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Bar Kochba · 1920-08-01 · Heft 4 (August 1920) · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 4 (August 1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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tfjegtn u Uhr morgens kamen wir gewohnt hat und wo er gestorben ist. nach Weimar, wenn man zum ersten Ietjt ist es Nationaleigentum, und man Mal in di« Nähe Weimars kommt, kann hat dort alles zusammengetragen, was in man nicht daran vorbeifahren, wir ge» irgendeiner Beziehung zu dem Dichter hören sicher nicht zu den Leuten, die mit stand. Man sieht die wohnräume, das dem Buch in der Hand überall hekum- Arbeitszimmer, die Sammlungen Goethes, laufen und glauben, sie müssen alles sehen zahlreiche Bilder und Büsten. Über man und bewundern, waS „berühmt" ist. Ein müßte hier allein mit einem herumgehen echter Wanderer hat vor „Berühmtheiten" können, der sich in Goethes Leben liebevoll gar keinen Respekt, er sieht sich nur dar vertieft hat und die toten Dinge durch an, wo; ihm Freude macht, und vor sein Wort lebendig. machen könnte. So allem die lebendige Natur. Über in macht eigentlich nur eins Eindruck: die Weimar haben ein paar Männer gelebt, große und edle Einfachheit der Bäume, die wenigstens von den Kelteren von euch Man merkt, daß dieses , ganz schlichte jeder kennt und verehrt: Goethe und Haus mit Liebe und großer Kunst gebaut Schiller, um nur die größten zu nennen, wurde Und wenn man an der Tür des wer von euch Musik treibt, weiß auch, kleinen, niedrigen und dunklen Baunies wer Franz Liszt war und spielt vielleicht steht, in dem Goethe gestorben ist, — die seine herrlichen Kompositionen. Medizinflaschen stehen noch auf dem Weimar ist eine kleine, feine, freund- Tischchen, — wird einem ganz ernst zu liche Stadt, in der es noch ganz stille Mute. Es dauert nicht lange, der Strom Straßengibt in denen man noch nichts der schwaßenden Besucher verscheucht jede von der modernen Welt zu wissen scheint Stimmung. und wo man sich denken- Kann, gleich Noch schlimmer war es in Goethes werde der „geheimbde Bat" von Goethe Gartenhaus draußen im park. Da ist um die Ecke kommen. Die Kelteren von ein dummes Weibsbild, die führt und Euch mögen den schönen Weimarer Roman „erklärt". Sie nimmt alles sehr feierlich „Isebies" von Helene vöhlau lesen oder und quatscht die düMmsten Dinge. Dabei noch besser ihre „Batsmädel-Gefchichten", da ist etwas Lustiges passiert. Sie zeigte lernt Ihr das alte Weimar kennen. auf einen Tisch und leierte: „Dieses war viel haben wir uns nicht ansehen Goethes Waschtisch, die Platte Marmor - können. Zuerst gingen wir zum National- und Granit, er hat ihn selbst im harz r theater. vor dem das herrliche Doppelgefunden". „Wie komisch", rief da ein denkmal von Goethe und Schiller steht. Blauweißer, „ich habe noch nie einen Ihr kennt es sicher alle aus Kbbildungen Waschtisch gefunden!" Die Frau sah ihn Zuerst ist man etwas enttäuscht Bber je giftig an, sie hatte den Granit gemeint, länger man es ansieht, desto lebendiger Ich aber warne Euch: hütet Euch vor den wird er, und schließlich wird einem ganz angestellten Führern! Sie sind meistens feierlich zu Mute und man meint, die Gebelmaschinen, die ihr Sprüchlein Unsinn beiden müßten von ihrem Sockel herunter- Herunterleiern. Seht Euch die Dinge allein steigen und aus uns zukomme». Mit den an, kauft Euch einen gedruckten Führer, meisten schönen Dingen geht es so: auf der stört nicht durch Plappern, am besten den ersten Blick geben sie sich nicht zu eraber sucht einen Menschen zu finden, der kennen, man muß sich schon die Mühe die Dinge kennt und sie lieb hat Der geben, sie recht ausmerksam zu betrachten, weiß vielleicht nicht immer, wie hoch ein Dann ging er zum Goethehaus am Turm ist oder wie alt eine Ruine, aber Frauenplan, in dem Goethe lange Jahre er kennt ihre Schönheiten und zetgt sie Euch., 54

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