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Central-Verein-Zeitung · 1937-03-18 · 11 (18.3.1937) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
11 (18.3.1937)
Date
1937-03-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Wohin wende ich mich * l wenn ich eine Lehrftelle fuche? An das zuftändige Arbeitsamt, wenn ich in eine Kollektiv - Ausbildungsftätte gehen will? An die Jüdifche Gemeinde oder an die zuftändige jüdifche Bezirksftelle für Berufsausbildung und Berufsumfchichtung. Ausbildung. Die Jugendlichen werden zunächst an alle grundlegenden Arbeiten des Tischler- und Schlosserberufes herangeführt. Etwa nach einem dreiviertel Jahr werden ihnen grössere, kombinierte Aufgaben gestellt. Sie lernen das Arbeiten mit sämtlichen im Beruf vorkommenden Maschinen, die Instandsetzung und Behandlung derselben, wobei auf eine Spezialisierung noch kein Wert gelegt wird. Erst in der zweiten Hälfte des zweiten Jahres wird der Jugendliche auf Grund seiner Veranlagung auf dem einen oder anderen Gebiete gründlicher ausgebildet. Wir glauben, dass im Gegensatz zur üblichen vierjährigen Lehre bei einer so intensiven Ausbildung, bei der alles auf den Lehrling zugeschnitten ist, das Ziel in drei Jahren zu erreichen ist. Der theoretische Unterricht, der von bewährten Fachlehrern erteilt wird, schafft eine gute Fundierung des praktischen Wissens und ersetzt durchaus den Besuch von Berufsschulen. Nach erfolgter Ausbildung sollen unsere jungen Menschen in der Lage sein, im Auslande selbständig zu arbeiten und auf Grund ihrer Kennt- Ich habe sehr oft Gelegenheit, mich mit den Eltern Schulentlassener über die Ergreifung des landwirtschaftlichen Berufes auszusprechen: dabei habe ich festgestellt, dass gerade die Jugendlichen meist sehr viel Neigung zu diesem Beruf verspüren, während die Eltern oft mit grossen Zweifeln dieser Neigung ihrerKinder gegenüberstehen. Sie begründen diese mit der Befürchtung, dass ihr Junge der schweren körperlichen Arbeit bei jedem Wind und Wetter und unter vollkommen veränderten Lebensverhältnissen nicht gewachsen sein werde. Manche Eltern halten es sogar für unmöglich, ihrem Sohn zuzumuten, ohne eigenes Zimmer auf einmal mit zehn bis zwölf Jungen zusammen in einem Raum zu schlafen und dazu noch auf einem Ströhsack und ohne Federbett. Ausserdem befürchten sie, dass ihr Junge das einfache Essen einer Ausbildungstätte nicht vertragen werde und dergleichen mehr. — Wenn sie dann doch ihrem eiterlichen Mitgefühl einen Stoss versetzen, können sie nach oft erstaunlich kurzer Zeit feststellen, dass die meisten so verzärtelten und unzeitgemäss erzogenen Kinder sich sehr wohl fühlen und ganze Kerle geworden sind. Sie wollen nie mehr in die Stadt zurück und können es überhaupt nicht begreifen, wenn Aussenstehende ihr hartes Dasein bedauern. — Es ist eine Freude zuzusehen, wie schnell sich gerade ganz junge Menschen (zwischen 14 und 18 Jahren) in ihren Beruf finden und mit jedem Tag selbständiger und ehrgeiziger werden. Auch schwerste und schmutzende Arbeit leisten sie mit einer Selbstverständlichkeit, als wenn sie nie in ihrem Leben etwas anderes gesehen und getan hätten. Ihr Gespräch dreht sich während der Arbeits- und Freizeit vor allem um landwirtschaftliche Dinge, und sie sind alle von dem Willen beseelt, alles zu erfassen und zu ergründen, um später auch in der Lage zu