Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 23
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 364 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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3nf<l nieötrfmfccn; ließ, „Ach nein, ach nein!" rief er. „wir werden uns doch da nicht Niederlagen sollen?" Aber die Gänse sanken immer tiefer, und jetzt war der Zunge aufs höchste überrascht, daß er so verkehrt Hatte sehen können. Die großen Steinblücke waren nichts andres als Häuser. Die ganze Insel war eine Stadt, die glänzenden, goldnen Punkte waren Laternen und erleuchtete Fensterreihen. Der Kiese, der ganz oben auf der Insel stand, war eine Kirche mit zwei Türmen, und alle die Meeresungeheuer und Zauberer, die er zu sehen geglaubt hatte, waren Boote und große.Schiffe, die rings um die Insel herum verankert waren. Auf dieser dem Lande zugelegnen Seite der Insel lagen gepanzerte Kriegsschiffe, einige mit ungeheuren dicken, nach rückwärts geneigten Schornsteinen, dann wieder länger und schmäler gebaute, die sicherlich wie Zische durchs Wasser gleiten konnten. welche Stadt konnte nun das wohl sein? Za, das konnte der Zunge schon herausbringen,, weil er die vielen Kriegsschiffe da unten sah. Sein ganzes Leben lang hatte er Angst vor Schiffen gehabt, obgleich er nie Mit andern etwas zu tun gehabt hatte als Mit den kleinen Segelbooten, die er auf dem Dorfteich hätte schwimmen lassen. Er wußte wohl, daß diese Stadt, die mit so vielen Kriegsschiffen dort lag, nur Karlskröna sein konnte. ' Der Großvater des Zungen war früher Matrose auf. einem Kriegsschiff gewesen, und so lange er lebte, hatte er jeden Tag von Karlskrona erzählt, von der großen werft und allem andern, was es da gab. hier fühlte sich der Zunge ganz wie zu Hause, und er freute sich, daß er jetzt das alles sehen durfte, von dem er so viel hatte erzählen hören. Nur im Fluge sah er den Turm und die Festungswerke, die den hafeneingosNg ybschließen, sowie die vielen Gebäude draußen auf der Werst, denn jetzt ließ sich AKKa auf einem von den flachgedeckten Kirchtürmen nieder. Das war allerdings ein sichrer Platz für solche, die einem Fuchse entwischen wollten, und der Zunge fragte sich, oh er es nicht wagen könnte, in dieser Rächt wieder unter den Flügel des Gänserichs zu kriechen. Za, das konnte er bestimmt, und es würde ihm sicher gut tun, wenn er wieder einmal ein bißchen schlafen dürfte. Am nächsten Morgen wollte er dann versuchen, etwas mehr von der werft und den Schiffen zu sehen. —— — — — Dem Zungen kam es selbst sonderbar vor, daß er sich nicht ruhig verhalten und still warten konnte- bis er etwas von den Schiffen zu sehen bekäme. Er hatte sicher noch keine fünf Minuten geschlafen, als er unter, dem Flügel heroorglitt und am Blitzableiter und an den Dachrinnen auf den Boden hinunterkletterte. Bald stand er aus einem großen Marktplatz, der sich vor der Kirche ausbreitet: er war mit rundlichen,' oben zugespitzten Steinen gepflastert, und das Gehen darauf war ebenso beschwerlich für ihn, wie für große Leute das Gehen auf einer wiese voll Erdschollen. . Leute, die in einer unbebauten Gegend und weit draußen auf dem Lande wohnen, fühlen sich immer ängstlich, wenn sie in eine Stadt kommen, wo die Hauset steif und aufrecht dastehen und die Straßen und Plätze offen daliegen, so daß sie jeder, der vorübergeht, betrachten kann. Und wenn große . Leute so denken, so kann man sich leicht vorstellen, wieviel mehr es dem Däumling so gehen mußte. Als er auf dem großen Markt von KarlSkrona stand und die deutsche Kirche und das Rathaus und den Dom, von dem er gerade heruntergekommen war, sah, wünschte er sich unwillkürlich zu den Gänsen droben aus dem Kirchturm zurück. 3um Glück war der Marktplatz ganz leer. Kein Mensch war zu sehen, wenn man nicht etwa ein Standbild, das auf einem hohen Sockel 364