. Religionsgesellschaft und verschiedener Frauenvereine brachten in herzlicher Weise ihre Glückwünsche dar. Gesangsvorträge' von Anneliese Bender eröffneten und beschlossen die Feier. Inmitten dichter grüner Blattgewächse stand die Büste der Schöpferin und Gründerin des Heims, Bertha Pappenh eim. Die Vorsitzende der Heimkommission, Paula N a s s a u e r - N i e d. e r m a y e r begrüsste die Anwesenden, dann nahm die Geschäftsführerin des Jüdischen Frauenbundes, Hannah K-arrn.inski (Berlin) das Wort zu ihrer gross, angelegten. Rede. Aus ihrer langjährigen engen Verbundenheit mit Bertha Pappenheim und dem isenburger Heim, erschien sie .als die Berufenste" das Bild dieser sozial-pädagogischen Arbeit zu entwerfen. Ihre Darstellung war so plastisch und lebendig, dass „Isenburg" mit seinen vielfältigen Insassen, dem Säugling, dem Kleinkind, dem Schulkind, den Jugendlichen und den Müttern vor dem inneren Auge zu erstehen schien. Nur wenige Zahlen wurden genannt: Am 1. November <L J. wurde in der Geschäftsstelle, des Isenburger Heims die 1665. Aufnahme verzeichnet So haben weit über 1000 Pfleglinge in den 30 Jahren in Isenburg ein Heim sefürjden. 252 kamen, als Schwangere oder Mütter, ferner 874 Säuglinge, 441 Kleinkinder, 199 Schulmädcheu. 392 "weibische Jugendliche. Gegenwärtig befinden sich in Isenburg 87 Pfleglinge. .^Schutz und Erziehung" ist der Leitgedanke, den Bertha Pappenheim. Isenburg zugrunde legte. Alle Altersstufen sind im Heim vertreten, und das sorgende, erzieherische, beschützende Wajten umfasst sie alle. Bertha Pappenheim hatte eine Schule irn Heim immer abgelehnt um die Kinder dem Leben nicht zu entfremden. Nach der Schulentlassung sollen die Mädchen, wenn möglich, noch ein Lehrjahr in Isenburg verbringen, und während dieser Zeit in Haushalt, Küriie, Näbstube und Wäscherei in dem weitverzweigten Heimbetrieb soviel lernen, dass sie dann" als Hausangestellte ihr Brot verdienen können. Diese Gruppe der Jugendlichen — gefährdete Jugendliche — bildeten die ersten Iseriburger Zöglinge. Zwangsweise Einweisungen nach Isenburg gibt es nicht die Mädchen müssen kommen wo Ifen, und wenn das Eingewöhnen auch meist schwer ist so hilft ihnen "doch die Heim-Atmosphäre, der Ablauf von Alltag und Festtagen, und deren echt jüdische Ausgestaltung über den Gegensatz zu ihrem früheren Leben hinweg. Schwierig ist die Frage der Mitarbeiterinnen für Isenburg; es müssen — so sagte Hannah Karmins.ki — junge Menschen für die Arbeit gewonnen werden, die allerdings manchen Verzicht verlangt denn, das Heimleben ist in gewissem Sinne eine abgeschlossene Welt. Aber Isenburg bedeutet für die weibliche Jugend unserer Zeit eine so gute Arbeits- und Ausbildungsstätte: dies bezeugen viele Briefe ehemaliger Mitarbeiterinnen. Die Zahl der Freunde von Isenburg muss wachsen, sagte Haniiah Karminski am Schlüsse ihrer fesselnden Ausführungen, zur Minderung der finanziellen Last,-aber"auch zur Stärkimg der Front des Vertrauens, deren dieses Heim in besonderem Masse zur Weiterführung seiner Arbeit, bedarf. Vertrauen, gepaart mit Kritik und Verstehen, um neben dem „sichtbaren" Isenburg auch das ..unsichtbare" zu erkennen. Stephanie Forehheimer. x Eine stattliche Frauenversammlung, zu der der Stadtverband jüdischer Frauenvereine