sein, gute fruchttragende Felder und schöne Pferde und Rinder ihr Eigentum zu nennen. Die vielen Menschen, die bei mir ausgebildet wurden, sind schon nach allen Ländern der weiten Welt ausgewandert und ihrem Beruf treu geblieben; sie alle schreiben dankbar und zufrieden. Es hat sich nämlich bei ihnen als wahr erwiesen, dass sie überall auf der Erde ihren Beruf ausüben können, wenn sie hier, während der Lehrzeit, die Grundlagen von Ackerbau und Viehzucht richtig verstanden haben. Wie in jedem Beruf sind Lehrjahre keine Herrenjahre; das gilt für die Landwirtschaft noch mehr als für andere Berufe und wehe dem zukünftigen Landarbeiter. Siedler oder landwirtschaftlichen Beamten, der nicht von Grund auf alle Dinge, die sein Beruf mit sich bringt, erlernt hat! Er wird schweres Lehrgeld zahlen müssen. Darum kann auch die Ausbildung gar nicht hart und nachhaltig genug sein und wer einwendet, es wäre für die jungen Menschen oft zu schwer, erweist ihnen mit seinem Mitleid einen recht schlechten Dienst. Dass es notwendig und nützlich für das Judentum ist, seine Jugend wieder zur Landwärtschaft zurückzuführen, steht ausser Frage. Fest steht, dass auch der Jude in diesem Beruf Gutes leisten und im Leben vorwärts kommen wird. Je länger und mannigfaltiger die Ausbildung ist, desto wertvoller ist sie, und die Eltern, aber auch die Jugendlichen, die glauben, dass man in einem oder anderthalb Jahren ausreichend für den Beruf vorgebildet sei, legen an die Erlernung der Landwirtschaft einen Masselab an, wie sie dies manchmal von der Ernisse ihr Brot zu verdienen. .Wir wollen sie während dreier Jahre zu zuverlässigen Handwerkern, zu aufrechten und tüchtigen Menschen machen, die von ihrem Beruf erfüllt sind, Liebe zu ihrer Arbeit empfinden und Freude am Schaffen haben. Neben dieser beruflichen Ausbildung, die im Grunde genommen heute noch im Anfangsstadium steckt und, wenn auch mit beträchtlichen Mitteln noch wesentlich stärker ausgebaut werden muss, darf die allgemeine geistige Fortbildung nicht ausser acht gelassen werden. Eine durch die Not und den äusseren Einfluss sich heute schon bemerkbar machende Minderung unseres geistigen Niveaus macht es dringend erforderlich, unseren jungen Handwerkern auch hierbei zu Hilfe zu kommen. Wir müssen trotz der Umstellung auf eine andere Berufsstruktur, die sich im wesentlichen mehr auf die körperliche Arbeit erstreckt, dafür Sorge tragen, dass der jüdische Handwerker zu einem auch mit dem Kopf arbeitenden Handarbeiter wird. Die öffentlichen Stellen haben auch hierin bereits massgeblich dahin gewirkt, indem sie an den verschiedenen Lehrhäusern innerhalb ihres Lehrprogramms besondere Kurse für handwerkliche Lehrlinge eingerichtet haben, die in jeder Weise ihrem Aufbau nach die Einstellung und körperliche Arbeit der Lehrlinge berücksichtigen. Soweit die Jugendlichen in Bünden sind, wird von dort aus in. dieser Beziehung gesorgt werden. Die grosse Masse muss aber auch auf diese Wege hingewiesen werden. Bei Zusammenfassung all dieser aufgeführten Faktoren wird es uns gelingen, unseren Nachwuchs zu Handwerkern zu schulen, die fachlich und menschlich hochqualifiziert sind. lernung anderer Berufe gewöhnt sind. Es gibt natürlich auch Jungen, die für die Landwirtschaft ganz: besonders begabt sind und in erstaunlich kurzer Zeit gute Leistungen zeigen. Meistens sind dies aber