Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 25 (24.6.1937)
- Date
- 1937-06-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 18 C.-V.-Zeltung Nr.25 * 24.Juni!937 Lamartine entdeckt König David Vor etwa hundert Jahren unternahm der französische Dichter A. de Lamartine eine Reise nach dem Orient: sie führte ihn auch nach Palästina. Die Eindrücke dieser Reise sind in einer Schrift niedergelegt, die der Dichter 1835 erscheinen liess: „Voyage en Orient. Souvenirs, impressions, pensees et paysages." 2nde Oktober des Jahres 1S32 näherte sich Lamartine Jerusalem. Er gewann den ersten Eindruck der Stadt von dem hochgelegenen Platze aus, auf welchem einstmals der Tempel Salomos gestanden hatte. Lamartine war ein Lyriker des Herzens; er schaut mehr nach innen als nach aussen; er malt nicht in klaren Umrissen, was seine Augen erblicken, sondern dichtet lieber, was sein Herz angesichts dessen empfindet. Und dieses Herz empfindet hier oben die Nähe des Ortes, da König David einstmals seine Stimmen vernahm, um sie in Psalmen der Nachwelt zu überlassen. Und so dichtet Lamartine hier oben von Davids Dichten. Der rauschende, dithyrambische Stil Lamartines ist aus dem Französischen nicht leicht in eine andere Sprache zu übertragen; doch sei es im folgenden versucht: „Zur Linken des Tempelplatzes und der Mauern Jerusalems senkt sich plötzlich das Hügelland, das die Stadt trägt: es wird breiter und entfaltet sich vor unseren Blicken in sanften Hängen, die hier und da durch terrassenförmige, mit Steingeröll bedeckte Ebenen unterbrochen werden. Auf der höchsten Erhebung dieses Hügellandes und nur einige hundert Schritt von Jerusalem entfernt gibt es eine Moschee und ein Häuflein türkischer Baulichkeiten: das Ganze sieht einem europäischen Dorfe mit Kirche und bekrönendem Glockenturm nicht unähnlich. Das ist Zion! Das ist der Palast des Königs! Das ist das Grabmal Davids, der Ort seiner dichterischen Offenbarungen und Wonnen, seines Wirkens und seiner Ruhestunden, eine Stätte, mir doppelt geheiligt: meinem Herzen, das der göttliche Sänger so oft zu rühren, meinem Geiste, den er so oft zu entzücken gewußt! Er ist der erste Dichter des reinen Gefühls, er ist der König unter den Lyrikern^ Niemals sind, van menschlichen Organen Akkorde angeschlagen worden voll solcher Innigkeit und Feierlichkeit und so ins Herz eindringende; niemals hat der dichterische Gedanke zu solchen Höhen sich aufgeschwungen, niemals hat er ans so gerechter Not geklagt; niemals wurde eines Menschen Seele in so zarten Ergiessungen, in so mitleiderfüllten und herzzerreissenden Empfindungen vor Gott und Menschen ausgeschüttet. Alle ächzende Bedrängnis aus den tiefsten Verliessen des Menschenherzens hat auf der Lippe dieses Menschen und auf seiner Harfe ihre Stimme und ihre Melodie gefunden. Und bedenkt man, in wie weit zurückliegenden Tagen solcher Sang auf Erden ertönte, und dass die lyrische Poesie der gebildetsten Nationen damals nur von Wein und Liebe, Blut und Sieg der Wagen und Gesänge in Olympia sang; so wird man von einem tiefen Staunen ergriffen vor dem mystischen Aufundniederwogen in dem Liede des königlichen Propheten, der zu dem göttlichen Schöpfer spricht wie ein Freund zu seinem Freunde, der seine Wunder begreift und besingt, seine Gerechtigkeit rühmt, seine Barmherzigkeit erbittet . . . Mag ihn der Philosoph betrachten oder der Christ und dieser ihn einen Propheten nennen, jener nicht. — so wird man doch nicht leugnen, dass dem Sängerkönige dichterische Beseeligung zuteil ward wie keinem anderen Menschen. Man versuche, nach einem Psalm Horaz oder Pindar zu lesen! Ich, ich bin es nicht mehr imstande. Hätte ich. der bescheidene Dichter einer Zeit des Verfalls und der Sanglosigkeit. hätte ich in Jerusalem gelebt. — die Stätte meines Bleibens und den Fels meiner Ruhe würde ich eben da gewählt haben, wo König David in Zion ihn sich wählte . . .