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Central-Verein-Zeitung · 1922-11-16 · 28 (16.11.1922) · p. Seite 331

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
28 (16.11.1922)
Date
1922-11-16
Page
Seite 331 (sequence 11)
Language
German
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3oI Am stets HM und BW zu leben ...! (Z. Fochehung.) Eine »ermögliche Novelle von E r i ch F a l k. Das Abendbrot war gut und reichlich. Die Auswahl von Schnäpsen und Zigarren war befriedigend und die unvermeidliche Politik sowie die noch unvermeidlicheren schlechten Zeiten hatten die Gemütlichkeit der Unterhaltung kaum beeinträchtigt. Bei uns allen war die Stimmung die angenehmste, und als nun aus dem Elektromophou die Stimme der Sigrid Onegin das Lied: „Um stets heiter und glücklich Zu leben" aus „Lucrezia Borgia" zum Vortrag gebracht hatte, wurde allseitig diskret applaudiert. Felix, der Hausherr, quittierte lächelnd, wie er sagte, „im Namen der Künstlerin" über den Beifall. „Das Lied patzt gut zu Dir, Du Lebenskünstler", bemerkte trocken Freund Heinz. „Man könnte Deine Lebenskunst beneiden, wie Du unberührt von den Sorgen der Arbeit und des Erwerbs Dein Leben glücklich und heiter schaffst." „Lebenskunst ist ein zu großes Wort für mein bescheidenes Talent", erwiderte Felix. „In unserer heutigen paradoxen Zeit ist es doch kein Kunststück zu erkennen, daß Arbeit und Tätigkeit zum Leben herzlich wenig beitragen und das; ein beliebiger Fimmel meist mehr hermacht als ein abgrundtiefes Wissen." Alles lachte. „Willst Du uns Dein Loblied des Fimmels nicht etwas eingehender erklären?" „Aber gern", meinte Felix. „Ihr habt doch auch schon als kleine Jungens dem Fimmel der Sammelwut gehuldigt. Erinnert Euch: haben wir nicht, von Briefmarken an gefangen, nahezu alles mögliche Wertvolle und Wertlose gesammelt? Mir hat der Sammelfimmel über vieles hinweggeholfen. Ohne daß ich mir der letzten Konsequenzen auch nur annähernd bewußt war, habe ich immer bei meinen Sammeleien schließlich irgendeinen größeren Treffer gemacht. In den letzten Jahren habe ich einen Sammelfimmel gepflegt, der es mir.ermöglicht, ohne spekulieren ru müssen und ohne meine bequeme Berufsarbeit Irgendwie zu übertreiben, mir nach wie vor jedes vernünftige Vergnügen zu gönnen und die mir erwünschte Geselligkeit zu pflegen." Der etwas skeptische Baumeister konnte sich nicht enthalten zu bemerken: „Donnerwetter, nun schieß' aber los mit Deinem Rezept, wenn's kein Geheimverfahren ist!" „Felix lachte: „Es ist kein Geheimverfahren. Mich hat nur mein Sammelfimmel vielleicht als ersten auf die richtige Spur gebracht. Ihr wißt ja, daß in den letzten Jahren meine Haupt- Passion war: Hausmusik! Ich hatte schon einen Phonographen, als man diese^ Dinger noch spöttisch als Konservenmusik bezeichnete. Bon Jahr zu Jahr kamen neue Verbesserungen heraus und ich habe bei jedem wirklichen Fortschritt mitgemacht, indem ich meine alten Apparate in den jeweilig besten und modernsten Apparat umtauschte. Gegenwärtig bin ich bei der Etektromophon-Vitrine angelangt, wie Ihr eben gehört habt. Der Witz bei diesen Anschaffungen war der, daß ich meinen alten Apparat immer erst verkauft habe, nachdem ich den neuen besseren Apparat schon ein paar Monate hatte. Inzwischen war dann nämlich mit unserer konstanten Markentwertung der Rückkaufswert des alten Apparates höher geworden als mein Kaufpreis jür den neuen Apparat." Heinz meinte lachend: „Das erinnert an die Geschichte von den beiden Erben in Wien, von denen der Leichtsinnige sein ererbtes Kapital auf die Bank trug, worauf er ein armer Mann wurde, während der Schlaue sich für das ganze Geld Schnaps anschaffte, um später durch den Verkauf der leeren Schnapsflaschen Millionär zu werden." „Stimmt", meinte Felix. „So ähnlich liegt es bei mir auch. Ich habe mir natürlich zu meinen Musikapparaten das entsprechende Quantum Schaüplatten immer sehr reichlich zugelegt. Ihr seht ja hier einen ganzen Schrank, der mit gefüllten Plattenalben heute einen wahren Schatz an Hausmusik darftellt und einen sogenannten Millionenwert repräsentiert. Damit ist rnir's nun wirklich so gegangen wie dem erwähnten Schnapssäufer. Ich bekomme heute bei meinen