Jungen, die durch ihre Vorfahren irgendwie mit dem Lande verknüpft sind. Die praktische Erfahrung zeigt auch, dass der eine oder andere sich für einzelne Zweige der Landwirtschaft mehr oder weniger eignet, und dass in den Jungen von selbst der Wunsch lebendig wird, sich in dem ihnen am meisten liegenden Berufsgebiet zu vervollkommnen. Hier empfiehlt sich eine gewisse Vorsicht, denn es wäre grundfalsch, frühzeitig den Hang zum Spezialistentum, wie er oft ausgeprägt ist, zu fördern. Hier heisst es: erst eine breite Grundlage schaffen, dann Spezialisierung! Die Frage der Eltern über die Zukunftsmöglichkeiten des Berufes möchte ich damit beantworten, dass Landarbeiter überall gefragt sind. Ausserdem: landwirtschaftliche Ausbildung ist eine gesunde Grundlage, sich zu bewähren, auch, wenn das Leben den Menschen einmal mit einem ganz anderen Beruf in Berührung bringt. Eines aber ist sicher: wenn es unseren vielen Organisationen, die sich mit Auswanderung praktisch beschäftigten, gelingt, in verstärktem Mass Siedlungsland zu beschaffen, dann werden die in der Landwirtschaft ausgebildeten Jugendlichen nicht nur sich, sondern vielleicht auch einmal ihre Angehörigen draussen ^ernähren können. Die Hauptsache ist und bleibt, dass die Jungen ihren Beruf ungestört erlernen können, Englische Reifeprüfung Das Landschulheini Florenz, eine höhere Schule und Internat, hat mit dem Beginn des neuen Schuljahres die Möglichkeit erhalten, das englische Abiturium, die Schoo] Certificate Examination. vorzubereiten. Die Schüler können das Abiturium vor einer von der Universität Cambridge eingesetzten Kommission bestehen. Die Schule hat ausserdem die Berechtigung zur Vorbereitung für das italienische Abitur. Der Unterricht wird von italienischen, englischen und deutschen Lehrkräften erteilt. Auch das Reformrealgymnasium des Philanthropins Frankfurt am "Main (Schulwerk der Israelitischen Gemeinde mit eigener Verwaltung durch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, den ..Schulrat des Philanthr'opins") hat das Recht der englischen Reifeprüfung (school certificate examination) zuerkannt erhalten. Das Philanthropin in Frankfurt am Main beginnt im April sein 133. Schuljahr als jüdische höhere Lehranstalt. Reifeprüfung in der Adass-Schule Am Dienstag, 16. März, fand unter dem Vorsitz des Oberschulrats Kleine der Schulabteilung für höhere Schulen beim Stadtpräsidenten der Reichshauptstadt Berlin am Realgymnasium der Israelitischen Synagogengemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin die Reifeprüfung der Unterprimaner statt. Wie bisher haben auch diesmal sämtliche Prüflinge die Prüfung mit Erfolg abgelegt. Der Hälfte von ihnen konnte das Werturteil „mit gut bestanden" zuerkannt werden. Die öffentliche Entlassungsfeier findet Sonntag, 21. März, vormittags 11 IJhr, in der Aula des Realgymnasiums, Siegmundshof 11, statt. Der „Uebergangskursus" Diezeschool, Amsterdam, hat seit Juni 1933 für Kinder deutscher Herkunft Kurse eingerichtet, die für folgende Schulen in Amsterdam vorbereiten: Grundschule, Real- und Oberrealschule, H. B. S., Lyceum, Gymnasium, Fachschulen für Knaben, Industrie und Haushaltungsschulen für Mädchen. und besonders von 'den besorgten Eltern nicht durch übermässigen Urlaub und zu lebhaften Briefwechsel von der Umstellung abgelenkt werden. Endlieh noch einiges zur Eignungsfrage: