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Bar Kochba · 1920-01-01 · Heft 1 · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 1
Date
1920-01-01
Page
Seite 11 (sequence 10)
Language
German
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Lhronik ' -2'Ä1'12N , pog „Pogrom " bedeutet cigeiulich dos Unwetter, dos mit Donner und äturm als unabwendbares Naturereignis hereinbricht. Der Jude aber hat sich daran gewähnt, bei diesem Wort an etwas anderes zu denken: an die blutigen Verfolgungen, die im Wen seit Jahrzehnten immer wieder sich gegen ihn wende», und die mit Sturm und Donner das gemeinsam haben, das; sie wie eine Naturgemalt hereinbrechcn und in wenigen Stunden mmiichtcn, was viele Menschenleben voller Muhe und Arbeit aufgebaut haben. Nur daß die Naturgewalten barmherziger sind ars-die?U)ütcriche des Pogroms, und daß ein Sturm nur selten Menschenopfer fordert, die bei der Judenhaß zu Tausenden schon gefallen sind. , Wir wissen, daß das Nußland des Zaren seinen Juden das Schicksal bereiten wollte, daß ein Drittel auswandern, ein Drittel verhungern und das letzte Drittel erschlagen werden sollte. Als während des Krieges die russischen Nandstaate», vor allen Polen und die Ukraine, von den Deutschen und Gesterreichern besetzt wurden und man freie Völker aus ihnen zu mache» versprach, als endlich in Rußland die Revolution ausbrach und der Zar den Thron und das Leben verlor, da hoffte und glaubte man, daß auch die Zeit des Pogroms vorüber sein würde. Aber die letzten Monate haben uns gezeigt, daß diese Hoffnung trog. Insrom. besondere die palen haben ihre junge Freiheit dadurch für alle Zeiten geschändet, daß sie, kaum selbst zur Macht gelangt, diese Macht zu Judenverfolgungen mißbrauchten, die an Blutdurst und Rohheit selbst die furchtbaren Tage von Hömel und Kischineff übertrafen. Hunderte von Juden sind in den letzten Wachen besonders von den polnischen Freiwilligen ermordet worden, Tausende blutig geschlagen, beschimpft und ausgeplündert. In Lemberg und Wilna sind furchtbare Blutbäder angerichtet worden. Wie es in Lemberg beim Einzug« der Polen herging, zeigt folgende Schilde ung: „Am 22. November, in den frühen Morgenstunden, hörte die aufgeschreckte Bevölkerung des Lemberger Iudenviertels das Johlen und pfeiffen der einrückenden polnischen Soldaten, begleitet von Schüssen und harmonikaspiel und Flüchen und Scheitwarten gegen die Juden. Um 8 Uhr morgens wurde die jüdische vürgerwehr entwaffnet und das jüdische viertel von Loldate» umstellt. An den Hauptpunkten standen Maschinengewehre und Panzerautor, die es jedem unmöglich machten, auch nur sein Haus zu verlassen. Auf die einzelnen Treueltaten und Schreckenrszenen einzugehen, ist unmöglich. Am Abend der 22. November brannte dar jüdische viertel lichterloh, die polnischen Soldaten steckten die jüdischen Häuser in Brand, bedächtig

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