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Bar Kochba · 1920-07-01 · Heft 2 · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 2
Date
1920-07-01
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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Die beiden Brüder. Ein jüdischer Märchen. Nüf dem Berge Moriah wohnten einmal zwei Brüder. Der eine hotte viele Söhne, aber der ändere, der ältere, war kinderlos. Den Brüdern gehörte auf dem Berge ein großer Feld, dar sie von ihrem Unter geerbt halten. Sie bestellten er gemeinsam, und zur Zeit der Ernte schnitten sie dar Getreide ab und teilten er unter sich, Garbe für Garlw Dann stellten sie die Garben zusammen zu zwei gleich großen Hausen, und jeden« gehörte ein Hausen. Einer Nachts lag der ältere Bruder am Ende seiner Haufens auf dem Felde und konnte nicht schlafen und dachte: „Mein Bruder Hat viele Binder und ich bin allein. Und doch nahm ich von dem Getreide ebenso viel wie er. Dar war schlecht von mir." Drum stand er auf. nahm Garben von seinem Haufen und legte sie heimlich auf den seines Bruders. Dann ging er auf seinen Platz zurück, legte sich nieder und schlief ein. Und in derselben Nacht erwachte auch der Jüngere aus seinem Schlaf und dachte an den Bruder. Und sagte zu seiner Frau: ,,)ch muß immer an meinen Bruder denken, lver wird wohl einmal für ihn sorgen, wenn er alt und schwach ist? Denn er hat doch keine Ninder. Für uns werden die Söhne heranwachsen, die der Ewige uns schenkte, um uns zu helfen. Uber war wird aus meinen, Brüder? Wer wird ihn im Alter unterstützen? Und doch nahm ich heute von dem Getreide ebenso viel wie er. Dar war schlecht von mir." Und er stand auf, ging aufs Feld und trug leise von seinem Getreide auf den Kaufen der Bruders Um Morgen sahen die Brüder ihre Kaufen und wunderten sich sehr. Uber sie sprachen nicht über ihr Staunen. Dann kam die zweite Nacht, und jeder tat dasselbe wie in der vorigen, und keiner wüßte etwas vom andern. Um Morgen sahen sie. daß ihre Haufen wieder gleich groß waren. Und wieder wunderten beide sich sehr,- aber keiner sprach darüber. Es war um die Mitte der dritten Nacht, Die Brüder erhoben sich beide um die dritte Stunde. )eder nahm von seinen Garben, um sie heimlich auf des Bruders Kaufen zu legen. Uuf dem Wege aber begegneten sie sich. Da warfen sie ihr Getreide zur Erde, .fielen sich unr den hals und weinten. Denn jeder erkannte, was der andere für ihn hatte tun wollen. sie sahen die große Liebe in ihren Herzen und ihr tiefes Mitleid miteinander. Und sie verließen zusammen den Platz, wo ihr Getreide lag, und gingen . heim. Niemand hatte ihr Tun gesehen. Nur der Ewige, der Herr der Welt, hatte sie von seinem heiligen Zitz aus erblickt. Er sah die beiden Brüder und sprach: „heilig, heilig soll mir dieses Feld sein!" llnd dieses war der Grt, wo die Ninder Israel später den Tempel erbauten, der in Jerusalem stand und heilig ist dem Herrn des Himmels und der Erde. 23

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