Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ttr. Var ungeheure Kinderelend in Deutschland soll durch eine allgemeine Hilfsaktion („Deutsche Kinderhilfe") etwas gemildert werden. fln allen Mauern und wänden kleben Plakate, auf denen die Not der Kinder in krassester weise dargestellt ist. Als vor dem Kriege einmal Käthe Kollwitz, diese wohl größte Künstlerin Deutschlands. Plakate ähnlicher Art zeichnete, um auf das wohnungselend und feine verheerenden Folgen auf die Heranwachsende Generation aufmerksam zu machen, wurde ihr öffentlicher Anschlag auf Detreiben der Hausbesitzer als „aufreizend" verboten. Auf solche Gedanken kommt heute niemand mehr: die nüchterne Wirklichkeit übertrifft bei weitem alles, was realistische Kunst darzustellen vermag. Er hat keinen Zweck, die Art zu kriM sieren, in der die nötigen Mittel aufgebracht werden sollen. Vatz die „Kinderhilse" angewiesen ist auf das, was aufopferungsvolle . Menschen von anderen erbitten, ist eine viel gröbere Schande, als ein verlorener Krieg. vatz in der gleichen Stadt Zehntausende von Kindern kein Stück leinen auf dem Körper haben, während Tausende von Schiebern allen erdenklichen Luxus treiben, ist ein Zustand, der beweist, wie machtlos alle unsere „Politik" den realen Mächten des Lebens gegenüber ist. Aber mit solchen Betrachtungen ist nichts geta». Es gibt im Augenblick nur ein Mittel selbst geben Und andere zum geben, - wenn er Not tut — zwingen. Traurige Erfahrungen, die wir insbesondere während des Krieges gemacht 3um Januar ist eine Sammlung Häuser geplant. hüben, lassen weite jüdische Kreise der „Deutschen Kinderhilfe" mit einigem Mitztrauen begegnen. Ersahrungsgemätz flammt ein relativ erheblicher Teil der auf dem Wege der Sammlung aufgebrachten Gelder von Juden, während bei der Verteilung jüdische Emgfangsberechtigte fast nie oder in ganz geringem Matz berücksichtigt wurden. > wie uns von matzgeblicher jüdischer Seite versichert wird, ist die Organisation der „Deutschen Kinderhilfe" derartig, dah hinreichend Vertreter der jüdischen Interessen sowohl iy der Zentralleitung wie in den lokalen Komitees vorhanden sein werden. Ich gestehe, daß ich auch wenn das. nicht der Fall wäre, kaum den Mut hätte, von der Beteiligung abzuraten, hungernde, frierende, leidende, verkommene Kinder stehen autzerhalb aller Schranken und Grenzen, Fragen nach Herkunft, Nationalität oder Religion, darf es ihnen gegenüber nicht geben. Und so sehr richtig das Prinzip ist, immer und überall den berechtigten Anspruch auf gleiche Wertung bei gleicher Leistung durchzusetzen, wo es sich um Kinderelend handelt darf der Kampf um gleiches Recht nicht an Erfüllung der Pflicht hindern. Darum: Gebt für die „Deutsche Kinderhilfe"! Die „Jüdische Hilfe für dar j ü d is ch e K i Ad", deren mannigfaltige Aufgaben auf dem Wege der allgemeinen Tharitas auch beim besten Willen nicht gelöst werden können, wird sich demnächst durch den „Var Kochba" an die ihm erreichbaren Erwachsenen wenden und sie zur Erfüllung einer jüdischen. Pflicht aufrusen. zu Gunsten der jüdischen Waisen« C- 3- K.