Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 47 (25.11.1937)
- Date
- 1937-11-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sdutäd fteude w CUaMMal^ AiMtLeW'*t^ Hl ää P^. ^^Kr.U Jahrfmnff 7 1fr. 49. 25. NovcmW IMT reis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS dF^Sff^SW'lf S^IfR, SrbriftleUiinjr. AMflpefliruuhmP, VrrtnVHubfcitunirV TVrtin \V!.'». Kmvr Sir. 4C. Frrtwpr.: WHl II—Trtrirr.-Adr.: Centrale! m»»m. Nt-rlm. Pw»i.vhr.-UU.mirn: P. «■ (Rflli h iiBn!Wl °™r' ArnboW." Berlin \V?. Dio CV, 2,«itnnt: rrvhrlnl wodirntllch jin U.nn.r.i.nc. Ilrdiktlnruvhl««»: lUrn-U«. ll.»li-!lnmr. n •.imtnl tWinn m..| .1.. .....I. »«urcL .dio Vfl%U die die Gebühren dim* den l\*tboten orhobt. tw^fmrrl<«\ionrij bri.M (jpf. ....n« hi. i K»«r l,..»t/.'itiii,t«.c-'i»'iiir /u/nci i> l.>r i:.-:.-:ivr.*NJ l nr .\u-i n,i m. n. ij yw.ihruag) einMbl. Ziutcllfrcbuhrcn. Einwlnurorot-r löRpf. -Au^nd *» KpM. Im Fall*» h»h. i;.-«.-iit i><-m. ht krin .\«i.(.rin-ii .mf Nadiii.r. .«i!.'m-k>< r<l.-r t-./.ihm •, im...-. \» I2grc*p. nim-Xcile 30 Rpf., f. StcllenfWU'-he lOKpf.. f. Kjunilk'nan^iitew 16 Kpf.. «Aoil. rrnr.v. «Jruti.lpr.-i«. Pri-i«!. Kni/f l.iM/r!««-n nur e<>i:. Vor.iiiv.ihl. - An vlRrnM-hluv»: Ium, i r:.i/ u. I :«>."il. V r.i e 7701.-». Zü r! f t <• . iiic.-fni. Zu^trllunx f>rf**l«t I •iiin.-.Ti . linci in <Iir Ij.n<if*- •»••■Ixjlirrn: IV. isl. .'. yulti»:. f.H* r-.l.tifiri. ..!,„.. \ ( rl.in.Ilirhkflt. Makkabäisehe Idee und Wirklichkeit Ist es.nicht-merkwflrdfjr, dass alljährlich, .wenn wir Chanukka feiern, zugleich die Frage nach dem Sinn dieses Festes unter uns laut wird? Im Gegensatz zu den Festtagen, deren symbolischer behalt mannigfache Deutungen zulässt, ist "seine Bedeutung dem Anschein nach vollkommen klar: es ist ein historisches Erinnerungsfest, das an ein einmaliges und verhältnismässig gut überliefertes Ereignis unserer Geschichte anknüpft, Fest der Weihe des wiedergewonnenen Tempels. Wie ist es nun möglich, dass ein Ereignis, das nicht im Zwielicht mythischen Geschehens, sondern im klaren Licht der Geschichte sich abgespielt hat, immer wieder zu erneuten Fragen nach seinem Sinn und Hintergrund herausfordert? Es ist eben, zunächst allgemein, ein Zeichen für die Lebendigkeit unserer Feste, dass sie uns zu einem niemals endenden Nachdenken über ihre Bedeutung nötigen. Wären sie tote mechanische Formel, leere Uebung einer starr und inhaltlos gewordenen Konvention, so würden sofort die geistigen Kämpfe um die Ergründung ihres Sinnes aufhören. Diese Feststellung gilt für Chanukka in erhöhtem' Mas'se.' Sie erklärt' die immer wiederkehrenden Bemühungen, die auf eine Deutung seines Inhaits abzielen. Chanukka ist deshalb ganz besonders volkstümlich und lebendig, weil es, obwohl es, wie erwähnt, ein bestimmtes historisches Ereignis verherrlicht, dennoch mit allen grundlegenden Fragen unserer Glaubensgeschichte im Zusammenhang steht. •Von der Errettung unseres Glaubens aus schwerster Gefahr berichtet uns die Chanukka-Geschichte. Aber jene Gefährdung des Glaubens, die hier an einem besonders deutlichen Beispiel dargetan wird, ist eigentlich von jeher das Kennzeichen unserer Glaubensgeschichte gewesen. Die geschichtlichen Bücher unserer heiligen Ueberlieferung sind erfüllt von Bedrohungen der Existenz und der Einzigartigkeit unseres Glaubens. Der Bund zwischen dem einzigen Gott und einer zahlenmäßig geringen Gemeinschaft steht am Anfang unserer Glaubensgeschichte. Die Wahrung dieses Bundes legt dem kleinen israelitischen Volke inmitten einer ganz anders denkenden und religiös empfindenden Umwelt eine schwere