Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 35 (2.9.1937)
- Date
- 1937-09-02
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 G-V.- Zeitung WIRTSCHAFT DER WOCHE Seite 23 2. Septbr. 1937 Austausch von Menschen oder von Waren? Grundsätzliches zum Wanderungsproblem Die Einwanderung nach 'den Vereinigten Staaten betrug im letzten Jahr vor Kriegsausbruch 1,2 Millionen Menschen. Ein Bruchteil dieser Ziffer, auf eine Reihe von Einwanderungsländern verteilt, -würde im Verlauf weniger Jahre genügen, um das jüdische Aus wand erungs- und Existenzproblem, was Deutschland anbelangt, zu einer günstigen Lösung zu bringen. Statt dessen sehen sich die Auswanderungswilligen trotz manchen Entgegenkommens vor zahlreiche, früher unbekannte Hindernisse gestellt, die ihre Ursache letzten Endes in der seit dem Kriege einsetzenden Zerbröckelung der Weltwirtschaft haben. . Bei der überragenden Wichtigkeit der mit der Auswanderung zusammenhängenden Fragen wird meist übersehen, dass es sich auch hier nur um ein wirtschaftliches Teilproblem handelt, das mit den übrigen Problemen der Weltwirtschaft, vor allem den Fragen des internationalen Güteraustauschs, in engem Zusammenhang steht und gemeinsam mit diesen eine Lösung erfahren muss. Auch die angekündigte Auswanderungskonferenz wird das Auswanderungsproblem nicht isoliert betrachten können, sondern die Ergebnisse berücksichtigen müssen, zu denen die Wirtschaftswissenschaft auf diesem Gebiet gelangt ist. Hier darf vor allem an die bereits vor längerer Zeit im „Weltwirtschaftlichen Archiv" unter dem Titel „Der volkswirtschaftliche Austausch der Produktionsfaktoren" erschienene Abhandlung Paul M o m b e r t s Bezug genommen werden, die durch den darin geführten Nachweis bemerkenswert ist, dass eine Unterbindung der Einwanderung durch Einwanderungssperren, Niederlassung?- und Arbeitsverbote ihre angeblich günstige Wirkung verfehlen und statt dessen sogar zu wirtschaftlichen Schädigungen des zu schützenden Einwanderungslandes führen kann. Der Umstand, dass Professor Mombert von der politisch bedingten und auch sozial abweichend gelagerten jüdischen Auswanderung absieht und von allgemeingültig konstruierten Verhältnissen ausgeht, macht seine Ausführungen für den jüdischen Auswanderungsbereich nicht weniger interessant, da hierdurch das Auswanderungsproblem in seiner Gesamtheit in einem neuen und vielleicht weniger trüben Lichte erscheint. Die zur Auswanderung führende Uebervolkerung stellt sich für Mombert als eine be- Wann und wo finden Sie Rat? Linksrhein Köln Aachen Bad Kreuznach Ob er stein Agrippinahaus, Breite Str. 92 bis 96, III, Zimmer 76—78, Montag—Freitag, 10—13 Uhr. Gemeindehaus. Promcnadenstrasse 21. am 28. September, 16^-18 ühr. Gemeindehaus. Adolf - Hitler- Platz 11, am S. September, 11U bis 13 ühr. Eemeindezirhmer der Synagoge, am 22. Septemher, 11%—13 Uhr. Mitteldeutschland Dresden 8. September, 16-19 Uhr, Zeughausstrasse 3, ptr. orddcutscbland Hamburg:-Altona Hannover Beneckestr. 2. Montag—Freitag, 10-13 ühr (Tel.: 44 50 71). 23. September, 12—14 und 16 bis 17 ühr, Georgstrasse 14, II. .?