Jeder Ausbildende weiss, ob sein Schüler sich für die Landwirtschaft eignet oder nrcht, und es ist selbstverständlich, dass Jugendliche, die zu diesem Beruf gar keine Lust und Liebe finden können, besser daran tun, etwas anderes zu erlernen. Wer aber für die Landwirtschaft geeignet ist, wird sicher schon hier in vielen Dingen — sei es nun Schmiede, Stellmacherei, Milchwirtschaft oder Umgang mit Pferden, eine Neben der Berufsausbildung in der Lehrstelle spielt heute die Berufsfortbildung eine wichtige Rolle. Unser. G.-F.-Mitarbeiter hat deshalb mit Hans Deutschkron, dem Abteilungsleiter der Berufsumschichtungsstelle der'lüdischen Gemeinde Berlin, eine Unterhaltung über Möglichkeiten der Berufsfortbildung geführt. G. F.: Die Entwicklung der letzten Jahre hat die öffentlichen jüdischen Stellen dazu genötigt, sich weitgehend der beruflichen Erziehung der Schulentlassenen anzunehmen. Dies gilt auch für die Berufsfortbildung, deren Bedeutung durch die erhöhten Ansprüche, die man auf dem Arbeitsmarkt im In- und Auslande gerade an den jüdischen Bewerber stellt. Ich möchte beginnen mit der Frage nach der Fortbildung des Kaufmannes, des so stiefmütterlich behandelten Berufes, den aber durch die Verhältnisse zahlreiche Jugendliche ergreifen müssen. H. D.: Diese stiefmütterliche Behandlung erfolgt doch vor allem deswegen, weil man im allgemeinen annimmt, dass ein Kaufmann nicht auswanderungsfähig ist. Dabei ist es durchaus möglich, ihn auswanderungsreif zu machen, wenn er neben der selbstverständlichen guten kaufmännischen Allgemeinbildung seine Branchenkenntnisse vertieft, sich buchhalterische Kenntnisse und gute Kenntnisse in Stenographie und Schreibmaschine — wenn irgend möglich auch in der Sprache des Einwanderungslandes — erwirbt. Die Sprachkenntnis ist dabei das wichtigste Moment. Denn für den Kaufmann ist die Sprache quasi der Werkstoff. Sprachkenntnisse, wie man sie in der Schule erwirbt, reichen nicht aus. Zumindest die Landessprache muss man beherrschen. Von den jüdischen Organisationen sind deshalb eine Reihe von Einrichtungen, die allen diesen Zwecken dienen, geschaffen worden, vor allem die Handelsschule der Jüdischen Gemeinde, die neben einer Reihe von privaten jüdischen Ausbildungsstellen Buchhaltung, Stenographie (deutsche und fremdsprachliche) und Maschinenschreiben lehrt, ferner die S p r a ch e n sch u 1 e der Jüdischen Gemeinde. Branchenkenntnis ist natürlich nur im Betrieb zu erhalten, so z.B. wenn jemand, der in der Industrie zur Ausbildung oder als Angestellter tätig ist, auch einige Zeit bei der Fertigung selbst mitarbeitet, um so genauestens Material- und Herstellungskenntnis zu gewinnen. G. F.: Trifft vieles hiervon nicht auch für den Handwerker zu? H. D.: Für den Handwerker sieht es doch etwas anders aus. Da die handwerkliche Ausbildung nach den Vorschriften der Innungen verläuft, zu denen auch der Besuch der Fach- Neue Schüler können täglich eintreten. Pension wird eventuell besorgt. Ausserdem sind auch für Erwachsene folgende Tages- und Abendkurse eingerichtet: ~Handelsbranche, Efi'ekten- und Geldhandel, für Studierende auf verschiedenen Gebieten, für Kontoristen, Verkäufer und Verkäuferinnen, für Technici und für Künstler. Die Schüler und Schülerinnen der Regent's Park School in London gaben am 14. März d. J. ein Konzert zugunsten bedürftiger jüdischer Kinder unter