Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 16 (19.4.1923)
- Date
- 1923-04-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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wurde allzuviel als Freund L-essings gefeiert und dadurch zu einem Trabanten herobgesttzt, der von einem Planeten sein Licht empfängt. Und dennoch war Mendelssohn, um im Bilde zu bleiben, ein Leuchtkörper für sich und er gab ebensoviel, als er empfing. Mendelssohn steht für sich, und er muß, soll seine ganze Persönlichkeit gerecht gewertet werden, als Ganzer, der, durch niemand gestützt, von keinem abhängig, ganze Arbeit verrichtete, erfaßt werden. Mau darf vor allem ob der Einheitlichkeit seines Charakters die Vielseitigkeit seines Schaffens nicht außer acht lassen. Nur wer vor dein Umweg von ben Werken Mendelssohns zu ihm selbst nicht zurückscheut, vermag dieser Persönlichkeit gerecht Zu werden. Mendelssohn hat die verschiedensten Samenkörner nach vielen Richtungen gestreut. Er 'hat Taten vollbracht, Werke geschaffen, die insgesamt/weil sie einer Grundidee, der der Humanität entstammen/ein einheitliches Lebenswerk bilden. Lessing war immer nur Lessiug, in altem tmb jeden: nur Lessing, als Kritiker, als Kulturknmpfer, als Dichter, als Philosoph derselbe Geistesheros, an seinen blanken Geisteswaffen deutlich erkennbar. Die Größe Lessings zeigt sich darin, daß er in der Geistesgeschichte ohne Beinamen dasteht/der Name Lessing allein ist Sinn imb Inhalt Zeines Wirkens und seines Schaffens, lieber Mendelssohn aber waltete das Verhängnis, daß man stets statt des gesamten Lebenswerkes nur einzelne Werke als Wertmesser für seme Persönlichkeit Der Antisemitismus will nur sich selber. Er ist nicht etwa ein Mittel zu einem Zwecke. Der einzige Zweck des Antisemitismus ist der Antisemitismus. Man ist Antisemit, um Antisemit zu sein. — Der Antisemitismus ist der Morphinismus der kleinen Leute. Hermann Bahr. heranzog. Statt die Einheitlichkeit der Werke durch den Manu, der sie schuf, wiederherzustellen, wurde der Manu durch seine Werke seines einheitlichen Charakters beraubt. Man dehnte in der Regel die Wertung, die bloß eine einzelne Leistung betraf, auf den ganzen Mann aus. Deshalb wurde Mendelssohn mit so vielen Beinamen belastet. Der Schöpfer des „Phndou" erhielt den schön klingenden Ramen eines „deutschen Plato", der Bibelübersetzer den nicht minder klangvollen Namen eines I,jüdischen Luther", die orthodoxen Juden, die ihn als Reformator haßten, nannten ihn „Moses Dessauer", die Hebraisten, die ihn als Begründer einer neuhebräischen Kultur abgöttisch verehrten, nannten ihn „Ben Menachen:". Allein jeder dieser Beinamen kennzeichnet bloß eine einzelne Ausstrahlung seines Geistes; hat man erst die einzelnen Strahlen in einem Brennpunkt gesammelt, so kommt die leuchtende Gestalt des ganzen Moses Mendelssohn zum Vorschein. Lessing und Mendelssohns Selten hat das Ideal der Freundschaft einen ähnlichen Triumph gefeiert, wie durch die brüderliche Vereinigung dieser beiden. Es war eine Verbrüderung zweier Geister, die aus denr Wege zur Humanität und Weisheit einander begegneten. Wie verschieden waren doch Lessing und Mendelssohn in ihrem innersten Wesen, und dennoch erkannten sie, nachdem sie einander gefünften hatten, daß sie für einander geschaffen waren. Lessiug war eine impulsive Natur voll Leidenschaftlichkeit und Kampfesfreudigkeit, Mendelssohn war ruhig.und bedachtsam und selbst im Kampfe von einer stoischen Gelassenheit; Lessing liebte die zermalmende Kritik, Mendelssohn die ruhig-sachliche Auseinandersetzung; Lessing war von sprühendem Scharfsinn, Mendelssohn von philosophischer Abgeklärtheit. Lessing war zum heldenhaften Führer, Mendelssohn Znm tapferen Mitstreiter geschaffen. Und m der Tat focht Mendelssohn tapfer an der Seite seines Freundes, -er war ein Mitstreiter Lessings im Kampfe gegen Plattheit und Halbheit, gegen Vorurteil imb Aberglaube, gegen,die