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Central-Verein-Zeitung · 1937-07-15 · 28 (15.7.1937) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
28 (15.7.1937)
Date
1937-07-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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H&W « Tg. M1937 'C.-V.-ZeffuTi3 Seife 7 Die Amsterdamer Tagung der World Union for Progressive Judaism Sonderbericht für die C-V.-Zeitung von Dr. Heinz Kellermann Amsterdam, den 2.-6. Juli 1937. I. Selten zuvor hat eine Konferenz der World Union ao unmittelbar im Interesse der jüdischen religiösen iWelt gestanden wie diese vierte. Ihre Ouvertüre ist bekannt. Die Central Conference of American Rabbis* hatte vor kurzem eine Resolution gefasst, in der sie die Zeit der Reform für beendet erklärte und die Rückkehr zur Tradition empfahl. Eine Synagoge in Zürich hatte durch Majoritätsentscheid die Entfernung der Orgel aus dem Gottesdienst beschlossen. Darob eine Diskussion in der jüdischen Welt Deutschlands, auch in diesem Blatte. Man 'durfte also vor allem auf die Erklärungen der zahlreich avisierten amerikanischen Delegation gespannt sein, zumal sich der Name von Rabbi Dr. Felix Levy (Chicago), des epiritus rector des ominösen Beschlusses, auf der Delegiertenliste fand. Indessen Rabbi Levy erschien nicht, und mit ihm blieb eine grosse Anzahl der angekündigten Amerikaner aus. Die Interessen Amerikas wurden im wesentlichen wahrgenommen von Rabbi Dr. Rauch (Louisville), dem ausgezeichneten Berichterstatter auf der eigentlichen Delegiertenversammlung, und den beiden jungen Rabbinern Issermann (St.Louis) und Fram (Detroit). — Die anfängliche Vermutung, dass das Judentum von Amerika grundsätzlich, und zwar zufolge der neuen Grundsätze an Reformkonferenzen uninteressiert sei, erwies sich ziemlich bald als voreilig. Niemand war über dieses Junctim mehr überrascht als die Amerikaner, insbesondere aber erregte die Mitteilung von der ideologischen Wirkung der „lex Levy" in Deutschland ihr grösstes Erstaunen. Wie wenig Autorität eine derartige Resolution in Amerika seniesst. ergab sich aus den Ausführungen Frams. Nach seinem Bericht deckt sich die Autorität des Rabbiners etwa mit dem Umfang seines Amtsbereichs, d. h. sie wechselt von Stadt zu Stadt, meist sogar von Gemeinde zu . Gemeinde. Es ist daher falsch, den oder jenen Rabbiner bzw. diese oder jene Meinung als „typisch amerikanisch" anzusprechen. Nur die Gemeinde repräsentiert einen bestimmten „Typ", und diese Typologie ist nun einmal ein soziologisches Gebilde. Hieraus ergibt sich auch ziemlich klar die Breitenwirkung, besser die Wirkungsgrenze ideologischer Resolutionen. Soviel zu dem Bedeutungsumfang der Resolution. Hinsichtlich des Bedeutungs i n h a 11 s erklärte der Führer der Delegation aus Deutschland, Heinrich Stern (Berlin), treffend: „Wenn die amerikanische Reform sich für die Tradition erklärt, so bleibt sie immer noch hundertmal reformistischer als der religiöse Liberalismus in Deutschland." In der Tat muss es gerade der religiöse Liberale aus Deutschland — und eigentlich nur er mit Recht! — begrüssen, wenn die amerikanische Reform sich selbst einmal Grenzen steckt. Seit den Tagen ihres ersten Beginnens in Amerika hat die dortige Reformbewegung unentwegt mit dem Rotstift gearbeitet. D. h. sie hat sich fast stets in der Richtung einer Verflüchtigung substantieller Gehalte bewegt. Sollte dieser Prozess nicht mit Selbstaufgabe enden, so musste ihm eines