Verpflichtung auf. Immer wieder tritt daher in der älteren Zeit unserer Geschichte an das kleine Volk die Versuchung heran, die Last, des Bundes abzuschütteln und fremden Göttern zu huldigen. Baal heisst der grosse Versucher, dem das Volk, von pflichtvergessenen Königen irregeleitet, immer von ueuem erliegt. Das ist die Situation unserer älteren - Geschichtszeit: Bund zwischen Volk und Gott als Aufgabe und sittliche Verpflichtung; in der geschichtlichen Wirklichkeit aber: Gefährdung des. Bundes durch die . Einwirkung eines fremden und verlockenden theologischen Systems! Zwei mächtige 'Gegenbewegungen hat die Neigung des 1 In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Di* Aufsätze: ■'; Franz Landsberger: Alte Chanükkaleuchter . Hans Freyhan: Eugen Onegin im Ber- -JineriKulturbund — Leo Rein: Die jüdische .■ Volksliteratur '(Fortsetzung) — Vera Oaey^riert Fünf Minuten vor chanukka — Eva fReichmann-Jungmann: Polöstinafahrt, Ruck- Eschau Max* Goldstein: Wande*fG* llwerbeschein, Legitimationskarte und Stadt- &7|i;:v. hausierschein I|<j|^v* *'* Di* Btilagint Daii Blattder Jüdischen Frau.— Palästina* * Umschau; — .Sportblatt'— Schachecke — ......WirtKhaft der Woche — Kinderblatt Volkes, vom Bunde abzufallen, auf d«»n Plan gerufen. In dramatischer Auseinandersetzung mit dem den Bund gefährdenden Banlsdienst ist zunächst die gewaltigste geistige Hervorbringung unserer Glaubensgeschichte entstanden: die prophetische Religiosität. Die grossen Propheten sind Einsame und Geisteshelden, die unter Hintansetzung ihrer eigenen Person dp' Verkündung und Verteidigung des einzigen Gottes auf ihr Panier geschrieben haben. Sie sind keineswegs träumend«:Phantasten, sondern sie leben in der politischen Wirklichkeit ihrer Zeit. Warum — so stellen sie sich selbst die Frage — erliegt das Volk der Versuchung und fällt vom Bunde ah? Es ist — so antworten sie — die ungeheure Not des Volkes, die es zum Abfall reif macht. Das aber lehren die Propheten: die Not der Zeit als eine Prüfung des einzigen Gottes zu empfinden: l.*eh<-rwindung der Gefährdung des Glaubens, das ist — so verkünden sie — die echte Bewährung vor Gott. Und gerade weil die Propheten das Elend der diesseitigen Welt und die Not des Volkes, das in ihr lebt, genau kennen, spen_den t sie dan Trcst der/ eiwtfigfciy ttr- 1-jsu-;} '-m irdischen Leiden, denn ohne Hoffnung kann keine menschliche Gemeinschaft existieren. Das ist ihre positive Mission. Zu dieser mächtigsten Bewegung gegen den Abfall vom Glauben kommt nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil ein« zweite hinzu: es ist die Einsetzung der Tora als grundlegendes Religionsgesetz, die Esra, ,.der Schreiber", vornahm. Gleich einer Mauer sollte das Gesetz nach Esras Willen die Kinder Israels vor dem Abfall bewahren. Deshalb verbot er den Umgang mit den Heiden und die Mischehe mit heidnische» Frauen. Während aber in den 0*> .barungen der Propheten der reissende Strom des religiösen Gefühls sich Bahn brach, ist Esra ein religiöser Diktator gewesen, dessen Werk das Gepräge eines intellektuellen Verstandesmenschen aufweist. Diese vier Grundtatsachen unserer älteren Glaubensgeschichte — Bund zwischen Volk und Gott, Gefährdung des Bun< es von aussen her. die prophetische Reaktion und die Verpflichtung des Volkes auf da» Geset7 —: sie bilden die Voraussetzungen und Vorstufen des makkabäischen Geschehens. Denn welcher Sinn liegt ihm — im Kerne gefasst — zugrunde? Wie in unserer älteren Geschirht>«»porhe die Gefährdung des Glaubens durch d'-n Baalsdienst die Krisis und Entscheidung herbeiführt, so ist os. in der