philosophische Phräse-und gegen überliefertes Zopftum. War er auch nicht von einer besonderen Kampfeslust beseelt, so war er doch nicht der Mann, der sich, einem Gegner gegenübergestellt, zaghaft um die Ecke driickt nud die Flinte ins Korn wirft. Daß sich diese zwei Männer trotz oder gerade wegen ihrer Gegensätze cmzogen und einen Freundschaftsbund schlossen, das war ein Gewinn für ihr eigenes Leben und ein unschätzbarer Gewinn für die gesamte deutsche Geisteskultur. on die ^Schyiftkit'wnft „Tapfer und treu". E l n h c r 3 c v f v i sch e n d e r Brief aus de m S a a r g e b i c t. Neunkirchen (Saar), 6. April. Der Vorstand der Israelitischen Kirchengemeinde in Neunkirchen (Saarbeehrt sich -ergebenst, hierdurch mitznteilen. daß in der hiesigen jüdischen Gemeinde mif Veranlassung mehrerer führender Persönlichkeiten eine Geldsammlung durch den Vorstand beschlossen wurde, um dem Central- Verein deutscher Staatsbürger indischen Glaubens erhebliche materielle Hilfe zuzusühreu. Bei dieser Gelegenheit kann sllh der Vorstand der Israelitischen Gemeinde nicht versagen, ohne sich auch nur der Selbfterhebung bezichtigen zu müssen. das; die hiev stattgefundene Sammlltng wohl die erste im deutschen Reiche seitens einer Gemeinde sein wird, soweit es hier wenigstens bekannt ist. und daß der Opfer- und Bekennermut der hiesigen kleinen Gemeinde von kaum vierzig Familien für unsere deutsche indische Sacke wohl ein leuchtendes Beispiel für die indischen Deutschen sein wird, die, zagend und fast verzweifelnd an. ihrer eigenen Sache, die Hände -in der: Taschen drohend ballen rmd die Verfechter ihrer Idee und Seins in ihrem schweren Kampfe weder moralisch noch finanziell unterstühen unb weiterhin Zusehen, wie der unerbittliche und mit allen Mitteln arbeitende und finanziell von reichen Geberseitcn unterstützte Gegner immer tiefer und tiefer die Volksseele vergiftet. Es ist höchste Zeit, daß die gesamte d e -u t s ch c I lt d e n h e i t, o h n >e R ü ck s i ch t a u f i h r e p v l i t i s ch c unb religiöse E i lt ft e i l u n n , s i ch energi s ch z u s a m m eil s ch l -i-e ß t, -um diejenigen Elemente, die ihn: den Vernichtungskamps um die Existenz angesagt haben, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln restlos ihre geistigen und anderer; Waffen zu entreißen. Genehmigen Sie -am Schlüsse unserer Ausstckrungen unsere freundschaftlichen Grüße rmd -lassen Sie unsere Tätigkeit in die bekannten Worte eines ehemaligen Fürsten zusammenfassen: „Tapfer und treu?" In diesen: Sinne verbleiben wir ganz ergebenst Der Vorstand. Krewel in Villen form 4 schnell, nachhaltig wirkendes, appetitanregendes, tvohlbekommliches SHiliet zur ‘Unterstützung wder Qenesung, nach. fStlutverlustenund KSchwächezuständeni fWorzfigliches Sftittel gegen L SSlatarmut u.SSieichsucht m Sa haben in jl allen Apotheken Chem, Fabrik Krewel & Co, Ä, G„ Köln a. Uh. aqoooooooooo<yx)0oooooooooocooooonoooooooocxx)00ooooooooooooocooooooooi BAD NAUHEIM Aale» KurWet »BELLEVUE mit Dependance- Einziges jüdisches Hotel I. Ranges am Platze. \ Restaurant. An Kurhaus und Park gelegen. Restaurant, j Telephon 40. Besitzer: Emil Adler. OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOCOOOOOOOOOGDOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO IH. Mosten 8b Co. | || Silberne KuttubgegLnftanbe |l 1 » für Hau§ und Synagoge «rßk D Beirlm S/Sleöastianftraße LO | j<£i»™»<|»|i»»t|i»»iitiiiiiiii|inmm;miiimiiiHi»mnnnrHniiinni»i»;i»i;!i!inin:)[iini’i7 »Kurhaus Bad Oldesloe Kurhaus! 60 Min. von Hamburg. 30 Min. von Lübeck. Berühmtestes. sehr heilkräftiges Moor-, Schwefelit» Solbad bei Frauenleiden, Rheumatismus, Nervenkrankheiten, Fettsucht, Gicht, Ischias. Neuralgie, Lrmgenleiden. ErstklassigeKüche. 3 Ballsäle. 150 000 gm. Kurpark. Sommerfaifon ob 1. Marz. ftritfitrffo finden dm-ch die „C.B.-Zeitung" -/»Vzs/Ullv eme sehr Zweckmäßige Verbreitung. 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