Kinderblatt
- Journal
- Kinderblatt
- Volume
- 1937
- Issue
- 7 (21.10.1937)
- Date
- 1937-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ff»! tMUnm %'t'twit' in *ßwtwfUH'VP Es gibt in Palästina auch wasserreiche Gebiete mit grossen Seen. Da herrscht natürlich eine andere Tierwelt Am Antiochiasee haust zum Beispiel unter anderem der Schlangenhalsvogel. Professor Aharoui hat einmal einen ganz jungen dort gefangen und nach Europa gebracht. Der Oberkörper des Schlangenhalsvogels erinnert mit dem langen Hals und Schnabel an einen Fischreiher, der Unterkörper dagegen mit den Schwimm und Ruderfüssen an einen Kormoran; er besitzt die Fähigkeiten von beiden Vögeln nur weit besser. Er hat einen ganz langen Schlangenhals mit einem auffallenden Knick in der Mitte. Dieser scheinbaie Knick ermöglicht dem Vogel den Vorderhals und Schnabel blitzartig vorzuschnellen und seine Fischbeute durchundurchzuspiessen. Er ist also der geborene Fisehfüngei! Versieht das Geschäft des Fischfanges besser, als selbst ein Kormoran, den sich die Chinesen zum Fischfang abrichten ' Der gefangene Schiaugenhalsvogel von Aharoni war noch zu jung, um allein fressen zu können. Da musste er noch ein halbes Jahr von seinem Pfleger gefüttert werden. Und das war keine Kleinigkeit, ihm seine Fischkost durch den langen, dünnen Hals hinunterzustreichen. Manchmal hört man in den einsamen Felsengebirgen Palästinas nachts unheimliche Laute: ein Aechzen, heiseres Krächzen, Klappern, Klatschen! — Wisst ihr, wer das ist? Ein Eulenvogel, der U h u f In schroff aufsteigendem Felsgestein ist sein Aufenthalt. Der palästinensische Uhu ist kleiner als unser europäischer. Professor Aharoni hat ihn entdeckt, und darum heisst dieser Uhu nach ihm auf lateinisch „Bubo-Aharonii-Rotschil d", zum Unterschied von dem ägyptischen Pharaonen-Uhu, der ihm ähnelt. — Rostgelb ist sein Gefieder, mit schwarzen und weissen Tupfen gesprenkelt. Die grossen Augen sind leuchtend gelb. Der hübsche Vogel sieht klug aus. Eulen wurden ja bekanntlich schon im Altertum, als Sinnbilder der Weisheit, der Göttin der Wissenschaft und Kunst, der Pa das-Athene, beigegeben und mit ihr abgebildet. Das gespensterhafte, nächtliche Treiben des Uhus, sein grässlich es Kreischen, wütendes Fauchen und Schnabelgeklapper, sein unheimliches Gekicher schallen bei Nacht so schauerlich, dass allerhand Sagen und Märchen sich um den Uhu-Bubo spinnen. Er ist auch ein gefährlicher Räuber der Nacht und stellt allen möglichen Vögeln und selbst kleineren Säugetieren nach. Daher wird er auch von allen anderen Tieren gehasst. Ich selbst habe mit angesehen, wie auf einen zahmen Uhu, der draussen im Freien angepflockl war, alle voroeifliegenden Vögel aus der Luft niederstiessen, ihn neckten und foppten, beschimpften und auspfiffen Sowohl Adler und Rabenvögel, als auch die kleinen Singvögel! — Denn bei Tage ist der grimme „König der Nacht“ ein armer Kauz, der nicht ordentlich sehen kann mir seinen beweglichen Kopf nach allen Seiten verdreht Wenn die Vögel ihn so von oben mit Schreien und Pfeilen befehdeten, sträubte er die Federn plusterte sich auf und sah mit gelben, rollenden Augen und fauchendem Schnabel, wie der leibhaftige Satan aus. Was er bei Nacht an Getier schlägt, ist gross an Zahl, besonders, wenn er Junge hat. Er ist ein guter Vater und sorgsamer Gatte. Er verteidigt Weibchen und Brut sogar tapfer gegen den Menschen, — es soll sich keiner zu nahe an sein besetztes Nest heranwagen, wenn er keine Flinte bei sich hat— und er füttert seine Kinder mit allem möglichen Geflügel, mit dem verschiedenenarligsten Wildbret und in