Gross- Harnburgs und die gesamten jüdischen Franen- . Organisationen geladen hatten, fand sich zu dem Vortrag von Hannah Karniinski. Berlin, über „Die jüdische Frau im Aufbruch und Aufbau'" zusammen ...Aufbruch" und ..Aufbau" so führte sie sus. charakterisieren die seelische Situation des jüdischen Menschen heute. In jedem Aufbruch £,ei das Gefühl der Unsicherheit, der Ungewissheit mit enthalten, aber das Positive der Auf- .brwhs- und Aufbaustimniung unseres Zeiterlebens müsse überwiegen. Neben dem grossen fürsorgerischen Aufgabenkreis stehen die besonderen Aufgaben der Frauen- und Jugendauswanderung sowie die seelische und geistige Betreuung der alleinstehenden Frauen. Die des Vortrags würdige Aussprache wurde von der Vorsitzenden des "Stadtverbandes. Dr. Rebecca Zadik vorzüglich geleitet. S.E. In der Chanukkafeier der Frauen- und Ortsgruppe Königsberg. Pr., des Jüdischen Central- Vereins. hielt. Dr. Max Ange rthal die Festrede über ..Die Makkabäer". Die Feier wurde von der stellvertretenden Vorsitzenden des Frauenbundes, Etta Taubmanil, mit der Begrüssung der Gäste eröffnet. — h. Die jüdische Vorschule Cläre Lehmann Hamburg-Harvestehude konnte ihr 20jähriges Bestehen feiern. Unter zahlreicher Teilnahme von Eltern und. Freunden der Schule fanden gymnastische Uebungen und musikalische Darbietungen, statt. Die verdienstvolle Leiterin wurde durch starken Beifall belohnt und gefeiert Im Lehrhaushalt von Hanna Loewe, Bcrlin-Halen- •*ee, beginnt am 3. Januar «in Spezialkursus zur Ausbildung von Personal für Hotel- und Pensionsbetriebe. An dem Kursos wird eine Küche angeschlossen, die tägl-W) 4.0 bis 50 Personen speist. Anmeldungen nur von Teilnehmern, die bereit sind, jegliche vorkommende Arbeit mitzumarhen,-rechtzeitig erbeten. Tagungsbericht der Jugend Alija Aus einem ausführlichen Bericht über die zweite Jugend-Alija-Konferenz, die in Zürich vom 23. bis 25. August stattgefunden hat, ergibt sich, dass die Jugend-Alija seit 1933 1764 Jugendliebe nach Palästina gebracht hat. In dem gleichen Zeitraum sind insgesamt etwa 132 000 Pfund Sterling für die Jugend-Alija verausgabt worden. Der Tagungsbericht, der von der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alija (Berlin-Charlottenburg. Kantstrasse 158) herausgegeben ist, enthält insbesondere die Referate von Henriette Szold, Dr. Werner Senator, Dr. Georg Landauer und Eva Stern. Ein BÜnder und ein Lahmer wandern ge-- meinsam, der Lahme führt den Blinden, der Blinde stützt den Lahmen, der Blinde stöhnt: ..Oh, bin ich durstig!*', der Lahme stöhnt: „Oh, bin ich müde!", der Blinde tröstet: „Was beissi müde? Wir kommen ins nächste Dorf, und du legst dich schlafen", und der Lahme tröstet: ..Was heisst durstig? Wir kommen ins nächste Dorf, uud du trinkst Milch." Fragt der Blinde: ..Was ist das, Milch?" „Das weisst du nicht?" sagt der Lahme, „ich werde es dir erklären: Milch ist eine weisse Flüssigkeit" „Was eine Flüssigkeit ist", sagt der Blinde, „das weiss ich, aber was ist weiss?" „Werde ich dir erklären. Weisst du, was ein Schwan ist?" „Was ist ein Schwan?" „Ein Schwan ist ein Vogel mit einem krummen Hals." „Was ein Hals ist, weiss ich. Aber krumm, was ist krumm?" „Werde ich dir erklären.. Streck deinen Arm aus! So, siehst du. das ist gerade. Krumm aber ist