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Bar Kochba · 1920-11-01 · Heft 9 · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 9
Date
1920-11-01
Page
Seite 139 (sequence 11)
Language
German
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mörderisch schrie, wenn ihn Frau Trina abschrubbte, ließ diesmal die Feierlichkeit ohne jede Klage über sich ergehen, ja, als Frau Trina fertig war, nahm er nochmals düs rauhe Handtuch und polierte sich die roten Backen, bis sie aussahen wie Vordorfer Aepfelchen Dann wurde ihm der Sonntags* Kittel übergezogen mit der blauen Schleife unterm Kragen, und dann mußte er sich auf einen Stuhl sehen und dort warten, bis David Silbermann ihn abholte, „venni" sagte Frau Trina, „wenn du jetzt rumläufst, siehst du in zehn Minuten doch wieder aus wie'n Schweinigel!" Dieses Stillsitzen war das Allerschlimmste. Aber schließlich geht alles vorüber, und endlich erschien wieder der höfliche David, um seinen Freund abzuholen. Da sprang Moses mit einem Satz von seinem Thron herunter und sagte seiner Mutter Lebewohl, nicht als wenn er zu einem Abendbrot eingeladen sei, sondern als wenn er eine. Reise um die Welt unternehmen wolle. Zu seiner großen Verwunderung wartete Herr Silbermann bereits unten vor de^r Tür Diesmal hatte er weder das röte Käppchen noch den schwarzen Schlapphut auf, sondern einen hohen schwarzen Seidenhut, in dem man sich beinahe spiegeln konnte, so blank war er. Tr nahm an jede Hand einen Jungen, und so gingen sie durch die Straßen. Allmählich fiel es Moses auf, daß, je weiter sie gingen, sie desto Mehr Leute sahen, die ebenfalls schwarze Röike und einen Zylinder trugen, und überhaupt ganz ähnlich aus- > sahen wie die Leute, die am Sonntag morgen in die Michacliskirche gingen Tr wußte aber ganz genau, daß es nicht Sonntag, sondern Freitag war und nicht morgens, sondern abends. Schließlich Kamen sie in die Elbstraße. Die Elbstraße kannte Moses lange schon. Venn seine großen Freunde hatten ihn Mehrmals dorthin mit* genommen. In die Elbstraße gehen, war noch viel schöner als Trapper und Indianer spielen. Denn da stand zu beiden Seiten ein Karren neben dem andern, jeder hochbeladen mit irgendwelchen Maren. Auf dem einen wurden Stiefel verkauft, und auf dem andern Töpfe, und daneben stand wieder einer, dessen Besitzer mit Zitronen handelte, und der gegenüber Hatte sogar ganze Anzüge zu verkaufen. Und so ging es fort, auf der einen Straßenseite rauf und auf der andern runter, ein Karren neben dem andern, sodaß man kaum dazwischen durch gehen konnte. Um jeden Karren herum aber 139

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