wasserreichen Auen selbst mit Fischen. Wo er haust, ist er der Schrecken der Gegend! Wie sehr werden sich in Palästinas Felsenbergen die harmlosen, kaninchengrossen Klippschliefer vor dem mordlusligen Gesellen fürchten! Bevor die Nacht hereinbricht, verkriechen sie. sich zwar immer in ihren Höhlen, den Spalten des Gesteins Die sanften Tierchen sind so ängstlich, dass sie schon vor jeder Krähe oder Taube erschrecken und um wieviel mehr vor den bösen „Uhu-Bubo“. Es ist kaum zu glauben, — diese scheuen, kleinen Klippschliefer sind die nächsten Verwandten der grossen, kolossalen Dickhäuter. Sie haben natürlich weder ein Horn auf der Nase, noch Rüssel und lange Zähne. Zu jeder Seite ihres Maules guckt nur je ein Zahn heraus. Ihr Gebiss hat gewisse Achnüchkeit mit dein der Nashörner. Auch ihr Knochenbau und ihre Fliese erinnern etwas an die Riesentiere. Sie sind aber auch keine Nager, wie die Kaninchen und Murmeltiere, denen sie doch auf den ersten Blick ein wenig gleichen. Nein, diese flinken, zierlichen Dinger bilden stolz ein Klasse für sich. Sie sind die kleinsten Huftiere auf Erden. Sie können lange still in der Sonne liegen, bis plötzlich mit einem Ruck Bewegung in sie kommt. Da geht es blitzschnell steil am Felsen und an Klippen herauf und herunter und man versteht, warum sie „Klippschliefer“, „Klipp s c h 1 e i f c r“ heissen. Mit ihren Sohlen können sie sich am Gestein festsaugen; zu diesem Zweck haben sie unter ihren nackten Sohlen schmiegsame Polster, mit Spalten dazwischen. An den Zehen haben sie platte, hufartige Nägel, diese „Huftierchen“. Sie werden schon in der Bibel genannt. Dort heissen sie' ,,S a p li a n". Moses verbietet, ihr Fleisch zu gemessen. Und daher kommt es wohl, dass heute noch in Abessinien sogar weder Christen noch Mohammedaner Klipirschlieferbraten essen. Wohl aber setzen aie Beduinen sie gern auf ihre Speisekarte! In Syrien nennt man sie heutigentags „R haue m Israel“, „Schafe der Israelit e n“. — Was das wohl bedeuten mag? — Wir wissen es nicht, denn der Pelz, der heule geschätzt und verkauft wird, wurde im biblischen Zeitalter noch nicht verwendet. Emma Waldenburg. Druckfchlcrbcrichtigung. Wir haben euch in der vorigen Nummer von einem Ibis berichtet. Der Druckfehlerteufel hat aus einem K a r u n k e 1 - Ibis einen Karnikel-lbis gemacht. Aus den Silben: a — be — ben — bra — ce — der — e — e — gen — ha — harn — ja — ko — min — ne — peil — rez — ro — se sind 7 Worte zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, den Namen einer der vier Stammütter ergeben. Die Wörter haben folgende Bedeutung: 1. Wohlriechende Blume, 2. Name für Palästina, 9. Sohn Jakobs, 4. Flachland, 5. Baum in Palästina, G. Hauptstadt von Dänemark, 7. Erz- Eilith Rolef, Rhens a. Rhein, 11 Jahre. S. J. in Güttingen. Für deine beiden Fragen liegen die Antworten in den Kegeln des jüdischen Kalenders. Das jüdische Jahr hat ja zwölf Monate, im Schaltjahr, das in wechselnder Folge — bald alle zwei, bald alle drei Jahre — ein tritt, dreizehn Monate. Von ihnen haben nun die Monate Nissan, Ssiwan, Aw, Tischri und Sehewat immer GO Tage, während Marcheschwan und Kisslew manchmal GO, manchmal nur 29 Tage haben. Im Schaltjahr hat der erste Adar auch GO Tage. Alle übrigen Monate haben immer 29 Tage. Den ersten Tag des Monats nun bezeichnet inan immer als Rausch Chaudescli, während bei allen Monaten, die GO Tage haben, der GO. Tag auch Rausch Chaudesch heisst. So kommt es, dass manchmal zwei Tage, manchmal aber nur ein Tag Rausch Chaudesch ist. Zu den Kalendcrregeln gehört auch, dass Jom Kippur nicht auf Dienstag, Freitag oder