Gegenteil von gerade. Biege deinen Arm ein! So, siehst du, das ist krumm. Das ist doch ganz einfach, siehst du?" — „Danke", sagt der Blinde, „jetzt weiss ich, was Milch ist." Und Liebe ist... Wie soll man erklären, was Liebe ist? Jüdische Liebe. Liebe ist, nein, nicht blind. Die jüdische Liebe ist nicht bind. Und die Juden wären blind für die Liebe? Es ist eine unsäglich ernste, feierliche und festtägliche Frage, und wir wollen gleich anfangen, allen Schutt und Schimmel wegzuräumen, der über diese Frauen- und Judenfrage im Laufe verurteilender Jahrhunderte ausgeschüttet worden ist. Man sagt gewöhnlich, Familienleben und gutes Einvernehmen 'in der Ehe, ja, das wäre wohl jüdisch, aber Liebe? Davon hätten unsere Voreltern und Urahnen nie eine Ahnung gehabt. Dafür gehe dem Judentum das Gefühl ab, und zum Ersatz für dieses Gefühl diene der Schadehen, die ehrenamtliche oder gewerbsmässige Ehestiiterei. Aber wie war und wie ist es wirklich? Wenn man unter . Liebe etwas romantisch Literarisches versteht, ein troubadourliches Idol, eine üebersteigerung ä la Toggenburg, eine Donquijoierie oder, sagen wir, einen Dulcineismus (auf den der „Don Quijote" aber die Parodie ist!), so ist dergleichen dem Judentum allerdings fremd. Aber ist das Liebe? „Die" Liebe? Aber wenn Jakob so viele Jahre um Rahel diente und ihr so nachtrauerte, wie wir es uns in den ersten biblischen Gescbichtsstunden einprägen Hessen, was war das wenn nicht Liebe? Und wenn die brausende Inbrunst des Hohenliedes nicht Liebe ist was ist dann Liebe? Ja, damals, sagt man uns wohl, als wir noch unser eigenes. Reich hatten, war alles gesund und normal. Aber; der Talmud? Als wir uns hinter den Zaun, hinter die Buchstaben des Gesetzes verkrochen und unser Paragraphendasein anfingen? Eine Liebesgeschichte aus dem Talmud: Es waren ein Mann und eine Frau, die hatten einander sehr lieb, aber sie hatten keine Kinder. Da nun die ersten zehn Jahre um waren und die nach zehn Jahren fruchtlose Ehe nach dem Gesetz geschieden wurde, weinten beide, und der Mann sagte zur Frau: „Bleib noch heute bei mir,' und morgen in aller Frühe magst du wieder zu den Deinen heimgehn, wie es das Gesetz gebietet, und nimm, das aus meinem Hause mit, was dir das Liebste darin ist." Andern Morgens erwachte der Mann, erstaunt sah er sich um und war nicht mehr in seinem Hause. Ihn selbst, der ihr das Liebste in seinem Hause war. hatte die Frau zu den Ihrigen mitgenommen. Und doch hatten unsere Voreltern, kein Gefühl für „Liebe", wrerden Ehen im Osten durch Vermittlung, bei den Chassidim nach der Bestimmung des Rabbi geschlossen, kennen. Braut und Bräutigam einander vielfach nicht, ehe sie getraut werden, spielt die Mitgift die erste Rolle HAUSSAMMLUNG FÜR DIE JÜDISCHE WINTERHILFE OER JÜDISCHEN GEMEINDE ZU BERLIN Geffne deine Tür unserem Haussammler Am Sonata2- 26. Dezember findet die Dezember Haussammlung statt. Ermöglicht der Jüdischen Winterhilfe durch regelmässige Gaben, ihre Aufgaben zu erfüllen. Sammlerlegitimation erfolgt durch unterstempelten und unterschriebenen braunen Licbtbildausweis. Für jeden Betrag 'erhält der Spendet eine goldgelbe Quittung mit Aufdruck des erhaltener, Wertes. Radio-Apparate und Lautsprecher •spendet man für die alten und kranken Betreuten der Jüdischen