Tages ein energisches Halt geboten werden. Das ist jetzt geschehen und war der tiefere Sinn des Beschlusses der jüngsten Rabbinerversammlung. II. Der äussere Rahmen der Konferenz war der bekannte, nun schon fast traditionelle. Die Zahl der Besucher betrug etwa 120, die der Delegierten 67. Der Präsident Dr. Claude G. M o n t ef i o r e fehlte. Aber im übrigen war England stark vertreten, u. a. wie immer durch tbe hon. LilyH.Mo ntagu, Rabbi Dr. J. J. Mattuck, den Schatzmeister der World Union E. T u r k, Leslie Edgar. Aus Frankreich kamen Rabbiner Garmain-Levy und der Vorsitzende der Union Liberale Israelite M. Andre Bauz (Paris). Holland hatte seine wesentlichen Repräsentativen Jacobstal, Levisson, Loeb, Lehmann, Sanders mit der Delegation beauftragt. Aus Schwedenwaren Admiralitätsrat Wolff und Rabbiner Kronheim, beide Stockholm, erschienen. Indien war durch den dunkelhäutigen Mr. I h i r a d (Bombay) vertreten. Danzig hatte seinen Rabbiner Dr. Grün entsandt. Am stärksten war die Delegation aus Deutschland, die die ihr zukommende Delegiertenquote voll ausgenutzt hatte. Die wesentlichen Vertreter Amerikas sind bereits genannt worden. Den Auftakt zur Tagung bildete die Sitzung des Autoritätskomitees, das am Freitag unter dem Vorsitz seines Präsidenten Dr. Dienemann (Offenbach) zusammentrat. Es hatte sich diesmal das Problem „Autorität und Tradition" zum Gegenstand seiner Erörterung gestellt. Ein schriftlicher Gedankenaustausch war dem Zusammentritt vorausgegangen. Dienemann, einfallsreich, streng systematisch, mit seiner dem Kongress schon sehr vertrauten Liebe zu scharfer Pointierung, warf die Frage nach dem VerpfJichtungs g r u n d und nach der Verpflichtungs g r e n z e der Tradition auf. Die Diskussion, deren Aufgabe nicht die Aufstellung autoritativer Richtlinien, sondern die Klärung der umstrittenen Begriffe war, wurde im wesentlichen bestritten von Dienemann selbst. Edgar (London), Swarsensky (Berlin), Vogelstein (Koblenz), Levine (Liverpool), Rauch (Louisville), Goetz (Berlin) und Kellermann (Berlin). Das konkrete Bedürfnis nach Führung und Geleit wurde widerspruchslos bejaht. Verschiedenheiten ergaben sich nur hinsichtlich der Methodik und der Grenzziehung. England und Amerika schienen an einer theoretischen Grundlegung nur bedingt interessiert, während von selten der Delegierten aus Deutschland immer wieder die grundsätzliche, oft sehr stark ins Philosophische hinübergleitende terminologische Diskussion gewünscht und geführt wurde. Das Ergebnis der Auseinandersetzung zeigt denn auch im theoretischen Teil eine akademische Färbung, die ihren Ursprung in Deutschland nicht verleugnen kann, im praktischen Teil stärker anglikanisch-amerikanischen Charakter. Trotzdem waren die Fronten keineswegs starr. Insbesondere war man sich darüber einig, dass die Festselzung eigentlicher autoritativer .Bindungen nicht Sache des Komitees, sondern eines Gremiums sein müsse, das dank seiner geistigen, moralischen, d. h. in erster Linie durch die Person garantierten Autorität, Anspruch auf Gehör und Gefolgschaft in allen Ländern erheben kann. Das Komitee beschloss daher, nach Beendigung seiner grundsätzlichen Vorarbeiten die Ergebnisse dem Governing body mitzuteilen und es zu bitten, die praktische Durchführung einem Gremium anzuvertrauen, das aus je drei der hervorragendsten religiösen Persönlichkeiten der Länder Amerika, England und Deutschland besteht. — Im einzelnen zu den Resultaten des Komitees