Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 16 (19.4.1923)
- Date
- 1923-04-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Dr. Josef Meist. Geschichte der Jude« Ln Bolen im- Rußland. 2 Bände. Berlin 192.1 und 1923. C. A. Schwetschke u. Sohn. Die beiden ersten bis jetzt erschienenen umfangreichen Bände des groß angelegten Werkes umfassen den ZciLrauin von. den ältesten Seiten bis Zur ersten Teilung Polens. Die Kosakenaufstände in der Mitte des ,,17. Jahrhunderts und ihre Einwirkung auf die Verhältnisse der russisch-polnischen Judenheit bilden die zeitliche Grenze Zwischen den beiden vorliegenden Bänden. Ein dritter, welcher den Zeitraum von 1764 bis zur Gegenwart behandelt und den Schluß des Gesamtwertes bilden soll, wird angekündigt. Der Autor gibt an, daß seine historische Darstellung 311111 Teil auf handschriftliche Vorarbeiten aus anderer Feder, die ihm zur Verfügung standen, beruhte. Es ist aber nicht erkennbar, in welcher Ausdehnung diese Benutzung seinerseits erfolgt ist. Bei der großen Fülle von geschichtlichen Einzelheiten, mit denen die Gesamtdarstellung ansgestattet ist und deren dokumentarische Nachprüfung der gelehrten Fachkritik Vorbehalten bleiben muß, wäre eine genauere Kenntlichmachung der, wenn auch nur kompilatvrischen, Vorarbeiten wünschenswert. Jedenfalls ist die übersichtliche Disposition des gesamten Stoffes und die klare Darstellung desselben dem jetzigen Verfasser als Verdienst anZurechnen. Ihm ist gewiß auch der politische Stand p u n t t zuziischreiben, von dem aus das historische Geschehen in dem Werke beurteilt wiro. Der Verfasser steht im n a t i 0 n a l j ü d i s ch e n Lager, nicht im zionistischen, woraus seine kühle Haltung gegen das den gleichen Stoff behandelnde Dubnowsche Geschichtswerk sich erklärt. Tie jüdische Geschichte ist nach ihm „in erster Reihe nationale Geschichte, Geschichte eines Stammes, dessen gewaltigste welthistorische Leistung in seinem monumentalen religiösen Lehrgebäude besteht, der aber darum noch keineswegs zur „Konfession" geworden ist, sondern als ein belebender Organismus weiter besteht." Die palästinvphile Bewegung im modernen Zionismus bleibt nach ihm, „obwohl vielleicht die konkreteste Willenskundgebung der nationalen Wiedergeburt, nur auf einen Bruchteil des Volkes beschränkt und muß die Lösung der großen nationalen Probleme aus sozialem, vor allem ans wirtschaftlichem Gebiete, der mehr auf die Aussöhnung mit den Zuständen des Exils gerichteten i n n e r e n Politik überlassen." Von diesem seinen prinzipiellen Gesichtspunkte aus nimmt der Verfasser für sich das Recht in Anspruch, bei aller geschichtlichen Wahrheitsliebe und objektiver Berichterstattung der Tatsachen doch deren Gruppierung und Deutung mit seiner nationaljüdischen Gesinnung in Einklang zu bringen. Ja, er geht in diesem Bestreben manchmal sehr weit. Sv verweist er die Behauptung von dein „chasarischen Einschlag" der russischen Inden schlankweg in das Gebiet der Fabel, obwohl auch seine Darstellung keinerlei triftiges Beweismaterial für die Fabelqualität beizubringen vermag. So ignoriert er auch einfach die Bewegung der russischen Judenhäretiker in der Mitte des 15. Jahrhunderts die Herrschaft des genuesischen Judenabkömmlings Zachiarias de Gumzvlfi über die Krimhalbinsel (1419) hinsichtlich ihrer natürlichen Ergebnisse der Blutmischung. Für ihn ist sogar die jiddische Sprache nicht ein deutsches Kulturgut, das die im Mittelalter nach Osten vor ihren fanatischen christlichen Verfolgern fliehenden Inden aus Deutschland mitgebracht und im Sturm der Zeiten Zäh und ausdauernd unter der ihnen neuen slawischen Umwelt bewahrt haben, sondern diese mittelhochdeuEche Sprache ist ihm ein nativnaljüdisches Geiftesprodukt. Für diese sprachgeschichtliche Theorie wird Meist kaum viel Anhänger finden. Gemäß der historischen Entwicklung des