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Central-Verein-Zeitung · 1924-01-10 · 1-2 (10.1.1924) · p. Seite 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
1-2 (10.1.1924)
Date
1924-01-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Z Worte der Anteilnahme und erinnerte ihn an jenen Vortrag des Rosnerschen Liedes „Im Schützengraben". Er antwortete mir damals, daß ihn dieser Vortrag, den er selbst gehalten habe, sowie dieses Lied in seinem Leide besonders gestärkt und getröstet habe. Und als ich ihn kurz daraus wiedersah, fand ich ihn wirklich getröstet durch seine Vaterlandsliebe, die so echt war wie die Vaterliebe. Unsere Auffassung vom Judentum. Wie steht -es nun mit Fuchs'Auffassung vom Judentum? Das Vorhandensein einer besonderen j ü d is ch e n Eigenart hat er von jeher anerkannt. Aus der Hauptversammlung des Centr-al-Vereins vom 30. Mürz 1913 betont er: „Wir sind ein Ee ntral-V erein jüdischer Deutscher". In dem gleichen Reserat führt er darum aus: „Es wäre miau s r i ch t i g z u l c u g u c n, daß ich als Jude eine b e s o n d e r e Ei g e n a x t habe, daß die jüdische Abstammung, das jüdische Vaterhaus mir nicht eine bloß religiöse, sondern auch eine besondere geistige und wohl auch körperliche Prägung mitgegeben haben. Was Achad Haarn von sich sagt, kann ich auch von. mir sagen: ,J ch denke d e u t s ch u n d f ü h l e j ü d i s ch.' Ich bin ein Mensch tu der angeborenen jüdischen Prägung, die als Erbschaft von Jahrtausenden in mir lebt und wirkt. Ich habe es nicht nötig, mich vor der lebendigen Wirklichkeit abzuschl testen, um weiter Jude bleiben zu können, und ich brauche nicht mir selbst mein Jndesein wegzudwputieren, um Mensch unter Menschen sein zu können." (Vgl. Al Paraschat Tcrachim I, 132; Ehrenpreis, „Der Jude" 1916, S. 364.) „Für mich liegt die Synthese von Deutschtum und Judentum in folgendem: I ch b i n D e u t f ch e r v o n N a t i o n , Jude v o n 3L e l i g t o n innb Stam m e s w e g e n. Wie -mir die Zugehörigkeit zu Preußen, die schlesische Heimat, das Kansmannshaus der Eltern-, die akadetnisch-jurfftisch-advokatorische Tätigkeit eine gewi-sje^ Prägung anfgedrückt, haben, so hat es ganz besonders auch das jüdische Elternhaus, die jüdische Umwelt getan, in der ich ergogcn. bin und in der ich weiter lebe. Aber diese Art und t W m m e s p r ü g u n g d v f f c r c n g t c x i m i ch n i ch t i n n a t e 2 n -al e r Bezi e h um g v o n d e n d c lt t s ch e n C h r i st c n, beeinträchtigt meine Zugehörigkeit zur Gatt it n g Volk nt ch t undentfr emd c t nti ch d e nt Deutscht u m so wenig, so w e n 1 gdie b e ■[ >o n d e r e S t a in in c s - Prägung in nationaler Beziehung den sriesis ch e u Bauern v o nt r h eint s ch e n I n d u st r i e a r b e i t c r oder Dom Berliner Proletarier trennt. Ich fühle mich als Anwalt sozial und geistig dem christlichen Anwalt ' näher als dem jüdischen Händler oder Handwerker. Hier in der Hemmt werden wir uns nur mehr der trennenden als der gemeinsamen Eigentümlichkeiten bewußt. Ich bin fest überzeugt, daß, wennich mit einer Reihe von Menschen in die fremde Wildnis verschlagen würde, ich zuerst Annäherung - an den Deutschen suchen würde, mag er Jude oder Ehr ist fein, und daß ich nicht in allererster Reihe zu dem mich hingezogen fühlen würde, der nicht Deutscher, aber Jude ist. So wie -ich, wenn die Erdteile gegene utanderstehen, mich auf die Seite 'der Europäer stellen würde, gleichgültig, ob sie Christen oder Juden sind, und mich keineswegs zu Afrikanern oder Asiaten hingczogen fühlen wunde, bloß weil sie Juden sind." Ter Ewigkeitsgedanke des Judentums, sein leidenschaftliches Eintreten für Gerechtigkeit, für Frieden, für innere Weihe haben Eugen Fuchs immer vorgeschwebt. Er war Zwar niemals das, was wir. heute einen gesetzestreuen Juden -nennen: er lehnte aber jede niederreißende Bewegung, die vielfach mit dem irrtümlichen Namen Liberalismus belegt wird, mtf das schärfste ab und trat stets nicht nur für die Erhaltung, sondern auch für den A u f b a u a l l e r j ü d i s ch e n Werte ein. Darum empfand er besonders das Unrecht, das in _ der verallgemeinernden Verurteilung der Osts reden liegt, und ihm ist es Zu verdanken, wenn in vielen Kreisen unserer Freunde das judenfeindliche Geschrei, das a lle Ostjuden als Lumpen und Gauner bezeichnet, endlich einer besseren Einsicht weicht. Gewiß hat Fuchs dahin gestrebt, daß jeder unserer Feinde mit Bileam, wenn auch widerwillig sagen mutz: „Man erblickt nichts Böses in Jakob und sieht kein Unrecht in Israel." Gewiß hat mit Steinthäl auch Eugen Fuchs die Bescheidenheit gepredigt und hat verlangt, daß der Jude, der den Idealismus in die Welt gesetzt hat, sich streng beurteile und hart strafe. - Steinthäl hat gewünscht, daß die Juden sich die Uebertriebenheit in der Verurteilung ihrer eigenen Fehler erhalten