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Bar Kochba · 1921-03-01 · Heft 17 · p. Seite 262

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 17
Date
1921-03-01
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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und Sand aufwirbeln über die Leide Her, und jetzt - jetzt war er da. Mit Macht . faßte er den einjelstehenden Kieserbaum und rüttelte, daß die Neste ächzten und auch die Menschen, die daran hingen. ) „Klaue dich fesh mit Händen und Füßen!" rief der Jude dem vMerk zu und langte mit der Hand nieder, um den Hanns am Arm festzuhalten. Mit vieler Mühe zog er ihn hinan, zu sich, wo das Astwerk dichter und schützender war. Da schoß auch schon der Regen und Hagel nieder in das Gezweige, blendende Blitze zerissen die Nacht und zeigten auf Augenblike den wilden Aufruhr. „Und wird er wahr, dein Wunsch," sagte der Jude, „daß mich der Donner erschlägt, so bist du bei mir." Die wilde Gewalt der Elemente steigerte sich, der alte Baumstamm bebte in seinem Grund und krachte und wollte brechen. Die beiden Männer sahen die Todesnot, sie kauerten nebeneinander auf schwankenden Besten und beteten laut - jeder zu seinem Gott. Aber dieser Gott übertönte mit der zornigen Stimme seines Donners die zagenden Gesellen. Und am Fuße des Baumes heulten die Wölfe. Der Regen währte fort, und als beide bis auf die haut durchnäßt waren, suchte der Jude aus seinem Sack eine vranntweinflasche hervor, trank daraus und wollte sie auch dem Hanns zum Trünke reichen. Diesem klapperten vor, Frost und Angst die Zähne, aber er trank nicht. Endlich wurde er ganz still und stak wie halbtot in der Gabel zweier Beste. Als der viel zähere Jude sah, es bedürfe seinerseits nur einen kleinen Ruck, und der Feind läge unten, die Wölfe befriedigten ihren Hunger, würden sich dann verlieren, und er wäre gerretet - aw der Jude das alles so erwogt was tat er? Er nahm noch einen scharfen Schluck aus seiner Flasche und — flößte auch dem Hanns Branntwein in den Mund, so daß dieser wieder ein wenig zu Kraft und Mut kam. hannsens Stellung war eine so gefährliche, daß ihn der Jude immer wieder stützen und halten mußteTchMte er nicht jeden -Augenblick in die Tiefe stützen. Und als die Wetter endlich vertobt hatten, als nur noch der eisige Hauch wetzte, die Wölfe unten an dem Stocke der Dorfrichter nagten und sich dabei greulich balgten und bissen - da faßte der Jude den Dorfrichter fest an der hünd und sagte: „Hanns holler! du und ich, wir find Feinde auf den Tod „Mach's kurz. Iud', mach's kurz!" stöhnte der vorfrichtcr, „ich weiß, was ich von dir zu erwarten habe, und daß bei euch keine Barmherzigkeit ist!" " „Hanns holler," sagte der Jude, „meine Mutier ist ein Menschenweib gewesen und deine Mutter ist auch ein Menschenweib, gewesen. Ihr habt mein Volk gehetzt und verfolgt seit alten Tagen. Die wilden Hunde, die der Mensch gezähmt hat und gehegt, oie sind seine treuen Hausfreunde geworden: die er verfolgt hat und gehetzt, die sind wilde Hunde.geblieben und der Mensch ihr Feind. Du hast meinem Stamm den Untergang geschworen, aber ich töte, dich nicht. Du wirst morgen wieder der mächtige Mann sein und. ich des verhaßte Jude, den ihr peitschet, aber ich töte dich nicht. Meine Mutter ist ein Menschenweib gewesen." Weiter hat der Jude ni£t aesvrocken. und auck der kanns Koller hat kein einziges Wort mehr gesagt. Sie saßen fiebernd beisammen auf dem Baum die ganze Nacht. Der Hausierer hatte sein Bündel geöffnet, um mit dessen Lappen sich und seinen Nachbarn vor dem ärgsten Frost zu schützen. „Ich bin solche Nachtherbergen wohl gewohnt," sagte er, „aber der Herr Richter mag daheim ein besseres Bett haben." 262

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