makkabäischen Epoche die Gefährdung unserem Glaubens durch die apollinische lnva<ion. jene Ausbreitung der Kultur des Weltgriechentums über Asien hin, die wir gemeinhin Hellenismus nennen. Namentlich die weltgeschichtliche Lage, in der sich damals das kleine jüdische Volk befand, hat diese apollinische Invasion begünstigt und sie gefährlich gemacht. Alexander der Grosse hatte den gigantischen Versuch unternommen, die von ihm unterworfenen Länder des vorderen Orients und auch Aegypten in das System einer hellenistischen Einheitskultur einzufügen. Nur wenn die Kulturidee des Weltgriechentums Geltung besass,ichien ihm ein machtpolitischer Zusammenhalt seines bunt zusammengewürfelten Weltreichs für die Zukunft gewährleistet tu sein. Kennzeichen der Hellenisierungapolilik Alexanders war.'dass sie TnlT^UTchäTß frfe'dlTch e n" M e t h o d e n die Seelen ihrer Völker zu gewinnen suchte. Nur au! diese Weise war es möglich, dass auch das jüdische Volk, obwohl es zu keinem grundsätzlichen Zugeständnis bereit war, m.it der behutsamen Kulturpolitik Alexanders in keiner Weise kollidierte. ^Alr nach feinem frühen Tode' das Weltreich zerfiel, wurde Palästina die vorgeschobene Grenzprovin» eines ägyptischen Grossreiches, in d~m die Dynastie der Ptoleinäer regierte. Sie hielten die politische Linie Alexanders ein. So blieb während der hundert Jahre, in denen Palästina /.um Reiche, der Ptoleinäer gehörte, ein gutes Verhältnis zwischen ihnen und den Juden bestehen; in Aegypten selb?t hat das Judentum unter der Regierung der Ptoleinäer eine Blütezeit erlebt. Die Wandlung im Schicksal des jüdischen Volkes trat erst ein, als Anliochus der Grosse, aus dem Geschlerht der Seleukideri, der Herrscher de-; nördlicher gelegenen svrisrhen Grossreiches, im Jahre 1D.S v.Chr. Palästina eroberte. Zunächst hat auch dieses Herrscherhaus, ebenso wie das ptolemäische, die Eigenart der judischen Religion und Leben^ordnung respektiert. Erst als Anlioehus IV. Epiphanes die Methode, der friedlichen Hellenisierung durch eine gewaltsame ersetzte, hat das jüdische Volk unter der Führung der Makkabäer jene Erhebung gewagt, von deren heroischem Verleuf uns dlo Makka- r>3e>*;>ilcher wzählen (1ß'7—1*0 r \ ^. Ks genügt nun nicht, die Motive der makkabäischen Erhehung von der jüdischen Seite aus klarzustellen, sondern man muss mit dem gleichen Rechte den weittragenden Entschluss. der Anliorhtu Epiphan"s veranlasste, das Steuer der syrischen Reiche- Politik herumzuwerfen, in seiner weltpolitischen Verflechtung würdigen. Das Reich des Anliochus Epiphanes war von schweren Verfallserscheinungen bedroht. Es entbehrte eines natürlichen nationalen Zusammenhaltes; das Herrscherhaus allein war die verbindende Klammer, die die widerstrebenden orientalischen Völkerschaften vereinigte. Zur Befestigung ihrer Herrschaft griffen nun die Seleukiden Alexanders Gedanken einer Heiionisierung des Orients auf. Sie gründeten ausserordentlich viele neu,. Siiidte mit griechisch1:'r Sladtverfassung, die zugleich als Keimzellen der Helh-nisierung das platte Land, das vorwiegend in orioutali-i-her Lebensgewohnheit \ erharrte, umfa-<en sollten. Auf dies»! Weise hofften die. Seh-ukiden, allmählich einen festgefügten Einheitsstaat zu schatte:). In dem Bestreb'-n, über die Brücke einer griechischen Sladt- (Polis) Kultur zu »unem schlagkräftigen Machtstaat zu gelangen, wurden sie dun h eine schwere aussenpoliti-rhe Sorge bestärkt. Um ihres dynastischen Prestig'-s willen nu;»slen sie die Vorherrschaft im Vorderen Orient behaupten, dir» durch die Rivaiiiiit des ptoleiuäisi-h-ägypii>chen ehes auf der einen und durch das Uebergreifen der neuen \v-sllichen Weltmacht Rom iiu östliche Mitb-lme.