Winterhilfe. (Keine Kopfhörer und Detektor-Apparate.) Anruf erbittet: Jüdische Winterhilfe, Abteilung Radio, Berlin C 2, Heidereutergasse 5, Telephon 41-67 11 (Apparat 74), Spenden der Jüdischen Winterhilfe Berlin im Oktober/November Im ^lonat Oktober verteilte die Jüdische Winterhilfe Berlin an Kohiengutscheinen 7775, im Monat November 10 648.' Es wurden ferner im November 2-3 866 Leben smittclgut.seheine ausgegeben, sowie 9000 Zentner Kartoffeln den Betreuten für einen geringen Fuhrlohn ins Haus gebracht. — Zu Chanukka hat die Jüdische Winterhilfe mit dem Jüdischen Wohlfahrtsamt die Kinder ihrer Betreuten mit Kleidung. Spielzeug und Lebensmittelpaketen beschenkt- — Ferner wurden Hachschara-Zentren durch Zusendung von Süssigkeiten, sowie Cbanukkaleuchtern und Lichtern zur Verteilung an die auf Haehschara . befindlichen Chaluzim bedacht. — Auch die Insissen der Altersheime der Jüdischen Gemeinde sind mit Kleidung versehen, sowie eine grosse Anzahl weiterer Heime mit Gaben beschenkt worden. Denkt an die Jüdische Winterhilfe Bei allen Familienfestlicbkeiten und allen jüdischen Veranstaltungen gedenkt der Jüdischen Winterhilfe. Anruf zwecks näherer Auskunft: Jüdische Winterhilfe, Telephon 41 6711 (Apparat 33). Jüdisches Wohlfahrts- und Jugendamt Berlin In den Bezirksstellen des Jüdischen Wohlfahrtsamts Berlin wurden in Gemeinschaft mit der Jüdischen Winterhilfe 3400 Kinder zu Cbannukka mit notwendigen Kleidungsstücken versehen. Jedes Kind erhielt ein grösseres Kleidungsstück, einige kleinere Sachen an Wäsche oder Kleidung eine Tüte Schokolade, Obst und Pfefferkuchen und ein seinem Alter entsprechendes Spielzeug oder Bu^h. Ferner wurden die iüdiseben Insnwn der städtischen Heil- und PflegeanstaUei: und n<i>pifii>r mit. einer klonen Gabe an Süßigkeiten i'^lm-ht. Hierbei" wnr Ü»h «twa 500 Personen beschenkt. uod gelten. Liebesgediente, Romane und Tra- ' gödien als „Narrischkeit", wenn nicht als sündhafter, Firlefanz usw. Also? — Dabist zu sagen: Man kann in dieser Hinsicht überhaupt kein allgemeines Urteil abgeben, denn es sind zwar die Eheschliessungen, aber nicht die Liebe statistisch erfassbar. Ferner: in vielen Völkern und immer iu den unteren und höchsten Volksschichten ist die Liebe gemeinhin kein für die Eheschliessung in Betracht kommender Faktor. Und istdenr< Liebe überhaupt und selbst in den sozial dal&> privilegierten Schichten eine so allgemeine Erscheinung? Wir meinen, wirkliche Liebe ist sö selten wie wirkliches Talent und wie überhaupt echtes Gemüt Gewiss ist nur eine Minderzahl von Menschen wirklich blind, so dass ihnen nicht weiszumachen ist, was weiss ist, was Milch eist» Aber kann darum die Mehrzahl der Menschen, die Augen im Kopie haben, wirklich sehen? Und von der Liebe ist offenbar nicht viel -airf Abend Ich bin müde. — Herr, der Tag war. laiig! Gib mir festen Schlaf und sanfte Rnn'-: -~ Ich tat meine Pflicht. Gelingen gibst nur du; Macht ich's manchem heute nicht zu Dank. D u weisst, Vater, dass ich guten Willens bin! Mehr vermag kein Irdischer zu geben — ~ Lass jetzt einen schönen Traum, hernieder schweben.,. P i c h zu ahnen ist des Lebens tiefster. Sinn. Lis-e Lewinn eck-Königsherg (Pr.) Erden nötig, sonst gäbe es wohl mehr. Die Juden allerdings haben, da sie sonst wenig haben, noch einmal