Siellung zu nehmen, erübrigt sich in diesem Zusammenhang. Als bedeutungsvoll mag nur die Tatsache gelten, dass es dem Komitee nicht gelang, die Grenzen der Tradition zu bestimmen. Es wurde zwar versucht, eine Zweiteilung zwischen inhaltlicher und formeller Tradition vorzunehmen. Doch erwies es sich als zu schwierig, die Grenzen dieser Wert Unterscheidung in der Praxis aufrechtzuerhalten. — Mit dem Ende dieser Sitzung schloss der wertvollste Teil der Tagung. Der eigentliche Kongress stand unter dem Motto: „Organized religion and modern Iife." Die Unzulänglichkeit und die Unrichtigkeit aller üebersetzungen dieser typisch englischen Formulierung trägt die eigentliche Schuld an den Missverständnissen der Hauptdiskussion. Erst im Schlusswort des Chairman Mattuck wurde der Versammlung die eigentliche Bedeutung des Themas klar. Der Engländer versteht unter den organisierten Formen der Religion vor allem anderen die- Institutionen des Gottesdienstes, d. h. zunächst die Synagoge. Es war also die Stellung der Synagoge im heutigen Leben zu behandeln. — Tatsächlich ereignete e"s sich, das3 jeder der drei Hauptreferenten dem Thema seine eigene stark individuelle, noch stärker situationsgebundene Deutung gab. Der Amerikaner Isserman versuchte die Glaubensgehalte des Judentums in Beziehung zu setzen zu der geistigen Situation der Zeit. Der Einfall war so übel nicht, wenn auch nicht übermässig originell. Es heisst sich die Sache etwas zu vereinfachen, wenn man sich begnügt, nur mit den Produkten unserer ungewöhnlichen Situation zu rechten oder sie schlechtweg abzulehnen. Wenn man schon um jeden Preis aktuell sein will, so möge man einmal bei der Wurzel anfangen und die geistigen Grundlagen unserer Zeit einer kulturellen und religiösen Analyse unterziehen. Das wäre ein Thema für eine Weltkonferenz, freilich dürfte es nur einem Wissenschaftler übertragen werden. Auf anderem Niveau bewegte sich das Referat von S w arsensky. Es wäre zu wünschen, dass dieses Referat an anderer Stelle in vollem Umfang seine Darstellung findet. Die legitime Organisationsform des Judentums war ihm die Kehilla als die geschichtliche Erscheinungsform des B'rit. Nur in ihrer dreifachen Gestalt als lernende (tora), betende (awoda) und helfende Gemeinde (g'milut chassadim) wird sie im modernen Leben bestehen können. Eine feste Gemeindegesinnung sei die Botschaft des Judentums in Deutschland an die Welt. In der Zeit der jüdischen Wanderung müsse die Wanderungsrichtung lauten: „Von Gemeinde zu Gemeinde". Zu diesem Problem sein ideelles und materiel- HOTELS » SAWATOÜlEN » FE^SIOME^?'?<?§^&<P>*' HEIM DR. FRITZ M. MEYER Boriin-Wilmersdorf, Güntzetstrasse 57 Seelische Behandlung Sprechstunde und Klinik 1 {Sanatorium Dr. Sciioenewald Herxs. Stoffwechselkrankheiten. Alle Diätkuren. SAD NAUHEIM Dr. med. PAUL WEISS BAD HOMBURG Diät-Kuren Das jüdische Kurhospital Ko Ibers Cöstseel im Seeu, Solbade (Erholungsheim für Kinder und Erwachsene) nimmt noch ab 24. August d. J. Erholungsbedürftige auf. Pensionspreis für 4 Wochen einschliesslich Solbädern und ürztl. Behandlung: Mk. 77.- für Kinder bis 13 Jahre, Mk.9S.- für Kinder Uber 13 Jahre und für Erwachsene. Gesuche sind zu richten an die Verwaltung des indischen KurSiospitals Balberg Privatpensioii Nähe Koblenz herrl. Lage, Liegewiesen, nimmt noch einige Sommergäste, sowie für grosse Ferien einige Schüler auf. Pension 4 Mahlzeiten Mk. 4.— nichtrit. 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