Leitung der bekannten Musikpädagogin Mrs. R. Fienemann-Inländer vor ausverkauften! Haus. Das Konzert zeigte, wie die Musik auch dem unbegabtesten Kinde zugänglich gemacht werden kann. — Kinder-Symphonien von Haydn und Reinecke sowie Pianoduette umrahmten die 13 Etudenspiele. Handwerkliche. Berufsausbildung an der Schule am Mittelmeer. Nach Vereinbarung mit den italienischen Behörden ist der seit drei Jahren bestehenden Schule am Mittelmeer eine Abteilung für handwerkliche Berufsausbildung für Schüler im Alter von 15 bis 19 Jahren angegliedert worden. Die Lehrlingsschüler unterstehen der Aufsicht eines deutschen Fachmannes, der in ständiger Fühlung mit den italienischen Handwerksmeistern die Ausbildung überwacht. Die Handwerksausbildung steht in Verbindung mit dem allgemein bildenden und allgemein vorbereitenden Unterricht der Schule. Nach Abschluss der Lehrlingszeit erhalten die Schüler ein bestätigtes Zeugnis der Handwerksmeister und von der Schule ein Schulzeugnis. Für die toratreue Schule Am 10. März veranstaltete die Berliner Misrachi-Gruppe gemeinsam mit dem Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums und dem Verein gesetzestreuer Lehrer und Lehrerinnen eine Kundgebung, in der die Schaffung einer toratreuen jüdischen Schule in Berlin gefordert wurde. Nach begrüssenden Worten des Gemeindevorstandsmitgliedes Adolf Schoyer. wies Oberrabbiner Drt Joseph gewisse Vervollkommnung erreichen. Grundsätzlich sollen die Jungen mit körperlichen Fehlern dem landwirtschaftlichen Beruf fern bleiben, ebenso solche mit charakterlichen oder geistigen Mängeln; auch für die Landwirtschaft ist ein gesunder Verstand und offenes Auge notwendig und der Landwirt muss geistig beweglich' sein, um mit Erfolg wirtschaften zu können. Der Weg, den die gehen, die Landwirte werden wollen, ist oft schwer und stellt mannig-, fache Anforderungen. Wer aber das gesteckte Ziel erreicht, wird innerlich stets befriedigt sein, denn der gute Landwirt sieht vor Augen, was seine Hände geschaffen haben. berufsschule und eventuell der Innungsfachschule gehört, ist sie im allgemeinen in ihrem gesamten Umkreis gesichert. Auch bei den Ersatzeinrichtungen der jüdischen Körperschaften sind diese Forderungen berücksichtigt. Für Lehrlinge, denen aus verschiedenen Gründen der Besuch der Fachschulen nicht möglich ist, wird daher Fortbildung oder theoretische Ergänzung durch private Fachschulen gewährt werden können, die zu einem Teil durch Inserate, zu einem Teil auch durch die jüdischen Bezirksstellen in Erfahrung gebracht werden können. Ausserdem wird jetzt in Berlin eine Lehranstalt für gewerbliche Ausbildung von der Gesellschaft „ORT" vorbereitet. In vielen Berufen ist es möglich, höhere Fachschulen nach einigen Jahren der Berufstätigkeit zu besuchen, die Webereifachschule, die Färbereitechnische Fachschule, das Technikum usw., deren Besuch im allgemeinen entsprechend dem numerus clausus möglich ist. Selbstverständlich ist die Vorbereitung der Auswanderung durch Erlernung der Sprache des Einwanderungslandes auch für Handwerker notwendig. G. F.: Wie weit deckt sich nun diese Berufsfortbildung mit der so häufig geforderten Spezialisierung im Beruf? H. D.: Solange man. über das Einwanderungsland des Auszubildenden, über die wirtschaftliche Struktur dieses Landes und über die Frage, welche Industrie vorhanden ist, nichts