russischen Zarenreiches und seiner Bestandteile, besonders Polens, zerfällt auch die Geschichte ihrer Juden in provinzielle Teilgeschichten, die im einzelnen zwar voneinander nach Zeit und Art divergieren, aber in ihrer Gesamtheit doch immer dasselbe Bild bieten, nämlich einen ewigen Wechsel von Perioden grausamster Unterdrückung und blutiger Verfolgung und von Perioden verhältnismäßigen Aufblühens und tätiger Mitarbeit an dein Gedeihen ihres Wohlstandes. Mit unendlichem Fleiß und kritischer Sorgfalt verfolgt Meisls Buch alle diese Phasen und geht dabei auch keineswegs an denjenigen jüdischen Verfehlungen, besonders ans wirtschaftlichem Gebiet, stillschweigend oder beschönigend vorüber, durch welche die Mißgeschicke ihrer Glaubensgenossen mit herbeigesührt oder verschärft worden sind. Einzelne Kapitel des Buches sind zu gedrängten, aber gehaltvollen Monographien über das jüdische Schulwesen, über die Kultur- und Literatnrentwicklnng, über das Sektenwesen der Inden in Rußland und Polen ansgestaltet. Wie man auch zu der allgemeinen geschichtswissenschafttichen Auffassung des Autors und zu seinen Einzelresuttaten stehenmag, man wird vielfache wertvolle stoffliche Belehrung aus seinen Büchern schöpfen können, eine Belehrung, die namentlich für die westlichen Juden angesichts des von unfern antisemitischen Feinden neuerdings wieder mit alter Erbitterung ansgenominellen Feldzuges gegen die zugewanderten Ostjnden ein nicht zu n n tersch ätzendes quellen mäßiges Avwehrin a terial bietet. Dr. F. Rosen bäum. Indische Geschäftsreisende: Wer ans irgendlVelchen Gründen geschäftliche Plätze im besetzten Gebiet zu besuchen hat. sei daraus aufmerksam gemacht, daß der von den Franzosen eingerichtete Eisenbahnbetrieb ans wohlverstandenen nationalen Interessen von Deutschen nicht in Anspruch genommen wird. Da die attfeerfftilf» des besetzten Gebietes wohnhaften jüdischen Deutschen ans Unkenntnis der Dinge oder Gedankenlosigkeit hier und da diese Jüge benutzten, wird daraus von judenseindlichcr Seite eine Sympathie für die Franzosen konstruiert. Es wird nur dieses Hinweises bedürfen, um die notloendige Aufklärung zn schassen. Statistiker. Das Versehen ist auch von uns sofort bemerkt worden, das Buch, das Herr Segel besprochen hat, ist in jiddischer, nicht in hebräischer Sprache abgefaßt. A. H. in M. Wir können uns Ihrer Anschauung durchaus anschließen. Junge jüdische Deutsche, die bereit waren, ihr Blut für ihr Vaterland herzugeben undjetzt um ihres Blutes wil^n Verleumdungen und Schmähungen über sich ergehen lassen müssen, sollen Len M u t haben, in Versammlungen den Indenhassern entgcgeuzutreten, auf die Gefahr hin, unangenehme Bekanntschaft mit einem Bierseidel zu machen. M. d. B. (Lachen a. d. Ems) 16 000 M., A. &. (Casiellmru) Mw M., M. D. (Karlsruhe i. B.) 1« M., Pastor L. (Bafel) 31250 M. dankend erhalten. Unbegründeter Argwohn. In Nummer 12 von „D i c Weltbü h n c", Herausgeber Siegfried Jakob so hn, erschien unter der Ueberschrist „I u d a M a c c a b i" eine Notiz, in der Stellen aus dem Aufsatz des Dichters Hugo Salus, veröffentlicht in der „P rage r Pres s c", zitiert waren. Hugo Salus erzählt, daß ihm von dem Verlag der „Jugend", von Albert La 11 g e n , „S i rn p l i c i f f i m u s" und. W e st c x 11t a it n s Monatsheft c n geschrieben sei, „daß man leider nichts mehr von ihm veröffentlichen könne, denn man fei gezwungen, auf rein arischem Standpunkt zu stehen." — Sine Anfrage bei den angeführten Berlagsau stellte n ergibt, „daß sich Herr Salus leider fo allgemein, undeutlich und irreführend ausgedrückt hat, wie es auch einem AnMg-Kioffe fa/t, gediegen, die schönsten Muster /ehr preiswert unmittelbar von der Tuchfabrik Christofstal in Ehriftofstal (Württ.) Laßen Sie sich äie Muster p. 19 kommen! Backpulver Liköre S/NNER A-G. 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