>i{;>v.;'>\ sondere Form der wirtschaftlichen Gleichgewichtsstörung dar. Während Kapital, Boden und vorhandene Arbeitskraft ohne eine solche Störung aufeinander in der Weise abgestimmt sind, dass jeder dieser „Produktionsfaktoren" voll beschäftigt ist, reichen in übervölkerten Ländern Kapital und Boden, und in dünnbesiedelten Ländern die vorhandene Arbeitskraft nicht aus, um das wirtschaftliche Gleichgewicht zu gewährleisten. Der weltwirtschaftliche Verkehr hätte hier die Aufgabe, durch einen Ausgleich des Bevölkerungsdruckes, also durch Auswanderung etwa nach Uebersee, eine gleichmässigere Verteilung der „Produktionsfaktoren" herbeizuführen. Wird jedoch durch Einwanderungsverbote verhindert, dass sich das übervölkerte Land von seinem Bevölkerungsüberschuss mit Hilfe der Auswanderung unmittelbar entlastet, so wird nach Mombert der anhaltende Bevölkerungsdruck auf das Lohn- und Preisniveau des übervölkerten Landes weitergeleitet und infolge von Kaufkraftschwache und Preissenkungen zu einem sonst unterbliebenen Mehrexport des übervölkerten Landes, einem sozialen „Uebervölkerungsdumping", wie man es nennen könnte, führen. Dieser zusätzliche Export ist nach Mombert nichts anderes als eine indirekte Form der Auswanderung. Denn sie entlastet den eigenen Arbeitsmarkt und führt zu einer Begegnung der eigenen Arbeitsprodukte mit denen des Auslandes, darunter auch denen des „verhinderten Einwanderungslandes". Mit anderen Worten: Die Arbeitskräfte, die durch strenge Einwanderungsbestimmungen ferngehalten werden sollten, dringen auf verstecktem Wege, gleichsam in Form von Waren, und zwar vor allem von Waren mit hohem Arbeitsanteil, also Fertigwaren, in das innen sonst verschlossene Einwanderungsland ein. Die Ausfuhr von Fertigwaren setzt die Einfuhr von Rohstoffen und Nahrungsmitteln voraus. Trotz der eingeschränkten Wanderungsmöglichkeiten könnte sich der „Austausch von Boden gegen Arbeit" somit über den Aussenhandel vollziehen, wenn nicht auch diese Ausgleichsmöglichkeit in beträchtlichem Umfange den. — die Einwanderungshindernisse ergänzenden — Einfuhrsperren zum Opfer gefallen wäre. Die doppelte Unterbrechung des weltwirtschaftlichen Zusammenhanges durch Einwanderungssperren und Hochschutzzölle hatte für die Auswanderung*- wie für die Einwanderungsländer krisenhafte Rückwirkungen zur Folge, in deren Verlauf bekanntlich Teile des für europäische Abnehmer kultivierten Bodens wieder primitiv gemacht, entkultiviert oder auf sonstige Weise ihrer Produktivität beraubt wurden, während auf der anderen "Seite des Ozeans Rohstoffmangel und Arbeitslosigkeit herrschte. Die. Ueberseeländer der „Monokultur" wurden, wie hinzugefügt werden darf, von solchen Rückschlägen um so schwerer getroffen, als sie sich gleichzeitig mit dem äusseren Absatzmarkt infolge ihrer Einwanderungspolitik auch der inneren Absatzreserven beraubt sahen, die zu scharf ausgezackten Konjunkturkurven etwas abrunden. Aber auch Einwanderungssperren von hoöhkapitalistischen Ländern können für die Wirtschaft dieser Länder unbequeme Fernwirkungen erzeugen. Hier besteht, wenigstens im Vergleich mit den übrigen Ländern, ein Missverhältnis zwischen Reichtum an Kapital und verfügbarer Arbeitskraft. Um ein Brachliegen von Kapital bzw. einen Druck auf den Zinsfuss zu vermeiden, wird es durch Kapitalexport in Länder mit stärkerem Kapitalbedarf und höherem Zinsfuss produktiv gemacht. Da die Kapitalausfuhr in Form von Ausleihungen zu erfolgen pflegt, ist eine Verzinsung und Tilgung der Leihkapitalien erforderlich. Eine Schuldentilgung von Land zu Land kann aber im