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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1909-01-01 · 1909 · page 84

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1909
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 84)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273599--1474-2275256
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Es ist bezeichnend, dass es in unserem ersten Jahresberichte heisst: dass die Bestrebungen zur Gründung, «der Lehranstalt in's Stocken gerieten, als Stadtrat Meyer erkrankte, Aber ebenso bezeichnend ist es, dass jene Bestrebungen erat wieder aufgenommen wurden, als nach seinem Tode Nanny Meyer sie als ein heiliges Vermächtnis ihres verklärten Gatten übernahm und sich im Verein mit ihrem ältesten Sohne an die Spitze stellte. Ich kann das, was sie im damaligen Stadium der Lehranstalt gewesen, nicht besser schildern als mit den Worten, mit denen Ludwig Philippson im Mai 1872 die Lehranstalt eröffnete. Damals sprach er den Dank aus besonders jener hochherzigen Familie, die durch eine grössere Spende für diese Verwirklichung unserer Hoffnungen das Fundament gelegt hat. Ihnen unsern Dank, ihnen unsern Herzenswunsch für . ihr Wohl. Sie haben erwiesen, dass ihnen die höchsten Güter der Menschen — Religion und Wissenschaft — gleich teuer sind. Im Laufe der Jahre war es wiederum Nanny Meyer, die in schwerer Zeit der Lehranstalt durch ihr Eingreifen geradezu das Fortbestehen ermöglichte. In welcher Weise sie dabei nur um der Sache willen mit Leib und Seele wirkte, dafür lassen Sie mich Ihnen zwei charakteristische Züge erzählen. Während sie die Lehranstalt jahraus jahrein in fürstlicher Weise unterstützte, suchen wir in den ersten Jahrzehnten in unseren Jahresberichten vergeblich auch nur ihren Namen. Dagegen finden wir grosse Spenden durch „Ungenannt". Dieser Ungenannt war kein Anderer als Nanny Meyer. Ihrem vornehmen Sinn widerstrebte es, dass ihre Gaben öffentlich kundgegeben werden; still wollte sie wirken und die grosse Menge sollte nichts wissen von der Munificenz, die sie uns bewährte. Als ihr ältester Sohn von Berlin versetzt wurde, sprach sie den Wunsch aus, dass ihr zweiter Sohn in unser Kuratorium eintrete. Sie begründete diesen Wunsch damit, dass ohne faktischen Zusammenhang das Interesse lau werde; dieser Zusammenhang könne aber nur durch „wirkliche Arbeit" erreicht werden. Hier trat deutlich zu Tage, dass eben für sie der Zusammenhang mit unserer Lehranstalt nicht .nur ein äusserlicher war, sondern dass sie uns mit ihrem vollen Wesen innerlich angehörte.

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