-Hierher, unter eine dieser Terebinthen, die Ururahne der Terebinthe, die mich jetzt beschützt, hierher kam der heilige Dichter, um den Gnadenhauch zu erwarten, der ihn so mit Melodien erfüllte. Warum kann ich ihndort nicht mehr finden, um das Leid meines Herzens und der Herzen aller Menschen dieser ruhelosen Zeitzu singen? so wie er die Hoffnungen eines Zeitalters sang, das voll Jugendlichkeit war und voll Gläubigkeit. Aber es gibt keinen Sang mehr im Herzen des Menschen, denn die Verzweiflung singt nicht . . Mitgeteilt und übersetzt von Walter Kornick, Berlin. Professor Adolf Loewy 75 Jahre Am 29. Juni vollendet der Physiologe Professor Adolf Loewy sein 75. Lebensjahr. Er ist geborener Berliner und erhielt schon früh durch den verstorbenen Bruder seiner Mutter, Professor Louis Waldenburg, die erste Anregung zur physiologischen Forschungstätigkeit. Auf der Universität übten seine Lehrer Du Bois- Reymond und Kronecker den stärksten Einfluss auf ihn aus. Wenn er sich auch als praktischer Arzt im Südosten Berlins niederliess, so erlahmte sein Forschungseifer nicht. Jede freie Stunde verbrachte er im Laboratorium von Professor Nathan Zuntz an der Landwirtschaftlichen Plochschule. Im Jahre 1895 hatte sich Adolf Loewy als Privatdozent an der Universität Berlin mit einer Arbeit habilitiert, die schon die Grundzüge seiner ganzen Forschungsrichtung, den respiratorischen Gaswechsel und die Blutzirkulation unter dem Einfluss von Arbeit, Höhe und Klima, enthielt. Die Ergebnisse seiner experimentellen Forschung, die er gemeinsam mit Zunfz, Caspari und Müller im physiologischen Institut und im Hochgebirge angestellt hatte, legte er in dem grundlegenden Werk „Höhenklima und Bergwanderungen in ihrer Wirkung auf den Menschen" nieder. Diesem Werk liess er zahlreiche Arbeiten in medizinischen Handbüchern folgen und veröffentlichte die Resultate seiner neuen Fragestellungen und Forschungen in den Werken „Blutgase und Stoffwechsel", „Seeklima und Seebäder", die seinen Ruf als Klimaphysiologen befestigten. 1909 gab er gemeinsam mit Zuntz ein „Lehrbuch der Physiologie" heraus, das mehrere Auflagen erlebte. Um die Jahrhundertwende erfolgte seine Ernennung zum Titularprofessor, dem erst siebzehn Jahre später seine Berufung zum ausserordentlichen Professor an die Universität Berlin folgte. Als 1922 das Schweizer Institut .für Hochgebirgsklima und Tuberkuloseforschung in Davos begründet wurde, konnten die massgebenden Faktoren keine glücklichere Wahl treffen, als den ebenso bescheidenen wie verdienstvollen 60jährigen Loewy mit seiner Leitung zu betrauen. Ihm verdankt es vornehmlich die Bedeutung und den Weltruf, die es durch die Arbeiten der aus dieser Bildungsstätte hervorgegangenen Forscher besitzt. Auch um die Organisation des Instituts machte sicH Loewy durch Anlegung neuer Forschungsstationen auf Muottas Muraigl und auf den Berner Grat verdient. Im Jahre 1933 legte Professor Loewy sein Amt nieder. In zwei Büchern zog er die Bilanz seines Lebens. Wie er zu seinem 70. Geburtstag eine „Physiologie des Höhenklimas" verfasste, unterbreitet der jetzt in Arosa lebende Gelehrte zu seinem 75. Geburtstag das in London erschienene Werk „Pathology high altitude climate" der Oeffentlichkeit als willkommene Gabe seines Wissens. 31. S. Ruest. Lenor Helft Im Alter von 66 Jahren ist Lenor Helft in Baden-Baden, wo er Erholung suchte, gestorben. Ein besonders gütiger und feiner Charakter ist mit ihm dahingegangen. Nach seinem Ausscheiden aus der weiHiber Frankfurt hinaus bekannten Lebensmittelfiliale Firma Schade & Füllgrabe, die er 30 Jahre führte, hat sich Helft auch auf sozialem Gebiet ausserordentliche Verdienste erworben. Bis zu seinem Tode gehörte er den Vorständen des Provinzial-Verbandes für Jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen-Nassau und des neugegründeten Jüdischen Altersheims an. Lenor Helft hinterlässt in den Kreisen des C.-V. und auch darüber hinaus viele, die aufrichtig um ihn trauern. A. EL J. Die „Informationsblätter" herausgegeben von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, liegen in Nr. 4'5 neu vor. Sie erfüllen ihre Aufgabe, in knapper Form über die Arbeit der verschiedenen Abteilungen der Reichsvertretung, der jüdischen Organisationen und Vereinigungen zu informieren und einen Ueberblick über das Arbeitsrecht und die verwandten Rechtsgebiete, soweit dieselben für den Juden in Deutschland von Wichtigkeit sind, zu geben, schliesslich auch über den Rechtsstatus im Wanderungsrecht zu unterrichten, wiederum in vorbildlich sachlicher Weise. Die Berichte über die einzelnen Gebiete werden jeweils durch' ein Literaturverzeichnis ergänzt, welches das Auffinden des einschlägigen Materials erheblich erleichtert. Für die praktische Arbeit bleiben die „Informationsblätter" damit auch weiterhin ein wertvolles Hilfsmittel. Ma. Go. ■^■■xf^v^i^. -st^':;^. •- -s:^ Einzelhandel im Heich ". ^^:C^>Ävä%^^ ^^%^^ Me.*-^y'f^'B:^h^h^:s'/?:i i ALTENBURG DÖBELN LEIPZIG MÜNSTER u W. iniiiiiiuiiuiiiiiininiiiiiiiniiiinuiiiiinniiniiHiiiiiiiniiiiuiniiniiiiiniiinriiininiiiiiiiiiiiiniiiim HEI^Z r Kaufhaus M. i S. 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