allgemeinen nur auf dem Wege von Außenhandelsüberschüssen geschehen. Die Erzielung eines Aktivsaldos auf seiten der Schuldnerländer stösst jedoch auf Schwierigkeiten, wenn die Kapital ausführenden Länder durch die Errichtung von Zollmauern es ihren Schuldnern erschweren, Exportüberschüsse zu erzielen und damit ihre Schulden zu tilgen. Mombert zieht daraus die Folgerung, dass ohne die Beseitigung der Zollmauern ein Kapitalexport der grossen Schuldnerstaaten auf die Dauer unmöglich oder im bisherigen Umfang undurchführbar wird. Ein -internationaler Kapitalsverkehr ist auf die Dauer vielmehr nur bei einer weniger starren Handhabung der internationalen Handelspolitik denkbar. In diesem Falle könnte sich der „Austausch der jProduktionsfaktoren'Kapital und Arbeit bzw. Arbeitsprodukt, wenn auch nach einem langen und für die Gl'äubigerländer verlustreichen Wege, wieder durchsetzen. Durch einen ungehinderteren Handelsverkehr würden auch die Wirkungen der Einwanderungsbeschränkungen wieder aufgehoben werden. Die Wirkungen, die ein freierer Austausch der „Produktionsfaktoren", vor allem aber eine grössere Freizügigkeit der internationalen Wanderungen auf die Entwicklung von Ländern ausüben kann, sind, wie vielleicht hinzugefügt werden darf, nirgends deutlicher zu erkennen als an der Wirtschaftsgeschichte der überseeischen Staaten selbst, die sich, in relativ kurzen historischen Abschnitten, aus menschenleeren Steppen in aufstrebende Wirtschaftsräume verwandelt haben oder dies, wie die Vereinigten Staaten, zur wirtschaftlichen und politischen Weltgeltung emporgestiegen sind. K. H. Blick in die Wirtschaft BERLIN, 31. August. Der Konflikt in Ostasien beschäftigt die am HandeLmit diesen Ländern interessierten Kreise naturgemäss sehr stark. Auch der Schiffsliniendienst nach China und Japan wird von den Vorgängen im Fernen Osten betroffen. Trotzdem ist inzwischen in den in Frage kommenden Wirtschaftskreisen, ungeachtet aller berechtigten Sorgen, eine wesentlich ruhigere Beurteilung gegenüber dem Anfangsstadiuni zu beobachten, was in der Berichtszeit auch darin seinen Ausdruck fand, dass sich die Aktien der Deutsch- Asiatischen Bank, deren Kurs an der Börse zuerst von 740 auf 705 Mark gesunken war, zum letzten Wochenende wieder bis zu 735 RM erhalten. Die Börse steht jetzt im Zeichen der Konsolidierungsmassnahme der neuen Reichsanleihe, für welche die Zeichnungsfrist am 9. September abläuft, und hatte dementsprechend ein verhältnismässig ruhiges Gesicht; die Tendenz war nicht immer einheitlich, aber die Grundstimmung blieb, von den Ereignissen in Ostasien unberührt, im wesentlichen nach wie vor zuversichtlich. Der Rentenmarkt zeigte kein verändertes Bild. Besonders interessiert hat selbstverständlich in den jüngsten Tagen die Senkung des Preises für deutsche Zellwolle von 1,60 RM je kg auf 1,45 RM je kg durch den Reichskommissar für Preisbildung. BANK EN Steuertermine im September 5. September: Abführung der einbehaltenen Lohn- und Bürgerstsuer für Arbeitnehmer ganzer August bzw. zweite Augusthälfte). 10. September: Umsatzsteuer - Voranmeldung und Vorauszahlung für Monatszahler für August. — Einkommen- und Körperschaftssteuer. Vierteljahrsrate gemäss Steuerbescheid. 15. S e p t e m b e r : Grundvermögens-und Haüszinssteuer für September. Lohnsummensteuer für August. 