mögen und hat gesagt: „So wollen wir stolz sein, daß man uns diese Fehler zu .so schmählichem Vorwürfe macht" und hat weiter ausgeführt, daß uns diese Fehler am wenigsten anstehen, weil wir die Propheten gehabt haben, weil wir durch eine m e h r e r e tausend I a h r e w ä h r e n d e Leidensschule der'Religion und Sittlichkeit gegangen sind, weil wir beweisen müssen, daß wir diese Schule nicht ohne Erfolg durchgemacht Habens. Aber Fuchs hat uns auch gesagt, wir sollen nicht verkennen, d a ß , wen n w i r i m B ü ß e r h e m d e u n d m i t Lilien in der Hand über die Straßen wandeln \v ür den, der Judenhaß vieler nich t uin ein De u t geringer sein werde. Das sollten wir nie vergessen! Die Liebe ginn Judentum und die Liebe zur Wahrheit haben Fuchs harte Worte gegen diejenigen finden lassen, w e l ch e d i e T a u s e o h n e o d e r g e g e it ltebcrjcugung geno m m e n habe n. Hatte schon Rießer davon gesprochen, daß das auf den Schlachtfeldern vergossene Blut die einzige Taufe ist, die wir als berechtigt anerkennen können, so hat Eltgen Fuchs das Bekenntnis geprägtz: „Stolz und T r e u e geboten e s u n s , d e n K a m P f n i ch t b l o ß g e g e n d e n A n t i s e m i t i s m tt s, son d c r n a u ch g e g e n das Renegat e n t u nt zu s ü h r e n."ff Cenkiralverein und Naiwnaljudenium. Die heiße Liebe zum Judentum läßt es als selbstverständlich erscheinen, daß Fuchs sich in weitem Umfange mit dem N a t i o n a ljudentu m befassen rurtßte. Ein zionisti - scher Führer äußerte einmal mir gegenüber, er sei der Auffassung, daß Fuchs sich sicherlich zum Nation a! j u d e n u n d s i ch e r l i ch a u ch Z u m Z i o n i st e n e n t w i ck e l t h ä t t e, wenn er zwanzig Jahre später.geboren wäre. Ni cht s ist so salsch w ie diese Auff assun g! Wie ist sie entstanden? Fuchs ist stets ein Feind häßlicher innerer Kämpfe gewesen. Keiner hat es so bedauert wie Fuchs, daß in dem Kampfe zwischen Nationaljuden und jüdischen Deutschen so unsachlich, so hart und so gehässig gestritten wurde, wie es in früheren Zeiten vielfach der Fall gewesen ist. Fltchs hat mit mir stets anerkannt, daß gerade unter den Führern des Nationaljudentmns eine große Reihe hoch ehrenwerter, von reinstem Idealismus getragener Persönlichkeiten zu finden ist, deren Anschauung man vielfach entgegentreten muß, deren Charakter und Gesinnung aber rein und makellos dastchen und die genau so wie wir dem Judentum helfen wollen. Aber in der Gesinnung kannte unser Führer keine K o m p r o miss e; im Gegenteil, er war einer der schärfsten unter uns in der Frage des Nationaljudentums: „Wer von sich sagt, daß er dentschnational und jüdischnationäk sei, mit dem wird unsere Auseinandersetzung sehr leicht sein. Nach meiner Auffassung liegt nur ein Streit um Vokabeln vor. I ü d is ch n a 11 o n a I i st j a nur eine Vokabel, ein inkorrekter Ausdruck für ein historisches Stammesbewußtsein . . . . . . Das Bewußtsein, daß ich eine andere Religion habe, ist mir früh zu Gemüte geführt worden, schon als Knabe, wo ich als Schüler der Elementarschule mit katholischen und evangelischen Kindern Religionskriege führte. Daß wir Judenjungen aber nicht nationäldeutsch seien, haben wir auf der Schule nicht gewußt und erst recht nicht auf der Universität . . . . . .Das Bewußtsein, deutsch zu werden, brauchte ich nicht, weil ich das im Gefühl hatte. Bei mir liegen die Dinge daher so, daß ich mir nicht ein deutsches National- Bewußtsein e r st e i n z u r e d e n b r a n ch e, sondern ich müßte m i r geradezu d a s j ü d i s ch e Nationalb e w u ß t s e i n d i r e k t e r st e i n r e d c m Und nun frage ich: Ist »es notwendig, daß ich mir dieses jüdische Nationalbewußtsein einrede? Ist es notwendig um des Judentums wegen? Ich sage nein. Ich mag und brauche kein jüdisches Nntionalbewußtfetn; denn die seelischen Werte des Judentums liegen für mich nicht in der Nationalität, die seelischen Werte des Judentums liegen für mich in seiner Religion, seinem Schrifttum, seiner Geschichte als Religionsgemeinschaft. Ich habe von den staatlichen und nationalen Taten großer Judenkönige äußerst wenig gelernt und behalten: für mich sind Salomon und David nicht die großen Staatslenker, sondern sie sind die göttlichen Sänger. Sie sind die Religionsfürsten. So stolz ich auf Judas Maccabäus bin, die seelischen Werte des Judentums liegen für mich nicht in' dem . Judenstaat, seiner Bedeutung als VvK und Nation, seinem Kampfe gegen Rom, sondern sie liegen in den Propheten und in dem, was die Propheten der Welt gegeben haben. Wir haben es nicht nötig, unser Judentum auf eine nationale Grundlage Zurückzurevidieren, 2) ©fit. den Aufsatz „Bescheidenheit" von Steinthäl. «Allgemeine Zeitung des Judentums", 3800. Nr. 50. -*), Eugen Fuchs: .„Um Deutschtum und Judentum", S.326.

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