soviel nötig, nur allerdings eine eigpne SorJe. Die Kulturgeschichte der jüdischen Liebe beginnt mit der strengen Abkehr von den Leidenschaften der antiken Umwelt. Die Antike hat in asiatischen und griechisch-römischen Kulten "die Liebe vergottet Die christliche Antwort darauf war die radikale Ehtgottung und Verteuf elung der Liebe, die Askese. Das Judentum ist' der üeberhiizung der Liebe gleich fern wie der puritanischen Vereisung, und dank'ihrer freundlichen Wärme und-heiligen Nüchternheit wurde die jüdische Ehe, das Familienleben eins derentscheidenden Momente für unsern Bestand, Und die Liebe? Man kann sie, wie gesagt, statistisch nicht erfassen.. Dass sie deswegen entbehrt, worden wäre, ist aber ein schlechter Schiuss. Auel; hat sie etwas Heini liches und geht ungreifbar und ging immer in unseren Menschen uan, sogar mit allem seltsamen Zauber abgelebter Zeiten, sogar, wie.mancherlei, volkstümliche Geschichten berichten, auchals Liebeszauber, verkleidet Dann wieder in einer Weise, für die sich, das mittelalterliche Judentum eine eigene Vorstellungswelt gestaltete:-als Dybuk. Und das:weitbekannfe Dybukdrama von An-ski ist nur eine letzte Darstellung des Motivs vom Geist'-eines Toten, der in einen Lebenden fährt, in den Menschen seiner Liebe, die über den Tod hinaus lebt; tatsächlich würde das uns seit Jahrhunderten nur zufällig und nebenbei überlieferte Material über derartige historische, s.tattgefundene oder geglaubte Erscheinungen,, viele Bändefüllen. Nimmt man Derartiges als. eine Entartung der Liebe, so ist es fast die einzige;, die das Judentum aufzuweisen hat und so abnorm sie dem Psychologen — der von heute, her urteilt — erscheinen mag, so faszinierend bleibt sie doch dem allgemeinen Betrachter. Etwas Troubadour-Aehnliches, die:. enthusiastische Sonderung -und . Ueberbetonung der Liebe gibt es in der jüdischen.Literatur, erst sej-t dem Niedergang der Jüdisckkeit Jehuda Halewi hat nur Hochzeitslieder gedichtet, sehr schöne allerdings. Eine rein erotische und nicht mehr erotisch reine Poesie von Juden gibt es erst seit hundert Jahren. Ist das Liebe? Ist das jüdischeLiebe? Und doch muss man' verstehen, wie es dazu kam. Die allgemeine Verwirrung des sozialen und religiösen Lebens, die Erstarrung und Entwertung aller sittlichen Normen hatte auf der einen Seite die Vefspiessung und "Verknö'eherurig, die' Gefühllosigkeit selbst in der eigensten Domäne des' Gefühls zur Folge, und es konnte der für'jüdische Auffassung geradezu groteske' Gegensatz zwischen Ehe und Liebe entstehen; auf der anderen "Seite aber musste ein .Ausgleich geschaffen wrerden, und aus der Enge des kaum gesprengten Ghettos schoss übersehwänglich blütenstrotzend die Gefühlspoesie Heines, der jiddischen und ein wenig auch der hebräischen Lyriker und Romanciersempor. Und doch ist auch hier noch der Ueberschwaug jüdisch; gedämpft die jahrtausendalte' jüdische Schamhaftigkeit lässt selbst in der Liebesdichtung Heines das dringende Gefühl uicht ohne den Schatten von wehmütiger Ironie ans Licht und lässt die echten jididschen Liebesdichter nur verhaltprif Mollmelodien finden: " '".'' ' Dein Herz mit meinem ... Zusammengebunden. Und keiner weiss - '.-."■'. -..r Von unseren Wundon.

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