ständigen Lieferanten Beil & Voß für eine alte abgespielte Platte lediglich als Materialwert das 20 fache von dem, was mich die Platten neu gekostet haben, und weil ich mir immer-Zeit gelassen habe beim Verkauf und mich dagegen beeilt habe, jede gute Neuerscheinung für mein Plattenreportoire zu erwerben, so habe ich heute, wenn ich Kasse mache, scheinbar noch Geld herausbekommen. Wenn Ihr nun überlegt, daß ich durch mein großes Mustkreportoire kaum jemals Langeweile habe und daß mich die Unterhaltung meiner lieben Freunde beinahe nichts kostet, dann werdet Ihr zugeben, daß mein Fimmel, Schallplatten zu sammeln, sich ganz nett ausgewirkt hat." „Wie informierst Du Dich denn über die Gelegenheiten, rechtzeitig Neuigkeiten an Schallplatten zu erwerben?" fragte Heinz. „So wie Du Dich von Deinem Buchhändler über literarische Neuigkeiten unterrichten läßt, so bin ich Stammkunde bei Beil & Voß und ' erhalte als erster dauernd Mitteilungen über alle neu herauskommenden Fabrikate in Schränken und über alle neuen Plattenausnahmen. Dadurch ist ja Beil 8c Voß in Berlin so groß geworden, daß sie nicht nur die Schränke oder Platten einer bestimmten Fabrik führen, sondern daß sie von allen Fabrikaten und von allen Plattenmarken Auswahl haben. Ich bin deshalb bei Veil 8c Voß, wie man sagt, gut aufgehoben, denn es gibt doch, glaube ich, kaum ein anderes Musikgeschäst. wo die Verkäuferinnen ein so universelles Wissen über das gesamte große Plattenreportoire besitzen, wie bei Beil 8c Voß. Darauf kommt es natürlich bei mir sehr an, denn ick bilde mir ein. durch meinen eigenen großen Platlenfchatz heute einer der besten Kenner dieser Art Musik zu sein." „Wo sind denn die Geschäfte von Beil 8c Voß?" „Es waren bisher sieben Filialen. Wenn's Euch Spaß macht, notiert sie Euch: Tauentzienstraße 5, Nollendorsplatz 7, Hauptstraße 9, Rosenthaler Straße 16/17, Badstraße 42/43, Große Frankfurter Straße 110, Kottbuser Straße 1. Vor einigen Tagen ist noch eine Filiale am Blücherplatz, nämlich Planufer 24a, dazugekommen. Die Kataloge über Apparate und Platten sowie die Nachträge, welche von den Schallplattenfabriken regelmäßig herausgebracht werden, erhalte ich immer von der Beil 8c Voß- Zentrale, Prenzlauer Straße 52." Der Baumeister wandte sich zu Heinz: „Wir beide haben ja eigentlich bisher an Substanzwerten nur leere Schnapsflaschen aufzuweisen. Wollen wir es mal unserem Freund Felix nachmachen und Kulturwerte sammeln?" Alles lachte: „Also auf zu Beil 8c Voß." (Fortsetzung folgt.) Export- und Handelsgesellschaft Zosepv Pomcranz m. d. N. 3 to i d a tt i. Sa., Richardstraße 2. Fernruf 2359. — Tel.-Adr.: Miranz. Ausrüstung I Großhandel / Fabrikation« Baumwollwaren, Wäsche» Tmotagen, Strumvfwaren, Arberterbekleidung. ttffllerlei Gelegenheitsgegenftande: Antiauitaten» Sckmuüsachen, Möbel, Wirtschaftssachen, Kleider, Pelze. Reisekosfer übern. Kauf und Verkauf kommissionsweise bei zehnprozentigem Preisaufschlag oder fest. Ausstellung. Lagerung. Eckhausladen, spesenfrei. KommissionSbureau» Eharlottenburg, Kleiststraße 36. (Nllds. 4940.) Großer Verkauf (keine Konfunkkurausnutzung) von Tafelgeschirr und Haus gegenständen u. a. Tische, Stühle, Bauernmöbel, versilberte Bestecke, Schalen, Nnterfatze, Karaffen, Kannen, Porzellangeschirre in feinster Ausführung, u.a. mit Goldrand, Kobalt, Rosengirlande, bunt, grüner Rand, weitzufw., Fischfervice, Kandelaber, alle Arten und Qualitäten Gläser, u. a. Goldrand, Marie-Antoinette, Schiller» Römer aus kostbarem Kristall, Rokoko-Tafelgarnitur. Preise wesentlich unter Marktpreisen; Nur höchste Qualitätsware, darunter seltene Stücke! Beste Gelegenheit zum Ersatz, zur Auffüllung und Kapitalanlage. Tafelverleih-Institut -es Westens, Berlin W, Ansbacher Straße 2 Parterrelokal (nahe Bahnhof Zoologischer Garten und Wittenbergplatz). Verkaufszeit von 10 bis 1 Uhr und 3 bis 6 Uhr, Sonnabends von 10 bis 1 Uhr. HotehMigvonporlligal" Spezialität: Hochzeitsessen. Große Feflsä'le für Famillenfestlichkeiten. MiitagsÜsch von 12 bis 4 llhr. - Rituelle Küche. Zimmer mit fließendem Wasser und Bad. Burgstraße 16. Telephon: Zentrum 8277 . Solide Preise! Stadtküche. 3nh. W. Richter.

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