-r auf der anderen Seite schwer bedroht wnr. Der Ben!/. Palästinas und der palästinensischen Kü>b-, die zwischen den beiden Grossre.ichen Aegypten und Syrien lagen, war deshalb für das syrische Reich dej Seleukiden \on ausschlaggebender militärischer Bedeutung. Zwei gewichtige Gründe von weitpolitischem Ausmass — der Zwang zur gewaltsamen Hellenwierung um der Erhaltung des Ruches willen nrid die Nötigung zu einer militärischen Sicherung gegen Aegypten und Rom -- haben somit d>-n Anlass zu der Keligionsverfoljrung d' - Antiochus Epiphanf»s gegeben. An dem heldenmütigen Widerstand dekleinen, von d»-:; Makkabäern geführten jüdischen Volkes M das politische System dus Antiochus Epiphanes gescheitert. Liegt darin nun das Schwergewicht der makkahäi- Tat und des makkabäischen Geschehens-' Wir gehören gewiss nicht zu derien, die die heroische Gesinnung und militärische Leistung des tinmaligen jüdischen Volke.-, insbeson lere di- Held -ntat der einzeln -:) Führer, iu ihrer Grüöae mindern wollen. Solange es judr-che Jugend gibt, wird dl« Erinnerung an die Talen .lud« Marrabie die Herren hoher schlagen langen, und solance <•> jüdische Menschen gibt, wird dn» alllahrliche Fest der neuen Weihe dee Tempels sie in dem Gefühl der Erhabenheit lllltlll!llitllllll!!llllllllttlt!llMinillll1lllll!!l!!t!lltl!lllimirnni Iii) 1 i H 'Hitiii? Itwtb, f*'< Afk l l'ostHrhcckkonto dr.r Jlidivhcn Wtatcrhllf« B«rHi: ■ Berlin Q&UA. Frito uni} Monlagr Jirrbtrl?rr*nenf*ld!llll!llllllllll!ini!!l!lllllllllll!lilil!lllll!!lllllllHlllll!II!!tl!itll!ilt!rt!mi4 ihres Glaubens bestärken. Aber bed allem berechtigten Stolze auf da* Erbe der makkabäischen Tradition dürfen wir nicht das Augeiinuiss für die geschichtlichen Tatsachen ve;lieren. Die Makkabäer sind schliesslich in dem ungleichen Kampf« unterlegen, nur die innere Zersetzung, der da-, Seleukidenreich b;ild nach dem End"* des Anliorhn, |-;[iipiianes anlx-imfiel, hat sie vor d'-ru l'nlergang bewajirt. Ebenso i«t der unabhängig»» jüdische Staat, den die Makkabäer. durHi flie Thronwirren im syrischen Reich»» begünstigt, begründeten, bekanntlich nicht von Dauer gewesen. Und dennoch gilt dh'-makkniüische Z<Mt als eine der glanzvollen Epochen unserer Geschichte? Chanukka kann e}n-n, wie eingangs dargelegt nur aus dem ge-am!«-n Ahlauf im-i i>r <"»1 .ii11i■ -i-'nieii11•, aus der Ganzheit uu-erer reügn'i-cii \'ors|«'lhmg, verstanden urr.]";i. Wir kennen, wenn wir Chanukka f■ i»• ft», den iuilit;iri-<-hen Widersland, den di»- Makkabäer dem feindlichen Bedrücker entgegensetzen, nicht hoch genug veranschlagen. Denn er hat, wenn er auch ang<--i<-hu der feindlichen Uebermacht letzt'-n Endes \erg'-l)lii-h sein musste, doch eine gewaltige moralische Stärkimg der n-ligiw-en Position dos Judentunis nach aiis-en hin bewirkt. An dem Helden-inn und tod<'-!i»T»-ileii Opfermut der ib>r zabb-nmässig weit unterlegenen makkabäischen Streitkräfte konnte die feindlich« Auss<Tiwe|t rrmi-s>en. v> ie sehr das Judentum jener und j'-d-r /.»dt als heilige P f 1 i c i> t erachte, für die Verteidigung seines Glaubens alles bis zum letzten einzusetzen. Dieser moralische Erfolg hat schliesslich schwerer gewogen als die einzelnen militärischen Siege im Laufe einei aussieht-lo-en Krieges. Und deshalb bedeutet Chanukka vor allem einen Sieg nach innen. Wie bereits in der älteren Zeit »las Verhalten des eigenen Volkes die weiter«» Existenz des Glaubens am meisten g'e'ahrdete, so gin» auch in der makkabäischen Zeit die ceuworote Gelährdung de«