Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 24
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 377 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Offiziere. Die Jungens legten ihre Kuck, fäcke ab und nun gads kein halten mehr: alle stürzten heraus und ans Meer. Mas gab es da zu sehen! Zuerst das Meer selbst, ein riesengroßer langgestreckter Wasserspiegel, umrandet von den hohen, schönen Bergen von Moab. Bus dem höchsten Gipfel, dem Kebo, ist Moses gestorben, und mit Ehrfurcht sahen die Kinder zu dem von der Abendsonne vergoldeten Gipfel aus. Bber am interessantesten war für die Jerusalemer Kinder, die weder einen Fluß noch einen See kannten, das Meer. Die Araber nennen es Liffan, die Zunge (hebräisch Laschon), weil es wirklich die Form einer Zunge hat.. Mit seinem bewegten Spiegel und den weißen wellchen, die lustig ans Ufer hüpften, sah es gar nicht tot aus und die Kinder ließen sich erklären, daß das Meer seinen Namen dem starken Salzgehalt zu verdanken hat, der kein organisches Wesen, weder Fisch noch Pflanze in seinem Wasser existieren läßt. Vas Tote Meer enthält außer der großen Menge Salz auch noch sehr viel Phosphor, Schwefel und andere Mineralien. Er ist dadurch so gesättigt und schwer, daß ein Gegenstand nicht darin untersinken kann, wir machten die bekannte Probe und warfen ein Ei in das Wasser, das nur zur Hälfte versank. Da faßten auch die Jungens, die nicht schwimmen konnten, ein Herz und sprangen in die Flut hinein. Einige Knaben, die in Jaffa gelebt hatten und sehr gut schwimmen konnten, zeigten den andern ihre Künste und unterwiesen sie im Schwimmen, was natürlich im Toten Meere leichter ist als in jedem andern Gewässer. Man mußte nur sehr vorsichtig sein, damit kein Wasser in Mund und Bugen kam, denn die Bugen brannten von der salzigen Flüssigkeit und auch der salzige und bittere Geschmack im Munde war kein Vergnügen. Bber was war das alles gegen die Freude, im Wasser herumplätschern zu können! Kam einer aus dem Wasser, so glänzte seine haut, als ob er geölt worden wäre. Bis alle müde vom Baden waren, wandte inan sich dem nächsten großen Erlebnis zu, den Booten, . Segelschiffen und Motorbooten, die da verankert lagen. So etwas hatte man doch"bisher höchstens nur auf Bildern gesehen! Blles mußte beklettert, beschaut und beklopft werden. Bis der Major das Interesse der Kinder an den Schiffen sah. versprach er, uns am nächsten Morgen mit dem großen Getreideschiff, dar in der Nacht vom jenseitigen Ufer ankommen sollte, zum Einfluß des Jordan fahren zu lassen. Dos war eine herrliche Bussicht! Wir könnten 7 die Mündung des Jordan sehr gut erkennen an dem dichten Streifen von Grün, der sich weithin nördlich erstreckte. Vas waren die Bäume und Büsche, die das Ufer des Jordan zu beiden Seiten umgeben. Leider wurde aus dieser versprochenen Fahrt nichts, denn in der Nacht ging ein starker Platzregen nieder und das Schiff traf nicht ein. Der Kegen war für uns sehr überraschend, denn in ganz Erez-Ssrael regnet es von Bpril bis Oktober nicht. Bber wie ihr vielleicht schon wißt, liegt das Tote Meer 400 Meter unter dem Meeresspiegel und ist daher ganz anderen klimatischen Derhältni sen ausgesetzt als das übrige Land. Trotz des ungewohnten Kegens, der auf die Blechdächer der Baracken trommelte, schliefen wir sehr gut. Bm nächsten Morgen war alles sehr früh munter. Vas erste war natürlich wieder ein Bad im Meer, dann brachten uns die jemenitischen Diener, die bei der Station waren und sich sehr mit den Jerusalemer Gästen freuten, heißen Tee und wir verzehrten unser mitgebrachtes Brot dazu. Trotzdem der Kegen die Temperatur abgekühlt hatte, fing es schon an, bedenklich heiß zu werden und wir beschlossen, die Morgenstunden zur Kückfahrt nach Jericho zu benutzen. Um 8 Uhr standen unsere Wagen bereit. Die Jungens hatten auf einem Blatt Papier in schönen hebräischen Versen dem Major ihren Dank ausgedrückt. Vas überreichten sie feierlich und alle Kinder dankten nochmals mit 377