Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 23-24 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 370 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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verfällt dem Unheil bei der Berührung. Ls sprach der Pharao!" - In gebietender Gebärde reckte der Bote die Arme gegen Aegypter und Hebräer aus. Dann wandte er sich hastig um, froh des erledigten Auftrages, und jagte davon. Seine Begleiter folgten; nur einer von ihnen drehte im Laufen den Ropf zurück, aus einem bleichen und schönen Gesicht kam ein schwermütig forschender Blick, der Mosesuchte. Und Mose, in jäh sich er* hellender Erinnerung, erkannte den Mann : es war jener Syrer, der einst der Lieblingssklave des jungen Mer-en-ptah gewesen war. — ' Zur einen Augenblick war es ihm wie Schwindel vor den Sinnen, und rings um ihn herrschte die Stille des atemlosen Freudenschrecks. Dann aber, wie er mit einem weithin tönenden „Auf" beide Arme emporwarf, brach der Iubel des Volkes aus, sturmhaft emporbrausend in Mut und Entschlossenheit, weinend vor ergriffener Freude. „Iahwe! Jahwe! Sein Zeichen!" Die Hände flogen ihnen, die Füße scharrten den Sand vor Ungeduld. Vas Häuflein Aegypter war den Hang hinabgestoben, als drohe ihnen Entsetzliches in der Hebräer Nähe. Unten aber standen sie und stierten offenen Mundes zurück, mit Augen, die vor abergläubischem Grauen unter den Stirnen heroorquollen. Vas Volk erhob sich. Rastlose Tätigkeit quirlte um die Hütten. Moses klingende vefehlsstimme, Aarons hell und scharf antreibende Rufe fuhren über die Menge. Die Rinder jauchzten und hüpften, mit den unruhigen Ziegen um die Wette tanzend, über den Sand. Bündel und Gerät, häuften sich zwischen den Steinen schon standen die Hütten entvölkert,- in kahler Verlassenheit zurückbleibend, glichen sie leeren Totenkisten, um die niemand klagte. Mirjam trat, als letzte über die Schwelle. Sie bückte sich, nahm eine händvoll Sand aus, von dem scharfen, grobkörnigen Ries, der ihre Sohlen tausendmal gestochen hatte, und warf ihn, über ihre Schulter zurück ins Innere des Hauses. Dann hob sie die Hand, als grüße sie die Ferne, die vor ihr lag. Als die Sonne die Mittagshöhe überschritten hätte, stiegen die Hebräer in die Niederung hinab und durchquerten die Rönigstadt. In eng geschlossenem Zuge schritten sie, nicht schnell, aber mit der unaufhaltsamen und schweigend gefaßten Ausdauer, die eine sehr lange Straße vor sich sieht. Rein abschiednehmender Blick schweifte nach rechts noch links; alle Gesichter waren vorwärts gewandt und leuchteten vom Widerschein einer alten Sehnsucht, die im Begriff ist, Wirklichkeit zu werden. An Straßenrändern und Torschwellen standen Aegypter zu dunklen, reglosen Massen geballt, bleich und gramentstellt die meisten unten ihnen, von untätigem haß verzerrt jeder einzelne Antlitz. Aber keine drohende Hand hob sich, kaum daß hier und da ein Fluch aufmurrte. Stumps und in schweigender Unterwerfung bestaunten sie das wandernde Volk, das beladen mit der geheimnisvollen Größe seines Geschickes im sonnendurchleuchteten Staub der Niederung entschwand. „Schwesterlein, komm! Wir wandern! Fasse meine Hand und halte dich Am Stecklein, das der Vater mir schnitt vom Vornstrauch. Siehe, wie groß ist die Sonne! Und vor uns der Himmel, wie weit!" „Wir wandern! wir wandern! In liebliche Ferne lockt uns ein Heimatland. Schwesterlein, komm! Einen schattenden Baum wollen wir pflanzen Neben der Hüfte, die der Vater erbauet, Und bunte Blumen in unserm Beetlein!" 370