aussagen kann, solange lässt sich auch nichts über eine Spezialisierung, die sich immer nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes richten muss, bestimmen. Ein Maschinenschlosser kann eben nur in einem Lande, in dem Maschinenindustrie vorhanden ist, unterkommen, und im Urwald kann man ihn nicht gebrauchen. Ich bin gerade im Gegenteil der Meinung, dass es notwendig ist, eine breite Berufsbasis zu geben, und. zwar in einem Standardberuf, z. B. also nicht als Autoschlosser oder Schreibmasehinenmechaniker, sondern als Schlosser mit Kenntnissen der Hand- und Maschinenarbeit Später ist dann eine Spezialisierung auf ein ganz bestimmtes Ziel hin natürlich stets zu empfehlen. Bei der Notwendigkeit einer gründliehen fachlichen Ausbildung darf nicht vergessen werden, dass zum „Fit for Life" nicht nur eine fachliche Qualifikation gehört; es erscheint notwendig, auch hier darauf hinzuweisen, dass eine Verbreiterung der Allgemeinbildung und eine Vermehrung des Wissens dazu unbedingt erforderlich sind. Eine solche Aufgabe zu erfüllen, wird neben der Jugenderziehung in Zukunft in stärkerem Masse als bisher das Lehrhaus berufen sein. C a r 1 e b a c h auf die Notwendigkeit hin, die überzeitliche Kultur Israels durch eine feste, jüdisch religiös ausgerichtete Erziehung zu gewährleisten. Den gleichen Wunsch brachte Rabbiner J. Nobel im Namen der von ihm vertretenen Lehrerkreise dar. Zu den pädagogischen Einzelheiten einer gesetzestreuen Schulerziehung äusserte sich Rabbiner Dr. Alexander Alt mann, der an den bestehenden jüdischen Schulen eine ausreichende Verbundenheit der Lehrkräfte mit dem jüdisch-religiösen Ideengut vermisst. Die von der Gemeinde aufgebauten Einheitsschulen, die gleichzeitig für liberale und gesetzestreue Kreise gedacht sind, seien in Wirklichkeit keine Einheitsschulen, sondern Mischtypen. — Mit einem durch Rabbiner Dr. Harry L e v y vorgebrachten Appell an die Berliner jüdische Schulverwaltung, dem Wunsche der Redner und der Versammlung Rechnung zu tragen, schloss die Veranstaltung. Rck. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums veröffentlicht das Vorlesungsverzeichnis für das Sommersemester 1937. Neben den für das theologische Studium notwendigen Vorlesungen in den Talmud- und Bibelwissenschaften ist die Abteilung der Vorlesungen, die auch Nichttheologen interessieren, weiter ausgebaut. Als Dozenten werden Baeck, Berney, Elbogen, Freund, Friedländer, Guttmann, Herrnstadt-Oettingen, Liebeschütz, Metzger, Oppenheimer, Ormann, Rosenthal, Sister, Stillschweig, Täubler und Wiener lesen. Für Hörer, die nur nebenberuflich oder zur Ergänzung ihres bisherigen Studiums Vorlesungen belegen wollen, werden Vorlesungen und Uebungen über Philosophie, Psychologie. Pädagogik, Literatur, Sprachwissenschaften, Geschichtswissenschaft und Gesellschaftslehre ein reiches Betätigungsfeld bieten. Das Vorlesungsverzeichnis ist erhältlich bei der Lehranstalt, Berlin N 4, Artilleriestrasse 14. Alles Nähere, besonders auch Einzelheiten über Aufnahmebedingungen, ist aus dem Verzeichnis ersichtlich. Der junge Landwirt Von Walter Sanclelowski, Leiter der landwirtschaftlichen Ausbildungsstelle Lobitten Beruf sfortbildnng Eine Unterhaltung mit Hans Deutsehkron Abteilungsleiter bei der Berufsumschichtungsstelle der Jüdischen Gemeinde

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