Sonntag fallen darf. Deshalb kann auch der erste Tag Roseli haschana nie Sonntag, Mittwoch oder Freitag sein. G. P. ■\ 2. Beiblatt * Nr. 7 BeiIag©^^i©S^ö»W!S«Zeifüng Berlin, 21. Oktober 1937 Wpw 4Up $mm Vor weit mehr als 2000 Jahren lebten in Alexandrien schon Juden, dort, wo der Nil sein Delta bildet. Sie hatten dort einen eigenen Tempel und einen eigenen Hohepriester, denn von Alexandrien nach Jerusalem war ein weiter Weg, die Juden Alexandriens aber wollten keine schlechteren Juden als die iin Lande Israels sein, sie wollten ebenso beten und opfern und ihrem Gott dienen können. Damals herrschte in Aegypten ein kluger und milder König, Ptolomäus mit Namen. Sein grösster Stolz war eine grosse, sehr grosse Bibliothek, die sein Diener Demetrius leitete und verwaltete. Demetrius erhielt jeden Monat eine Summe Goldes, die zum Ankauf der wertvollsten Bücher bestimmt war. Wenn der König Zeit hatte, Hess er sich Demetrius kommen und fragte ihn: „Demetrius, mein treuer Diener, wie viele Bücher besitze ich schon?“ Und jedesmal freute er sich, wenn er feststellen konnte, dass die Anzahl seiner Bücher abermals gewachsen war. Denn der Ehrgeiz des Königs war es, alle Bücher der Welt zu besitzen. Eines Tages nun antwortete Demetrius dem König: „Mein König, es fehlen nur noch wenige und Du wirst zweihunderttausend Bücher Dein eigen nennen.“ Ptolomäus fragte sofort, wo denn die Bücher seien, die die zweihunderttausend vollmachen würden. Demetrius sagte mit sehr nachdenklichem Gesicht: „Mein König, es fehlen uns noch Bücher, die wohl wert seien, dass Du sie besässest: die Bücher, in denen die Gesetze der Juden ausgeschrieben sind.“ „Warum kauft Du sie nicht“, fragte Ptolomäus, „gebe ich Dir nicht Gold genug?“ „Die Bücher der Juden sind in einer fremden Sprache abgefasst, der hebräischen, mein König“, antwortete Demetrius. „Sie sind heilig, und wer bisher auch versuchte, sie zu übersetzen, er wurde von einer bösen Krankheit befallen. Die Juden aber, die bei uns wohnen, weigern sich, die Bücher zu übersetzen, weil sie die heilige Sprache nicht mehr genügend beherrschen. Wir müssten — einen anderen Rat weiss ich nicht — Gesandte zum obersten Priester der Juden, zu Eleazar, nach Jerusalem senden. Er soll uns Männer geben, die uns die heiligen Bücher übersetzen.“ Dieser Gedanke gefiel dem König ausgezeichnet. Er befahl sofort, eine Gesandtschaft ausziirüsten und gab ihr wunderbare Geschenke mit, die für den Tempel bestimmt waren, und es gab keines, das nicht aus reinem Gold mit Silber, Rubinen, Diamanten und allen Arten edler Steine verziert war. Gleichzeitig befahl der König, dem Hohepriester ein Geschenk zu bereiten, das weit kostbarer als alles Gold der ganzen Erde war: er befahl nämlich, wo ein Jude in seinem Reich als Sklave Diensle verrichten musste, .ihn freizugeben. Einhunderttausend Juden erhielten so ihre Freiheit. Dann schrieb der König einen Brief, dessen erste Zeile hiess: „Der König Ptolomäus begrösst den Hohepriester Eleazar und wünscht ihm Heil!“ Hierin schilderte er ihm die Freilassung der jüdischen Sklaven, die Geschenke, die er der Gesandtschaft mit dem Briefe mitgab, und zum Schluss stellte er ihm die Bitte, zu seinem und des jüdischen Volkes Ruhm solle das Gesetzbuch der Juden übersetzt werden. Er möge doch aus jedem Stamm die sechs kundigsten Gelehrten auswählen, damit sie ihn in Alexandrien besuchen und die Uebersetzung der Tora anfertigen könnten. „Wir wollen so“, schloss der König seinen Brief, „den Juden in aller Welt und ihren Nachkommen unsere Gunst erweisen. Handelt es sich doch bei unserem Vorhaben um eine gewichtige Sache! Du würdest uns einen Freundschaftsdienst erweisen, würdest du unseren Vorschlag anjuehmen.