20. September: Abführung der einbehaltenen Lohn-, Bürger- und WTehrsteuer für Arbeitnehmer für die erste Septemberhälfte. (Wehrsteuer nur, soweit männliche Arbeitnehmer der Geburtsjahrgänge 1914—1916 wehrsteuerpflichtig sind.) Ausserdem sind bei den von den Jüdischen Gemeinden erhobenen Gemeindesteuern die Vorauszahlungen für 1937 an den in den einzelnen Veranlagungs-Benachrichtigungen aufgeführten Terminen zu leisten. Offene Auslandsstelien Genehmigt durch das Landesarbeitsamt Brandenburg. Gesucht werden: für Schweden für einen orthodoxen Haushalt erfahrene jüdische Hausgehilfin mit Kenntnissen in Kochen, Backen und allen vorkommenden Hausarbeiten gesucht. Alter 20 bis 25 Jahre: . ........._ für Argentinien jüdische Oboisten (mit Nebeninstrument Englisch-Horn), Fagottisten und H o r n i s t e n für tiefes Horn bei festem Monatsgehalt und späterer Pensionsberechtigung. Es kommen nur Bewerber in Frage, die diese Instrumente beherrschen; für Ekuador ein gut ausgebildeter jüdischer Konditor zu folgenden Bedingungen - gesucht: 6 Arbeitsstunden, Monatsanfangsgehait 120 Sucres, bei freier Station; für B u.d a p e s t zu zwei Mädchen. von. 7 und 9 Jahren jüdisches Kinderfräulein etwa 25 bis 30 Jahre alt, die das Kinderzimmer und die Kindersachen in Ordnung halten muss. Bei freier Station wird ein Gehalt von 40 Pengö geboten. Französische oder englische Sprachkenntnisse erwünscht; für eine Uebersiedlung nach Istanbul gebildete Stütze für einen Zwei-Personen- Haushalt. Der nicht rituelle Haushalt ist zu führen und für die leidende Hausfrau ist zu sorgen; vegetarische Küche. 40 bis 50 RM Gehalt. Reise- und Rückreisekosten werden nach zwei Jahren übernommen; vom Direktor eines wissenschaftlichen (zahnärztlichen) Instituts in I s t a n b u 1 für die Dauer von drei Monaten ein Zeichner, der mit zahnärztlichen Dingen vertraut sein muss, eich auf Ton- und Strichzeichnungen verstehen soll und auch Photographien durch Bemalung klarmachen könnte. Ausführliche Bewerbungen, nur auf Luftpostdünnpapier, Zeugnisabschriften, Lebenslauf sowie Passphoto werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW19, Lindenstrasse 48—50. Bankhaus August Stern & Cie. Fernruf 220341 fCÖifl Drususgasse 3 Gegründet 1860 Erledigung aller bankmässigen Geschäfte « Ausführung von Börsenaufträgen :r für Rheinisch-Westfälische und Berliner Börse Bankhaus Veit L. Homburger Karlsruhe ANTON KOHN Bankhaus NÜRNBERG Königstrasse 26 Brunnengasse 2 Telephon für den Ortsverkehrs Nr. 27841, 27941 für den Fernverkehr: 27755 Postscheckkonto Nr. 60 Depositen- Kasse: Bauerngasse 20 — Ecke Knauerstrasse Telephon: Nr. 60076 Albert David Bankgeschäft / Gegründet 1909 Berlin W 8 Ruf 167383 Oberwallstraße 20a Reichsb a nkg iroko nto Ausführung aller bankgeschäftlichen Transaktionen Anzeigen helfen verkaufen Heinrich & Hugo Marx Gegr. 1898 Bankgeschäft Gegr. 1898 MÖNCHEN Verlangen Sie überall die G-V.-Zeirung, sie ist Ihr Berater In festem Auftrage für srtifiielleniscSiiossene Käufer Wohnhäufer gesucht / Barauszahlung \ Zweitevtl. drittstellige Hypotheken zu kaufen gesucht. Benedyfef-Immoliilien Aitonaer s*. 17 [39 66 901 Spediteure G.&F.eoiischalk Berlin SO 36, Görlitzer Str. 1-15. Teleph.-63 68 93 bis S4 Die Statistik beweist, ciass die Werbung durch die Zeitungsanzeige ausserordentlich erfolgreich ist. 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