Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 15 (Februar 1921)
- Date
- 1921-02-01
- Page
- Seite 229 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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„Schöne Zeiten das, wunderMne Zeiten das; muß man schon sagen! Die Jungen Haben das große Wort, die Grünschnäbel, die noch nach frischem Lack stinken und denen es noch nie aufs Vach geregnet hat. Wir alten Knacker find vergessen und abgetan, zum alten Eisen geworfen, nicht mal einen Topf Farbe verschwendet man an uns, nicht mal einen neuen Schutz» anstrich glaubt man uns schuldig zu sein! Aber wir stehen noch unfern Mann, Herr, trotzdem wir den Rost in allen Knochen Haben. Respekt, jünger Herr, vor einem alten Beamten, das bitt' ich mir aus. Ich weiß nicht, wer Sie sind, wills auch gar nicht wissen, kann mich nicht mit jedem befassen, der sich auf den Schienen rumtreibt. Aber S i e sollen wissen, wer ich bin, verstanden? Königlich preußischer Prellbock bin ich, nicht mehr und nicht minder, habe schon Anno 70 milgemacht, habe ganz allein einen Angriff abgeschlagen. Werde es Ihnen erzählen, damit Sie wißen, mit wem Sie es zu tun haben. Also anno 70, als wir die Franzosen verdroschen haben, - nach Noten haben wir sie verdroschen . . Da erschallte plötzlich irgendwo hoch oben aus der Luft eine spöttische Stimme: ° ' „Jawohl, als der alte Prellbock noch ein junges prellböckchen war, hat er die Franzosen verdroschen, so gut, daß er noch heute einen verbogenen Puffer davon hat." Herr Prellbock wurde rostrot vor Zorn: „Schweigen Sie, naseweise Person. Sie werden einem Manne, der dem König, dem Vaterland und der Vorgesetzten Eisenbahnbehörde Zeit seines Lebens treu gedient hat, die Ehre nicht abschneiden." BCCü sah in die höhe, um zu erführen, wer die „naseweise Person" war. Ls war eine Telegraphenstange, die neben dem Schienenstrang stand uud mit ihren sechs weißen Porzellanaugen, über welche die Drähte liefen, spöttisch auf den alten Herrn herabsah. „heda, junger Mann", rief sie BCCü zu, „lassen Sie sich vom alten Prellbock nicht einschüchtern. Er haßt alles, was jung und vergnügt ist und was sich fortbewegen kann. Er hat nie etwas anderes gesehen, als diese Gegend hier und in ein paar Jahren wird man ihn Herausreißen und in den großen Schmelzofen stecken. Er bildet sich etwas darauf ein, daß er ein Prellbock ist. Er meint, er sei das Ende der Welt. Er will uns allen gute Lehren geben; aber er hat 229