“ Dieser Bitte konnte der Hohepriester nicht widerstehen. Er versammelte das ganze Volk, zeigte ihm die Geschenke, las ihm den Brief vor, opferte für den König und seine Familie und wählte dann zweiundsiebzig Gelehrte — aus jedem Stamme sechs — aus, die zu Ptolomäus reisten. An dem Tage, da sie in Alexandrien ankamen, gab es eine grosse Ueberraschung. Der König nämlich unterbrach seine Audienz, und während die Gesandten sonst immer erst nach dreissig Tagen vorgelassen wurden, befahl er, dass man ihm die Juden sofort vofstelle. Er schickte alle Beamten fort, um allein und ungestört mit ihnen sprechen zu können. Dann mussten die Führer seiner Gesandtschaft dem König von ihren Eindrücken in Jerusalem berichten. Sie schilderten den Teinpeldienst, und einer sagte, mail könne gar nicht diese Eindrücke beschreiben. „Ich geriet“, so erzählte er, „ausser mir über die Heiligkeit, die sich überall äusserte.“ Der König geriet vor Freude, die würdigsten aller jüdischen Männer in solcher Zahl bei sich zu Gaste zu haben, in so grosse Erregung, dass er in Tränen ausbrach und befahl, den Tag ihrer Ankunft Jahr für Jahr als Feiertag zu begehen. Sodann fanden, wie es damals üblich war, zehn Tage lang Festessen zu Ehren der Gäste statt. Der König Ptolomäus wollte die Gesandten auf ihre Weisheit prüfen und stellte ihnen deshalb Fragen, die sie beantworten mussten „Was ist Tapferkeit?4 fragte er einen, und dieser antwortete: „Wenn du den richtigen Entschluss in der Stunde der Gefahr unbeirrt ausführst.“ — „Wie geht der Respekt verloren?“ fragte er einen anderen. „Wenn du dich durch Ueberhebung und nmssloses Selbstvertrauen in deinen Reden bestimmen lässt“, antwortete dieser, und so fragte er alle zweiundsiebzig Gelehrten, und er geriet über ihre Antworten in immer neues Entzücken. Nach diesen Empfangstagen brachte man die Gelehrten, die die schönste Tora, die es in Jerusalem gab, mitgebracht halten, auf eine einsame Insel. Zweiundsiebzig Tage arbeiteten sie dort, und dann war die Uebersetzung der Tora in die griechische Sprache vollendet. Viele empfanden schon dies als eine Art Wunder, dass zweiundsiebzig Männer gerade zweiundsiebzig Tage brauchten. Aber es gibt auch Menschen, die erzählen, dass die Weisen sich während der Arbeit in diesen Tagen nicht sahen und auch nicht sprachen. Als sie nun zusammentraten, um ihre Uebersetzungen miteinander zu vergleichen, und die beste auszuwählen — da sahen sie, dass ihre Uebersetzungen alle gleich waren, denn Gottes Geist hatte auf ihnen geruht. Und mail nannte die Uebersetzung „Septuaginta“, das ist lateinisch und bedeutet „Siebzig“. Eigentlich hätte man sie ja die „Zweiundsiebzig“ nennen müssen, aber man fand den Namen zu lang. Jetzt versammelte sich die jüdische Gemeinde von Alexandrien, und als sie die Uebersetzung hörte, befiel sie eine grosse Begeisterung, so schön, gut und fromm war sie Man erklärte deshalb auch, dass kein Wort an ihr geändert werden dürfe, setzte sie also fast der Tora gleich, und wer doch ein Wort ändern wollte, wurde verbannt. Ptolomäus enHiess die Gelehrten mit reichen Geschenken beladen und ehrte sie noch einmal aufs höchste. Die „Septuaginta“ aber blieb lange Zeit die einzige Uebersetzung der Bibel in eine europäische Sprache, und wer von euch griechisch lernt, kann sie lesen und sich selbst von ihrer Schönheit überzeugen. Die Tora und mit ihr die Bibel aber traten so ihren Zug über die ganze Erde an. und wer immer sie las, spürte die Offenbarung des Mose am Sinai in ihr.